Schwerin: Theater spielt demnächst in „Alter Druckerei“

Schon länger kursierte das Gerücht, dass sich das Staatstheater - zumindest vorübergehend - nach einem Ausweichstandort für das E-Werk umsieht. Die beliebte Spielstätte am Pfaffenteich steht vor einer umfassenden Sanierung. Nun steht der neue Standort fest: Es werden die ehemaligen Druckereihallen in der Gutenbergstraße. Der neue Standort soll dabei aber nicht "nur" eine Fläche sein, auf die Bestehendes übertragen wird. Dem Ziel, näher an die Menschen heranzurücken und die Schwelle zum Theater niedriger zu gestalten entsprechend, sollen auch neue Theaterformen entstehen und gelebt werden. Theater wirklich für ganz Schwerin und die Region.

Die ehemaligen Druckereihallen am medienhaus:nord werden neuer Standort des Mecklenburgischen Staatstheaters in Schwerin. | Foto: Staatstheater

Das Mecklenburgische Staatstheater plant ab der Spielzeit 2022 / 2023 in Schwerin eine neue Spielstätte. Bislang erfreut sich das Publikum vor allem an Vorstellungen im Großen Haus am Alten Garten sowie im E-Werk auf der Nordseite des Pfaffenteich. Letzteres wird allerdings voraussichtlich ab Sommer 2022 umfassend saniert. Daher rückte der Bedarf einer neuen Bühne in den Blickpunkt. Stand zwischenzeitlich eine Art zeitlich begrenzter Neubau auf dem Berliner Platz im Raum, hat man sich nun für eine ganz andere spannende Spielstätte entschieden. 

 

Ehemalige Druckhallen werden neue Spielstätte

Dieser soll dabei auch viel mehr als eine „Ersatzspielstätte“ für das E-Werk sein. Denn in einem Modellprojekt, das für die Zeit von Herbst 2022 bis 2025 angelegt ist, geht es neben einem auf den Standort zugeschnittenen künstlerischen Profil auch um echte Stadtteil-Entwicklung. Die neue Spielstätte soll dabei Modellcharakter haben, wie man einen Theaterbetrieb zeitlich in die Gegenwart und räumlich hin zur Bevölkerung öffnet und dabei unterschiedliche städtische Milieus miteinander verbindet. Aber genug drum herum geredet: Neuer Standort sollen die ehemaligen Druckhallen der Schweriner Volkszeitung auf dem Großen Dreesch sein. Die bereits durch das Fashionevent LOOK seinerzeit als „Alte Druckerei“ bekannt gewordene Fläche darf sich also erneut auf eine Belebung freuen. Eine Belebung, die unter anderem das Ziel verfolgt, verschiedene Bevölkerungsgruppen in einem Kulturraum zu durchmischen und so einen wesentlichen Beitrag zur Überwindung gesellschaftlicher Trennlinien zu leisten. 

 

Ministerin zeigt sich begeistert

Die Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Mecklenburg-Vorpommern, Bettina Martin, zeigt sich vom Vorhaben des Staatstheaters erfreut: „Ich bin begeistert von dem neuen Ansatz, den das Mecklenburgische Staatstheater (MST) mit dem geplanten Modellprojekt verfolgt. Theater kommt zu den Menschen und führt sie zusammen. Die neue Intendanz setzt sich damit nicht nur das ehrgeizige Ziel, neue Zielgruppen für das Theater zu gewinnen. Vor allem geht es aber darum, auch neue Theaterformen auszuprobieren und Theater gemeinsam mit den Menschen vor Ort zu machen. Dieses Modellprojekt auf dem Großen Dreesch wird mit den ehemaligen Druckhallen nicht nur einen hochspannenden neuen Raum für Vorstellungen aller Sparten bieten, sondern auch neue Zugänge zu Kunst und Kultur schaffen. Wir dürfen gespannt sein“, so die Ministerin. 

 

„Theater verbindet: Es ermöglicht die Wahrnehmung, Sensibilität und Verständnis füreinander. Der Spielplan an unserem neuen Standort wird durch eine Mischung von klassischem Kanon und neuen, partizipatorischen Theaterformaten Menschen zusammenführen, die bisher kaum Berührungspunkte in der Stadt hatten. Das wird eine enorme, spannende künstlerische Herausforderung.“
Hans-Georg Wegner, Generalintendant Mecklenburgisches Staatstheater

 

Diesen Raum sollen, so sehen es die derzeitigen Planungen vor, über 100 Künstlerinnen und Künstler des Mecklenburgischen Staatstheaters schon in der Spielzeit 2022/23 auf ganz neue Weise erlebbar machen. Dabei soll sowohl Bewährtes beibehalten, wie Neues integriert werden. Ein Teil des künstlerischen Profils des jetzigen E-Werks wird somit mit in die neue Spielstätte übernommen. Das „Bewährte und Bekannte“ aus dem E-Werk wird also auch in der neuen Spielstätte gezeigt und erlebbar. Ein weiterer Aspekt der Theaterarbeit am neuen Standort ist aber zudem auch die (Weiter-)Entwicklung neuer Theaterformen.

Diese neuen Formen müssen in enger Zusammenarbeit mit den vor Ort schon tätigen Akteuren aber vor allem auch in engem Kontakt mit der im Stadtteil wohnenden Bevölkerung entwickelt werden. Eine Art der Theaterarbeit, die es bislang so in Schwerin (lange) nicht gab. Nicht von der Bühne herab, sondern eben gemeinsam – für die Menschen und mit den Menschen. „Uns alle eint, wieder an die Menschen, an unser Publikum heranrücken zu wollen“, hatte Generalintendant Hans-Georg Wegner im Gespräch mit unserem Redakteur Stephan Haring bereits im Juni gesagt. Der neue Spielort mit neuen Ansätzen dürfte hierfür eine optimale Bühne bieten. 

 

Oberbürgermeister überzeugt von Standortentscheidung

Die großen Chancen, die mit dem neuen Standort verbunden sind, unterstreicht auch Oberbürgermeister Dr. Rico Badenschier: „Was ich an unserem E-Werk als Spielstätte so schätze, wird auch in den alten Druckerhallen der Schweriner Volkszeitung möglich werden: kreatives, junges, experimentelles Theater mit alternativen Formaten und tollen Konzerten und das an einem ungewöhnlichen Ort. Ich wünsche mir ganz viele alte und neue Theaterfreundinnen und -freunde, Begegnungen und Austausch im Süden unserer Kulturstadt.“

 

 

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