Spektakuläre Neuansiedlung im Industriegebiet?

Das klingt nach einem echten Paukenschlag. In den heutigen frühen Morgenstunden erhielten wir zuverlässige Informationen, dass im Industriegebiet Göhrener Tannen, dort wo noch vor kurzem eine INTEL-Ansiedlung im Gespräch war, ein schwedisch-estnisches Konsortium eine Fabrik zur Produktion moderner Mini-Kernreaktoren, sogenannter Small Modular Reaktoren, kurz SMR, plant. Zudem sollen auf einer großen Nachbarfläche, ähnlich einem Musterhaus-Wohnpark, zwanzig Test- und Vorführ-Reaktoren sowie stadtweit eventuell ein eigenes SMR-Fernwärmenetz entstehen. Die Stadtverwaltung und auch die Stadtwerke hüllen sich noch in Schweigen.

So könnte die neue Fabrik aussehen. | Stand: 1. April 2022

Bis heute ist der nachhaltige Umstieg der deutschen Stromproduktion auf regenerative Energiequellen alles andere als geglückt. Im Optimalfall sollte Strom dort produziert werden, wo man ihn auch verbraucht. Abhängigkeiten, wie sie uns derzeit massiv in Bedrängnis bringen, werden so reduziert. Sicherheiten wachsen. Und vor allem sind Preisschwankungen, wie wir sie derzeit erleben, dann fast ausgeschlossen.

 

Unabhängigkeit von ausländischen Energieimporten hat Priorität

Da gleichzeitig aber das Ziel der Emissionsfreiheit im Raum steht, gilt es Lösungen zu finden, sie zudem auch eine Liefersicherheit garantieren. Über Wochen stillstehende Windräder oder – wie im zurückliegenden Winter – Wochen ohne Sonnenlicht auf Photovoltaik-Anlagen zeigen, dass es zumindest weiterer Antworten bedarf. Und dabei kommt weltweit wieder die emissionsfreie Atomkraft ins Spiel.

 

Small Modular Reactor (SMR) als Exportschlager?

Wird nun aus einstigem Unsinn Vernunft? Aus einer Plage eine Wohltat? Ist Atomkraft die Antwort auf den Klimawandel? Zahlreiche Länder sehen dies so. Selbst Schweden, einstmals Vorzeigeland der Anti-Atomkraft-Bewegung, da man dort 1980 einen Atomausstieg bis zum Jahr 2000 beschlossen hatte, und wo noch heute Atomstrom produziert wird, scheint vor einer Wende hin zur seinerzeit verteufelten Produktionsart zu stehen. Ein dort ansässiges Unternehmen allerdings hat, da noch nichts sicher erscheint, sein Know-how nach Estland verlagert und dort Mini-Reaktoren (Small Modular Reactor, SMR)entwickelt. Sollte Atomkraft nun auch noch durch die EU als „green energy“ gelabelt werden, könnten sie der Exportschlager werden. Nicht zuletzt auch, da sie serienmäßig in Fabriken produzierbar sind, und per LKW an die Aufstellungsorte gebracht werden können.

 

Informationen rund um das Thema SMR

 

SMR-Fabrik mit Test- und Vorführanlagen soll nach Schwerin

Darauf allerdings will das Unternehmen nicht mehr warten. Wie schwerin-lokal am heutigen frühen Morgen aus zuverlässigen Quellen erfuhr, wird das schwedisch-estnische Konsortium im Industriegebiet Schwerin-Süd – dort, wo noch vor kurzem ein INTEL-Werk im Gespräch war – eine Produktionsstätte für eben diese Mini-Reaktoren nebst eines Test- und Vorführ-Reaktoren-Parks errichten. Bis zu 20 der kleinen Kraftwerke könnten dann an der Fabrik – oder gar den Fabriken, denn weitere drei sollen optional geplant sein – auf einer Fläche von mindestens 60 Hektar entstehen. Damit dürfte die Großfläche von 60 Hektar, die neulich noch INTEL angeboten wurde und nun schlafen sollte, bis mal wieder ein Investor eine Großfläche sucht und auf Schwerin stößt, bereits vergeben sein. Schneller, als gedacht.

 

Reaktoren können dort stehen, wo man sie benötigt

Den Markt schätzt das Energie-Konsortium schon jetzt als unbegrenzt ein. Aufgrund der geringen Größe können die Mini-Reaktoren auch in Stadtnähe stehen. Im Falle eines Unfalls kommt es nur zu einem geringen Austritt von Radioaktivität. Zudem produzieren die modernen Reaktoren wenig Müll. Diesen integrieren einige SMR-Modelle sogar wieder in den Brennstoffkreislauf. Benötigt man die Reaktoren, aus welchem Grund auch immer, nicht mehr, kann sie ein LKW zur Entsorgung wieder abholen.

 

SMR-Fernwärme für neues Freibad geplant – Konkurrenz für Stadtwerke?

Wichtig ist für den schwedisch-estländischen Investor allerdings der Bau des geplanten Autobahn-Zubringers bis zum Industriegebiet Göhrener Tannen. Auch hofft man auf einen zusätzlichen Bahnanschluss. Denn Logistik dürfte eine zentrale Rolle spielen. In Aussicht stellte das Unternehmen auch ein Freibad direkt neben den Reaktoren, das mit SMR-Fernwärme aus den Test- und Vorführ-Reaktoren beheizt werden soll. Selbstverständlich seien dann auch eine große Wasserrutsche und ein Sprungturm geplant. Ob und inwieweit das Fernwärme-Modell auch in Konkurrenz zum preisintensiven Fernwärme-Angebot der Stadtwerke gehen soll, ist noch offen. Verschiedene Hauseigentümer, die bereits Erfahrung mit dem sehr teuren Schweriner Fernwärme-System gemacht haben, dürften aufhorchen.

 

Baubeginn in einem Jahr – Auch am 1. April

Von der Stadtspitze war in der Kürze der Zeit am heutigen 1. April noch keine Stellungnahme zu bekommen. Man darf aber davon ausgehen, dass man im Stadthaus strahlt, die Investition an Land gezogen zu haben. Näheres dürfte der Investor auf einer Pressekonferenz bekanntgeben. Der 1. Spatenstich soll zumindest am 1. April 2023 sein.

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