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Sicherheit bei Nacht:
ASK will neues Sicherheitskonzept für Schweriner Innenstadt

Nach mehreren Auseinandersetzungen fordert die ASK ein Sicherheitskonzept für die Schweriner Innenstadt. Licht, Streetwork und Prävention sollen zunächst in einem Pilotprojekt erprobt werden.

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  • Veröffentlicht August 25, 2026
Der Schlachter­markt in der Schw­er­iner Alt­stadt ste­ht nach mehreren nächtlichen Auseinan­der­set­zun­gen erneut im Mit­telpunkt der Debat­te über Sicher­heit und Präven­tion. Foto: Lan­deshaupt­stadt Schwerin/Denise Malenke

 


In Kürze:

  • Die ASK fordert ein neues Sicher­heit­skonzept für die nächtliche Schw­er­iner Innen­stadt und will Mark­t­platz, Schlachter­markt sowie die Verbindungswege gemein­sam betra­cht­en.
  • Vorgeschla­gen wer­den unter anderem ein neues Lichtkonzept, stärkere Straßen­sozialar­beit, ein sozialer Anlauf­punkt und die Ein­beziehung des Brun­nens auf dem Schlachter­markt.
  • Die Maß­nah­men sollen zunächst als Pilot­pro­jekt getestet und anhand von Ein­satz­dat­en, Beschw­er­den, Besucherzahlen und Sicher­heit­sempfind­en aus­gew­ertet wer­den.

 

Nach den jüng­sten Auseinan­der­set­zun­gen auf dem Schw­er­iner Schlachter­markt und dem Mark­t­platz soll die Stadt nach dem Willen der Aktion­s­gruppe Stadt und Kul­turschutz (ASK) ein neues Sicher­heit­skonzept für die nächtliche Innen­stadt entwick­eln. Stadtvertreter Karsten Jagau hat dazu einen Antrag in die Stadtvertre­tung einge­bracht. Vorge­se­hen ist zunächst ein zeitlich begren­ztes Pilot­pro­jekt.

Der Antrag nimmt nicht nur die bei­den Plätze in den Blick. Auch die Wege zwis­chen Marien­platz, Mark­t­platz und Schlachter­markt sollen unter­sucht wer­den. Vorgeschla­gen wer­den unter anderem Verän­derun­gen bei der Beleuch­tung, eine stärkere Präsenz der Straßen­sozialar­beit und ein nächtlich­er sozialer Anlauf­punkt. Auf zusät­zliche Videoüberwachung set­zt der Antrag aus­drück­lich nicht.

„Wir brauchen keinen Überwachungsraum und keine Ver­drän­gung junger Men­schen aus der Innen­stadt“, erk­lärt Jagau. Ziel sei „ein sicher­er, sozialer und lebendi­ger Nacht­stad­traum“. Die vorgeschla­ge­nen Maß­nah­men sollen nach seinen Vorstel­lun­gen zunächst erprobt und anschließend anhand konkreter Dat­en bew­ertet wer­den.

Hin­ter­grund sind mehrere Vor­fälle in den ver­gan­genen Wochen. Beson­ders am Woch­enende des 8. und 9. August war die Polizei mehrfach im Bere­ich von Markt und Schlachter­markt im Ein­satz. Bei ein­er Auseinan­der­set­zung wur­den drei Män­ner durch Schnitt- beziehungsweise Stichver­let­zun­gen ver­let­zt. Polizei­dat­en, die Schw­erin-Lokal Mitte August aus­gew­ertet hat­te, zeigen zugle­ich ein dif­feren­ziertes Bild: Markt und Schlachter­markt sind zwar regelmäßig Ein­sat­zorte, einen beson­deren Schw­er­punkt bei Kör­per­ver­let­zungs­de­lik­ten sieht die Polizei bis­lang jedoch nicht.

Sicherheitskonzept soll mehrere Bereiche verbinden

Nach dem ASK-Antrag soll die Stadt zunächst genauer unter­suchen, wo sich Jugendliche und junge Erwach­sene nachts bewe­gen und aufhal­ten und zu welchen Zeit­en Kon­flik­te entste­hen. Ein­be­zo­gen wer­den sollen Polizei, Kom­mu­naler Ord­nungs­di­enst und Straßen­sozialar­beit.

Im Fokus ste­hen dabei auch die Verbindun­gen zwis­chen den zen­tralen Plätzen der Innen­stadt. Genan­nt wer­den ins­beson­dere die Wege vom Marien­platz über Meck­len­burgstraße und Schmiedestraße sowie über Wis­marsche Straße, Arse­nal­straße und Friedrich­straße. Mark­t­platz und Schlachter­markt sollen nicht getren­nt voneinan­der betra­chtet wer­den.

Die ASK begrün­det diesen Ansatz mit eige­nen Beobach­tun­gen vor Ort. Nach Ein­schätzung der Gruppe ver­läuft das nächtliche Geschehen über­wiegend friedlich. Bei Bege­hun­gen seien jedoch Defizite unter anderem bei der Beleuch­tung und bei sozialen Ange­boten fest­gestellt wor­den.

Mehr Licht und längerer Brunnenbetrieb

Ein Bestandteil des Sicher­heit­skonzepts soll deshalb die Beleuch­tung sein. Geprüft wer­den soll eine möglichst gle­ich­mäßige und blend­freie Ausleuch­tung der Plätze und der Wege dazwis­chen. Auch eine bedarf­s­gerechte Steuerung der Beleuch­tung bringt die ASK ins Gespräch.

Der Brun­nen auf dem Schlachter­markt kön­nte eben­falls Teil des Pilot­pro­jek­ts wer­den. Die Stadt soll nach dem Antrag prüfen, ob er in den Abend- und Nacht­stun­den länger betrieben und dezent beleuchtet wer­den kann. Dahin­ter ste­ht die Über­legung, den öffentlichen Raum auch nachts stärk­er zu gestal­ten und dadurch seine Nutzung zu bee­in­flussen.

Jagau sieht darin einen möglichen Baustein der Präven­tion. „Statt auss­chließlich auf zusät­zliche Polizeipräsenz zu set­zen, soll­ten wir als Stadt unter­suchen, welchen Beitrag der öffentliche Raum selb­st zur Präven­tion und Deeskala­tion leis­ten kann“, sagt der Stadtvertreter.

ASK schlägt nächtliche Anlaufstelle vor

Ein weit­er­er Vorschlag bet­rifft das Rathaus oder ein anderes städtis­ches Gebäude am Mark­t­platz. Dort kön­nte nach Vorstel­lung der ASK zu bes­timmten Abend- und Nachtzeit­en ein niedrigschwelliger Anlauf­punkt ein­gerichtet wer­den. Denkbar wäre eine Nutzung durch Street­work, Jugend­sozialar­beit und Kon­flik­t­präven­tion.

Zudem soll geprüft wer­den, wie die bere­its vorhan­dene Straßen­sozialar­beit an beson­ders stark fre­quen­tierten Aben­den zwis­chen Marien­platz, Innen­stadt, Markt und Schlachter­markt stärk­er präsent sein kön­nte. Ob dafür zusät­zlich­es Per­son­al benötigt würde und welche Kosten entste­hen kön­nten, geht aus den vor­liegen­den Angaben bis­lang nicht her­vor.

„Licht, Sicht­barkeit, Aufen­thalt­squal­ität, Wass­er und soziale Präsenz sollen dabei zusam­mengedacht wer­den“, erk­lärt Jagau. Mark­t­platz und Schlachter­markt soll­ten auch nachts stärk­er als zusam­men­hän­gen­der Stad­traum funk­tion­ieren.

Polizeizahlen zeigen differenziertes Bild

Die Debat­te über die Sicher­heit an Markt und Schlachter­markt beschäftigt die Schw­er­iner Kom­mu­nalpoli­tik bere­its seit Monat­en. Nach Angaben der Polizei wur­den dort von Jan­u­ar bis ein­schließlich Juli 2026 ins­ge­samt 163 Ein­sätze reg­istri­ert. In 54 Fällen wur­den Straftat­en aufgenom­men, sieben Anzeigen betrafen Kör­per­ver­let­zun­gen oder gefährliche Kör­per­ver­let­zun­gen.

Ein erhe­blich­er Teil der Polizeiein­sätze hat­te andere Ursachen. 109 Ein­sätze ent­fie­len auf Gefahren­ab­wehr, Verkehrsun­fälle oder Ord­nungswidrigkeit­en. Allein wegen unzuläs­si­gen Lärms rück­te die Polizei bis Ende Juli 45-mal aus.

Die Polizei beze­ich­net Markt und Schlachter­markt wegen wiederkehren­der Ord­nungswidrigkeit­en als Schw­er­punkt. Einen entsprechen­den Schw­er­punkt bei Kör­per­ver­let­zungs­de­lik­ten kon­nte sie anhand der bis dahin vor­liegen­den Ein­satz- und Fal­lzahlen jedoch nicht fest­stellen.

Bere­its Ende April hat­te die Frak­tion Bünd­nis 90/Die Grünen/Die PARTEI eine umfassendere Analyse der Sicher­heits- und Gefährdungslage beantragt. In der poli­tis­chen Beratung gab es anschließend unter­schiedliche Vorschläge dazu, welche Bere­iche unter­sucht und welche Stellen ein­be­zo­gen wer­den sollen. Die Stadtver­wal­tung hat­te für eine umfassende Auswer­tung zulet­zt einen Abschluss im Dezem­ber 2026 für real­is­tisch gehal­ten.

Pilotprojekt soll ausgewertet werden

Der neue ASK-Antrag geht über eine reine Bestand­sauf­nahme hin­aus. Die vorgeschla­ge­nen Maß­nah­men sollen prak­tisch erprobt und anschließend aus­gew­ertet wer­den. Als Kri­te­rien nen­nt der Antrag unter anderem die Zahl der Polizei‑, Ord­nungs- und Ret­tungs­di­en­stein­sätze, Beschw­er­den und Besucherzahlen.

Auch das sub­jek­tive Sicher­heit­sempfind­en der Men­schen soll berück­sichtigt wer­den. Damit ließe sich nach dem Pilotzeitraum prüfen, ob einzelne Maß­nah­men tat­säch­lich einen mess­baren Effekt haben und dauer­haft fort­ge­führt wer­den soll­ten.

Der Antrag soll in der kom­menden Sitzung der Schw­er­iner Stadtvertre­tung berat­en wer­den. Ob die Stadtvertre­tung dem Vorschlag fol­gt, ist offen.