Dach bleibt offen:
Schweriner Radsportzentrum öffnet im Oktober teilweise
Noch fehlt das Dach der eigentlichen Radsporthalle. Trotzdem beginnt im Oktober die Teilöffnung des Schweriner Radsportzentrums – zunächst mit Büros, Nebenräumen und Parkplätzen.

In Kürze:
- Das Schweriner Radsportzentrum soll im Oktober erstmals teilweise in Betrieb gehen.
- Genutzt werden zunächst rund 900 Quadratmeter mit Büros, Lager‑, Umkleide- und Sanitärräumen sowie Parkplätze.
- Die eigentliche Radsporthalle bleibt Baustelle, weil das Stahltragwerk fehlt und die Neuvergabe noch nicht abgeschlossen ist.
Das Schweriner Radsportzentrum am Lambrechtsgrund wird im Oktober erstmals teilweise genutzt. Obwohl das zentrale Hallendach weiterhin fehlt und die Fertigstellung des Gesamtprojekts offen ist, sollen die bereits weitgehend ausgebauten Bereiche im Erdgeschoss in Betrieb gehen. Projektleiter Wieland Schaible von der Lambrechtsgrund Betriebsgesellschaft kündigte gegenüber der „Ostsee-Zeitung“ die Teilöffnung für Oktober an.
Konkret geht es um rund 900 Quadratmeter im Erdgeschoss. Dort entstehen Büros und Arbeitsräume für den Schweriner Olympiastützpunkt sowie Lagerflächen, unter anderem für Fahrräder. Hinzu kommen Umkleiden und Duschen. Auch die Flächen für Parkplätze unter der bereits errichteten Betonkonstruktion werden hergerichtet.
Die Teilöffnung bedeutet allerdings nicht, dass das Radsportzentrum bereits für seinen eigentlichen Zweck zur Verfügung steht. Auf der geplanten 250 Meter langen Radrennbahn kann weiterhin nicht trainiert werden. Dafür fehlt ein wesentlicher Teil des Gebäudes: die große Stahlkonstruktion des Hallendaches.
Damit entsteht ab Oktober eine ungewöhnliche Situation. Während Beschäftigte und andere Nutzer bereits in Teile des Neubaus einziehen können, bleibt die eigentliche Sporthalle Baustelle. Wann dort erstmals Bahnradsport möglich sein wird, ist derzeit nicht verlässlich absehbar.
Was bei der Teilöffnung genutzt werden kann
Die Teilöffnung konzentriert sich auf Bereiche, die weitgehend unabhängig vom noch fehlenden Stahltragwerk fertiggestellt werden können. Im Bürotrakt laufen derzeit die letzten Ausbauarbeiten. Wände werden fertiggestellt, Beleuchtung und Elektroinstallationen eingebaut.
Auch die Parkplätze spielen dabei eine Rolle. Bereits im April hatte die Stadt angekündigt, dass die Stellplätze unter dem Radsportzentrum mit Beginn der Hallensaison im Oktober wieder zur Verfügung stehen sollen.
Dadurch konnte eine bisher provisorisch als Parkplatz genutzte Fläche im Stadion Lambrechtsgrund wieder für den Sport vorbereitet werden. Dort wurde neuer Rasen verlegt.
Für das Gesamtprojekt ist die Teilöffnung dennoch nur ein Zwischenschritt. Der entscheidende Bauabschnitt steht weiterhin aus.
Schweriner Radsportzentrum wartet auf Stahlbau
Das Tragwerk der eigentlichen Radsporthalle soll aus einer umfangreichen Stahlkonstruktion bestehen. Rund 1000 Tonnen Stahl sind dafür vorgesehen. Montiert wurde davon bislang nichts.

Im März 2026 hatte die Landeshauptstadt den Vertrag mit dem ursprünglich beauftragten Stahlbauunternehmen fristlos gekündigt. Die Stadt begründete den Schritt unter anderem mit angekündigten erheblichen Verzögerungen und zusätzlichen Forderungen des Unternehmens.
Die Firma wiederum machte Probleme in der ursprünglichen Ausschreibung geltend. Bereits gefertigte Teile der Konstruktion wurden nicht in Schwerin eingebaut.
Anschließend musste die Stadt die Stahlbauarbeiten neu ausschreiben. Doch auch dieses Verfahren führt bislang nicht zu einem neuen Auftrag.
Einspruch verzögert die Neuvergabe
Nach der vorliegenden Berichterstattung gibt es zwar einen erstplatzierten Bieter, ein Vertrag konnte jedoch noch nicht geschlossen werden. Ein unterlegener Teilnehmer hat das Vergabeverfahren beanstandet und eine Nachprüfung beantragt.
Damit ist die Neuvergabe zunächst blockiert. Nach Informationen der „Ostsee-Zeitung“ soll ausgerechnet das zuvor von der Stadt gekündigte Unternehmen hinter dem Nachprüfungsantrag stehen. Eine offizielle Bestätigung dafür liegt bislang nicht vor.
Lesen Sie auch:
-
Schweriner Galerist will Hallendach als Kunstwerk retten
-
Dach der neuen Radsporthalle bei Kleinanzeigen zu verkaufen
Für den weiteren Zeitplan ist das entscheidend. Ursprünglich sollte das Radsportzentrum bereits im Frühjahr 2026 fertig sein. Später wurde zunächst Dezember 2026 und schließlich Ende 2027 als möglicher Termin genannt.
Ob auch der Termin Ende 2027 noch gehalten werden kann, ist angesichts des offenen Vergabeverfahrens derzeit nicht sicher.
Kosten bleiben ein Thema
Das Radsportzentrum gehört zu den größten aktuellen Sportbauprojekten der Landeshauptstadt. Die Finanzierung liegt nach den bisherigen Angaben bei rund 25 Millionen Euro. Den größten Anteil übernimmt das Land Mecklenburg-Vorpommern mit etwa 16,5 Millionen Euro. Hinzu kommen knapp vier Millionen Euro vom Bund und rund 4,5 Millionen Euro von der Stadt.
Bereits vor dem aktuellen Konflikt um den Stahlbau war das Projekt teurer geworden. Anfang 2023 hatte die Stadt Mehrkosten von 7,7 Millionen Euro gegenüber früheren Planungen bekannt gegeben.
Welche zusätzlichen Kosten durch die Kündigung, die erneute Ausschreibung und die Verzögerungen entstehen könnten, ist bislang nicht abschließend beziffert. Damit bleibt neben dem Fertigstellungstermin auch die endgültige finanzielle Belastung offen.
Die Teilöffnung im Oktober bringt das Projekt zumindest in einem Punkt voran: Erstmals können fertiggestellte Bereiche des Neubaus tatsächlich genutzt werden. Vom vollständigen Schweriner Radsportzentrum ist das Projekt dennoch weit entfernt – denn ausgerechnet die für den Bahnradsport entscheidende Halle bleibt vorerst Baustelle.



