Schwerin: Weiter offene Fragen um iPad-Kauf

Eine zentrale Frage bleibt in der Tablet-Diskussion in Schwerin: Warum mussten es die doch in der Regel preisintensiveren iPads sein? Hätte man für das gleiche Geld nicht mehr Geräte eines anderen Anbieters für mehr Schüler kaufen können? Die Antwort darauf bleibt die Verwaltung im Detail schuldig. Auf konkrete Fragen folgt Intransparenz. Das lässt neue Fragen entstehen.

Schwerin hat iPads für die Schulen der Stadt gekauft. Warum es keine anderen Produkte wurden, verrät die Stadt allerdings nicht. | Foto: privat

Bereits gestern berichteten wir von der Diskussion um den Kauf „digitaler Endgeräte“ für Schülerinnen und Schüler aus Schwerin. Speziell die Fraktion DIE LINKE und Stadtvertreter Karsten Jagau (ASK) hatten sich mit verschiedenen Fragen zu dieser Thematik an den Oberbürgermeister gewandt. Denn es stellen sich aus der ersten Anwendung heraus sowie auch zur Produktentscheidung einige Fragen.  

 

Geld stand wirklich nur für die Endgeräte zur Verfügung

Schnell ist klar: Das Geld, das der Stadt zur Verfügung gestellt wurde, darf tatsächlich nur für die Endgeräte und unmittelbar damit verknüpfte Zusätze (Software, Hüllen) genutzt werden. Nicht steht es, so bestätigte es auch das Bildungsministerium, für sogenannte Peripheriegeräte (Drucker o.ä.) zur Verfügung. Das ist, keine Frage, suboptimal. Denn die aktuelle Realität zeigt, wie dringend Drucker benötigt werden. In vielen Fällen müssen die Schülerinnen und Schüler die Arbeitsmaterialien nämlich erst einmal ausdrucken, um sie auszufüllen. Denn direkt digital zu bearbeiten sind nur wenige.

Auch stellten sowohl DIE LINKE also auch die ASK die Frage nach den Kosten für Internetanschlüsse. Dabei ging es nicht ansatzweise, wie man es zuweilen aus dem Stadthaus hört, um eine Forderung, dass die Stadt allen Familien mit schulpflichtigen Kindern einen Internetanschluss bezahlen soll. Vielmehr drehten sich die Überlegungen um diejenigen Familien, die einen solchen nicht bezahlen können. Auch hierfür aber darf die Stadt zumindest das Geld aus dem DigitalPakt nicht nutzen, bestätigte das Ministerium. Nachdem Oberbürgermeister Rico Badenschier erst kürzlich trotz Corona-Pandemie einen Haushaltsüberschuss 2020 von 8 Millionen Euro verkündete, blickt die ASK auf genau diese Mittel. Ein kleiner Teil davon würde schon ausreichen, um wirklich allen Schülerinnen und Schülern Distanzunterricht zu ermöglichen. 

 

Rund um die Produktentscheidung wird es intransparent

Geht es also um Ausgaben über die digitalen Endgeräte hinaus, waren der Stadt Schwerin zumindest aus den konkreten Mitteln des DigitalPakts keine weiteren Investitionen möglich. Inwieweit man zugunsten der Schülerinnen und Schüler auf Haushaltsmittel hätte zugreifen können, bleibt hier unbetrachtet. Bei der Frage einer vorherigen Einbindung der Schulen gehen die Darstellungen von Bildungsministerium und Oberbürgermeister doch erkennbar auseinander. Hier hätten die Schulen offenbar doch im Vorfeld besser in die Produktentscheidungen eingebunden werden müssen. Auch dies stellten wir gestern bereits dar. 

 

Keine Einbindung der Schulen und keine konkreten Antworten auf Fragen

Eben diese Produktentscheidungen haben allerdings noch weitere Facetten. Und zwar offenbar noch undurchsichtigere, als manch andere Frage innerhalb der Thematik. Es dürfte der Umstand sein, dass die Stadt sich mit iPads von Apple für die bekanntermaßen eher im oberen Preisbereich gelegenen Geräte entschied. Denn sowohl DIE LINKE als auch die ASK wollten wissen, weshalb eben diese Entscheidung fiel. Die Antwort lautete in beiden Fällen wortgleich. „Aufgrund der sehr guten Rabatte im Bildungsbereich von Apple, stehen die Geräte preislich denen anderer großer Hersteller in nichts nach. Natürlich wurden bei der Auswahl mehrere Anbieter verglichen. Bei der Auswahl der Endgeräte flossen folgende Kriterien maßgeblich in die Entscheidung ein: Performance, Funktionalität, Preis/Leistung, Angebot von Bildungs-Apps, Systemkompatibilität, Datensicherheit, Alltagstauglichkeit.“

 

Badenschier spricht von Produktvergleich – Eben diesen legt aber niemand offen

Liest man dies, würde man annehmen, die Stadt hätte eine Art Punkttabelle vorliegen. Eine Tabelle, in der eben diese sieben Kriterien je Produkt (also beispielsweise iPad, verschiedene Android-Anbieter, Chromebook etc.) bewertet wurden. Denn nur in einem solchen Vergleich ließe sich letztlich eine realistische Entscheidung treffen. Aber schon der Hinweis auf „sehr gute Rabatte im Bildungsbereich“ bezogen auf die Apple-Produkte lässt aufhorchen. Nun mag dies bei derart großen Bestellmengen natürlich noch etwas besser sein. Normalerweise aber sind Apple-Rabatte grundsätzlich deutlich geringer als die anderer Hersteller. Auch im Bildungssektor. Vor allem aber wäre es interessant zu erfahren, mit welchen Rabatten die anderen Varianten verbunden wären. All dies aber sind Spekulationen. Denn mehr als die hier zitierte Aussage hinsichtlich der Entscheidungskriterien ist der Antwort des Oberbürgermeisters  nicht zu entnehmen. 

 

Nur Lobgesang auf iPads, aber keine Hintergründe

Auch unsere Redaktion fragte daraufhin konkret bei der Stadt nach eben einer solchen Übersicht der verglichenen Produkte. Was wir bekamen, war die folgende Erklärung zugunsten der iPads: „Die Geräte zeichnen sich durch das beste Preis-Leistungs-Verhältnis in Bezug auf Anschaffung, Lebenszeit, Supportdauer, sowie Datenschutz- und Informationssicherheit aus. Darüber hinaus ermöglichen die integrierten, kostenfreien Möglichkeiten ein hohes Maß an pädagogischer Einsatzfähigkeit. Die Administration gestaltet sich im Vergleich zu anderen Herstellern deutlich einfacher, wodurch ein überschaubarer laufender Betreuungsaufwand veranschlagt werden kann.“ Viele Darstellungen aber ohne konkrete Erläuterungen oder Belege. Und nach eben diesen, also einer Übersicht der verglichenen möglichen Produkte und deren Abschneiden im Vergleich, hatten wir und in gewisser Weise auch DIE LINKE und die ASK gefragt. Angaben zum Kaufpreis der iPads lehnte die Stadt komplett ab. Etwas erstaunlich, wenn dieser doch so besonders attraktiv war. Das gesamte Kapitel der Entscheidung zugunsten der Apple-Produkte bleibt damit vorerst intransparent und mit Fragen verbunden.

 

Was bleibt sind ein fader Beigeschmack und erkennbare Intransparenz

Nun kann man natürlich sagen: Lasst es doch sein. Hauptsache die Geräte kommen. Ein durchaus nachvollziehbarer Ansatz. Allerdings ist die Frage nach dem richtigen Umgang mit Steuergeld auch nicht unberechtigt. Und interessant dürfte auch sein, dahingehend eine Rolle, ob nicht „mehr drin gewesen“ wäre. So hätte die Stadt beispielsweise bei einem mindestens ähnlich guten aber günstigeren Alternativprodukt deutlich mehr als die 1.550 Geräte kaufen und somit mehr Schülerinnen und Schüler sowie auch Lehrkräfte ausstatten können. Und auch an sich dürfte man sich von einer Verwaltung, wenn sie fast 800.000 Euro ausgibt wohl schon eine ausreichende Transparenz erhoffen. Denn so bleibt doch ein fader Beigeschmack und der Eindruck, dass vielleicht noch mehr nicht ganz so war, wie man es glauben machen will. 

 

 

Stephan Haring

Stephan Haring ist freier Mitarbeiter unserer digitalen Tageszeitung. Er hat ein Bachelor-Studium der Kommunikationswissenschaften an der Universität Erfurt mit den Nebenfächern Sozialwissenschaften & Politik absolviert. Im Nachhinein arbeitete er in leitenden Funktionen der Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, im Leitungsbereich eines Unternehmens sowie als Rektor einer privat geführten Hochschule. Zudem entwickelte, organisierte und realisierte er mit der durch ihn entwickelten LOOK ein Fashionevent in Schwerin. Heute arbeitet er freiberuflich als Texter, Pressesprecher, Textkorrektor und Ghostwriter sowie als Berater in verschiedenen Projekten. Im größten Schweriner Ortsbeirat ist er als Vorsitzender kommunalpolitisch aktiv.

Hinterlasse einen Kommentar

Your email address will not be published.