Sicherheit bei Nacht:
ASK will neues Sicherheitskonzept für Schweriner Innenstadt
Nach mehreren Auseinandersetzungen fordert die ASK ein Sicherheitskonzept für die Schweriner Innenstadt. Licht, Streetwork und Prävention sollen zunächst in einem Pilotprojekt erprobt werden.

In Kürze:
- Die ASK fordert ein neues Sicherheitskonzept für die nächtliche Schweriner Innenstadt und will Marktplatz, Schlachtermarkt sowie die Verbindungswege gemeinsam betrachten.
- Vorgeschlagen werden unter anderem ein neues Lichtkonzept, stärkere Straßensozialarbeit, ein sozialer Anlaufpunkt und die Einbeziehung des Brunnens auf dem Schlachtermarkt.
- Die Maßnahmen sollen zunächst als Pilotprojekt getestet und anhand von Einsatzdaten, Beschwerden, Besucherzahlen und Sicherheitsempfinden ausgewertet werden.
Nach den jüngsten Auseinandersetzungen auf dem Schweriner Schlachtermarkt und dem Marktplatz soll die Stadt nach dem Willen der Aktionsgruppe Stadt und Kulturschutz (ASK) ein neues Sicherheitskonzept für die nächtliche Innenstadt entwickeln. Stadtvertreter Karsten Jagau hat dazu einen Antrag in die Stadtvertretung eingebracht. Vorgesehen ist zunächst ein zeitlich begrenztes Pilotprojekt.
Der Antrag nimmt nicht nur die beiden Plätze in den Blick. Auch die Wege zwischen Marienplatz, Marktplatz und Schlachtermarkt sollen untersucht werden. Vorgeschlagen werden unter anderem Veränderungen bei der Beleuchtung, eine stärkere Präsenz der Straßensozialarbeit und ein nächtlicher sozialer Anlaufpunkt. Auf zusätzliche Videoüberwachung setzt der Antrag ausdrücklich nicht.
„Wir brauchen keinen Überwachungsraum und keine Verdrängung junger Menschen aus der Innenstadt“, erklärt Jagau. Ziel sei „ein sicherer, sozialer und lebendiger Nachtstadtraum“. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sollen nach seinen Vorstellungen zunächst erprobt und anschließend anhand konkreter Daten bewertet werden.
Hintergrund sind mehrere Vorfälle in den vergangenen Wochen. Besonders am Wochenende des 8. und 9. August war die Polizei mehrfach im Bereich von Markt und Schlachtermarkt im Einsatz. Bei einer Auseinandersetzung wurden drei Männer durch Schnitt- beziehungsweise Stichverletzungen verletzt. Polizeidaten, die Schwerin-Lokal Mitte August ausgewertet hatte, zeigen zugleich ein differenziertes Bild: Markt und Schlachtermarkt sind zwar regelmäßig Einsatzorte, einen besonderen Schwerpunkt bei Körperverletzungsdelikten sieht die Polizei bislang jedoch nicht.
Sicherheitskonzept soll mehrere Bereiche verbinden
Nach dem ASK-Antrag soll die Stadt zunächst genauer untersuchen, wo sich Jugendliche und junge Erwachsene nachts bewegen und aufhalten und zu welchen Zeiten Konflikte entstehen. Einbezogen werden sollen Polizei, Kommunaler Ordnungsdienst und Straßensozialarbeit.
Im Fokus stehen dabei auch die Verbindungen zwischen den zentralen Plätzen der Innenstadt. Genannt werden insbesondere die Wege vom Marienplatz über Mecklenburgstraße und Schmiedestraße sowie über Wismarsche Straße, Arsenalstraße und Friedrichstraße. Marktplatz und Schlachtermarkt sollen nicht getrennt voneinander betrachtet werden.
Die ASK begründet diesen Ansatz mit eigenen Beobachtungen vor Ort. Nach Einschätzung der Gruppe verläuft das nächtliche Geschehen überwiegend friedlich. Bei Begehungen seien jedoch Defizite unter anderem bei der Beleuchtung und bei sozialen Angeboten festgestellt worden.
Mehr Licht und längerer Brunnenbetrieb
Ein Bestandteil des Sicherheitskonzepts soll deshalb die Beleuchtung sein. Geprüft werden soll eine möglichst gleichmäßige und blendfreie Ausleuchtung der Plätze und der Wege dazwischen. Auch eine bedarfsgerechte Steuerung der Beleuchtung bringt die ASK ins Gespräch.
Der Brunnen auf dem Schlachtermarkt könnte ebenfalls Teil des Pilotprojekts werden. Die Stadt soll nach dem Antrag prüfen, ob er in den Abend- und Nachtstunden länger betrieben und dezent beleuchtet werden kann. Dahinter steht die Überlegung, den öffentlichen Raum auch nachts stärker zu gestalten und dadurch seine Nutzung zu beeinflussen.
Jagau sieht darin einen möglichen Baustein der Prävention. „Statt ausschließlich auf zusätzliche Polizeipräsenz zu setzen, sollten wir als Stadt untersuchen, welchen Beitrag der öffentliche Raum selbst zur Prävention und Deeskalation leisten kann“, sagt der Stadtvertreter.
ASK schlägt nächtliche Anlaufstelle vor
Ein weiterer Vorschlag betrifft das Rathaus oder ein anderes städtisches Gebäude am Marktplatz. Dort könnte nach Vorstellung der ASK zu bestimmten Abend- und Nachtzeiten ein niedrigschwelliger Anlaufpunkt eingerichtet werden. Denkbar wäre eine Nutzung durch Streetwork, Jugendsozialarbeit und Konfliktprävention.
Zudem soll geprüft werden, wie die bereits vorhandene Straßensozialarbeit an besonders stark frequentierten Abenden zwischen Marienplatz, Innenstadt, Markt und Schlachtermarkt stärker präsent sein könnte. Ob dafür zusätzliches Personal benötigt würde und welche Kosten entstehen könnten, geht aus den vorliegenden Angaben bislang nicht hervor.
„Licht, Sichtbarkeit, Aufenthaltsqualität, Wasser und soziale Präsenz sollen dabei zusammengedacht werden“, erklärt Jagau. Marktplatz und Schlachtermarkt sollten auch nachts stärker als zusammenhängender Stadtraum funktionieren.
Polizeizahlen zeigen differenziertes Bild
Die Debatte über die Sicherheit an Markt und Schlachtermarkt beschäftigt die Schweriner Kommunalpolitik bereits seit Monaten. Nach Angaben der Polizei wurden dort von Januar bis einschließlich Juli 2026 insgesamt 163 Einsätze registriert. In 54 Fällen wurden Straftaten aufgenommen, sieben Anzeigen betrafen Körperverletzungen oder gefährliche Körperverletzungen.
Ein erheblicher Teil der Polizeieinsätze hatte andere Ursachen. 109 Einsätze entfielen auf Gefahrenabwehr, Verkehrsunfälle oder Ordnungswidrigkeiten. Allein wegen unzulässigen Lärms rückte die Polizei bis Ende Juli 45-mal aus.
Die Polizei bezeichnet Markt und Schlachtermarkt wegen wiederkehrender Ordnungswidrigkeiten als Schwerpunkt. Einen entsprechenden Schwerpunkt bei Körperverletzungsdelikten konnte sie anhand der bis dahin vorliegenden Einsatz- und Fallzahlen jedoch nicht feststellen.
Bereits Ende April hatte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/Die PARTEI eine umfassendere Analyse der Sicherheits- und Gefährdungslage beantragt. In der politischen Beratung gab es anschließend unterschiedliche Vorschläge dazu, welche Bereiche untersucht und welche Stellen einbezogen werden sollen. Die Stadtverwaltung hatte für eine umfassende Auswertung zuletzt einen Abschluss im Dezember 2026 für realistisch gehalten.
Pilotprojekt soll ausgewertet werden
Der neue ASK-Antrag geht über eine reine Bestandsaufnahme hinaus. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sollen praktisch erprobt und anschließend ausgewertet werden. Als Kriterien nennt der Antrag unter anderem die Zahl der Polizei‑, Ordnungs- und Rettungsdiensteinsätze, Beschwerden und Besucherzahlen.
Auch das subjektive Sicherheitsempfinden der Menschen soll berücksichtigt werden. Damit ließe sich nach dem Pilotzeitraum prüfen, ob einzelne Maßnahmen tatsächlich einen messbaren Effekt haben und dauerhaft fortgeführt werden sollten.
Der Antrag soll in der kommenden Sitzung der Schweriner Stadtvertretung beraten werden. Ob die Stadtvertretung dem Vorschlag folgt, ist offen.




