Skelettfund aus Schweriner Gründerzeit auf Schlachtermarkt

Am vergangenen Dienstag haben Archäologen bei Grabungen ein Skelett gefunden, das vermutlich aus dem 12. Jahrhundert stammt.

Bauarbeiten auf dem Schlachtermarkt

„Wir sind begeistert und besorgt zugleich“ sagt Karsten Jagau von der Aktion Stadt und Kulturschutz (ASK). Der Fund eines Skelettes aus der Zeit der Stadtgründung sei ein beeindruckender Fund, der zeige, wie wichtig die archäologische Begleitung der Bauarbeiten auf dem Schweriner Schlachtermarkt sei. 

Gerade erst sind Archäologen bei Ausgrabungen auf der Baustelle am Schlachtermarkt auf ein Skelett gestossen, dass vermutlich aus dem 12. Jahrhundert, also aus der Gründerzeit der Stadt, stammt. Vermutlich handelt es sich beim Schlachtermarkt um den ältesten Handelsplatz der Stadt. Schon früher waren hier einfache Gräber gefunden worden. Das neu entdeckte Grab war in Ost-West-Richtung angelegt, erläutert Grabungsleiter Peter Kaute gegenüber dem NDR: „Die Grabgrube war beigabenfrei, was im Prinzip auf eine christliche Bestattung hindeutet.“

 

Scherben, Holzfässer und Gefäße

 

Stadtvertreter Karsten Jagau

Die Archäologen haben außerdem Scherben, Holzfässer und Gefäße ausgegraben, die mehrere hundert Jahre alt sein könnten. Alle Funde werden mit Fotos und Zeichnungen dokumentiert. Fundstücke wie Scherben, Gefäße und Knochen werden zur weiteren Untersuchung mitgenommen. So erhoffen sich die Experten vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege neue Erkenntnisse darüber, wie sich der Platz hinter dem Rathaus im Verlauf von 800 Jahren entwickelt hat.

Stadtvertreter Karsten Jagau hatte gerade erst am vergangenen Montag einen Antrag an die Stadtvertretung gestellt, die archäologischen Untersuchungen über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus vorzunehmen. Durch den Fund vom Dienstag fühlt sich Jagau nun bestätigt. „Wir hoffen, dass auch diejenigen, die unseren Antrag am Montag noch belächelt haben, unsere Intention nun etwas mehr nachvollziehen können. Der Fund vor Ort zeigt, dass seit über 800 Jahren keine Grabungen in diesem Ausmaß stattfanden. 14 Stadtvertreter haben immerhin ausreichendes Feingefühl bewiesen und dem Antrag zugestimmt“, so der Stadtvertreter. 

Die ASK erhofft sich nun, dass die sehr eng gefasste Vereinbarung zwischen Stadt und Landesamt gelockert wird, um die Grabungen nicht durch Zeitdruck zu gefährden. Die anfallenden Mehrkosten, so die Vorstellung der Wählergemeinschaft, sollen über das Land oder andere Fördertöpfe kompensiert werden.

 

ASK wünscht sich Pause auf der Baustelle

 

„Die Chance dieses Bodendenkmal zu untersuchen darf nicht verschenkt werden. Es wäre nichts schlimmer, als wenn mit schwerem Baugerät weitere Funde zerstört, übersehen oder beschädigt werden.“, sagt Kartsen Jagau.  Hier könne die Stadt auch ihr Verantwortungsbewusstsein und historisches Feingefühl beweisen. „Schließlich will man Weltkulturerbe werden, da darf es an den gemeinsamen Bemühungen zu einem angemessenen Umgang mit der eigenen Stadtgeschichte an einem der ältesten Plätze Schwerins nicht mangeln.“

In der Stellungnahme zum Antrag von Karsten Jagau hatte die Verwaltung darauf hingewiesen, dass im Moment alle rechtlichen Belange des Denkmalschutzes erfüllt werden und die von der ASK eingeforderte Ausweitung der Grabungen unverhältmäßige Kosten produzieren würde.

Nach dem Fund am Dienstag fordert Jagau nun eine Pause auf der Baustelle. Heute nahmen die Bagger allerdings wieder ihre Arbeit auf.  „Meines Erachtens sollte hier erstmal nicht mehr mit schwerem Gerät gearbeitet werden. Dies könnte die Gefahr von Beschädigungen oder gar Zerstörung historischem Kulturgutes bedeuten.“, sagt Jagau. 

Anlass für die Grabungen sind Bauarbeiten zur Umgestaltung des Schlachtermarkts. Geplant sind unter anderem neue Bäume und Bänke, auch unterirdische Leitungen werden modernisiert. Die Kosten liegen bei 1,6 Millionen Euro. Im Frühjahr 2020 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Stefan Rochow

Journalist, Unternehmer und Gründer der digitalen Tageszeitung Schwerin-Lokal.de. Sie erreichen mich per E-Mail unter redaktion@schwerinlokal.de

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