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Warnitzer Feld:
Schwerins umstrittenstes Wohnungsbauprojekt geht in die entscheidende Phase

Bebauungsplan liegt vor – Befürworter sehen dringend benötigten Wohnraum, Gegner warnen vor Flächenverbrauch und einem Bruch mit den Klimazielen der Stadt.

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  • Veröffentlicht Juni 10, 2026
Auf dieser Fläche soll Schw­erins umstrit­ten­stes Woh­nungs­baupro­jekt ver­wirk­licht wer­den. Rund 1000 Woh­nun­gen sind auf dem War­nitzer Feld geplant. Foto: Ste­fan Rochow

 

Seit mehr als fünf Jahren wird über das War­nitzer Feld gestrit­ten. Nun ste­ht eines der größten Woh­nungs­baupro­jek­te der Lan­deshaupt­stadt vor dem näch­sten wichti­gen Schritt. Der Haup­tauss­chuss hat Anfang Juni den Entwurf des Bebau­ungs­plans „War­nitzer Feld“ zur Veröf­fentlichung freigegeben. Damit begin­nt die näch­ste Phase der Öffentlichkeits­beteili­gung. Bürg­erin­nen und Bürg­er kön­nen die Pla­nun­gen ein­se­hen und Stel­lung­nah­men abgeben.

Auf dem rund 24 Hek­tar großen Are­al zwis­chen Bahn­hof­s­traße, Kirschen­höfer Weg, Greves­müh­len­er Chaussee und der Bun­desstraße 104 soll in den kom­menden Jahren ein völ­lig neues Stadtquarti­er entste­hen. Geplant sind rund 1000 Woh­nun­gen für mehrere tausend Men­schen. Das Gebi­et liegt etwa 5,6 Kilo­me­ter vom Schw­er­iner Stadtzen­trum ent­fer­nt und gilt als eine der let­zten größeren Wohn­bau­re­ser­ven am Stad­trand. Doch kaum ein anderes Baupro­jekt hat die Stadt­poli­tik in den ver­gan­genen Jahren so inten­siv beschäftigt wie das War­nitzer Feld.

Von der Zukunftsfläche zum politischen Streitfall

Als die Stadtvertre­tung 2020 die Auf­stel­lung des Bebau­ungs­plans beschloss, schien die Rich­tung zunächst klar. Angesichts steigen­der Ein­wohn­erzahlen und ein­er hohen Nach­frage nach Wohn­raum wollte die Stadt neue Bau­flächen erschließen. Die Ver­wal­tung argu­men­tierte damals, dass die Möglichkeit­en der Innenen­twick­lung – also Nachverdich­tun­gen, Auf­s­tock­un­gen und Umnutzun­gen beste­hen­der Flächen – zunehmend an ihre Gren­zen stoßen wür­den.

Mit den Jahren entwick­elte sich daraus jedoch eine grund­sät­zliche Debat­te über die kün­ftige Stad­ten­twick­lung Schw­erins: Soll die Stadt weit­er in die Fläche wach­sen oder vorhan­dene Poten­ziale inner­halb des beste­hen­den Stadt­ge­bi­etes nutzen?

Rico Badenschier setzte auf Innenentwicklung

Eine zen­trale Rolle in dieser Diskus­sion spielte der dama­lige Ober­bürg­er­meis­ter Rico Baden­schi­er (SPD). Nach sein­er Wieder­wahl sprach er sich dafür aus, die Entwick­lung des War­nitzer Feldes nicht weit­erzu­ver­fol­gen und stattdessen den Schw­er­punkt auf die Innenen­twick­lung zu leg­en. Neue Woh­nun­gen soll­ten nach sein­er Auf­fas­sung vor­rangig auf bere­its erschlosse­nen oder brach­liegen­den Flächen inner­halb des Stadt­ge­bi­etes entste­hen. Dabei ver­wies er unter anderem auf das Boden­schutzkonzept der Stadt, Kli­maschutzziele sowie den sparsamen Umgang mit Frei­flächen.

 


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Unter­stützung erhielt dieser Kurs auch vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutsch­land (BUND). Baden­schi­er argu­men­tierte, dass Schw­erin zunächst vorhan­dene Poten­zialflächen nutzen müsse, bevor weit­ere land­wirtschaftlich genutzte Flächen am Stad­trand bebaut wer­den. Das War­nitzer Feld wurde damit zu einem Sym­bol für die grund­sät­zliche Frage, wie die Stadt kün­ftig wach­sen soll.

Nach­dem die Stadtvertre­tung jedoch mehrfach mehrheitlich an den Pla­nun­gen fes­thielt und bere­its erhe­bliche Mit­tel in die Vor­bere­itung des Pro­jek­ts geflossen waren, zog Baden­schi­er seinen Wider­spruch gegen die Fort­führung des Ver­fahrens zurück. Damit kon­nte die Pla­nung für das Wohnge­bi­et fort­ge­set­zt wer­den.

Die wichtigsten Gegenargumente

Die Kri­tik­er des War­nitzer Feldes führen bis heute mehrere zen­trale Argu­mente an. An erster Stelle ste­ht der Ver­lust von land­wirtschaftlichen Nutzflächen. Das Gebi­et wird bis­lang über­wiegend als Ack­er­fläche genutzt und gehört zu den weni­gen größeren Freiräu­men im Nord­west­en Schw­erins. Kri­tik­er sehen darin einen nicht umkehrbaren Ein­griff in Land­schaft und Natur.

Hinzu kom­men Fra­gen des Kli­ma- und Boden­schutzes. Die Pla­nun­ter­la­gen weisen darauf hin, dass ins­beson­dere Teile des Gebi­etes über schutzwürdi­ge Böden ver­fü­gen. Kri­tik­er argu­men­tieren, dass ger­ade in Zeit­en zunehmender Trock­en­heit und Wet­terex­treme offene Flächen und frucht­bare Böden wichtiger wür­den als jemals zuvor.

Ein weit­er­er Stre­it­punkt ist die Verkehrsen­twick­lung. Viele Anwohn­er befürcht­en, dass die Bahn­hof­s­traße, die Greves­müh­len­er Chaussee und der Kirschen­höfer Weg durch zusät­zliche Verkehre erhe­blich stärk­er belastet wer­den kön­nten. Aus ihrer Sicht dro­hen mehr Lärm, län­gere Fahrzeit­en und zusät­zlich­er Druck auf die beste­hende Infra­struk­tur.

Außer­dem wird die Frage gestellt, ob Schw­erin tat­säch­lich ein Neubauge­bi­et dieser Größenord­nung benötigt. Kri­tik­er ver­weisen auf andere Entwick­lungs­flächen in der Stadt und fordern, zunächst diese Poten­ziale auszuschöpfen.

Warum die Befürworter am Projekt festhalten

Die Unter­stützer des War­nitzer Feldes hal­ten die Gege­nar­gu­mente zwar für nachvol­lziehbar, sehen aber keine real­is­tis­che Alter­na­tive. Ihr Haup­tar­gu­ment lautet: Schw­erin braucht neue Woh­nun­gen. Die Stadt wächst seit Jahren wieder und viele Fam­i­lien suchen Wohn­raum oder Bau­grund­stücke. Ohne zusät­zliche Ange­bote dro­he eine weit­ere Abwan­derung ins Umland.

Die Befür­worter ver­weisen darauf, dass die Möglichkeit­en der Innenen­twick­lung allein nicht aus­re­ichen wür­den, um den Woh­nungs­be­darf langfristig zu deck­en. Das War­nitzer Feld sei eine der weni­gen Flächen, auf denen in größerem Umfang Wohn­raum geschaf­fen wer­den könne.

Zu den Unter­stützern gehörten ins­beson­dere CDU, FDP und Teile der SPD. Sie argu­men­tierten, dass Schw­erin attrak­tive Ange­bote für Fam­i­lien schaf­fen müsse, um Ein­wohn­er in der Stadt zu hal­ten.  Stadt­präsi­dent und bald Ober­bürg­er­meis­ter Sebas­t­ian Ehlers (CDU) sprach von ein­er wichti­gen Zukun­ft­sentschei­dung für Schw­erin und ver­wies auf die anhal­tende Nach­frage nach Wohn­raum und Eigen­heim­stan­dorten.

Zudem han­dele es sich nicht um ein klas­sis­ches Ein­fam­i­lien­haus­ge­bi­et. Vielmehr sei ein gemis­cht­es Quarti­er vorge­se­hen, das unter­schiedliche Wohn­for­men miteinan­der verbindet. Geplant sind Rei­hen­häuser, Dop­pel­häuser, Ket­ten­häuser sowie mehrgeschos­sige Wohnge­bäude. Ziel ist die Schaf­fung sozial gemis­chter Nach­barschaften.

Befür­worter argu­men­tieren außer­dem, dass die Fläche bere­its seit Jahren im Flächen­nutzungs­plan als Wohn­bau­fläche vorge­se­hen sei. Die Entwick­lung komme daher nicht über­raschend, son­dern sei langfristig vor­bere­it­et wor­den.

Ein neuer Stadtteil statt einer Neubausiedlung

Der nun vor­liegende Entwurf ver­sucht, viele der geäußerten Kri­tikpunk­te planer­isch aufzu­greifen. Das Quarti­er soll aus sieben Wohn­quartieren beste­hen, die sich um eine zen­trale „urbane Mitte“ grup­pieren. Dort sind Dien­stleis­tun­gen, soziale Infra­struk­tur, Nahver­sorgung, Wohnen und ein zen­traler Quartier­splatz vorge­se­hen.

Die Plan­er des Büros MOSAIK set­zen dabei bewusst auf das Leit­bild eines „Stadt­teils der Nach­barschaften“. Statt ein­er abgeschlosse­nen Sied­lung sollen unter­schiedliche Quartiere entste­hen, die durch Grünzüge, Freiräume und ein dicht­es Netz aus Geh- und Rad­we­gen miteinan­der ver­bun­den wer­den.

Beson­deren Wert leg­en die Plan­er auf Freiraumqual­ität. Vorge­se­hen sind Gemein­schafts­gärten, Spiel- und Aufen­thalts­flächen, Grünzüge sowie Flächen zur Regen­wasser­rück­hal­tung nach dem Prinzip der soge­nan­nten Schwamm­stadt. Die neue Bebau­ung soll sich dabei eng mit dem beste­hen­den Ort­steil War­nitz verzah­nen.

Auch beim Verkehr sollen neue Wege beschrit­ten wer­den. Eine ringför­mige Erschließung sowie zen­trale Gemein­schafts­gara­gen sollen den Stellplatzbe­darf inner­halb der Wohn­quartiere reduzieren. Dadurch soll mehr Raum für Grün­flächen und Begeg­nung­sorte entste­hen.

Die Stadt strebt zudem eine Zer­ti­fizierung durch die Deutsche Gesellschaft für Nach­haltiges Bauen (DGNB) an. Nach Ein­schätzung der Ver­wal­tung besitzt das Pro­jekt sog­ar das Poten­zial für eine Gold-Zer­ti­fizierung.

Die Debatte geht weiter

Mit dem Veröf­fentlichungs­beschluss ist die Diskus­sion um das War­nitzer Feld längst nicht been­det. Vielmehr begin­nt nun die näch­ste Runde. Während der öffentlichen Ausle­gung kön­nen Bürg­er, Ver­bände und Behör­den ihre Ein­wände und Anre­gun­gen ein­brin­gen. Diese müssen anschließend geprüft und abge­wogen wer­den.

Eines ist bere­its heute klar: Das War­nitzer Feld ste­ht beispiel­haft für einen Kon­flikt, der viele Städte beschäftigt. Auf der einen Seite ste­hen der Wun­sch nach mehr Wohn­raum und die Sicherung von Wach­s­tumsper­spek­tiv­en. Auf der anderen Seite der Schutz von Frei­flächen, Böden und Kli­ma.

Die Entschei­dung über das War­nitzer Feld wird deshalb weit über War­nitz hin­aus als Sig­nal dafür ver­standen wer­den, welchen Weg Schw­erin kün­ftig in der Stad­ten­twick­lung ein­schla­gen will.