Schwerin: Stadtverwaltung reagiert nach Starkregenfällen

Konsequenzen aus den Starkregen-Überschwemmungen in Schwerin wurden am Montag auf Einladung der CDU/FDP-Fraktion diskutiert. Verwaltung kündigt Handeln an.

Viele Interessierte kamen zur Veranstaltung der CDU/FDP-Fraktion ins Schweriner Rathaus | Foto: schwerin-lokal

Die CDU/FDP-Fraktion der Schweriner Stadtvertretung hatte am vergangenen Montagabend in den Demmlersaal des Historischen Rathauses eingeladen. In einer öffentlichen Diskussion sollte es um mögliche und notwendige Konsequenzen aus den Starkregenereignissen des diesjährigen Sommers gehen. Das Thema brennt offensichtlich unter den Nägeln, denn bereits kurz vor Beginn der Veranstaltung waren die über 70 Plätze komplett besetzt.

Großes Interesse bei Anwohnern

Zur Erinnerung: Zweimal waren in diesem Sommer bei Starkregen vor allem einzelne Straßenzüge und die angrenzenden Gebäude der Schweriner Innenstadt überschwemmt worden. Beide Male war der Bereich um den Pfaffenteich besonders stark betroffen gewesen. Dementsprechend viele unmittelbare Anlieger dieses Bereiches nahmen auch die Möglichkeit der Teilnahme an der Veranstaltung wahr.  Immobilienfachleute, Hauseigentümer, Investoren, Mieter, Gewerbetreibende – sie alle wollten wissen, ob und wie Kommunalpolitik aber vor allem auch Stadtverwaltung auf die Ereignisse der vergangenen Wochen reagieren würden.

Anspruchsvoll besetztes Podium

Auch von städtischer Seite war die Wichtigkeit des Themas schon anhand der anwesenden Personen zu erkennen. Neben dem stellvertretenden Oberbürgermeister und Baudezernenten Bernd Nottebaum nahm auch Stadtpräsident Sebastian Ehlers an der Veranstaltung teil. Zudem kamen SAE-Werkleiter Lutz Nieke und WAG-Geschäftsführer Hanno Nispel. Als Fach-Experten hatte die Fraktion Diplom-Hydrologen Dr. Dr. Dietmar Mehl eingeladen, der gemeinsam mit Kollegen bereits das Thema Hochwasser und Hochwasserschutz in Rostock detailliert untersucht und Lösungsvorschläge unterbreitet hatte.

CDU/FDP-Fraktionsvorsitzender Gert Rudolf moderierte | Foto: schwerin-lokal

Ganze Stadt und konkrete Bereiche betrachten

Schon zu Beginn und wiederholt auch im Verlauf der insgesamt 2-stündigen Diskussion machte CDU/FDP-Fraktionschef Gerd Rudolf deutlich, dass man dürfe bei aller unmittelbaren Betroffenheit nicht vergessen dürfe, dass auch in den anderen Stadtteilen solche Ereignisse nicht auszuschließen sind. Daher müsse man nun auch die gesamte Stadt im Blick behalten. Seine Fraktion hatte mit eben diesem gesamtstädtischen Blick auf der letzten Stadtvertretersitzung ein Integriertes Entwässerungskonzept gefordert.

Dr. Dr. Mehl stand als Experte Rede und Antwort | Foto: schwerin-lokal

Diese Notwendigkeit einer das gesamte Stadtgebiet detailliert einbeziehenden Betrachtung unterstricht auch Gastredner Dr. Mehl. Er schilderte seine Erfahrungen und Erkenntnisse aus Rostock, wo nach Extremwetterlagen in 2011 bereits konzeptionelle Betrachtungen und Lösungsansätze angegangen wurden. Ähnlich detaillierte Betrachtungen und Lösungsableitungen schlug er auch für Schwerin vor. Denn, darin waren sich alle Podiumsteilnehmer einig, zukünftig müsse man mit vermehrten Starkregenereignissen rechnen.

Betroffene wollen konkretes Handeln

So gut gedacht und fachlich untermalt diese Darstellungen des Fachmanns auch waren – die meisten Gäste wollten dann doch konkrete Aussagen. In verschiedenen Redebeiträgen kamen wiederholt Vorwürfe rückgebauter Überläufe, die früher Regenwasser in den Pfaffenteich ablaufen ließen, angeblich zu geringe Durchmesser der Abwasserleitungen, falsche Straßen- und Weggefälle und manch andere Kritik zum Ausdruck. Und es wurde auch echte Verzweiflung deutlich. Dabei wurde es dann teilweise auch sehr emotional, denn für manchen geht es um die bloße Existenz.

Bemerkenswert war, dass Verwaltung wie auch Eigenbetriebe konkret auf die Situation in offenen und ehrlichen Redebeiträgen eingingen. Zwar wurden die Korrektheit der Leitungsdurchmesser und der Systemkonstruktion an sich nochmals dargestellt. Auch unterstrich SAE-Werkleiter Lutz Nieke wieder, dass man intensiv die Renigung der Gullis und andere Erhaltungsmaßnahmen teilweise sogar häufiger als notwendig durchführe. Dennoch müsse man auch an diesen Stellen nochmals schauen, ob alles so wie erforderlich umgesetzt wird und nach zwei solchen Regenereignissen müsse man sicherlich auch insgesamt umdenken.

Bernd Nottebaum (Dezernent Stadtverwaltung Schwerin) schildert die Situation | Foto: schwerin-lokal

Verwaltung und Eigenbetriebe offen für neue Wege

Bernd Nottebaum erläuterte dann auch konkret, dass man mit der Bürgerinitiative Pfaffenteich bereits in sehr konstruktiven Gesprächen sei. Schon vor einiger Zeit hatte die Verwaltung aufgrund früherer Erfahrungen mit der Wasserproblematik am Pfaffenteich ein Ingenieurbüro mit der Betrachtung der konkreten Situation in der August-Bebel-Straße beauftragt. Diese Ergebnisse lägen nun kurzfristig vor und sollen mit den Vertretern der Initiative diskutiert werden. Aufgrund der wiederholten Frage nach schnellen Konsequenzen erklärte der Dezernent, man werde sicherlich nicht kurzfristig die Gehwege mit einem anderen Gefälle neu herrichten können. Größere Maßnahmen wie diese müssten städteplanerisch und auch finanziell längerfristig geplant werden.

Offen für neue Wege ist auch der Schweriner Dezernent Bernd Nottebaum | Foto: schwerin-lokal

Dennoch aber zeigte er die Offenheit der Verwaltung gegenüber kleineren Maßnahmen. Dabei war von größeren mit Gittern abgedeckten Abläufen in den Straßenverläufen um den Pfaffenteich die Rede. Denn die kleinen Gullis konnten die Wassermassen gar nicht aufnehmen. Auch zeigten sich Dezernent und Eigenbetriebsvertreter grundsätzlich offen für eine Wiederherstellung der Überläufe und eventuelle weitere Maßnahmen, die den Pfaffenteich als Auffangmöglichkeit nutzen könnten. Hier aber wies Bernd Nottebaum auf die Notwendigkeit hin, auch die Umweltbehörden und weitere anzuhörende Ämter mit einzubinden. Nur gemeinsam, dies unterstrich auch Dr. Mehl, könne man das Problem lösen. Bisher, dies war die klare Antwort auf entsprechende Nachfragen, habe ganz klar der Umwelt- und Wasserschutzaspekt im Vordergrund gestanden. Auch deshalb sind  die Überlaufmöglichkeiten in der Vergangenheit zurückgebaut worden. Man müsse nun darüber sprechen, ob der Schutz der Gebäude und der Menschen vor Hochwasser nicht doch ab sofort mit einer anderen Priorität als bisher anzusetzen ist.

In Bezug auf ein Entwässerungskonzept für ganz Schwerin kündigte der Dezernent an, dass schon bald ein Fördermittelantrag gestellt würde, der die Mittel für ein solches Konzept zeitnah akquirieren soll. Sollte dieser Weg scheitern, müsse man mit der Politik einen anderen Weg finden. Ein solches Konzept wäre aber unbedingt erforderlich, konnte man seinen Aussagen entnehmen.

Solche Bilder soll es am Pfaffenteich nicht wieder geben | Foto: schwerin-lokal

Fazit eines emotionalen Abends

Was also bleibt nach den Starkregen und nach dieser sehr konstruktiven Diskussion, die mit viel Applaus für alle Teilnehmer endete? Zuallererst die Erkenntnis, dass die Verwaltung unter Oberbürgermeister Rico Badenschier und Fachdezernent Bernd Nottebaum die Problematik erkannt hat und auch mit neuen Ansätzen im Interesse der Menschen handeln möchte. Das ist wichtig, denn nur wenn Politik und Verwaltungsspitze jetzt gemeinsam agieren, wird es zu den notwendigen Lösungen kommen.

Nicht nur für den Pfaffenteich, sondern für ganz Schwerin soll ein Konzept her | Foto: H. Stüber

Dort, wo nun mehrfach Gebäude und Menschen betroffen waren, wird jetzt zudem schnelles Handeln erforderlich sein. Auch wenn es vielleicht nicht gleich die großen Baumaßnahmen sein können. Aber auch diese müssen zeitnah diskutiert und angegangen werden. Dabei gilt es dann offenbar auch, zumindest einmal recht deutlich die Frage zu stellen, ob Regenwasser, das bei überdurchschnittlichen Regenmengen in den Pfaffenteich abläuft, diesen tatsächlich in seiner Qualität gefährdet. Oder eben, ob nicht doch der Schutz der Gebäude und Menschen einen noch höheren Stellenwert als bisher bekommen muss, da die Umfeldbedingungen sich erkennbar verändert haben. Zudem, und da kann man Gert Rudolf nur beipflichten, muss ein Konzept für die gesamte Stadt entwickelt werden, damit Schwerin langfristig auch auf diese veränderten Witterungsverhältnisse vorbereitet ist.

Redaktion

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