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Nach langem Anlauf:
Kunstrasenplatz in Neumühle ist fertig – langer Streit ging dem Bau voraus

Nach jahrelanger Planung und politischen Auseinandersetzungen ist der Kunstrasenplatz in Neumühle fertig. Die 1,16 Millionen Euro teure Anlage soll vor allem den Fußballnachwuchs entlasten.

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  • Veröffentlicht September 18, 2026
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Sportplatz Neumühle
Der neue Kun­strasen­platz kurz vor der Fer­tig­stel­lung aus der Vogelper­spek­tive. Foto: SDS/ Jannes Lenferink

 

 


In Kürze:

  • Der neue Kun­strasen­platz in Neumüh­le kostete 1,16 Mil­lio­nen Euro; eine Mil­lion Euro kommt vom Land.
  • Dem Bau gin­gen jahre­lange Pla­nun­gen und 2023 ein poli­tis­ch­er Stre­it über die Ver­wen­dung der Lan­des­förderung voraus.
  • Der beste­hende Rasen­platz bleibt sanierungs­bedürftig. Die UB/FDP-Frak­tion fordert dafür Mit­tel im Dop­pel­haushalt 2027/2028.

 

Der neue Kun­strasen­platz in Neumüh­le ist fer­tig. Ober­bürg­er­meis­ter Sebas­t­ian Ehlers hat das 55 mal 45 Meter große Klein­spielfeld in der Kranich­straße am Don­ner­stag an Vertreter des SV Neumüh­le übergeben. Die Stadt bez­if­fert die Gesamtkosten auf 1,16 Mil­lio­nen Euro, eine Mil­lion Euro davon übern­immt das Land Meck­len­burg-Vor­pom­mern.

Ent­standen ist der Platz auf ein­er bis­lang unbe­baut­en Fläche gegenüber der beste­hen­den Sportan­lage. Neben dem Kun­strasen gehören eine Train­ings­beleuch­tung, ein San­itär­con­tain­er und 25 Pkw-Stellplätze zum Pro­jekt. Der Ball­fangza­un soll wegen ein­er Liefer­verzögerung erst in der kom­menden Woche voll­ständig mon­tiert wer­den.

Vor allem für die Nach­wuchs­man­nschaften des SV Neumüh­le schafft die Anlage zusät­zliche Train­ingsmöglichkeit­en. Neun der zehn Fußball­mannschaften des Vere­ins spie­len nach Angaben der Stadt im Junioren­bere­ich. Ehlers beze­ich­nete den Neubau bei der Über­gabe deshalb auch als Anerken­nung der Nach­wuch­sar­beit des Vere­ins.

Bis zu diesem Ter­min war es allerd­ings ein langer Weg. Der Wun­sch nach besseren Bedin­gun­gen für den Fußball in Neumüh­le ist deut­lich älter als das jet­zt abgeschlossene Baupro­jekt. Nach Darstel­lung der Unab­hängi­gen Bürg­er set­zen sich Man­fred Strauß und Heiko Schröder seit rund 20 Jahren dafür ein, die Sportbe­din­gun­gen für den Neumüh­ler SV zu verbessern. Schröder ist zugle­ich beim Vere­in aktiv und war bei der Über­gabe des neuen Platzes dabei.

Vom Wunsch zum konkreten Projekt

Auch in den Haushalt­sun­ter­la­gen der Stadt lässt sich das Vorhaben über mehrere Jahre zurück­ver­fol­gen. Im Haushalt­s­plan 2021/2022 der Lan­deshaupt­stadt Schw­erin find­et sich in der Investi­tion­süber­sicht für die Sport­stät­ten bere­its eine eigene Maß­nahme mit der Beze­ich­nung „Neubau Fußbal­lk­le­in­feld Neumüh­le“. Das Vorhaben war damit lange vor dem späteren Stre­it um die Lan­des­förderung Teil der städtis­chen Investi­tion­s­pla­nung.

Den entschei­den­den finanziellen Schub erhielt das Pro­jekt 2023. Das Land stellte Schw­erin eine Son­derbe­darf­szuweisung von ein­er Mil­lion Euro zur Ver­fü­gung. Die Mit­tel waren für Investi­tio­nen in Kom­munen vorge­se­hen, die durch die Unter­bringung von Geflüchteten beson­ders belastet waren. Im Sep­tem­ber 2023 entsch­ied die Stadtvertre­tung, die Lan­desmil­lion voll­ständig für ein Kun­strasen-Klein­spielfeld in Neumüh­le einzuset­zen.

Streit um die Landesmillion

Die Entschei­dung war poli­tisch umstrit­ten. Die Stadtver­wal­tung wollte das Geld auf mehrere Pro­jek­te in ver­schiede­nen Stadt­teilen verteilen. Die Mehrheit der Stadtvertre­tung entsch­ied sich dage­gen für die Konzen­tra­tion der gesamten Summe auf Neumüh­le.

Der dama­lige Ober­bürg­er­meis­ter Rico Baden­schi­er (SPD) legte gegen den Beschluss Wider­spruch ein. Baden­schi­er ver­wies damals unter anderem auf den ursprünglichen Zweck der Son­derbe­darf­szuweisung. In Schw­erin gebe es Stadt­teile mit einem Aus­län­der­an­teil von mehr als 30 Prozent. Deshalb sollte aus sein­er Sicht noch ein­mal geprüft wer­den, ob andere Pro­jek­te dem Förderzweck bess­er entsprächen.

 


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Hinzu kamen finanzielle Fra­gen. Zu diesem Zeit­punkt war nach Angaben der Ver­wal­tung noch nicht gek­lärt, ob die Lan­desmil­lion für das gesamte Vorhaben aus­re­ichen würde und wie ein zusät­zlich­er Eigenan­teil finanziert wer­den kön­nte. Baden­schi­er stellte dabei den Bedarf des SV Neumüh­le nicht grund­sät­zlich infrage, son­dern wollte einen anderen Finanzierungsweg für den Sport­platz prüfen lassen.

Die Unab­hängi­gen Bürg­er (UB) gehörten zu den poli­tis­chen Kräften, die das zusät­zliche Spielfeld unter­stützten. In einem Post in den sozialen Net­zw­erken schreiben die UB, dass die Bemühun­gen ins­beson­dere von Man­fred Strauß und Heiko Schröder um bessere Bedin­gun­gen beim SV Neumüh­le rund 20 Jahre zurück­lä­gen.

 

 


 

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Förderbescheid brachte Planung voran

Ein Jahr später war die Finanzierung einen entschei­den­den Schritt weit­er. Im Okto­ber 2024 wurde die Son­derbe­darf­szuweisung des Lan­des über eine Mil­lion Euro für das Klein­spielfeld übergeben. Anschließend kon­nte die Stadt die weit­eren Pla­nungsleis­tun­gen auf den Weg brin­gen. Die Lan­deshaupt­stadt teilte im Okto­ber 2024 mit, dass der städtis­che Eigen­be­trieb SDS mit der Umset­zung beauf­tragt wor­den sei. Damals wurde mit einem Baube­ginn 2025 und ein­er Fer­tig­stel­lung 2026 gerech­net.

Sicht­bar wurde die Umset­zung Anfang dieses Jahres. Ab dem 9. Feb­ru­ar ließ der SDS Gehölze auf dem Gelände ent­fer­nen. Die Stadt beze­ich­nete die Rodungsar­beit­en als Vor­bere­itung des Baufeldes für den Kun­strasen­platz. Nun ist das Vorhaben abgeschlossen. Mit Gesamtkosten von 1,16 Mil­lio­nen Euro liegt der Aufwand rund 160.000 Euro über der Lan­des­förderung. Der Kun­strasen­be­lag kommt nach Angaben der Stadt ohne Mikro­plas­tik aus und kann inten­siv­er sowie weit­ge­hend unab­hängig von der Wit­terung genutzt wer­den.

Für den SV Neumüh­le bedeutet das vor allem zusät­zliche Train­ingska­paz­itäten. Das Klein­spielfeld ist ins­beson­dere für die zahlre­ichen Nach­wuchs­man­nschaften gedacht. Das grundle­gende Prob­lem der Sportan­lage ist damit allerd­ings noch nicht voll­ständig gelöst.

Der alte Rasen bleibt ein Problem

Denn unmit­tel­bar neben dem neuen Kun­strasen bleibt der Zus­tand des beste­hen­den Großspielfeldes ein poli­tis­ches The­ma. Die UB/FDP-Frak­tion beantragte bere­its im Juni, Geld für eine umfassende Sanierung des Rasen­platzes in den Dop­pel­haushalt 2027/2028 aufzunehmen. Die Ver­wal­tung soll nach dem Willen der Antrag­steller die notwendi­gen Kosten ermit­teln und einen Finanzierungsvorschlag vor­legen.

Die Frak­tion begrün­det den Vorstoß mit erhe­blichen Män­geln der Spielfläche. Uneben­heit­en und Abnutzun­gen beein­trächtigten dem­nach Train­ing und Punk­t­spiel­be­trieb. Nach Ein­schätzung von Nutzern werde die Anlage inzwis­chen als ein­er der schlecht­esten Rasen­plätze Schw­erins wahrgenom­men. Eine unab­hängige Bew­er­tung oder ein städtis­ch­er Ver­gle­ich der Platzqual­ität liegt dazu allerd­ings nicht vor.

 


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Damit ste­hen in Neumüh­le zwei unter­schiedliche Prob­leme nebeneinan­der. Das neue Klein­spielfeld schafft zusät­zliche, wet­terun­ab­hängige Train­ingsmöglichkeit­en – vor allem für den Nach­wuchs. Es erset­zt aber nicht den großen Rasen­platz, der für den reg­ulären Spiel­be­trieb weit­er­hin benötigt wird.

Auch an ander­er Stelle soll die beste­hende Anlage mod­ernisiert wer­den. Vorge­se­hen ist eine Umrüs­tung der Flut­lich­tan­lage auf energies­parende LED-Tech­nik. Verbesserun­gen an Beleuch­tung und weit­er­er Infra­struk­tur lösen jedoch nicht die Prob­leme der eigentlichen Rasen­fläche.

Ob der Rasen grundle­gend erneuert wird, hängt nun auch von den Haushalts­ber­atun­gen ab. Die UB/FDP-Frak­tion möchte die Finanzierung noch im Dop­pel­haushalt 2027/2028 ver­ankern. Eine konkrete Kosten­schätzung für die Sanierung und eine gesicherte Finanzierung liegen bis­lang nicht vor.

So markiert die Über­gabe des Kun­strasen­platzes zwar das Ende eines jahre­lan­gen Pro­jek­ts, nicht aber das Ende der Diskus­sion um die Sportan­lage in Neumüh­le. Während das neue Klein­spielfeld nun genutzt wer­den kann, ste­ht die näch­ste Investi­tion­sentschei­dung bere­its an.


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