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Finanzsorgen im Schweriner Zoo:
Warum die Eintrittspreise im Zoo steigen

Der Schweriner Zoo steckt tief in den roten Zahlen. Politik und Zoo-Leitung setzen nun auf städtische Hilfe und höhere Eintrittspreise, um den Tierpark finanziell zu stabilisieren und seinen Betrieb zu

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  • Veröffentlicht November 21, 2025
Schweriner Zoo
Mehr Ein­nah­men erhofft sich der Zoo durch Über­nach­tun­gen in der neuen Löwen-Lodge. (Archiv­bild) 
Foto: Zoo Schw­erin

Der Schw­er­iner Zoo ste­ht vor erhe­blichen finanziellen Her­aus­forderun­gen. Weil die Ein­nah­men geringer aus­fall­en als geplant und zugle­ich wichtige Kosten steigen, muss die Stadt wohl finanziell nach­s­teuern. Der Finan­zauss­chuss sprach sich am Mittwochabend dafür aus, rund 240.000 Euro bere­itzustellen, um das aktuelle Minus auszu­gle­ichen. Die abschließende Entschei­dung fällt am 8. Dezem­ber in der Stadtvertre­tung.

Einnahmerückgang durch weniger Tagestickets

Obwohl die Gesamtzahl der Besuch­er sta­bil bleibt, ver­schiebt sich das Kaufver­hal­ten spür­bar: Der Zoo verkauft deut­lich mehr Jahreskarten als erwartet, gle­ichzeit­ig jedoch rund 9600 Tageskarten weniger. Für die Ein­rich­tung ist das prob­lema­tisch, denn Tage­stick­ets brin­gen höhere Ein­nah­men pro Besuch. Die Dif­ferenz wirkt sich direkt auf die Bilanz aus und lässt das Defiz­it auf knapp 470.000 Euro anwach­sen – rund dop­pelt so viel wie ursprünglich prog­nos­tiziert.

Gestiegene Kosten verschärfen die Lage

Neben den gerin­geren Ein­nah­men steigen auch die Aus­gaben. Höhere Energie- und Per­son­alkosten belas­ten den Zoo eben­so wie notwendi­ge Instand­hal­tungs­maß­nah­men. Dazu zählen unter anderem Baumprü­fun­gen, Pflegear­beit­en, Sanierun­gen an Tier­re­vieren und Arbeit­en an der Teichan­lage. Alle Maß­nah­men mussten drin­gend aus­ge­führt wer­den und kon­nten nicht ver­schoben wer­den.

UB/FDP-Fraktion treibt zusätzliche Finanzierung voran

Bere­its in ein­er Son­der­sitzung zu Wochen­be­ginn hat­te die Frak­tion Unab­hängige Bürger/FDP den finanziellen Eng­pass im Zoo aufge­grif­f­en. Sie brachte einen Ergänzungsantrag zum Nach­tragswirtschaft­s­plan 2025 ein, der zusät­zliche Mit­tel für den Zoo vor­sieht. Ziel sei es gewe­sen, „den finanziellen Eng­pass des Zoos zu adressieren und gemein­sam mit den Auss­chuss­mit­gliedern eine Lösung zu find­en, die den Fortbe­stand und die Erfül­lung sein­er wichti­gen Auf­gaben sichert“. Der Antrag wurde ein­stim­mig beschlossen.

Der Beschluss umfasst über­plan­mäßige Aufwen­dun­gen und Auszahlun­gen in Höhe von 238.800 Euro im zuständi­gen Teil­haushalt. Damit solle ver­hin­dert wer­den, dass das neg­a­tive Jahre­sergeb­nis den Kern des städtis­chen Zuwen­dungszwecks gefährdet. Ulrich Teubler (UB), lamgjähriges Mit­glied im Finan­zauss­chuss betont: „Das neg­a­tive Ergeb­nis führt, wenn es in diesem Umfang ein­tritt, dazu, dass das Stammkap­i­tal des Unternehmens ange­grif­f­en wird. Damit wird der Zoo bei der Erfül­lung seines öffentlichen Zwecks nach­haltig eingeschränkt und kann die ihm von der Stadt über­tra­ge­nen Auf­gaben nicht mehr im gewohn­ten Umfang erfüllen.“

Auch die Auf­sicht­sratsvor­sitzende des Zoos, Ste­fanie Pohlner (UB), begrüßte die Unter­stützung. Sie sprach von einem „wichti­gen Sig­nal“, da die finanzielle Sta­bil­isierung notwendig sei, um den Zoo auch kün­ftig als Bildungs‑, Natur- und Arten­schutzzen­trum sowie als Ort der Erhol­ung zu sich­ern. Sie ver­wies zudem darauf, dass der Schw­er­iner Zoo im Ver­gle­ich zu Ein­rich­tun­gen wie dem Ros­tock­er Zoo deut­lich weniger Zuschüsse erhält. „Mit rund 1,6 Mil­lio­nen Euro weniger ist es umso wichtiger, den Zoo auch finanziell zu sta­bil­isieren“, so Pohlner.

Die Vor­lage wird vor der finalen Beschlussfas­sung Anfang Dezem­ber auch im Auss­chuss für Wirtschaft, Stad­ten­twick­lung und Dig­i­tal­isierung behan­delt. Laut Frak­tion­s­mit­gliedern hoffe man auf bre­ite Unter­stützung, da der Zoo ein wesentlich­er Bestandteil des städtis­chen Bil­dungs- und Freizei­tange­bots sei.

Preiserhöhungen sollen Defizit verringern

Um die Ein­nahme­si­t­u­a­tion zu verbessern, wird der Zoo zum 1. Jan­u­ar alle Ein­trittspreise anpassen. Die Stan­dard-Jahreskarte wird dann 68 Euro kosten, also zehn Euro mehr als bish­er. Die Fam­i­lienkarte ver­teuert sich deut­lich von 123 auf 163 Euro. Auch die Tage­stick­ets wer­den teur­er. Aktuell kosten sie 16 Euro im Som­mer und 14 Euro im Win­ter für Erwach­sene sowie 12,50 bzw. 11,50 Euro ermäßigt. Welche konkreten neuen Preise ab Jan­u­ar gel­ten wer­den, ste­ht noch nicht öffentlich fest, jedoch wurde klar, dass der Zoo hier nach­s­teuert. Zudem hält die Zoo-Leitung bere­its weit­ere Preisän­derun­gen für 2026 für möglich, sofern sich die finanzielle Lage nicht sta­bil­isiert.

Neue Angebote sollen Gäste anziehen

Neben den Preis­er­höhun­gen plant der Zoo zusät­zliche Ein­nah­me­quellen. Mehr Events sowie Über­nach­tungsange­bote, darunter die neu eröffnete Löwen-Lodge, sollen kün­ftig zusät­zliche Besuch­er nach Schw­erin lock­en und so die wirtschaftliche Basis des Zoos stärken.

Bevor die Stadtvertre­tung Anfang Dezem­ber über die finanzielle Unter­stützung entschei­det, wer­den weit­ere Auss­chüsse die Vor­lage berat­en. Poli­tik, Ver­wal­tung und Zoo hof­fen auf ein starkes Votum – damit der Tier­park auch kün­ftig ein Ort für Bil­dung, Natur­erleb­nis und Erhol­ung bleibt.