SPD-Fraktion fordert soziale Ausrichtung der Wohnungspolitik

Nach Ansicht von SPD-Fraktionschef Masch muss die Wohnungspolitik in Schwerin völlig neu ausgerichtet werden.

Foto: Hartmut Leu – Archiv Hartmut Leu, Parchim

Ein gerade erst vorgelegtes Diskussionspapier„Wie brüchig ist die soziale Architektur unserer Städte?“  lässt aufhorchen: Arme und reichere Menschen leben in deutschen Städten immer seltener in gemeinsamen Nachbarschaften. Besonders ausgeprägt sei die soziale Trennung in Ostdeutschland, heißt es in einer Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), die die soziale Durchmischung in 74 deutschen Städten für die Jahre 2005 bis 2014 untersucht. In etwa 80 Prozent dieser Kommunen hat die räumliche Ballung von Menschen, die von Sozialleistungen wie Hartz IV lebten, zugenommen: am stärksten dort, wo viele Familien mit kleinen Kindern und viele arme Menschen leben.

 

Leitlinien für Stadtentwicklung

 

SPD-Fraktionschef Christian Masch

Nach Ergebnis der Studie ist Schwerin trauriger Spitzenreiter unter den 74 untersuchten Städten. „Die Schweriner Wohnungspolitik muss grundlegend neu ausgerichtet werden“, fordert nun der Vorsitzende der SPD-Stadtfraktion Christian Masch.  Hierzu hat die SPD-Fraktion der Stadtvertretung jetzt einen Antrag vorgelegt. Ziel ist es, dass mehr Menschen in allen Stadtteilen eine Wohnung finden, und zwar unabhängig von ihrem Geldbeutel. Dass das nicht einfach durch die Politik bestimmt werden kann, das weiß auch Christian Masch. Auch kann man an der Situation kurzfristig nichts ändern. Masch und seine Fraktion setzt daher auf die Erarbeitung von Leitlinien. „In einem ersten Schritt wollen wir daher, dass die Stadt Leitlinien für die Stadtentwicklung insgesamt, aber auch für den Wohnungsmarkt erarbeitet. In diesem Zusammenhang sind auch die Grundstückspolitischen Leitlinien der Landeshauptstadt aus dem Jahr 2003 zu überarbeiten.“, sagt der SPD-Kommunalpolitiker.

Die Stadt müsse dringend gegen die Konzentration von Menschen bestimmter Einkommensschichten handeln. Das trägt zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserer Stadt bei“, so Masch.

 

Sozialwissenschaftler warnen seit langem vor negativen „Nachbarschaftseffekten“

 

Sozialwissenschaftler warnen seit langem vor negativen „Nachbarschaftseffekten“, wenn Arme und Abgehängte unter sich bleiben. So fehle es „an positiven Rollenvorbildern insbesondere für Kinder und Jugendliche“. Auch wirke sich das negative Image eines Quartiers nach innen und außen, „so dass es zum Ort der Stigmatisierung und Diskriminierung wird“, unterstreichen die Autoren der Studie. In 36 der untersuchten Städte gibt es mittlerweile Quartiere, in denen mehr als die Hälfte aller Kinder von Hartz-IV-Leistungen leben. »Diese Entwicklung kann sich negativ auf die Lebenschancen armer Kinder auswirken«, unterstreicht WZB-Forscherin Jähnen.

Stefan Rochow

Journalist, Unternehmer und Gründer der digitalen Tageszeitung Schwerin-Lokal.de. Sie erreichen mich per E-Mail unter redaktion@schwerinlokal.de

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