Finanzsorgen im Schweriner Zoo:
Warum die Eintrittspreise im Zoo steigen
Der Schweriner Zoo steckt tief in den roten Zahlen. Politik und Zoo-Leitung setzen nun auf städtische Hilfe und höhere Eintrittspreise, um den Tierpark finanziell zu stabilisieren und seinen Betrieb zu

Foto: Zoo Schwerin
Der Schweriner Zoo steht vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. Weil die Einnahmen geringer ausfallen als geplant und zugleich wichtige Kosten steigen, muss die Stadt wohl finanziell nachsteuern. Der Finanzausschuss sprach sich am Mittwochabend dafür aus, rund 240.000 Euro bereitzustellen, um das aktuelle Minus auszugleichen. Die abschließende Entscheidung fällt am 8. Dezember in der Stadtvertretung.
Einnahmerückgang durch weniger Tagestickets
Obwohl die Gesamtzahl der Besucher stabil bleibt, verschiebt sich das Kaufverhalten spürbar: Der Zoo verkauft deutlich mehr Jahreskarten als erwartet, gleichzeitig jedoch rund 9600 Tageskarten weniger. Für die Einrichtung ist das problematisch, denn Tagestickets bringen höhere Einnahmen pro Besuch. Die Differenz wirkt sich direkt auf die Bilanz aus und lässt das Defizit auf knapp 470.000 Euro anwachsen – rund doppelt so viel wie ursprünglich prognostiziert.
Gestiegene Kosten verschärfen die Lage
Neben den geringeren Einnahmen steigen auch die Ausgaben. Höhere Energie- und Personalkosten belasten den Zoo ebenso wie notwendige Instandhaltungsmaßnahmen. Dazu zählen unter anderem Baumprüfungen, Pflegearbeiten, Sanierungen an Tierrevieren und Arbeiten an der Teichanlage. Alle Maßnahmen mussten dringend ausgeführt werden und konnten nicht verschoben werden.
UB/FDP-Fraktion treibt zusätzliche Finanzierung voran
Bereits in einer Sondersitzung zu Wochenbeginn hatte die Fraktion Unabhängige Bürger/FDP den finanziellen Engpass im Zoo aufgegriffen. Sie brachte einen Ergänzungsantrag zum Nachtragswirtschaftsplan 2025 ein, der zusätzliche Mittel für den Zoo vorsieht. Ziel sei es gewesen, „den finanziellen Engpass des Zoos zu adressieren und gemeinsam mit den Ausschussmitgliedern eine Lösung zu finden, die den Fortbestand und die Erfüllung seiner wichtigen Aufgaben sichert“. Der Antrag wurde einstimmig beschlossen.
Der Beschluss umfasst überplanmäßige Aufwendungen und Auszahlungen in Höhe von 238.800 Euro im zuständigen Teilhaushalt. Damit solle verhindert werden, dass das negative Jahresergebnis den Kern des städtischen Zuwendungszwecks gefährdet. Ulrich Teubler (UB), lamgjähriges Mitglied im Finanzausschuss betont: „Das negative Ergebnis führt, wenn es in diesem Umfang eintritt, dazu, dass das Stammkapital des Unternehmens angegriffen wird. Damit wird der Zoo bei der Erfüllung seines öffentlichen Zwecks nachhaltig eingeschränkt und kann die ihm von der Stadt übertragenen Aufgaben nicht mehr im gewohnten Umfang erfüllen.“
Auch die Aufsichtsratsvorsitzende des Zoos, Stefanie Pohlner (UB), begrüßte die Unterstützung. Sie sprach von einem „wichtigen Signal“, da die finanzielle Stabilisierung notwendig sei, um den Zoo auch künftig als Bildungs‑, Natur- und Artenschutzzentrum sowie als Ort der Erholung zu sichern. Sie verwies zudem darauf, dass der Schweriner Zoo im Vergleich zu Einrichtungen wie dem Rostocker Zoo deutlich weniger Zuschüsse erhält. „Mit rund 1,6 Millionen Euro weniger ist es umso wichtiger, den Zoo auch finanziell zu stabilisieren“, so Pohlner.
Die Vorlage wird vor der finalen Beschlussfassung Anfang Dezember auch im Ausschuss für Wirtschaft, Stadtentwicklung und Digitalisierung behandelt. Laut Fraktionsmitgliedern hoffe man auf breite Unterstützung, da der Zoo ein wesentlicher Bestandteil des städtischen Bildungs- und Freizeitangebots sei.
Preiserhöhungen sollen Defizit verringern
Um die Einnahmesituation zu verbessern, wird der Zoo zum 1. Januar alle Eintrittspreise anpassen. Die Standard-Jahreskarte wird dann 68 Euro kosten, also zehn Euro mehr als bisher. Die Familienkarte verteuert sich deutlich von 123 auf 163 Euro. Auch die Tagestickets werden teurer. Aktuell kosten sie 16 Euro im Sommer und 14 Euro im Winter für Erwachsene sowie 12,50 bzw. 11,50 Euro ermäßigt. Welche konkreten neuen Preise ab Januar gelten werden, steht noch nicht öffentlich fest, jedoch wurde klar, dass der Zoo hier nachsteuert. Zudem hält die Zoo-Leitung bereits weitere Preisänderungen für 2026 für möglich, sofern sich die finanzielle Lage nicht stabilisiert.
Neue Angebote sollen Gäste anziehen
Neben den Preiserhöhungen plant der Zoo zusätzliche Einnahmequellen. Mehr Events sowie Übernachtungsangebote, darunter die neu eröffnete Löwen-Lodge, sollen künftig zusätzliche Besucher nach Schwerin locken und so die wirtschaftliche Basis des Zoos stärken.
Bevor die Stadtvertretung Anfang Dezember über die finanzielle Unterstützung entscheidet, werden weitere Ausschüsse die Vorlage beraten. Politik, Verwaltung und Zoo hoffen auf ein starkes Votum – damit der Tierpark auch künftig ein Ort für Bildung, Naturerlebnis und Erholung bleibt.



