Standortfrage offen:
Mietvertrag läuft 2027 aus – Schwerin sucht eine Lösung fürs Stadthaus
Der Stadthaus-Kauf stockt. Nun prüft Schwerin das AOK-Gebäude und einen Neubau am Ziegelsee. Die Alternativen werfen neue Fragen zu Kosten, Bürgernähe und Zeitplanung auf.

In Kürze:
- Der ursprüngliche Stadthaus-Kauf stockt wegen der Kreditfinanzierung und erheblicher Zweifel am Kaufpreis.
- Die SPD schlägt das AOK-Gebäude vor; häufig benötigte Dienstleistungen sollen nach ihrer Idee in der Innenstadt bleiben.
- Ein Neubau am Ziegelsee wäre vom Umzug der Berufsschule abhängig und würde eine Übergangslösung erfordern.
Die Stadt prüft für das Stadthaus Schwerin Alternativen zum bisherigen Standort am Packhof. Im Gespräch sind das AOK-Verwaltungsgebäude am Grünen Tal und ein Neubau am Ziegelinnensee. Oberbürgermeister Sebastian Ehlers (CDU) hat nach Informationen von Schwerin Lokal darüber am vergangenen Dienstag im nichtöffentlichen Teil des Hauptausschusses der Stadtvertretung informiert. Hintergrund sind Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des ursprünglich geplanten Kaufs.
Dabei hatte die Stadtvertretung die Richtung bereits vorgegeben: Im November 2025 beschloss sie, das seit 1998 gemietete Stadthaus zu kaufen. Das damalige Angebot lag bei 42 Millionen Euro. Einschließlich Nebenkosten und geplanter Sanierung sollte die Stadt insgesamt rund 63,3 Millionen Euro ausgeben.
Doch die Finanzierung kam nicht zustande. Die Kommunalaufsicht im Innenministerium blockierte die erforderlichen Investitionskredite von 44,5 Millionen Euro. Dem Innenministerium reichen die von der Stadt vorgelegten Berechnungen, laut denen ein Kauf die günstigste Variante sei, nicht aus. Die vorgelegten Unterlagen seien zwar eine geeignete erste Entscheidungsgrundlage, erfüllten aber derzeit nicht „die Anforderungen an einen vollständigen Vollkosten- und Investitionsvergleich“, hieß es damals aus dem Innenministerium.
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Ein späteres Gutachten, das die Stadt in Auftrag gab, setzte den Gebäudewert zudem erheblich niedriger an als den verlangten Kaufpreis. Die Stadt ließ daraufhin ihre Planung erneut überprüfen.
Ein endgültiger Abschied vom Packhof ist damit noch nicht beschlossen. Nach den vorliegenden Informationen bleibt ein Kauf zu einem deutlich niedrigeren Preis im Gespräch. Gleichzeitig drängt die Zeit: Das bisherige Mietverhältnis läuft 2027 aus. Bis dahin muss geklärt sein, wie die Verwaltung anschließend untergebracht wird.
Welche Alternativen die Stadt damals verglich
Vor ihrer Kaufempfehlung hatte die Verwaltung fünf Möglichkeiten untersucht: das Stadthaus für weitere zehn oder zwanzig Jahre mieten, sanierte Räume am Margaretenhof anmieten, das Stadthaus kaufen und sanieren oder ein neues Verwaltungsgebäude bauen. Für jede Variante berechnete sie die langfristige jährliche Belastung des Haushalts.
Im städtischen Wirtschaftlichkeitsvergleich schnitt der Kauf am günstigsten ab:
| Variante | Berechneter durchschnittlicher Aufwand pro Jahr |
|---|---|
| Stadthaus weitere zehn Jahre mieten | 3,06 Millionen Euro |
| Stadthaus weitere zwanzig Jahre mieten | 3,77 Millionen Euro |
| Sanierte Räume am Margaretenhof mieten | 3,72 Millionen Euro |
| Stadthaus kaufen und sanieren | 2,87 Millionen Euro |
| Neues Verwaltungsgebäude bauen | 3,50 Millionen Euro |
Die Beträge waren keine reinen Mietzahlungen oder Kreditraten. Bei Kauf und Neubau berücksichtigte die Stadt Zinsen, Betriebskosten und Abschreibungen. Letztere verteilen den Wertverlust eines Gebäudes rechnerisch auf seine Nutzungszeit. Unter den damaligen Annahmen lag der jährliche Aufwand für Kauf und Sanierung damit rund 190.000 Euro unter einer zehnjährigen Weiteranmietung und rund 900.000 Euro unter einer zwanzigjährigen Mietlösung.
Für Kauf und Sanierung waren insgesamt rund 63,3 Millionen Euro vorgesehen. Einen Neubau kalkulierte die Verwaltung mit 84 Millionen Euro. Dabei handelte es sich um ein allgemeines Rechenmodell, nicht um eine konkrete Planung für das inzwischen diskutierte Gelände am Ziegelsee. Das AOK-Gebäude gehörte nicht zu den damaligen Vergleichsvarianten.
Neben den Kosten bewertete die Stadt auch die Lage und Erreichbarkeit. In ihrer Mitteilung vom Oktober 2025 verwies sie darauf, dass Bürger am Packhof viele Verwaltungsleistungen zentral an einem Ort erledigen können. Die Empfehlung lautete deshalb: am bisherigen Standort bleiben, künftig aber im eigenen Gebäude.
Was der niedrigere Gebäudewert bedeutet
Das Verkehrswertgutachten bezifferte den Wert des Stadthauses nach den im Juni bekannt gewordenen Angaben auf rund 14,6 Millionen Euro. Das wäre etwa ein Drittel des verlangten Kaufpreises. Es schätzt damit, welchen Preis die Immobilie unter üblichen Marktbedingungen erzielen könnte.
Das ist eine andere Betrachtung als der jährliche Kostenvergleich. Dieser kann einen Kauf auch dann als günstigste Lösung ausweisen, wenn der Preis hoch ist, beispielsweise, weil die Weiteranmietung langfristig noch teurer wäre. Die große Differenz zum Gutachtenwert wirft deshalb eine zusätzliche Frage auf: Lässt sich der Kaufpreis senken, und wie verändert das den Vergleich mit den anderen Standorten?
AOK-Gebäude: Der Vorschlag kommt von der SPD
Den Vorschlag, das AOK-Verwaltungsgebäude am Grünen Tal nahe dem Zoo zu kaufen, brachte SPD-Fraktionschef Daniel Meslien in die Diskussion. Eine Entscheidung für den Standort ist bislang nicht gefallen.
Nach den vorliegenden Informationen sollen die AOK und weitere Mieter das Gebäude in der ersten Jahreshälfte 2027 räumen. Das könnte zeitlich zu einem Wechsel der Stadtverwaltung passen. Allerdings bedeutet ein frei werdendes Bürohaus noch nicht, dass die Stadt unmittelbar einziehen könnte: Zunächst müsste geprüft werden, ob die verfügbaren Flächen und die Raumaufteilung für ihre Aufgaben ausreichen.
Die SPD verbindet ihren Vorschlag mit einer Aufteilung der Verwaltung. Häufig benötigte Dienstleistungen sollen weiterhin in der Innenstadt erreichbar bleiben. Dafür schlägt sie ein zentrales Bürgerbüro vor, beispielsweise in einem Einkaufszentrum am Marienplatz. Andere Verwaltungsbereiche könnten am Grünen Tal arbeiten. Für Bürger wäre damit entscheidend, welche Anliegen sie weiterhin im Zentrum erledigen könnten und für welche sie zum neuen Standort müssten.
Für die Kostenrechnung wären neben dem Kaufpreis mögliche Umbauten und technische Anpassungen wichtig. Auch die zusätzlichen Räume für ein Bürgerbüro müssten berücksichtigt werden. Erst eine solche Gesamtbetrachtung würde zeigen, ob der Umzug tatsächlich günstiger wäre. Eine öffentlich überprüfbare Berechnung liegt bislang nicht vor.
Ziegelsee: Erst müsste die Berufsschule umziehen
Für einen Neubau am Ziegelinnensee steht nach den vorliegenden Informationen das Gelände der Beruflichen Schule Gesundheit in der Dr. Hans-Wolf-Straße zur Diskussion. Die konkrete Fläche wurde im Zusammenhang mit der nichtöffentlichen Hauptausschusssitzung bekannt. Eine öffentliche städtische Standortvorlage liegt dazu bislang nicht vor.
Das Gelände wird noch für den Schulbetrieb gebraucht. Bevor es anderweitig genutzt werden könnte, müsste die Schule in das neue Berufsschulzentrum in Neu Zippendorf umziehen. Die Stadt hat dieses Bauvorhaben öffentlich vorgestellt. Nach den bekannt gewordenen Angaben wird der bisherige Schulstandort voraussichtlich 2030 frei.
Damit wäre der Neubau keine unmittelbare Anschlusslösung für das auslaufende Mietverhältnis am Packhof. Selbst wenn die Planung vorher beginnen könnte, müsste die Stadt den Schulumzug und die anschließenden Bauarbeiten zeitlich berücksichtigen. Für die Jahre dazwischen wäre eine Übergangslösung erforderlich, etwa eine vereinbarte Weiteranmietung des Stadthauses oder eine vorübergehende Unterbringung in anderen Räumen.
Offen ist außerdem, was mit dem vorhandenen Schulgebäude geschehen würde. Ein Neubau könnte einen Abriss voraussetzen. Dann kämen Rückbau und Vorbereitung des Grundstücks hinzu. Ob und in welchem Umfang vorhandene Gebäude weitergenutzt werden könnten, lässt sich ohne eine konkrete Untersuchung ebenfalls nicht beurteilen.
Was ein Neubau anders machen könnte
Ein Neubau böte die Möglichkeit, Räume von Anfang an auf die Arbeit der Stadtverwaltung auszurichten. Dazu gehören beispielsweise Bereiche für den Publikumsverkehr, Besprechungsräume und Arbeitsplätze. Wie viel Fläche tatsächlich benötigt wird, müsste jedoch zunächst ermittelt werden.
Die frühere Modellrechnung ging von 14.000 Quadratmetern aus. Diese Annahme ist noch kein Raumprogramm für den Ziegelsee. Dafür müsste die Stadt festlegen, welche Dienststellen dort untergebracht werden sollen und welche Anforderungen das Gebäude erfüllen muss. Erst auf dieser Grundlage ließen sich die bisherigen Kostenansätze durch eine konkrete Planung ersetzen.
Bei einem vorhandenen Gebäude wie dem AOK-Haus wäre die Reihenfolge anders: Dort müsste untersucht werden, wie gut die bestehenden Räume zu den benötigten Funktionen passen und welche Umbauten erforderlich wären. Der Vergleich hängt deshalb auch davon ab, wie viel Anpassung ein Bestandsgebäude braucht und welchen Flächenbedarf die Stadt für einen Neubau ansetzt.
Die Rechnung reicht weit in die Zukunft
Wie stark der Kostenvergleich von Annahmen abhängt, zeigen die Berechnungsgrundlagen von 2025. Die Stadt betrachtete einen Zeitraum von 50 Jahren und kalkulierte mit einem durchschnittlichen Zinssatz von drei Prozent. Für die Mietvarianten nahm sie jährliche Preissteigerungen von zwei Prozent an. Nach einer Sanierung des Stadthauses sollten die Betriebskosten dagegen um zehn Prozent sinken: Ein geringerer Energieverbrauch sollte den steigenden Wartungsaufwand mehr als ausgleichen.
Gerade bei den Zinsen kann die Weltlage solche Rechnungen verändern. Die Europäische Zentralbank erhöhte ihre Leitzinsen am 10. September um 0,25 Prozentpunkte. Sie begründete das mit dem anhaltenden Inflationsdruck durch den Konflikt im Nahen Osten. Teurere Energie kann auch Transporte, Baustoffe und den Gebäudebetrieb verteuern und damit mehrere Posten der städtischen Rechnung gleichzeitig beeinflussen.
Für die kommenden Jahre sind unterschiedliche Entwicklungen denkbar. Bleiben Energiepreise und Inflation hoch, könnten auch die Finanzierungskosten länger hoch bleiben oder weiter steigen. Entspannt sich die Lage, wären günstigere Kredite möglich. Die EZB legt sich allerdings nicht auf einen festen Zinspfad fest. Für Schwerin wären zudem die konkrete Kreditlaufzeit und die Dauer der Zinsbindung entscheidend.
Schon kleine Zinsunterschiede können bei einer Millioneninvestition erheblich ins Gewicht fallen: Ein Prozentpunkt mehr bedeutet bei einer noch offenen Kreditsumme von zehn Millionen Euro zusätzliche Zinskosten von 100.000 Euro im Jahr. Bei fest vereinbarten Zinsen würden spätere Erhöhungen zunächst nicht durchschlagen, könnten aber eine Anschlussfinanzierung verteuern.
Damit spielt auch der Zeitpunkt der Finanzierung eine Rolle. Abwarten könnte günstigere Zinsen bringen, ebenso aber höhere Baukosten oder zusätzliche Mietzahlungen. Ob sich ein späterer Kauf oder Neubau lohnt, hängt deshalb auch davon ab, wie teuer die Zeit bis zum Einzug wird.





