Schweriner gedenken dem 80. Jahrestag der Reichspogromnacht

Gestern Abend erinnerten Schwerinerinnen und Schweriner zusammen mit der jüdischen Gemeinde an die Reichsprogromnacht vor 80 Jahren. Dabei stand immer wieder die Frage im Raum: Was wird aus der Erinnerung?

Schwerinerinnen und Schweriner gedenken an das leidvolle Ereignis der Pogromnacht Foto: Stephan Haring

 

Der 9. November ist in der deutschen Geschichte ein Datum, das fast symbolisch für unser Land steht. Freude und gleichzeitig auch Leid – am 9. November durchlebte unser Land alles.

Gestern Abend gedachten Schwerinerinnen und Schweriner einem leidvollen Ereignis. Es ist genau 80 Jahre her: Am 9. November 1938 schlug die systematische Diskriminierung und Verfolgung der der jüdischen Bevölkerung in blanken Terror um. In der Pogromnacht brannten überall in Deutschland und Österreich die Synagogen. Jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden verwüstet und geplündert – auch in Schwerin. Da wo heute die Synagoge steht, stand sie auch vor der sogenannten Reichspogromnacht. Seit der Einweihung 1819 feierten die Schweriner Juden in dem Fachwerkbau ihre Gottesdienste, 1938 dann verwüsteten Nazis die Synagoge, wenige Tage später musste die Gemeinde selbst das Haus abreißen. Jüdisches Leben wurde in der Stadt damit ausgelöscht.

Erst nach der Wende 1989 konnte sich jüdischen Leben wieder fest in das Stadtleben von Schwerin integrieren. Das ist vor allem mit dem Namen des langjährigen Landesrabbiners William Wolff verbunden, der auch gestern, inzwischen im Ruhestand, an der Veranstaltung teilnahm.

 

Angst vor aufkeimenden Antisemitismus

 

200 Schwerinerinnen und Schweriner fanden sich zusammen um zu gedenken Foto: Stephan Haring

 

Die Gedenkveranstaltung an die Pogromnacht in Schwerin fand auf dem Schlachtermarkt statt. Etwa 200 Schwerinerinnen und Schweriner fanden sich ein, um an dieses Ereignis zu erinnern.

Die Veranstaltung gestern Abend war aber mehr als eine reine Gedenkveranstaltung. Gerade die Ereignisse der jüngsten Zeit machen deutlich, dass Freiheit und Demokratie keine Selbstverständlichkeit sind. Gerade im Zusammenhang mit der Zuwanderung von Menschen aus Krisengebieten, erleben wir derzeit eine verstärkte Aufheizung der Stimmung in unserem Land. Ängste und auch manchmal nicht von der Hand zu weisenden Bedenken, werden von radikalen Kräften aufgeheizt. Das Klima in unserem Land ist explosiv. Der Arbeitskreis „9.November 1938“  und die jüdische Gemeinde  wollten gestern ein Zeichen gegen die Instrumentalisierung von Angst und die Ausgrenzung von Minderheiten setzen.

Stefan Rochow

Journalist, Unternehmer und Gründer der digitalen Tageszeitung Schwerin-Lokal.de. Sie erreichen mich per E-Mail unter redaktion@schwerinlokal.de

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