SSC: „Nur 0,5 Prozent fehlten zur ausgezeichneten Saison“

Bild: SSC-Novara; Champions League; ssc-vb.de
Bild: SSC-Novara; Champions League; ssc-vb.de

(pm/red) Von einer gelungenen Saison kann man mit Blick auf die Volleyballerinnen des Schweriner SC und ihre Saisonbilanz nur bedingt gesprochen werden – für den Rekordmeister ist diese nämlich nach dem Aus im Pokal (Dezember 2014 in Stuttgart), in der Champions League (im März in Bursa) und in der Meisterschaft (Anfang April wieder in Stuttgart) vorzeitig beendet.

Präsident Johannes-M. Wienecke und Trainer Felix Koslowski blicken im Interview auf die abgelaufene Spielzeit zurück.

Die Meisterschale wird Anfang Mai vergeben, der SSC hat bereits Mitte April unvorhergesehen Freizeit…

Wienecke: „Ich hatte das Wochenende natürlich anders geplant. Ich bin schon traurig, denn wir hätten gern noch den Reiseaufwand nach Stuttgart betrieben.“

Koslowski: „Es bleibt jetzt zwar etwas mehr Zeit für die Familie, das ist auch sehr schön. Aber wir wären alle lieber noch im Geschäft gewesen. Unabhängig davon haben wir in den nächsten Tagen trotzdem noch volles Programm. Wir haben intern die Saison ausgewertet, Anfang kommender Woche stehen die Einzelgespräche mit den Spielerinnen an und Dienstagabend machen wir ein letztes Essen.“

Wie fällt Ihr Saison-Fazit aus?

Koslowski: „Im Moment ist alles noch sehr bitter und die Enttäuschung überwiegt. Denn vor zwei Wochen schien noch überall die Sonne, aber plötzlich ist alles vorbei. Wir hatten in der Saison drei Phasen: Eine Findungsphase bis etwa Ende Dezember, weil wir eine neue Zuspielerin hatten, im Angriff noch variiert haben und weil auch Anja Brandt nach langer Verletzungspause wieder zurückkam. Danach lief es im Januar, Februar und März sehr gut, als wir insgesamt nur ein Spiel verloren haben. Und schließlich drei Niederlagen in sechs Tagen gegen Bursa und Stuttgart, die nun alles überschatten. Da fällt es schwer zu sagen, dass es eigentlich eine sehr gute Saison war.“

Wienecke: „Mit dem Abstand von ein paar Tagen kann man schon wieder lächeln, das ging vorigen Samstag noch nicht. Grundsätzlich haben wir die Saisonziele erfüllt, es fehlt aber das Sahnehäubchen, ein Finaleinzug. Unser Motto ‚Wir greifen wieder an‘ war richtig, denn wir sind vorgestürmt ins Europapokal-Halbfinale und haben in der Meisterschaft mit großer Dramatik zweimal 2:3 verloren. Und so haben wir einen guten, ehrlichen dritten Platz. Man darf bei aller Enttäuschung nicht übersehen: Wir hatten gegen Stuttgart schon drei Matchbälle. Wäre ein Ball mehr runtergefallen, würden wir jetzt nicht dieses Gespräch führen. Es haben 0,5 Prozent gefehlt – dann wäre es keine zufriedenstellende, sondern eine ausgezeichnete Saison.“

Dennoch gab es im zweiten Jahr in Folge keinen Titel.

Wienecke: „Trotzdem war die Saison nicht enttäuschend. Die Saison 2013/14 war enttäuschend, dieses Jahr war es anders. Es waren spielerische Fortschritte zu sehen. Und die Fans bekamen auch tolle Spiele geboten, wenn ich nur an das 3:1 gegen Novara denke. Deshalb werden wir nach dieser Saison auch keinen radikalen Umbruch machen.“

Sondern? Wie gehen Sie die nächste Saison an? Was werden Sie ändern, damit der SSC dann auch das Sahnehäubchen bekommt?

Koslowski: „Wir wollen so viele Spielerinnen wie möglich aus dem aktuellen Kader halten. Um den nächsten Schritt zu machen, brauchen wir Kontinuität. Die Tabelle verzeiht keine Findungsphase. Wenn wir im ersten Saisondrittel ein Spiel weniger verloren hätten, wären wir Zweiter nach der Hauptrunde gewesen und hätten im Halbfinale zuerst Heimrecht gehabt. Das macht schon viel aus. Aber hätte, hätte, Fahrradkette…“

Wienecke: „Ich denke, 80 Prozent des Kaders sollten bleiben, damit die positive Entwicklung weitergeführt werden kann. Um Namen zu nennen, ist es noch zu früh, es wird in den nächsten Tagen erste Gespräche geben. Wir werden jedenfalls prinzipiell unsere Strategie nicht ändern, mit einem Mix aus deutschen Nationalspielerinnen, eigenem Nachwuchs und Ausländerinnen.“

Koslowski: „Wir werten jetzt auch nochmal die Spiele von Dresden, Stuttgart und Wiesbaden – also den anderen drei Halbfinalisten – aus, um zu sehen, wo genau wir stehen, wo es Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Und in der Zukunft müssen wir uns auch beim Terminkalender und Reiseplänen besser organisieren. Da haben wir Fehler gemacht.“

Wie meinen Sie das?

Koslowski: „Wenn wir parallel Europapokal spielen, müssen wir wohl offensiver auf Spielverlegungen drängen, mit der Liga sprechen. Andere Nationen wie Russland, Italien oder die Türkei bekommen das besser hin. Wenn wir unser Land bestmöglich im Ausland vertreten sollen, kann es nicht sein, dass wir vier extrem wichtige Spiele innerhalb von neun Tagen haben. Da ist doch nachvollziehbar, dass man auf dem Zahnfleisch kriecht, dass vielleicht mal ein Ball daneben geht. Ich bin sicher: Ausgeruht wären wir ins Finale eingezogen. Wenn man das nicht vernünftig gelöst bekommt, können wir eben keinen Europapokal mehr spielen, so einfach!“

Sind Sie abseits vom Geschehen auf dem Parkett zufrieden?

Wienecke: „Absolut. Die Zuschauer sind in die Halle geströmt, das war toll. Die Spielerinnen haben in sechs Monaten 36 Spiele gemacht, also im Schnitt sechs pro Monat. Inklusive vieler weiter Reisen, die meisten Spielerinnen studieren oder arbeiten nebenbei – alle Achtung. Und auch ein großes Lob und Dankeschön an die Physios und Fitnesstrainer, denn es gab keine ernstere Verletzung.“

Also greift der SSC kommende Saison wieder an?

Wienecke: „Wir sind schon dabei. Bis 15. April müssen die Lizenz-Unterlagen eingereicht, Abschlüsse vorgelegt werden. Wir werden einen ähnlichen großen Etat, also etwa eine Million Euro, haben.“

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