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Meinung/Kommentar:
Was kann Schwerin alles verscherbeln, um den Haushalt aufzubessern?

Schwerin hat keine Kohle. Und besser wird es erstmal auch nicht. Die Paulshöhe könnte einmalig rund 10 Millionen Euro einbringen. Oder jedes Jahr 300.000 Euro.

  • Veröffentlicht September 19, 2026
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Schwerin Lokal Reporter Chris Loose vorm Eingang zur Paulshöhe: "Den Schafen scheint es hier zu gefallen!" (Foto: Redaktion)
Schw­erin Lokal Reporter Chris Loose vorm Ein­gang zur Paulshöhe: „Den Schafen scheint es hier zu gefall­en!” (Foto: Redak­tion)

Schw­erin hat keine Kohle. In diesem Jahr macht die Stadt 23 Mil­lio­nen Euro minus, im näch­sten Jahr sind es 44,9 Mil­lio­nen Euro. In 2027 dann noch mal ein ganzes Stück mehr. Das teilte die Stadt in dieser Woche mit. Der Plan, die Schulden der Stadt abzubauen, ist damit wohl gelaufen. Extra Geld zum Schulden abbezahlen wird es vom Land auch nicht geben. Ist das jet­zt ein langfristiges Prob­lem oder nicht? Kommt drauf an, was draus gemacht wird!

Ver­suchen wir das mal zu vere­in­fachen: Stellen wir uns vor, Schw­erin wäre irgen­deine Per­son. Und die hat einen Lebenspart­ner. Der will ganz viele teure Sachen von Ama­zon haben und Schw­erin muss das bezahlen. Dadurch hat Schw­erin kein Geld mehr. Und was pro Monat reinkommt, reicht eigentlich auch nicht. Der Dis­po ist immer­hin noch nicht ganz aus­geschöpft. Damit Schw­erin nicht ver­hungert oder obdach­los wird, kön­nte es auch Hil­fe vom Staat geben. Wäre da nicht ein Prob­lem: Schw­erin hat ein Grund­stück mit Ein­fam­i­lien­haus geerbt. Das muss erst verkauft wer­den, bevor der Staat hil­ft.

Was könnte die Stadt Schwerin alles verkaufen?

Viele Flächen in Schw­erin sind im Eigen­tum der Lan­deshaupt­stadt. Zum Beispiel die Straßen und Wege. Oder auch der Mark­t­platz. Den zu verkaufen ist schwierig und hätte großen Ein­fluss auf das öffentliche Leben. Schw­erin hat aber auch noch andere Grund­stücke. Und die kön­nten genutzt wer­den, um den Haushalt aufzubessern. Für einige der Flächen gibt es bere­its Ideen, sie zu veräußern.

Paulshöhe: Das Gelände der Paulshöhe ist 35.610 Quadrat­meter groß. Laut dem Boden­richtwert ist es rund 280 Euro pro Quadrat­meter wert. Mit der Paulshöhe kön­nte die Stadt also 9.970.800 Euro ver­di­enen. Der Ein­fach­heit hal­ber run­den wir hier mal auf 10 Mil­lio­nen auf.

Küchen­garten: Der Küchen­garten ist 27.370 Quadrat­meter groß. Auch hier liegt der Boden­richtwert bei 280 Euro. Bei einem Verkauf kön­nte der Küchen­garten rund 7.663.600 Euro brin­gen. Auch hier run­den wir mal auf 8 Mil­lio­nen auf. Die Stadt würde sich­er gut ver­han­deln bei einem Verkauf.

KIW Vor­wärts: Die Fläche um das KIW Vor­wärts ist rund 58.500 Quadrat­meter groß. Der Boden­richtwert ist aber deut­lich geringer als im Schloss­garten: Nur 80 Euro pro Quadrat­meter. Aber auch nachvol­lziehbar, bei den Alt­las­ten im Boden und den mar­o­den Gebäu­den. Bei diesem Wert kön­nte das KIW Gelände 4.680.000 Euro brin­gen. Auch hier run­den wir wieder auf 5 Mil­lio­nen auf.

Kle­ingärten: Laut der Ver­wal­tung gibt es auf rund 266 Hek­tar Kle­ingärten. Einige davon in guter Lage, andere nicht. Nehmen wir ein­fach mal an, 10 Hek­tar eignen sich für eine Bebau­ung und liegen auch noch stadt­nah oder dicht am Wass­er. Bei einem Boden­richtwert von 100 Euro pro Quadrat­meter bringt das nochmal 10 Mil­lio­nen Euro.

So, jet­zt kön­nte Schw­erin einige Brach­flächen zu Geld machen und ein paar Kle­ingärten auch noch. Den ökol­o­gis­chen Vorteil, den Pflanzen gegenüber von Beton und Steinen haben, ignori­eren wir mal. Dann hat Schw­erin 33 Mil­lio­nen Euro mehr und schafft es, 2026 mit einem Plus zu been­den. Dann kommt 2027. Und dann 2028. Da fehlen dann nochmal mehr als 100 Mil­lio­nen. Und dann muss sich die Stadt fra­gen, wann es nichts mehr zum Verkaufen gibt, um die Löch­er zu stopfen.

Hat sich da noch keiner drüber Gedanken gemacht?

Die Schw­er­iner Stadtvertre­tung hat 2025 soge­nan­nte “Grund­stück­spoli­tis­che Leitlin­ien” beschlossen. In dem lan­gen Doku­ment geht es darum, wie Schw­erin mit solchen Flächen, wie den oben genan­nten, umge­hen will. Ein Satz in dem Doku­ment beschreibt das ganz gut: “Gegenüber dem Verkauf, der lediglich ein­ma­lige Ein­nah­men gener­iert, kann das Erb­bau­recht und die Vermietung/Verpachtung die jährlichen fix­en Ein­nah­men erhöhen.” Grob gesagt will die Stadtvertre­tung eigentlich lieber langfristige Ein­nah­men anstatt Grund­stücke ein­fach zu ver­scher­beln um ein Haushalt­sloch zu stopfen. Kom­plett verbindlich sind diese Leitlin­ien aber irgend­wie auch nicht.

Und wie geht es weiter?

Erin­nern wir uns nochmal an Schw­erin als Men­sch: Statt das Ein­fam­i­lien­haus zu verkaufen, sucht sich Schw­erin einen Neben­job. So kann Schw­erin damit einen Teil sein­er Schulden zurück­zahlen und seinem Lebenspart­ner vielle­icht irgend­wann noch mehr Zeug bei Ama­zon kaufen. Aber eben erst in der Zukun­ft. Auf die Zahlen von oben gerech­net, kön­nten die Flächen der Stadt Ein­nah­men von bis zu 1 Mil­lion pro Jahr gener­ieren.

Das löst die Prob­leme jet­zt zwar nicht alle sofort, sorgt aber für langfristige Ein­nah­men. Anson­sten wer­den kurzfristig Löch­er gestopft und am Ende müssen doch neue Schulden gemacht wer­den. Dann hat man in der Zukun­ft neue Aus­gaben durch Zin­sen und Kred­i­trat­en. Oder ganz sim­pel: Um die näch­sten Jahre zu schaf­fen, wer­den die let­zten Flächen ver­scher­belt. Dann wer­den Schulden gemacht. Und dann müssen es die zukün­fti­gen Gen­er­a­tio­nen lösen. Für die meis­ten Stadtvertreter wäre das eigentlich gar kein Prob­lem. Die sind dann schon so alt, dass die sich das Prob­lem aus einem Pflege­heim anschauen. Oder bei der fün­ften Kreuz­fahrt pro Jahr darüber lachen.

Oder es wird sich ein­fach an die Leitlin­ien gehal­ten, die mal beschlossen wur­den. Kön­nte ja einen Sinn gehabt haben. Obwohl nun schon einige neue Ideen zu Verkäufen von Grund­stück­en bei kom­mu­nalen Unternehmen und der Stadt kur­sieren. Und in diesem Jahr wur­den schon 100.696 Quadrat­meter an städtis­chen Grund­stück­en verkauft. Das geht aus Antworten der Ver­wal­tungsspitze her­vor.


Quellen:

Antworten des Ober­bürg­er­meis­ters zu den Sitzun­gen der Stadtvertre­tung in 2026

Geo­por­tal der Lan­deshaupt­stadt zu Flächen und Boden­richtwerten

Grund­stück­spoli­tis­che Leitlin­ien der Lan­deshaupt­stadt

Pressemit­teilung der Lan­deshaupt­stadt zum Dop­pel­haushalt 2027/2028

Klein­garte­nen­twick­lungskonzept der Lan­deshaupt­stadt


Dieser Beitrag stellt auss­chließlich die Mei­n­ung des Ver­fassers dar. Er muss nicht zwangsläu­fig die Sichtweise von Schw­erin Lokal wiedergeben.


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