Schwerin: Überraschender Antrag zur Paulshöhe aus den Reihen der UB-Fraktion

Nun kommt in die Diskussion um die Entwicklung des Sportplatzes Paulshöhe in Schwerin zusätzliche Brisanz. Denn mit Manfred Strauß und Heiko Schönsee stellten nun zwei Mitglieder der Fraktion der Unabhängigen Bürger einen eigenen Antrag. Es bleibt abzuwarten, wie sich dies auch auf das Fraktionsgefüge auswirkt.

Die Diskussion um die Paulshöhe in Schwerin geht weiter. | Foto: LHS / Christian Berghammer

Bereits gestern berichteten wir ausführlich über die in Fahrt gekommene kommunalpolitische Diskussion zum weiteren Umgang mit dem Sportplatz Paulshöhe in Schwerin. Vorgesehen war dort seinerzeit die Entwicklung eines Wohnparks. Nach einem Dialogforum blieb vom Wohnanteil nicht viel übrig. dafür sollte plötzlich eine durchaus im vergleich erstaunlich groß dimensionierte Waldorfschule entstehen. Und selbst auf dem Wohnanteil wollte die Schule die Finger haben. Gerade auch einige Insidern der Schule stellen sich vor diesem Hintergrund durchaus so einige Fragen. Vor allem aber ist nun, einige Monate nach dem Dialogforum, die Kommunalpolitik wieder erwacht. Und das mit ganzer Kraft.

 

Vielfältige Anträge zur Paulshöhe

Während die CDU/FDP-Fraktion sich klar zur Ursprungsidee, der Entwicklung eines Wohnstandortes bekennt, und eine entsprechende Wohnbebauung mit viel grün vorschlägt, würde die Fraktion DIE LINKE am liebsten die großen Träume der Waldorfschule an diesem Standort verwirklicht sehen – wenn auch wohl mit geringerem Wohnanteil. Das bisherige Gelände der Schule soll dahingegen die Stadt erwerben und dort, in bester Lage neben dem NDR-Landesfunkhaus, eine Wohnbebauung mit Sozialwohnungen und Mehrgenerationenhäusern ermöglichen. Die Einzelstadtvertreter Anita Gröger und Heiko Steinmüller hingegen sehen vor allem den Erhalt des historischen Sportplatzes als Teil ihrer Anträge. Steinmüller möchte diese Fläche an die SG Dynamo Schwerin verpachtet sehen. Gröger spricht bislang nur von einer Verpachtung. Die genaueren Überlegungen der beiden haben wir u.a. gestern bereits vorgestellt.

Von der Fraktion der Unabhängigen Bürger war bislang vor allem zu hören, man wolle das Ergebnis des Dialogforums wohl doch deutlicher berücksichtigen, als es die Stadtvertretung einstmals im Beschluss vorsah. Hier könnte es durchaus zu Spannungen zwischen den zuletzt häufig gemeinsam stimmenden Fraktionen von CDU/FDP, UB und Linkspartei kommen. Vor allem der CDU/FDP-Antrag weicht letztlich ja doch deutlich vom durch Waldorfschulbefürworter geprägten Dialogforum ab. Hier darf man auf die weiteren Entwicklungen und die baldige Diskussion und Entscheidung in der Stadtvertretung gespannt sein. 

 

Unerwarteter Antrag von Manfred Strauß (UB) und Heiko Schönsee (UB)

Manfred Strauß, stellv. UB-Fraktionsvorsitzender Schwerin

Während also sehr verschiedene Anträge, nicht zuletzt auch in durchaus gefestigt erscheinenden Abstimmungs-Gemeinschaften für Spannungen sorgen dürften, scheint an komplett unerwarteter Stelle echter Krisenzündstoff zu liegen. Denn aus den Reihen der Fraktion der Unabhängigen Bürger kommt nun ein eigener Antrag der beiden Fraktionsmitglieder Manfred Strauß und Heiko Schönsee. Der Umstand, dass sie als Stadtvertreter einen eigenen Antrag zur Paulshöhe stellen, zeigt bereits, dass sie in dieser Frage klar vom Kurs der Fraktion abweichen. Und dieser wird, das ist kein Geheimnis, in der Regel vom Fraktionsvorsitzenden Silvio Horn vorgegeben. Wiederholt hatte man aus den Reihen der Wählergemeinschaft Unabhängige Bürger Schwerin und auch aus der früheren Fraktion hören können, dass Horn einen dabei stets sehr strikten Kurs fährt, und sich „ungern“ von diesem abbringen lässt. 

Wer den Fraktionsvorsitzenden der Unabhängigen Bürger Schwerin auch nur ein wenig kennt, kann sich daher mit Sicherheit vorstellen, dass die letzte Fraktionssitzung am vergangenen Montag für ihn alles andere als blutdruckschonend verlief. Auch fiel bereits auf, dass Manfred Strauß am Dienstagabend nicht wie sonst für die Fraktion der Unabhängigen Bürger im Hauptausschuss war. Deutet sich hier eventuell mehr als nur ein thematischer Krach innerhalb der Fraktion an?

 

Strauß und Schönsee wollen Sportplatz erhalten und Platz für Schulneubau

Heiko Schönsee, Unabhängige Bürger

Was aber steht nun im Antrag von Strauß und Schönsee? Im Zentrum steht die Idee, den Beschluss zur Schließung des Sportplatzes Paulshöhe aufzuheben und ihn als Ligasportplatz in seiner jetzigen Form zu erhalten. Zudem allerdings soll die Waldorfschule auf dem Gelände ein Grundstück erhalten, um eine Schule zu errichten. „Die Waldorfschule profitiert ebenfalls vom Sportplatz. Die Kinder und Jugendlichen können den Sportplatz nutzen und haben dann mit der Sporthalle und den Sportplatz sehr gute Bedingungen“, heißt es im Antrag. Der Sportplatz als solche soll im Eigentum der Stadt verbleiben. Ob und inwieweit diese Überlegungen auch mit der Waldorfschule abgestimmt sind, lässt sich nicht mit abschließender Gewissheit sagen.

Allerdings dürfte dies eher nicht der Fall sein. Denn in Schwerin hat sich inzwischen herumgesprochen, dass eine Finanzierung allein für das sehr groß dimensionierte Schulgebäude für die Waldorfschule nicht machbar sein soll. Daher soll der Ansatz resultieren, dass die Schule selbst auch die im „Kompromiss-Ergebnis“ des Dialogforums benannten Wohnflächen übernimmt und (vor oder nach Gebäudeerrichtung) vermarktet. Über diese Erlöse soll dann die Finanzierung des Schulneubaus erfolgen. Kurzum: Geht es nach den Wünschen der Waldorfschule, übernimmt diese komplett die Paulshöhe. Hier muss man sich schon fragen, ob das tatsächlich im Interesse der Kommunalpolitik und der Stadt Schwerin ist.

Redaktion

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