Schweriner Trinkwasser in Gefahr

Bild: Anja Skeide  / pixelio.de
Bild: Anja Skeide / pixelio.de

(am). Schwerin-Lokal brachte kürzlich eine Pressemitteilung der GRÜNEN. Der Kreisvorsitzende der Partei, Frank Fiedler sorgte sich darin um die Qualität des Schweriner Trinkwassers. Jährlich strömten aus der alten Deponie „Am Finkenkamp“ 12.000m³ Sickerwasser in den Untergrund und in die Grundwasserleiter – das seien 1000m³ bzw. 1.000.000l schadstoffbelastetes Sickerwasser in jedem Monat, so Fiedler. Bei Facebook Schwerin-Lokal wurde das Thema kontrovers diskutiert. Der Verdacht einiger Leser: Die Warnung Fiedlers sei Populismus.

Schwerin-Lokal fragte bei der WAG Wasserversorgung nach und erhielt eine mit dem Liegenschaftsamt abgestimmte Stellungnahme. Darin wird deutlich: Die Deponie Finkenkamp ist ein Problem, die Außerbetriebnahme zweier Rohwasserbrunnen eine Schutzmaßnahme. Das heißt: Die Überschrift von Schwerin-Lokal „Schweriner Trinkwasser in Gefahr?“ war nicht, wie dies einige Leser bei Facebook mutmaßten, BILD-zeitungsmäßig populistisch, sondern realistisch. Im Gegenteil: Das Fragezeichen scheint nach dem aktuellen Kenntnisstand nicht angebracht zu sein.

Wie die Stellungnahme der WAG zeigt, ist das Schweriner Trinkwasser in Gefahr. Allerdings scheint das Problem lösbar zu sein, wenn jetzt umsichtig und schnell gehandelt wird. Panikmache ist also auch übertrieben.

„Um die Trinkwasserversorgung für die Schweriner Bevölkerung und zukünftige Industrieansiedlungen zu gewährleisten ist die Sicherung der Deponie Finkenkamp dringend erforderlich.

Für die Trinkwasseraufbereitung im Wasserwerk Mühlenscharrn stehen zwei Fassungsbereiche – Wasserfassung Nuddelbachtal und Wasserfassung Neumühler See – zur Rohwasserförderung zur Verfügung. Beeinträchtigt durch den Anstrom von mit Schadstoffen belastetem Sickerwasser aus der Deponie Finkenkamp ist nur die Wasserfassung Nuddelbachtal.

In der Wasserfassung Nuddelbachtal werden zwei Rohwasserbrunnen nicht mehr zur Rohwasserförderung genutzt. Grund für die Außerbetriebnahme der Brunnen waren die Ergebnisse eines in den letzten Jahren im Auftrage des Umweltamtes durchgeführten Grundwassermonitorings. Durch die im Rahmen dieses Monitorings durchgeführten Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass bedingt durch die Rohwasserförderung am Standort Nuddelbachtal verstärkt schadstoffbelastetes Deponiesickerwasser in Richtung der Wasserfassung gelenkt wird. Durch die rechtzeitige Außerbetriebnahme der Brunnen wurde verhindert, dass die Schadstofffahne den Fassungsbereich Nuddelbachtal erreicht und in die Brunnen gelangt. Eine qualitative Beeinträchtigung der Brunnen in der Wasserfassung Nuddelbachtal besteht gegenwärtig nicht. Durch diese Präventionsmaßnahme konnte eine Belastung des Schweriner Trinkwassers mit Schadstoffen verhindert werden, aber unter der Einschränkung, dass das vorhandene Dargebot kapazitätsmäßig nicht voll genutzt werden kann.

Durch den Einfluss der ungesicherten Deponie Finkenkamp ist die Deckung des Trinkwasserbedarfs für zukünftige Industrieansiedlungen nur eingeschränkt möglich und es besteht ein Qualitätsrisiko für die Trinkwasserversorgung der Stadt Schwerin. Ziel muss es sein, die Wasserfassung Nuddelbachtal zu erhalten, um perspektivisch die dort vorhandenen Rohwasserressourcen entsprechend der bestehenden Wasserrechte uneingeschränkt nutzen zu können. Eine Außerbetriebnahme des Wasserwerkes Mühlenscharrn steht für uns außer Frage.

Aus Sicht der zuständigen Fachämter der Landeshauptstadt besteht Handlungsbedarf zur Sicherung der Deponie Finkenkamp. Das zuständige Amt für Liegenschaften hat dazu mit fachlicher Unterstützung der WAG eine Beschlussvorlage zu Sicherungsmaßnahmen der Deponie Finkenkamp eingebracht, die in den entsprechenden Ausschüssen bestätigt wurde und zur Beschlussfassung in die Stadtvertretung am 18.11.2013 eingebracht wird.

Die notwendige Entwurfs- und Genehmigungsplanung zur Sanierung der Deponie Finkenkamp soll unverzüglich beauftragt werden.“

 

Redaktion

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