Wenn am Mittwoch das Licht schwindet:
Sonnenfinsternis auch über Schwerin
Am Mittwoch zieht der Mond vor die Sonne. Auch in Schwerin ist die partielle Sonnenfinsternis zu sehen – mit verändertem Licht, möglicher Abkühlung und einem seltenen Schauspiel am Himmel.

In Kürze:
- Partielle Sonnenfinsternis: Am Mittwochabend verdeckt der Mond von Schwerin aus gesehen einen großen Teil der Sonne. Vollständig dunkel wird es dabei nicht.
- Licht und Temperatur: Durch die geringere Sonneneinstrahlung kann es vorübergehend dunkler und etwas kühler werden. Auch Tiere können auf die ungewohnten Lichtverhältnisse reagieren.
- Augen schützen: Der direkte Blick in die Sonne ist auch während der Finsternis gefährlich. Zur Beobachtung sind spezielle, geprüfte Sonnenfinsternisbrillen erforderlich.
Am Mittwochabend bietet sich über Schwerin ein seltenes Himmelsschauspiel: Der Mond zieht zwischen Erde und Sonne und verdeckt dabei einen großen Teil der Sonnenscheibe. Von Mecklenburg-Vorpommern aus ist die Sonnenfinsternis stellenweise zu beobachten. Anders als bei einer totalen Sonnenfinsternis verschwindet die Sonne in Schwerin nicht vollständig. Dennoch kann eine starke partielle Finsternis mehr sein als nur ein auffälliger Anblick am Himmel. Mit zunehmender Bedeckung erreicht weniger direkte Sonnenstrahlung den Boden. Die Umgebung kann dadurch sichtbar dunkler werden und das Licht eine ungewohnte Charakteristik annehmen.
Wenn sich nicht nur das Licht verändert
Eine Sonnenfinsternis beeinflusst für kurze Zeit den Energieeintrag der Sonne. Weil weniger Strahlung den Erdboden erreicht, erwärmen sich Boden und bodennahe Luft weniger stark. Bei totalen Sonnenfinsternissen wurden teilweise deutliche Temperaturabfälle gemessen. Wie stark dieser Effekt bei einer partiellen Finsternis ausfällt, hängt unter anderem von Bewölkung, Wind, Tageszeit und dem Grad der Bedeckung ab.
Wer sich während der Finsternis längere Zeit draußen aufhält, kann deshalb möglicherweise eine leichte Abkühlung wahrnehmen. Auch Veränderungen des Windes sind bei Sonnenfinsternissen wissenschaftlich untersucht worden. Der Grund liegt unter anderem darin, dass die Erwärmung des Bodens und damit verbundene Luftbewegungen vorübergehend abgeschwächt werden. Besonders auffällig kann die Veränderung des Lichts sein. Anders als bei einem gewöhnlichen Sonnenuntergang nimmt die Sonneneinstrahlung durch den vorbeiziehenden Mond innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit ab. Schatten und Kontraste können dadurch ungewohnt erscheinen.
Auch Tiere können auf die veränderten Umweltbedingungen reagieren. Bei früheren Sonnenfinsternissen wurden beispielsweise Veränderungen bei Vögeln und Insekten beobachtet. Einige Tiere reagieren auf die plötzlich einsetzende Dämmerung ähnlich wie am Abend. Solche Effekte sind bei einer totalen Finsternis allerdings wesentlich ausgeprägter als bei dem partiellen Ereignis, das in Schwerin zu sehen sein wird.
Warum sich der Himmel überhaupt verdunkelt
Eine Sonnenfinsternis entsteht, wenn Sonne, Mond und Erde nahezu auf einer Linie stehen. Obwohl die Sonne rund 400-mal größer als der Mond ist, befindet sie sich auch ungefähr 400-mal weiter von der Erde entfernt. Deshalb erscheinen beide Himmelskörper von der Erde aus nahezu gleich groß. Zieht der Mond bei Neumond passend zwischen Erde und Sonne hindurch, fällt sein Schatten auf die Erde. Schwerin liegt am Mittwoch außerhalb der schmalen Zone, in der die Sonne vollständig verdeckt wird. Die Landeshauptstadt befindet sich lediglich im Halbschatten des Mondes deshalb bleibt ein Teil der Sonnenscheibe sichtbar.

Foto: Jason Gillman from Pixabay
Selbst die Erdatmosphäre reagiert auf eine Sonnenfinsternis. In höheren Atmosphärenschichten führt die vorübergehend fehlende Sonnenstrahlung dazu, dass die Ionisierung zurückgeht. Besonders gut lässt sich dieser Effekt in der Ionosphäre messen, die unter anderem für die Ausbreitung bestimmter Funksignale von Bedeutung ist.
Der gefährliche Rest der Sonne
So eindrucksvoll das Ereignis ist: Der direkte Blick auf die Sonne bleibt gefährlich. Das gilt auch dann, wenn ein großer Teil der Sonnenscheibe bereits vom Mond verdeckt ist. Hornhaut und Augenlinse bündeln das einfallende Sonnenlicht auf der Netzhaut. Die verbleibende Sonnenstrahlung kann dort innerhalb kurzer Zeit Schäden verursachen. Besonders problematisch ist, dass die Netzhaut keine Schmerzrezeptoren besitzt. Eine Schädigung muss deshalb während der Beobachtung nicht unmittelbar bemerkt werden.
Eine gewöhnliche Sonnenbrille bietet keinen ausreichenden Schutz. Für die direkte Beobachtung sollten ausschließlich dafür vorgesehene Sonnenfinsternisbrillen verwendet werden, die den entsprechenden Sicherheitsanforderungen entsprechen und unbeschädigt sind.
Besondere Vorsicht gilt bei Ferngläsern, Teleskopen und Kameras mit optischem Sucher: Durch die Vergrößerungsoptik wird Sonnenlicht zusätzlich gebündelt. Hier müssen geeignete Sonnenfilter vor der Optik angebracht werden. Wer das Ereignis in Schwerin verfolgen möchte, sollte sich einen möglichst freien Blick in Richtung Westen suchen. Dann lässt sich beobachten, wie sich die vertraute Sonnenscheibe langsam in eine immer schmalere Sichel verwandelt und wie ein mehrere Hunderttausend Kilometer entfernter Mond für kurze Zeit Licht und Atmosphäre eines Sommerabends in Schwerin verändert.



