Schweriner SPD-Ortsverein fordert Rücktritt von Julia Klöckner
Der SPD-Ortsverein Schelfstadt fordert Julia Klöckners Rücktritt wegen eines geplanten Auftritts bei einem „Nius“-Förderer. Die Junge Union Schwerin kritisiert den Vorstoß scharf.

Der SPD-Ortsverband Schelfstadt in Schwerin fordert den Rücktritt von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU). In einer Online-Petition werfen die Sozialdemokraten der CDU-Politikerin eine unzulässige Nähe zum rechtspopulistischen Nachrichtenportal „Nius“ vor. Der Vorwurf steht im Zusammenhang mit Klöckners geplanter Teilnahme an einem Sommerfest der CDU Koblenz, das auf dem Gelände eines Unternehmens stattfinden soll, dessen Gründer Hauptgeldgeber des Portals ist.
Hintergrund: Auftritt beim CDU-Sommerfest in Koblenz
Julia Klöckner, seit Ende 2024 Präsidentin des Deutschen Bundestages, will am kommenden Sonntag auf Einladung ihres Heimatverbandes CDU Koblenz beim dortigen Sommerfest sprechen. Veranstaltungsort ist das Innovationszentrum der CompuGroup Medical. Das Unternehmen bietet Softwarelösungen für Arztpraxen und Apotheken an und wird von Frank Gotthardt gegründet, einem Unternehmer, der mehrfach als Hauptfinanzier des Nachrichtenportals „Nius“ in den Schlagzeilen stand.
„Nius“ wird vom ehemaligen „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt geleitet und steht in der Kritik, AfD-nahe und polarisierende Inhalte zu verbreiten, insbesondere zu Themen wie Migration und Klimaschutz. Das Portal war unter anderem an einer Kampagne gegen die SPD-Kandidatin für das Bundesverfassungsgericht, Frauke Brosius-Gersdorf, beteiligt.
SPD-Ortsverein spricht von politischer Nähe
Für den SPD-Ortsverein Schelfstadt steht Klöckners Auftritt sinnbildlich für eine politische Nähe zu rechtspopulistischen Positionen. Ortsvereinsvorsitzende Renata Jagnow erklärte gegenüber dem NDR, eine Bundestagspräsidentin dürfe sich nicht „in einen solchen Dunstkreis“ begeben, da dies ihre politische Neutralität infrage stelle. In der Petition wird Klöckner zudem vorgeworfen, mit der Teilnahme ihre eigene Agenda zu verfolgen. Als Beispiel nennen die Initiatoren, dass sie als eine ihrer ersten Amtshandlungen das Hissen der Regenbogenflagge auf dem Reichstagsgebäude untersagt habe – eine Forderung, die zuvor vor allem aus rechten Kreisen gekommen sei.
Die Petition ist bislang nicht mit der Landesvorsitzenden und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) abgestimmt. Jagnow betont, es handle sich um eine eigenständige Initiative des Ortsvereins, ausgelöst durch Ärger über Klöckners Verhalten.
Reaktionen aus CDU und Jungen Union
Die CDU hat bisher noch nicht reagiert. Das Pressereferat des Bundestages bestätigte Klöckners Teilnahme am Sommerfest und erklärte, sie werde zu Themen wie Parlamentarismus, Demokratie und internationale Konflikte sprechen. Dabei folge sie der Praxis ihrer Vorgängerinnen und Vorgänger, ebenfalls bei Veranstaltungen der eigenen Partei präsent zu sein. Auf die inhaltliche Kritik ging die Bundestagsverwaltung nicht ein.
Zusätzliche Kritik an der Schweriner SPD kam aus den Reihen der Jungen Union (JU) Schwerin. Deren Kreisvorsitzender Jan Reißig warf dem Ortsverein vor, sich auf bundespolitische Themen zu konzentrieren, die keinen direkten Bezug zu Schwerin hätten. Wichtige lokale Probleme wie die angespannte Haushaltslage, blockierte Investitionsprojekte oder abgelehnte Sicherheitsmaßnahmen würden vernachlässigt.
„Wer Kontaktschulddebatten führt, verlässt die Basis des demokratischen Miteinanders und scheut die Auseinandersetzung mit den richtigen Problemen“, sagte Reißig. Statt „linksideologischer Symbolpolitik“ brauche die Landeshauptstadt konkrete Lösungen, die den Menschen vor Ort zugutekommen. Die JU fordert die SPD auf, „von Versuchen Abstand zu nehmen, die Menschen ohne Grund aufzuwiegeln“ und sich auf kommunale Sachpolitik zu konzentrieren.



