Schwerin: Wenn der Mausarm am Küchentisch zu tauben Fingern führt

Zahlreiche Menschen, die Tag für Tag an Schreibtischen sitzen, kennen das Problem, plötzlich leicht taub werdender Finger. Gerade unter Home-Office-Bedingungen dürfte sich die Zahl noch deutlich erhöht haben. Eng damit verbunden, ist der berüchtigte "Musikantenknochen". Dr. Jacek Kotas, Chefarzt der Klinik für Handchirurgie an den Helios Kliniken Schwerin, klärt am heutigen "Tag der Hand" über das Kubitaltunnelsyndrom, wie die Situation in der Fachsprache heißt, auf.

Die HELIOS Kliniken Schwerin. Hier bündelt sich eine breite Vielfalt modernster medizinischer Fachkenntnis. | Foto: Helios

Es sind sicherlich nicht wenige Menschen auch in Schwerin, die das Gefühl kennen: Sie sitzen bei der Arbeit am Computer, und plötzlich kommt es zu merkwürdigen Taubheitsgefühlen an einem Finger. Sind Arbeitsplätze optimal eingerichtet – was leider viel zu selten der Fall ist – und nimmt man sich nötige Pausen, kann eine solche Situation auch komplett unbekannt sein. Nicht wenige aber dürften in den vergangenen Wochen und Monaten beim Homeoffice am Küchentisch diese Erfahrung gemacht haben. Da trifft es sich gut, dass wir mit den Helios Kliniken Schwerin ein Klinikum in der Landeshauptstadt haben, in dem eine Vielzahl erfahrener und engagierter Fachpraktiker in den verschiedensten Funktionen – von Assistenzarzt bis Chefarzt – tätig sind, die bei verschiedenen „Alltags-“ aber auch Spezialproblemen aufgrund ihrer Erfahrung hilfreiche Informationen geben können.

 

Das Kubitaltunnelsyndrom – oder, wenn der Musikantenknochen für Probleme sorgt

Im beschrieben Fall mit taub werdenden Fingern während der PC-Arbeit weiß Dr. Jacek Kotas, Chefarzt der Klinik für Handchirurgie, wie es dazu kommt, und was dahinter steckt. Nämlich das Kubitaltunnelsyndrom. Aus Anlass des Tags der Hand, der am heutigen 1. März stattfindet, weist er auf Symptome und Präventionsmöglichkeiten hin. 

 

Dr. Jacek Kotas, Chefarzt der Helios Kliniken Schwerin, informiert über ein arbeitsbedingtes Problem

Dr. Jacek Kotas, Chefarzt der Klinik für Handchirurgie an den Helios Kliniken Schwerin | Foto: Helios

Im Kubitaltunnel, einer Knochenrinne an der Unterseite des Ellenbogens, läuft der sogenannte Nervus ulnaris entlang. „Den Namen kennt fast niemand“, so Dr. Kotas. „Seinen umgangssprachlichen Namen, Musikantenknochen, hat dagegen wohl jeder schon mal gehört. Und auch gespürt.“ Der Nerv ist unter anderem wichtig für das Spreizen und Schließen der Hand. Doch durch monotone, mechanische Bewegungen kann es zu Problemen kommen. „Das beobachten wir häufig bei Menschen, die viel am Computer arbeiten“, so Dr. Kotas. Der Nerv, der an dieser Stelle fast ungeschützt liegt, ist dann gereizt und entzündet sich. Der sogenannte Mausarm quält dann die Betroffenen. Sie haben ein Taubheitsgefühl im kleinen Finger und im Ringfinger, dass sich im späteren Verlauf zu einer stark verkrampften „Krallenhand“ entwickeln kann. 

 

Gegen Taube Finger und stark verkrampfte „Krallenhand“ Handgelenk entlasten und richtige Sitzposition

Um die Hand zu entlasten, schlägt Chefarzt Dr. Kotas vor, öfter eine Pause einzulegen. Oder auch die Tätigkeit mit der Hand zu verändern.  Während der Arbeit am Computer ist es zudem ratsam, auf die Position von Maus und Tastatur zu achten. „Das Handgelenk sollte gerade sein, so dass Hand und Unterarm eine Linie bilden“, erklärt der Handchirurg. Dafür seien entsprechende Unterlagen geeignet, welche die Gelenke mit Polsterkissen unterstützen.

Gerade die aktuelle, coronabedingte, Situation kann das Kubitaltunnelsyndrom fördern. Denn zurzeit arbeiten viele Menschen von zuhause aus, in nicht optimalen Umgebungen. „Wer sich notbeholfen mit dem Laptop an den Küchentisch setzt, hat meistens nicht die optimale Sitzhöhe zum Arbeiten.“ Die Handgelenke knicken ab, die Schultern werden hochgedrückt. Da die Nerven der Hand bis in den Nacken verlaufen, hat auch diese Anspannung schlussendlich Auswirkungen. Teilweise liegen die Unterarme auf den Kanten der zu kurzen Arbeitsflächen auf. „Hier kann eine Veränderung der Sitzhöhe helfen. Am besten ein Kissen auf den Stuhl legen, bis die Arme beim Sitzen einen 90-Grad-Winkel haben.“

 

Konservative Behandlungen aber auch Operation können Situation lindern und beheben

Sollte es dennoch zu Schmerzen kommen, ist es in einem guten Drittel der Fälle möglich, das Kubitaltunnelsyndrom konservativ zu behandeln. Dazu wird die Hand mittels einer Schiene ruhiggestellt. Physiotherapeutische Übungen können dabei helfen, die Reizung zu entspannen. Starke Entzündungen behandelt man dann mit Kortison. „Sind die konservativen Methoden nicht mehr hilfreich, können wir offen oder minimalinvasiv operieren“, erläutert Dr. Kotas. In 90 Prozent der Fälle führt die Operation wieder zu Beschwerdefreiheit.

 

Redaktion

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