Nach langem Anlauf:
Kunstrasenplatz in Neumühle ist fertig – langer Streit ging dem Bau voraus
Nach jahrelanger Planung und politischen Auseinandersetzungen ist der Kunstrasenplatz in Neumühle fertig. Die 1,16 Millionen Euro teure Anlage soll vor allem den Fußballnachwuchs entlasten.

In Kürze:
- Der neue Kunstrasenplatz in Neumühle kostete 1,16 Millionen Euro; eine Million Euro kommt vom Land.
- Dem Bau gingen jahrelange Planungen und 2023 ein politischer Streit über die Verwendung der Landesförderung voraus.
- Der bestehende Rasenplatz bleibt sanierungsbedürftig. Die UB/FDP-Fraktion fordert dafür Mittel im Doppelhaushalt 2027/2028.
Der neue Kunstrasenplatz in Neumühle ist fertig. Oberbürgermeister Sebastian Ehlers hat das 55 mal 45 Meter große Kleinspielfeld in der Kranichstraße am Donnerstag an Vertreter des SV Neumühle übergeben. Die Stadt beziffert die Gesamtkosten auf 1,16 Millionen Euro, eine Million Euro davon übernimmt das Land Mecklenburg-Vorpommern.
Entstanden ist der Platz auf einer bislang unbebauten Fläche gegenüber der bestehenden Sportanlage. Neben dem Kunstrasen gehören eine Trainingsbeleuchtung, ein Sanitärcontainer und 25 Pkw-Stellplätze zum Projekt. Der Ballfangzaun soll wegen einer Lieferverzögerung erst in der kommenden Woche vollständig montiert werden.
Vor allem für die Nachwuchsmannschaften des SV Neumühle schafft die Anlage zusätzliche Trainingsmöglichkeiten. Neun der zehn Fußballmannschaften des Vereins spielen nach Angaben der Stadt im Juniorenbereich. Ehlers bezeichnete den Neubau bei der Übergabe deshalb auch als Anerkennung der Nachwuchsarbeit des Vereins.
Bis zu diesem Termin war es allerdings ein langer Weg. Der Wunsch nach besseren Bedingungen für den Fußball in Neumühle ist deutlich älter als das jetzt abgeschlossene Bauprojekt. Nach Darstellung der Unabhängigen Bürger setzen sich Manfred Strauß und Heiko Schröder seit rund 20 Jahren dafür ein, die Sportbedingungen für den Neumühler SV zu verbessern. Schröder ist zugleich beim Verein aktiv und war bei der Übergabe des neuen Platzes dabei.
Vom Wunsch zum konkreten Projekt
Auch in den Haushaltsunterlagen der Stadt lässt sich das Vorhaben über mehrere Jahre zurückverfolgen. Im Haushaltsplan 2021/2022 der Landeshauptstadt Schwerin findet sich in der Investitionsübersicht für die Sportstätten bereits eine eigene Maßnahme mit der Bezeichnung „Neubau Fußballkleinfeld Neumühle“. Das Vorhaben war damit lange vor dem späteren Streit um die Landesförderung Teil der städtischen Investitionsplanung.
Den entscheidenden finanziellen Schub erhielt das Projekt 2023. Das Land stellte Schwerin eine Sonderbedarfszuweisung von einer Million Euro zur Verfügung. Die Mittel waren für Investitionen in Kommunen vorgesehen, die durch die Unterbringung von Geflüchteten besonders belastet waren. Im September 2023 entschied die Stadtvertretung, die Landesmillion vollständig für ein Kunstrasen-Kleinspielfeld in Neumühle einzusetzen.
Streit um die Landesmillion
Die Entscheidung war politisch umstritten. Die Stadtverwaltung wollte das Geld auf mehrere Projekte in verschiedenen Stadtteilen verteilen. Die Mehrheit der Stadtvertretung entschied sich dagegen für die Konzentration der gesamten Summe auf Neumühle.
Der damalige Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD) legte gegen den Beschluss Widerspruch ein. Badenschier verwies damals unter anderem auf den ursprünglichen Zweck der Sonderbedarfszuweisung. In Schwerin gebe es Stadtteile mit einem Ausländeranteil von mehr als 30 Prozent. Deshalb sollte aus seiner Sicht noch einmal geprüft werden, ob andere Projekte dem Förderzweck besser entsprächen.
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Hinzu kamen finanzielle Fragen. Zu diesem Zeitpunkt war nach Angaben der Verwaltung noch nicht geklärt, ob die Landesmillion für das gesamte Vorhaben ausreichen würde und wie ein zusätzlicher Eigenanteil finanziert werden könnte. Badenschier stellte dabei den Bedarf des SV Neumühle nicht grundsätzlich infrage, sondern wollte einen anderen Finanzierungsweg für den Sportplatz prüfen lassen.
Die Unabhängigen Bürger (UB) gehörten zu den politischen Kräften, die das zusätzliche Spielfeld unterstützten. In einem Post in den sozialen Netzwerken schreiben die UB, dass die Bemühungen insbesondere von Manfred Strauß und Heiko Schröder um bessere Bedingungen beim SV Neumühle rund 20 Jahre zurücklägen.
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Förderbescheid brachte Planung voran
Ein Jahr später war die Finanzierung einen entscheidenden Schritt weiter. Im Oktober 2024 wurde die Sonderbedarfszuweisung des Landes über eine Million Euro für das Kleinspielfeld übergeben. Anschließend konnte die Stadt die weiteren Planungsleistungen auf den Weg bringen. Die Landeshauptstadt teilte im Oktober 2024 mit, dass der städtische Eigenbetrieb SDS mit der Umsetzung beauftragt worden sei. Damals wurde mit einem Baubeginn 2025 und einer Fertigstellung 2026 gerechnet.
Sichtbar wurde die Umsetzung Anfang dieses Jahres. Ab dem 9. Februar ließ der SDS Gehölze auf dem Gelände entfernen. Die Stadt bezeichnete die Rodungsarbeiten als Vorbereitung des Baufeldes für den Kunstrasenplatz. Nun ist das Vorhaben abgeschlossen. Mit Gesamtkosten von 1,16 Millionen Euro liegt der Aufwand rund 160.000 Euro über der Landesförderung. Der Kunstrasenbelag kommt nach Angaben der Stadt ohne Mikroplastik aus und kann intensiver sowie weitgehend unabhängig von der Witterung genutzt werden.
Für den SV Neumühle bedeutet das vor allem zusätzliche Trainingskapazitäten. Das Kleinspielfeld ist insbesondere für die zahlreichen Nachwuchsmannschaften gedacht. Das grundlegende Problem der Sportanlage ist damit allerdings noch nicht vollständig gelöst.
Der alte Rasen bleibt ein Problem
Denn unmittelbar neben dem neuen Kunstrasen bleibt der Zustand des bestehenden Großspielfeldes ein politisches Thema. Die UB/FDP-Fraktion beantragte bereits im Juni, Geld für eine umfassende Sanierung des Rasenplatzes in den Doppelhaushalt 2027/2028 aufzunehmen. Die Verwaltung soll nach dem Willen der Antragsteller die notwendigen Kosten ermitteln und einen Finanzierungsvorschlag vorlegen.
Die Fraktion begründet den Vorstoß mit erheblichen Mängeln der Spielfläche. Unebenheiten und Abnutzungen beeinträchtigten demnach Training und Punktspielbetrieb. Nach Einschätzung von Nutzern werde die Anlage inzwischen als einer der schlechtesten Rasenplätze Schwerins wahrgenommen. Eine unabhängige Bewertung oder ein städtischer Vergleich der Platzqualität liegt dazu allerdings nicht vor.
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Damit stehen in Neumühle zwei unterschiedliche Probleme nebeneinander. Das neue Kleinspielfeld schafft zusätzliche, wetterunabhängige Trainingsmöglichkeiten – vor allem für den Nachwuchs. Es ersetzt aber nicht den großen Rasenplatz, der für den regulären Spielbetrieb weiterhin benötigt wird.
Auch an anderer Stelle soll die bestehende Anlage modernisiert werden. Vorgesehen ist eine Umrüstung der Flutlichtanlage auf energiesparende LED-Technik. Verbesserungen an Beleuchtung und weiterer Infrastruktur lösen jedoch nicht die Probleme der eigentlichen Rasenfläche.
Ob der Rasen grundlegend erneuert wird, hängt nun auch von den Haushaltsberatungen ab. Die UB/FDP-Fraktion möchte die Finanzierung noch im Doppelhaushalt 2027/2028 verankern. Eine konkrete Kostenschätzung für die Sanierung und eine gesicherte Finanzierung liegen bislang nicht vor.
So markiert die Übergabe des Kunstrasenplatzes zwar das Ende eines jahrelangen Projekts, nicht aber das Ende der Diskussion um die Sportanlage in Neumühle. Während das neue Kleinspielfeld nun genutzt werden kann, steht die nächste Investitionsentscheidung bereits an.
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