Sa, 14. Februar 2026
Close

Schwerin droht Millionen-Defizit:
Stadt will Stadthaus kaufen

18 Millionen Euro Mehrbedarf im laufenden Haushalt, steigende Personalkosten und ein Defizit von mindestens fünf Millionen Euro belasten die Landeshauptstadt.

Avatar-Foto
  • Veröffentlicht Oktober 2, 2025
Die Landeshauptstadt will das Stadthaus kaufen, um Miete zu sparen, Foto: maxpress
Die Lan­deshaupt­stadt will das Stadthaus kaufen, um Miete zu sparen, Foto: max­press

18 Mil­lio­nen Euro Mehrbe­darf im laufend­en Haushalt, steigende Per­son­alkosten und ein Defiz­it von min­destens fünf Mil­lio­nen Euro belas­ten die Lan­deshaupt­stadt. Die finanzielle Lage der Lan­deshaupt­stadt Schw­erin ver­schärft sich deut­lich: 18 Mil­lio­nen Euro zusät­zlich müssen allein in diesem Jahr für die Bere­iche Jugend, Kita und Per­son­al aufge­bracht wer­den. Damit rutscht die Stadt tief in die roten Zahlen. Auch die übri­gen Land­kreise Meck­len­burg-Vor­pom­merns und die Hans­es­tadt Ros­tock ste­hen vor ähn­lichen Her­aus­forderun­gen.

Tarifsteigerungen treiben Jugend- und Kita-Kosten in die Höhe

Beson­ders die Aus­gaben für den Fach­di­enst Jugend schla­gen mit rund elf Mil­lio­nen Euro zu Buche. Hinzu kom­men etwa vier Mil­lio­nen Euro im Kita-Bere­ich und drei Mil­lio­nen Euro für Per­son­al. Haupt­grund für die Steigerun­gen sind die gestiege­nen Löhne im Zuge der Tar­ifen­twick­lung – diese wirken sich sowohl auf die eige­nen Per­son­alaus­gaben als auch auf die Ent­gelte für Kindertages­be­treu­ung und Jugend­hil­fe aus. Während die Land­kreise in Meck­len­burg-Vor­pom­mern in diesem Jahr mit einem Defiz­it von ins­ge­samt 271 Mil­lio­nen Euro rech­nen, liegt Schw­erin allein bei einem Minus von min­destens fünf Mil­lio­nen Euro. Um darauf zu reagieren, hat die Stadtver­wal­tung für das Haushalt­s­jahr 2026 einen Ergänzungs­beschluss vorgelegt. Damit lassen sich die Mehrbe­darfe ohne ein erneutes, lang­wieriges Haushalt­s­plan­ver­fahren berück­sichti­gen.

Kauf des Stadthauses soll langfristig Einsparungen bringen

Ein wesentlich­er Bestandteil des Ergänzungs­beschlusses ist der Vorschlag, das derzeit genutzte Stadthaus zu kaufen. Ober­bürg­er­meis­ter Rico Baden­schi­er begrün­det diesen Schritt mit den mit­tel­fristig gerin­geren Kosten im Ver­gle­ich zu ein­er Mietver­längerung. „Wir kön­nen nach­weisen, dass der Kauf wirtschaftlich­er ist als eine Fort­führung des Mietver­trages“, so Baden­schi­er. Neben den finanziellen Vorteilen sprächen auch städte­bauliche und verkehrliche Gründe für den Verbleib am bish­eri­gen Standort.Sollte die Stadtvertre­tung dem Beschluss zus­tim­men und das Innen­min­is­teri­um die Genehmi­gung erteilen, kön­nte der Erwerb im kom­menden Jahr erfol­gen. Dann würde auch die konkrete Sanierungs­pla­nung begin­nen.

Ziel der Schuldenfreiheit außer Reichweite

Trotz strenger Kon­so­li­dierung seit 2017, die den Kassenkred­it von 173 auf 75 Mil­lio­nen Euro reduzierte, muss Schw­erin das Ziel der Schulden­frei­heit bis 2029 aufgeben. Die Prog­nosen sind ernüchternd: Bis 2033 kön­nte der Dis­po auf über 300 Mil­lio­nen Euro anwach­sen. Baden­schi­er macht deut­lich, dass Einsparun­gen allein das Prob­lem nicht lösen kön­nen: „Gegen jährliche Defizite von mehr als 30 Mil­lio­nen Euro kön­nen wir nicht ans­paren, indem wir alle frei­willi­gen Leis­tun­gen stre­ichen.“ Die Ursachen lägen vor allem in Pflich­tauf­gaben wie Jugend­hil­fe, sozialer Ver­sorgung und öffentlichem Nahverkehr sowie in der Tar­ifen­twick­lung – Bere­iche, die die Stadt nicht bee­in­flussen könne. Das vorgelegte Haushaltssicherungskonzept führt deshalb keine Über­raschun­gen auf, son­dern lis­tet bekan­nte Prü­faufträge, die kün­ftig schrit­tweise bear­beit­et wer­den sollen.