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CDU fordert Verschiebung auf 2045:
Schweriner Stadtvertretung diskutiert spätere CO₂-Neutralität

In Schwerin sorgt ein CDU-Antrag zur Verschiebung des CO₂-Ziels von 2035 auf 2045 für hitzige Debatten. Jetzt sollen die Ausschüsse über die Klimastrategie der Stadt beraten.

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  • Veröffentlicht Juli 18, 2025
Klimaziele Schwerin
Winden­ergie als Teil im erneuer­baren Energiemix. Foto: Markus Diestel­rath

In der Schw­er­iner Stadtvertre­tung ist eine Debat­te über das Kli­maziel der Lan­deshaupt­stadt ent­bran­nt. Die CDU-Frak­tion brachte einen Antrag ein, mit dem das derzeit gel­tende Ziel, bis zum Jahr 2035 CO₂-Neu­tral­ität zu erre­ichen, um zehn Jahre auf 2045 ver­schoben wer­den soll. Der Vorschlag traf auf deut­lichen Wider­spruch bei Grü­nen und SPD. Auch die AfD meldete sich zu Wort, mit einem Antrag, der noch weit­er ging.

Hin­ter­grund ist ein Beschluss der Stadtvertre­tung aus dem Jahr 2019, als im Zuge der Aus­ru­fung des Kli­man­ot­standes das Ziel fest­gelegt wurde, bis 2035 eine CO₂-neu­trale Wärmev­er­sorgung in Schw­erin zu erre­ichen. Die Stadt sollte damit ein Vor­re­it­er im Kli­maschutz wer­den. Nun ste­ht dieser Zeitrah­men auf dem Prüf­s­tand.

 

CDU: Klimapolitik realistisch gestalten

CDU-Frak­tionsvor­sitzen­der Gert Rudolf begrün­dete den Antrag mit dem Hin­weis auf die aktuelle kom­mu­nale Wärme­pla­nung, die bere­its Zweifel am Erre­ichen der Ziel­marke 2035 erken­nen lasse. „Es geht um eine umset­zbare Kli­maschutzs­trate­gie“, erk­lärte Rudolf. Die Ver­schiebung solle nicht den Kli­maschutz aufwe­ichen, son­dern eine real­is­tis­che Umset­zung ermöglichen.

In dem Antrag heißt es weit­er, dass die Ausweitung des Zeitraums bis 2045 allen Beteiligten – Ver­wal­tung, Stadtwerken und auch den Bürg­erin­nen und Bürg­ern – mehr Pla­nungssicher­heit geben würde. Maß­nah­men kön­nten stufen­weise einge­führt, Förder­pro­gramme bess­er genutzt und Investi­tio­nen sin­nvoll geplant wer­den. Zudem sei das neue Ziel mit der nationalen Kli­mas­trate­gie des Bun­des kon­form, die eben­falls auf 2045 als CO₂-Ziel­jahr set­zt.

 

AfD fordert Aufhebung des Klimanotstandes

Noch weit­er ging die AfD, die in einem eige­nen Erset­zungsantrag vorschlug, den Kli­man­ot­stands­beschluss von 2019 voll­ständig aufzuheben. Stadtvertreter Leif-Erik Holm erk­lärte, dass das ursprüngliche Ziel „nicht leist­bar“ sei. Die Forderun­gen an Schw­erin seien zu hoch, die Umset­zung koste zu viel und über­fordere sowohl Haushalte als auch Ver­wal­tung.

 

Bündnis 90/Die Grünen und SPD lehnen Aufweichung ab

Deut­lichen Wider­spruch gab es von der Frak­tion Bünd­nis 90/Die Grünen/Die PARTEI sowie von der SPD. Grü­nen-Frak­tion­schef Arndt Müller appel­lierte an den poli­tis­chen Willen der Stadtvertre­tung, an den Kli­mazie­len festzuhal­ten. Der Ausstieg aus fos­silen Energien sei notwendig – auch im kom­mu­nalen Maßstab.

SPD-Stadtvertreterin Mari­ka Rieth­müller ergänzte: „Wir soll­ten nicht zehn Jahre vorher aufgeben.“ Angesichts der aktuellen Kli­maen­twick­lun­gen, häu­figer Hitzewellen und zunehmender Trock­en­pe­ri­o­den müsse Poli­tik entschlossen han­deln. Eine Ver­schiebung sende ein falsches Sig­nal.

In ein­er Stel­lung­nahme zum CDU-Antrag äußerte sich auch die Stadtver­wal­tung. Sie schlägt vor, die Zeitachse zu über­prüfen. Hin­ter­grund sind neue Berech­nun­gen und Erken­nt­nisse, wonach die Zwis­chen­ziele – etwa die Reduk­tion der Pro-Kopf-Emis­sio­nen auf vier Ton­nen CO₂ bis 2025 – voraus­sichtlich nicht erre­icht wer­den.

Die voll­ständi­ge Umstel­lung der Wärmev­er­sorgung bis 2035 erscheine laut Ver­wal­tung „unter real­is­tis­chen Gesicht­spunk­ten kaum mach­bar“. Daher sei eine Anpas­sung der Zeitsch­iene denkbar, ohne das über­ge­ord­nete Ziel der CO₂-Neu­tral­ität aufzugeben.