Schwerin: Wie geht es weiter mit dem Fernsehturm?

Der Schweriner Fernsehturm soll für eine Woche Museum werden. Aber was soll grundsätzlich mit dem Turm, den der OB zur "Chefsache" erklärte, geschehen?

Wie geht es weiter mit dem Fernsehturm in Schwerin? | Foto: schwerin-lokal.de

Wie wir am Donnerstag bereits berichteten, wird der Schweriner Fernsehturm vom 13. Oktober bis zum 20. Oktober Ort eines zeitlich befristeten Museums. Ein interessantes Projekt, das vor allem auf Ausstellungsstücke baut, die die Bewohner des einst durch die DDR aus dem Boden gestampften Stadtteils mitbringen sollen. Erinnerungen aus den Anfängen bis hin zur jüngeren Geschichte sind dabei gefragt. Die Ausstellung der Exponate und Präsentationen und Vorträge sind im Foyer vorgesehen. Im 12. Obergeschoss ist eine Fotoausstellung geplant und im Restaurant werden Video-, Ton- und Fotostudios temporär eingerichtet.

Apropos „Restaurant“. Da war doch noch etwas. Ende 2017 schloss eben dieses Restaurant und damit der Turm für die Öffentlichkeit. Zuletzt war deutlich geworden, dass die momentanen Betriebskosten einen wirtschaftlichen Betrieb auch nicht mehr möglich machen. So schön und lobenswert diese etwa einwöchige Aktion des Künstlers Michael Kockot in Zusammenarbeit mit den Projekt-Partnern zweifelsfrei ist, so kann sie doch nicht darüber hinweg täuschen, dass der Turm schon ab dem 21. Oktober also wieder in den Dornröschenschlaf zurückfallen wird.

Derzeit wenig positive Entwicklung in Sicht

Einen Schlaf, der scheinbar auch noch eine längere Zeit andauern wird. Denn auf Nachfrage unserer Redaktion zeigte sich der Betreiber, die Deutsche Funkturm GmbH, zwar offen für Entwicklungen. Aber konkret scheint es keine realistisch positiven Signale in Richtung einer baldigen Neueröffnung des Turms für die Öffentlichkeit zu geben. Während die Verwaltung mitteilte, seitens der Deutschen Funkturm GmbH würden aktuell Gespräche mit potentiellen Gastronomie-Betreibern geführt, spricht eben diese Eigentümergesellschaft eher vage von grundsätzlich immer wieder mal stattgefundenen Kontakten. Von konkreten Gesprächen zumindest ist dort nicht die Rede.

„Seit dem Auszug des letzten Gastronomiepächters haben wir Gespräche mit verschiedenen Interessenten für einen Betrieb der öffentlichen Bereiche des Fernsehturms geführt. Aus diesen Gesprächen ist aus unterschiedlichen Gründen bis jetzt noch kein konkretes Angebot resultiert. Wir würden uns freuen, wenn wir einen Partner für eine öffentliche Nutzung finden würden. Als Experten für den Funkbetrieb können wir das nicht in Eigenregie übernehmen und sind daher offen für Interessenten mit guten Konzepten.“ (Deutsche Funkturm GmbH)

OB Badenschier hatte Turm zur „Chefsache“ gemacht

Noch im Juni dieses Jahres hatte die Schweriner Volkszeitung in einer großen Überschrift verkündet, Oberbürgermeister „Badenschier macht Fernsehturm zur Chefsache“. Von einem „Weckruf für Schwerins schlafenden Riesen“ und die Akquirierung von Fördergeldern zur Sanierung mit dem Ziel der Senkung von Betriebskosten war die Rede. Ein Mut machender Artikel, der nach klarem Willen und eindeutigem Handeln klang. Leider aber scheint die Realität eine andere zu sein, denn auf Anfrage unserer Redaktion teilte die Pressestelle der Stadt mit:

„Der Oberbürgermeister kümmert sich seit der Schließung des Restaurants im Jahre 2017 um die Wiedereröffnung des Fernsehturms. Somit ist die Wiedereröffnung von Beginn an „Chefsache“ gewesen. Die […] zitierte öffentliche Erklärung hat es seitens des Oberbürgermeisters nicht gegeben.“ (Stadtverwaltung Schwerin)

Das heißt also, dass der Turm schon seit Ende 2017 Chefsache ist. Eine ehrliche Antwort der Stadt. Denn wäre er es erst seit Juni, hätte wohl niemand schon große Fortschritte erwartet. Aber bei inzwischen fast zwei Jahren „Chefsache“ darf man doch einmal nachfragen, weshalb sich nichts tut, bzw. was bislang unternommen wurde. Aus der Stadtverwaltung heißt es dazu, dass der Oberbürgermeister in diesem Zusammenhang „im regelmäßigen Kontakt mit der Deutschen Funkturm GmbH“ stehe.

„Es wurden mehrere Gespräche mit der Deutschen Funkturm GmbH, zuletzt am 13. August 2019, geführt. Es werden gemeinsam alle Optionen mit oder ohne Verbindung einer gastronomischen Nutzung geprüft, die Aussichtsplattform wieder für Besucherinnen und Besucher dauerhaft zugänglich zu machen. Insbesondere werden Maßnahmen zur Senkung der Betriebskosten geprüft.“ (Stadtverwaltung Schwerin)

Reichen konstruktive Gespräche?

Auch die Deutsche Funkturm GmbH spricht von einem „regelmäßigen und konstruktiven Austausch mit der Stadtverwaltung“. Allerdings, dies bestätigten sowohl die Eigentümerseite als auch die Stadt, sei man bisher noch zu keinen konkreteren Ergebnissen gekommen. Während es im Juni noch nach konkreten Ideen des Oberbürgermeisters hinsichtlich der Akquirierung von Fördermitteln klang, so wird es inzwischen wieder eher wage, denn weder ob noch welche Förderprogramme in Anspruch genommen werden können und sollen, ist bisher geklärt.

„Wir untersuchen verschiedene bauliche Möglichkeiten, um zukünftige Betriebskosten in Abhängigkeit der Nutzung zu senken. Aktuell sind keine baulichen Veränderungen geplant oder beauftragt.“ (Deutsche Funkturm GmbH)

Nach knapp zwei Jahren „Chefsache“ bleibt also zusammenzufassen, dass es regelmäßig Kontakte zwischen der Eigentümerseite und der Stadt gab, dass beide Seiten an einer öffentlichen Nutzung des Turms interessiert sind, dass die Betriebskosten gesenkt werden müssen, aber keine entsprechenden Maßnahmen derzeit geplant sind, und dass es hin und wieder Gespräche der Deutschen Funkturm GmbH mit eventuellen Interessenten gab. Da haben sich sicherlich manch Schwerinerin und manch Schweriner mehr Ideenreichtum und Engagement von der Stadt und deren Chef erhofft. Natürlich ist es wichtig, mit der Eigentümergesellschaft zu sprechen. Aber dafür muss ein Projekt nicht unbedingt zur „Chefsache“ erklärt werden. Es wird also erst einmal dabei bleiben, dass der Turm nach einer Woche Museum im Oktober wieder ohne erkennbare Veränderungen auf unbestimmte Zeit in seinen Dornröschenschlaf zurückfallen wird.

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