Schwerin: Videoüberwachung auf Marienplatz bleibt vorerst bestehen

Am Marienplatz in Schwerin kommt seit Ende 2018 eine Videoüberwachung zum Einsatz. Das Ergebnis einer wissenschaftlichen Begleitung zeigt nun: Zu Recht. Auch Oberbürgermeister Rico Badenschier sieht das innerstädtische Sicherheitskonzept - eine Kombination aus Ordnungsdienst, Polizei und Kameraüberwachung - bestätigt.

Auch am Marienplatz in Schwerin kommen Videokameras zum Einsatz. | Foto: Andreas Lischka

Bis Dezember 2018 sorgte die Polizeiinspektion Schwerin mit einer Dauerpräsenz auf dem Schweriner Marienplatz für Sicherheit und Ordnung. Hintergrund war die Entwicklung des belebtesten Platzes der Landeshauptstadt zu einem echten Kriminalitätsschwerpunkt. Die Hintergründe blieben bis zuletzt eher unklar. Sprachen einige „nur“ von kleineren Gangreibereien oder einer „situationsbedingten Entwicklung“, sprachen andere hinter vorgehaltener Hand von Verteilungskämpfen mit Drogenhintergrund. Was es nun wirklich war, oder ob es sich um eine Mischung mehrerer Faktoren handelte, blieb letztlich ungewiss.

 

Vom Beschluss bis zu funktionierenden Kameras vergingen fast zwei Jahre

Was allerdings folgte war eine lange kommunalpolitische Diskussion, ob man – wie in zahlreichen anderen Städten weltweit und auch deutschlandweit längst üblich und Gang und Gäbe – eine Videoüberwachung für den Marienplatz möchte. Eine zusätzliche Maßnahme also, um mindestens das subjektive, mit ziemlicher Sicherheit aber auch das objektive Sicherheitsgefühl der Menschen auf dem Platz zu erhöhen. Selbst nach dem Anfang 2017 letztlich mit Mehrheit gefassten Beschluss der Stadtvertretung Schwerin für den Einsatz von Kameras sahen sich aber diejenigen getäuscht, die nun eine schnelle Umsetzung erwarteten.

 

Zwischenzeitlich mussten Kameras sogar wieder abgebaut werden

Es folgte eine Posse, wie sie wohl nur die Schildbürger noch besser hätten schreiben können. Neben einer Dauerfehde zwischen Landesdatenschützer und Innenminister, die in besten Zeiten manch einem schon eher an einen Streit zwischen Kindern in der Sandkiste erinnerte, gab es auch noch Ausschreibungsprobleme. Auch hier gab es so manche Fragen in Richtung der involvierten Polizeiinspektion Rostock. Das „Spiel“ ging soweit, dass bereits installierte Technik im Frühsommer 2018 vor Inbetriebnahme wieder demontiert werden musste. Erste Ende 2018, also fast zwei Jahre nach dem schwer zustande gekommenen Beschluss der Stadtvertretung Schwerin ging die Überwachung als Modellprojekt in Betrieb. 

 

FH Güstrow begleitete Einsatz wissenschaftlich

Nach einer Testphase sind die Kameras nun seit mehr als zwei Jahren im Einsatz. Auf Beschluss der Stadtvertretung erfolgte eine wissenschaftliche Begleitung des Einsatzes. Die Fachhochschule Güstrow wurde um Unterstützung gebeten, die Stadtverwaltung führte Umfragen auf dem Marienplatz durch. Im Mittelpunkt des Interesses standen dabei sowohl die Auswirkungen auf die objektive Sicherheitslage als auch das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger auf dem Platz. Der Bericht auf Basis von vier Bachelorarbeiten an der FH Güstrow wurde gestern den Mitgliedern des Hauptausschusses vorgestellt.

 

Ergebnisse sprechen für die Kameras

„Die Ergebnisse bestätigen, dass es sinnvoll und nachvollziehbar ist, die Bildüberwachung auf dem Marienplatz zu betreiben. Daher erfolgte im vergangenen Jahr die Verlängerung bis 2022“, sagt der Leiter der Polizeiinspektion Schwerin Nils Rosada. „Dafür spricht in erster Linie das Kriminalitätsgeschehen auf dem Marienplatz. Im ersten Jahr der Videoüberwachung ist sowohl die Zahl der Straftaten als auch die Aufklärungsquote (im Vergleich zu 2018) gestiegen. Und zwar in 10 von 14 Deliktsgruppen. Diese Häufung rechtfertigt die Verlängerung der Maßnahme zur Kriminalitätsbekämpfung“, interpretiert Peter Balschmiter von der Fachhochschule Güstrow, eine wichtige Aussage der Bachelorarbeiten.  

 

Technik kam in 248 Sachverhalten zum Einsatz

In 248 polizeilich relevanten Sachverhalten kam die Technik inzwischen bei der Aufklärungsarbeit zum Einsatz, berichtet der Leiter der Polizeiinspektion Schwerin. Live-Beobachtungen bilden dabei eher die Ausnahme. Die Aufzeichnungen stellen überwiegend als Beweismittel in den Ermittlungen das. „Die Bildüberwachung ist gut geeignet, um Hinweise oder Anzeigen, die die Polizei erhält, zu bestätigen oder auch zu entkräften“, erklärt Nils Rosada. Bei knapp zwei Drittel der Meldungen bestätigte sich der gemeldete Sachverhalt nach Überprüfung der Aufzeichnungen. Das geht mit einer gestiegenen Anzeigebereitschaft einher, da sich die Geschädigten durch das Bildmaterial der Kameras eine bessere Aufklärung erhoffen und ihre eigenen Aussagen mithilfe technischer Unterstützung bekräftigen können.

Damit trägt die Videoüberwachung zu einer Verschiebung von Straftaten vom Dunkelfeld ins Hellfeld bei. Auch Falschmeldungen konnte die Polizei schnell erkennen. In 12 Fällen machte die Polizei unter Zuhilfenahme der übertragenen Videobilder hilflose oder vermisste Personen ausfindig.

 

Oberbürgermeister sieht Sicherheitskonzept bestätigt

Für Oberbürgermeister Rico Badenschier bestätigt die wissenschaftliche Begleitung das gemeinsame Einsatzkonzept von Polizei und Kommunalem Ordnungsdienst. „Eine permanente Präsenz der Polizei, wie vor Einführung der Bildüberwachung, ist auf Dauer nicht umsetzbar. Die Schwerinerinnen und Schweriner fühlen sich durch die Videoüberwachung des Platzes dennoch sicher. In Kombination mit gemeinsamen Streifen von KOD und Polizei funktioniert das Sicherheitskonzept für die Innenstadt gut“, lautet das Resümee des Oberbürgermeisters.

Stephan Haring

Stephan Haring ist freier Mitarbeiter unserer digitalen Tageszeitung. Er hat ein Bachelor-Studium der Kommunikationswissenschaften an der Universität Erfurt mit den Nebenfächern Sozialwissenschaften & Politik absolviert. Im Nachhinein arbeitete er in leitenden Funktionen der Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, im Leitungsbereich eines Unternehmens sowie als Rektor einer privat geführten Hochschule. Zudem entwickelte, organisierte und realisierte er mit der durch ihn entwickelten LOOK ein Fashionevent in Schwerin. Heute arbeitet er freiberuflich als Texter, Pressesprecher, Textkorrektor und Ghostwriter sowie als Berater in verschiedenen Projekten. Im größten Schweriner Ortsbeirat ist er als Vorsitzender kommunalpolitisch aktiv.

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