Spannender Vortragsabend über eine der Mütter des Grundgesetzes

Stadtvertreterin Susanne Herweg bei ihrem Vortrag
Stadtvertreterin Susanne Herweg bei ihrem Vortrag

(sr). „Der reine Männerstaat ist das Verderben der Völker“, so brachte es die damalige Bundestagsabgeordnete Helene Weber vor 64 Jahren auf den Punkt. Zusammen mit drei weitere Frauen, war Weber im Parlamentarischen Rat an der Formulierung unseres Grundgesetzes beteiligt. Grundgesetzaussagen wie Artikel 3 „Frauen und Männer sind gleichberechtigt“, sind diesen vier Frauen zu verdanken.

Am gestrigen Abend stand das Lebenswerk von Helene Weber im Mittelpunkt einer Veranstaltung der Katholischen Propsteigemeinde St. Anna Schwerin. Die CDU-Stadtvertreterin Susanne Herweg stellte den etwa 30 Interessierten kurz das Leben von Helene Weber vor.

Eine Frauenrechtlerin der ersten Stunde

Helene Weber arbeitete am Entwurf zweier Verfassungen mit
Helene Weber arbeitete am Entwurf zweier Verfassungen mit

Im Jahr 1881 in Elberfeld geboren, arbeitete sie nach ihrem Studium der Romanistik, Philosophie, Volkswirtschaft und Geschichte in Bonn und Grenoble als Oberlehrerin in Bochum und später in Köln. Ab 1911 engagiert sich Helene dann für die Gleichberechtigung von Frauen, was damals alles andere als selbstverständlich gewesen ist. So war es zu diesem Zeitpunkt für Frauen undenkbar, wählen gehen zu können. 

Nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs, wird Weber dann Abgeordnete der Weimarer Nationalversammlung und ist in dieser Funktion an der Formulierung der Weimarer Verfassung beteiligt.  Später wird sie 1949 daher die einzige Abgeordnete im Parlamentarischen Rat sein, die an dem Entwurf von zwei Verfassungen beteiligt gewesen ist. 1920 wird die Politikerin der Zentrumspartei dann die erste weibliche Ministerialrätin der Weimarer Republik. 1924 -1933 ist Helene Weber fürs Zentrum Reichstagsabgeordnete, ab 1927 als Mitglied des Fraktionsvorstandes. Nach Machtübernahme der Nationalsozialisten, wird die Zentrums-Politikerin dann wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ aus dem Staatsdienst entlassen.Nach dem Krieg treibt es Helene Weber dann wieder in die Politik. Als Mitglied des Parlamentarischen Rats an der Formulierung des Grundgesetzes beteiligt, wird sie 1949 Bundestagsabgeordnete und später Vorsitzende des Familienrechtsausschusses des Parlamentes. Bis zu ihrem Tod am 25.7.1962, behält sie ihr Mandat .

Bürgerschaftliches Engagement für Frauen sichtbar machen

Nach dem Vortrag entspann sich eine angeregte Diskussion
Nach dem Vortrag entspann sich eine angeregte Diskussion

In Erinnerung an diese herausragende Frau, rief das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend 2009 den Helene-Weber-Preis ins Leben. Frauen für die Kommunalpolitik zu gewinnen und kommunalpolitisch aktive Frauen in ihrem Engagement zu unterstützen – das sind die zentralen Anliegen dieses Preises. Seit 2011 ist auch die Schweriner Stadtverordnete, Susanne Herweg, Preisträgerin. Daher ist ihr die Verbreitung des Lebenswerkes von Helene Weber, verbunden mit dem Anliegen, Kommunalpolitik als wichtigen Bereich bürgerschaftlichen Engagements für Frauen sichtbar zu machen und zum Einstieg zu motivieren, Susanne Herweg ein Herzensanliegen.

Auch heute ist die Gleichberechtigung von Frauen und Männern noch nicht in allen Lebensbereichen Realität. Darauf weißt die Stadtvertreterin am Ende ihres Vortrages hin. Die verfassungsrechtliche Verankerung der Lohngleichheit von Mann und Frau, wie sie Helene Weber eingefordert hat, hat also bis heute nichts an Aktualität verloren: „[…] verichten sie gleiche Arbeit, so haben sie Anspruch auf gleiche Entlohnung“, steht bis heute als berechtigte Forderung im Raum.

In der anschließenden Diskussion wird deutlich, dass dieses Problem vielschichtig ist und noch vielen unterschiedlicher Anstrengungen bedarf.

Redaktion

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0 Kommentare "Spannender Vortragsabend über eine der Mütter des Grundgesetzes"

  1. Avatar
    Elisabeth Prégardier   6. September 2013 at 9:29

    Über die neue Aufmerksamkeit zu Helene Weber habe ich mich sehr gefreut.
    Als gebürtige Essenerin habe ich Helene Weber in meinen Kindertagen in der Nähe des Frauenbundhauses gekannt. Wahrscheinlich kennt die Referentin die beiden von mir herausgegebenen Publikationen „Helene Weber – Ernte eines Lebens“ und „Politik als Aufgabe – Engagement christlicher Frauen in der Weimarer Republik“.
    Durch die Beschäftigung mit allen Politikerinnen in der Weimarer Republik bin ich auch auf Maria Grollmuß gestoßen. In der Zeit der DDR wurde sie sogar durch eine Briefmarke geehrt. Eine tief christliche Frau, die die letzten zehn Jahre ihres Lebens im Zuchthaus Waldheim und im KZ Ravensbrück verbringen mußte. An sie zu erinnern halte ich auch für sehr wichtig.
    Mit besten Grüßen
    Elisabeth Prégardier

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