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Geld da – aber keiner kommt ran:
Milliarden verteilt – aber nicht vor Ort? Kommunen kritisieren Landesregierung

Aus dem Sondervermögen des Bundes sollen Milliarden nach Mecklenburg-Vorpommern fließen. Doch Kommunen kritisieren die geplante Verteilung durch die Landesregierung – und fürchten Verzögerungen und Bürokratie.

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  • Veröffentlicht November 5, 2025
Sondervermögen Mecklenburg-Vorpommern
Stre­it um die Mil­liar­den: Wie kommt das Geld in den Städten und Gemein­den an? 
Foto: Ste­fan Rochow (Fotomon­tage)

Die Diskus­sion um das Son­derver­mö­gen des Bun­des sorgt in Meck­len­burg-Vor­pom­mern weit­er­hin für Unruhe. Aus dem schulden­fi­nanzierten Son­der­topf des Bun­des sollen in den kom­menden zwölf Jahren rund zwei Mil­liar­den Euro nach Meck­len­burg-Vor­pom­mern fließen. Damit sollen Investi­tio­nen in vie­len Bere­ichen ermöglicht wer­den – von Infra­struk­tur über Bil­dung bis zur Gesund­heitsver­sorgung. Doch vor allem die Städte und Gemein­den im Land befürcht­en, dass ein großer Teil des Geldes gar nicht dort ankommt, wo es vor Ort am drin­gend­sten gebraucht wird.

Der Städte- und Gemein­de­tag Meck­len­burg-Vor­pom­mern (StGT MV) sieht die bish­erige Pla­nung der Lan­desregierung kri­tisch. Nach derzeit­i­gen Vorstel­lun­gen sollen die Mit­tel nicht direkt an die Kom­munen über­wiesen, son­dern über ver­schiedene neue Förder­pro­gramme verteilt wer­den. Das bedeutet: Jede Kom­mune müsste für Pro­jek­te Anträge stellen, Nach­weise erbrin­gen und Genehmi­gun­gen abwarten. Für viele Orte, beson­ders für kleinere Gemein­den mit wenig Per­son­al in der Ver­wal­tung, kann das zu ein­er großen Hürde wer­den.

Hoher Bedarf in Städten und Gemeinden

Dass der Investi­tions­be­darf in Meck­len­burg-Vor­pom­merns Kom­munen groß ist, zeigt ein Blick in viele Orte. Schulen müssen saniert wer­den, Sporthallen sind in die Jahre gekom­men, Straßen­beläge bröck­eln. In Schw­erin bet­rifft das zum Beispiel mehrere Schul­stan­dorte sowie Sport- und Freizei­tan­la­gen in ver­schiede­nen Stadt­teilen. Auch die Feuer­wehren im Land melden seit Jahren steigen­den Bedarf bei Gebäu­den, Fahrzeu­gen und mod­ern­er Aus­rüs­tung.

Gle­ichzeit­ig haben viele Kom­munen seit langem mit knap­pen Haushal­ten zu kämpfen. Rück­la­gen sind kaum vorhan­den. Wenn För­der­mit­tel erst lange beantragt und geplant wer­den müssen, kann das zu Zeitver­lust führen – und Zeit kostet Geld. Denn während ein Pro­jekt auf Genehmi­gung wartet, steigen häu­fig die Bau- und Mate­ri­al­preise weit­er.

Unterschiedliche Schwerpunkte von Land und Kommunen

Die Lan­desregierung hat bere­its auf dem soge­nan­nten Investi­tion­s­gipfel MV fest­gelegt, wofür ein Großteil des Son­derver­mö­gens ver­wen­det wer­den soll. Ins­ge­samt sind fol­gende Bere­iche vorge­se­hen:

  • 150 Mil­lio­nen Euro für Hochschulen im Land, darunter auch die Hochschulen in Schw­erin und Wis­mar

  • 520 Mil­lio­nen Euro für Dig­i­tal­isierung, Energie- und Verkehrsin­fra­struk­tur

  • 250 Mil­lio­nen Euro für den Erhalt und die Weit­er­en­twick­lung der Kranken­häuser

  • 300 Mil­lio­nen Euro für Maß­nah­men der inneren Sicher­heit

  • 100 Mil­lio­nen Euro für Sport, Kul­tur und Zoos

Diese Schw­er­punk­t­set­zung ori­en­tiert sich an lan­desweit­en Zie­len und langfristi­gen Entwick­lungsstrate­gien. Die Kom­munen begrüßen diese The­men grund­sät­zlich – sie bemän­geln jedoch, dass wichtige kom­mu­nale Auf­gaben in diesen Pro­gram­men nicht aus­re­ichend berück­sichtigt wer­den.

Viele Investi­tio­nen, die Bürg­erin­nen und Bürg­er unmit­tel­bar betr­e­f­fen, sind klein­teilig und lokal: die Sanierung ein­er Turn­halle, die Mod­ernisierung eines Spielplatzes oder der Aus­bau eines Fußwegs zur Schule. Solche Maß­nah­men fall­en aber oft nicht in die stan­dar­d­isierten Förderbe­din­gun­gen.

Vergleich mit anderen Bundesländern

Der Städte- und Gemein­de­tag ver­weist darauf, dass andere Bun­deslän­der einen anderen Weg gewählt haben. In Schleswig-Hol­stein, Baden-Würt­tem­berg, Sach­sen und Bay­ern erhal­ten Kom­munen pauschale Beträge, über deren Ver­wen­dung sie selb­st entschei­den dür­fen. Diese Lösung gilt dort als schneller und weniger bürokratisch. Dadurch kön­nen Pro­jek­te begin­nen, sobald die Gemeinde bere­it ist – und nicht erst, wenn ein Förder­antrag bewil­ligt ist.

Diese Vorge­hensweise könne, so der StGT MV, das Ver­trauen der Bürg­erin­nen und Bürg­er in staatlich­es Han­deln stärken. Denn sicht­bare Verbesserun­gen vor Ort schaf­fen das Gefühl, dass poli­tis­che Entschei­dun­gen Wirkung zeigen.

Sorge vor Zeitverzug und Kostensteigerungen

Ein weit­er­er Punkt ist die Dauer der Ver­fahren. Wenn die Beantra­gung von För­der­mit­teln mehrere Monate oder sog­ar Jahre dauert, kön­nen sich Pro­jek­te erhe­blich verzögern. In dieser Zeit steigen häu­fig die Preise für Bau­ma­te­r­i­al und Handw­erk­sleis­tun­gen spür­bar. Das bedeutet: Am Ende kön­nen mit dem gle­ichen Geld weniger Pro­jek­te umge­set­zt wer­den.

Nach Ein­schätzung des StGT MV kön­nte ein Teil der Gelder sog­ar voll­ständig in Pla­nungskosten, Ver­wal­tungsaufwand und Doku­men­ta­tion­spflicht­en fließen. Damit wäre das eigentliche Ziel – die Verbesserung der Lebens­be­din­gun­gen vor Ort – nur eingeschränkt erre­ich­bar.

Kommunen hoffen auf Gespräche mit dem Land

Die kom­mu­nalen Spitzen­ver­bände haben ihre Anliegen bere­its in Gesprächen und Schreiben gegenüber der Lan­desregierung for­muliert. Sie wün­schen sich, dass die Lan­desregierung die Mit­tel zumin­d­est teil­weise pauschal an die Kom­munen weit­ergibt. So kön­nten unter­schiedliche örtliche Bedürfnisse bess­er berück­sichtigt wer­den.

Ob die Lan­desregierung den Kurs noch anpasst, ist offen. Fest ste­ht jedoch: Wenn die Gelder zu langsam fließen oder nur schw­er abruf­bar sind, kön­nten drin­gend nötige Investi­tio­nen weit­er auf sich warten lassen – in Schw­erin eben­so wie in vie­len kleineren Gemein­den im Land.