Meinung/Kommentar:
Was kann Schwerin alles verscherbeln, um den Haushalt aufzubessern?
Schwerin hat keine Kohle. Und besser wird es erstmal auch nicht. Die Paulshöhe könnte einmalig rund 10 Millionen Euro einbringen. Oder jedes Jahr 300.000 Euro.

Schwerin hat keine Kohle. In diesem Jahr macht die Stadt 23 Millionen Euro minus, im nächsten Jahr sind es 44,9 Millionen Euro. In 2027 dann noch mal ein ganzes Stück mehr. Das teilte die Stadt in dieser Woche mit. Der Plan, die Schulden der Stadt abzubauen, ist damit wohl gelaufen. Extra Geld zum Schulden abbezahlen wird es vom Land auch nicht geben. Ist das jetzt ein langfristiges Problem oder nicht? Kommt drauf an, was draus gemacht wird!
Versuchen wir das mal zu vereinfachen: Stellen wir uns vor, Schwerin wäre irgendeine Person. Und die hat einen Lebenspartner. Der will ganz viele teure Sachen von Amazon haben und Schwerin muss das bezahlen. Dadurch hat Schwerin kein Geld mehr. Und was pro Monat reinkommt, reicht eigentlich auch nicht. Der Dispo ist immerhin noch nicht ganz ausgeschöpft. Damit Schwerin nicht verhungert oder obdachlos wird, könnte es auch Hilfe vom Staat geben. Wäre da nicht ein Problem: Schwerin hat ein Grundstück mit Einfamilienhaus geerbt. Das muss erst verkauft werden, bevor der Staat hilft.
Was könnte die Stadt Schwerin alles verkaufen?
Viele Flächen in Schwerin sind im Eigentum der Landeshauptstadt. Zum Beispiel die Straßen und Wege. Oder auch der Marktplatz. Den zu verkaufen ist schwierig und hätte großen Einfluss auf das öffentliche Leben. Schwerin hat aber auch noch andere Grundstücke. Und die könnten genutzt werden, um den Haushalt aufzubessern. Für einige der Flächen gibt es bereits Ideen, sie zu veräußern.
Paulshöhe: Das Gelände der Paulshöhe ist 35.610 Quadratmeter groß. Laut dem Bodenrichtwert ist es rund 280 Euro pro Quadratmeter wert. Mit der Paulshöhe könnte die Stadt also 9.970.800 Euro verdienen. Der Einfachheit halber runden wir hier mal auf 10 Millionen auf.
Küchengarten: Der Küchengarten ist 27.370 Quadratmeter groß. Auch hier liegt der Bodenrichtwert bei 280 Euro. Bei einem Verkauf könnte der Küchengarten rund 7.663.600 Euro bringen. Auch hier runden wir mal auf 8 Millionen auf. Die Stadt würde sicher gut verhandeln bei einem Verkauf.
KIW Vorwärts: Die Fläche um das KIW Vorwärts ist rund 58.500 Quadratmeter groß. Der Bodenrichtwert ist aber deutlich geringer als im Schlossgarten: Nur 80 Euro pro Quadratmeter. Aber auch nachvollziehbar, bei den Altlasten im Boden und den maroden Gebäuden. Bei diesem Wert könnte das KIW Gelände 4.680.000 Euro bringen. Auch hier runden wir wieder auf 5 Millionen auf.
Kleingärten: Laut der Verwaltung gibt es auf rund 266 Hektar Kleingärten. Einige davon in guter Lage, andere nicht. Nehmen wir einfach mal an, 10 Hektar eignen sich für eine Bebauung und liegen auch noch stadtnah oder dicht am Wasser. Bei einem Bodenrichtwert von 100 Euro pro Quadratmeter bringt das nochmal 10 Millionen Euro.
So, jetzt könnte Schwerin einige Brachflächen zu Geld machen und ein paar Kleingärten auch noch. Den ökologischen Vorteil, den Pflanzen gegenüber von Beton und Steinen haben, ignorieren wir mal. Dann hat Schwerin 33 Millionen Euro mehr und schafft es, 2026 mit einem Plus zu beenden. Dann kommt 2027. Und dann 2028. Da fehlen dann nochmal mehr als 100 Millionen. Und dann muss sich die Stadt fragen, wann es nichts mehr zum Verkaufen gibt, um die Löcher zu stopfen.
Hat sich da noch keiner drüber Gedanken gemacht?
Die Schweriner Stadtvertretung hat 2025 sogenannte “Grundstückspolitische Leitlinien” beschlossen. In dem langen Dokument geht es darum, wie Schwerin mit solchen Flächen, wie den oben genannten, umgehen will. Ein Satz in dem Dokument beschreibt das ganz gut: “Gegenüber dem Verkauf, der lediglich einmalige Einnahmen generiert, kann das Erbbaurecht und die Vermietung/Verpachtung die jährlichen fixen Einnahmen erhöhen.” Grob gesagt will die Stadtvertretung eigentlich lieber langfristige Einnahmen anstatt Grundstücke einfach zu verscherbeln um ein Haushaltsloch zu stopfen. Komplett verbindlich sind diese Leitlinien aber irgendwie auch nicht.
Und wie geht es weiter?
Erinnern wir uns nochmal an Schwerin als Mensch: Statt das Einfamilienhaus zu verkaufen, sucht sich Schwerin einen Nebenjob. So kann Schwerin damit einen Teil seiner Schulden zurückzahlen und seinem Lebenspartner vielleicht irgendwann noch mehr Zeug bei Amazon kaufen. Aber eben erst in der Zukunft. Auf die Zahlen von oben gerechnet, könnten die Flächen der Stadt Einnahmen von bis zu 1 Million pro Jahr generieren.
Das löst die Probleme jetzt zwar nicht alle sofort, sorgt aber für langfristige Einnahmen. Ansonsten werden kurzfristig Löcher gestopft und am Ende müssen doch neue Schulden gemacht werden. Dann hat man in der Zukunft neue Ausgaben durch Zinsen und Kreditraten. Oder ganz simpel: Um die nächsten Jahre zu schaffen, werden die letzten Flächen verscherbelt. Dann werden Schulden gemacht. Und dann müssen es die zukünftigen Generationen lösen. Für die meisten Stadtvertreter wäre das eigentlich gar kein Problem. Die sind dann schon so alt, dass die sich das Problem aus einem Pflegeheim anschauen. Oder bei der fünften Kreuzfahrt pro Jahr darüber lachen.
Oder es wird sich einfach an die Leitlinien gehalten, die mal beschlossen wurden. Könnte ja einen Sinn gehabt haben. Obwohl nun schon einige neue Ideen zu Verkäufen von Grundstücken bei kommunalen Unternehmen und der Stadt kursieren. Und in diesem Jahr wurden schon 100.696 Quadratmeter an städtischen Grundstücken verkauft. Das geht aus Antworten der Verwaltungsspitze hervor.
Quellen:
Antworten des Oberbürgermeisters zu den Sitzungen der Stadtvertretung in 2026
Geoportal der Landeshauptstadt zu Flächen und Bodenrichtwerten
Grundstückspolitische Leitlinien der Landeshauptstadt
Pressemitteilung der Landeshauptstadt zum Doppelhaushalt 2027/2028
Kleingartenentwicklungskonzept der Landeshauptstadt
Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise von Schwerin Lokal wiedergeben.
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