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Standortfrage offen:
Mietvertrag läuft 2027 aus – Schwerin sucht eine Lösung fürs Stadthaus

Der Stadthaus-Kauf stockt. Nun prüft Schwerin das AOK-Gebäude und einen Neubau am Ziegelsee. Die Alternativen werfen neue Fragen zu Kosten, Bürgernähe und Zeitplanung auf.

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  • Veröffentlicht Oktober 1, 2026
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Stadthaus Schwerin
 Das Stadthaus am Pack­hof ist seit 1998 Sitz der Schw­er­iner Stadtver­wal­tung – ob sie dort bleibt oder umzieht, ist derzeit offen. (Foto: Ste­fan Rochow)

 


In Kürze:

  • Der ursprüngliche Stadthaus-Kauf stockt wegen der Kred­it­fi­nanzierung und erhe­blich­er Zweifel am Kauf­preis.
  • Die SPD schlägt das AOK-Gebäude vor; häu­fig benötigte Dien­stleis­tun­gen sollen nach ihrer Idee in der Innen­stadt bleiben.
  • Ein Neubau am Ziegelsee wäre vom Umzug der Beruf­ss­chule abhängig und würde eine Über­gangslö­sung erfordern.

 

Die Stadt prüft für das Stadthaus Schw­erin Alter­na­tiv­en zum bish­eri­gen Stan­dort am Pack­hof. Im Gespräch sind das AOK-Ver­wal­tungs­ge­bäude am Grü­nen Tal und ein Neubau am Ziegelin­nensee. Ober­bürg­er­meis­ter Sebas­t­ian Ehlers (CDU) hat nach Infor­ma­tio­nen von Schw­erin Lokal darüber am ver­gan­genen Dien­stag im nichtöf­fentlichen Teil des Haup­tauss­chuss­es der Stadtvertre­tung informiert. Hin­ter­grund sind Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des ursprünglich geplanten Kaufs.

Dabei hat­te die Stadtvertre­tung die Rich­tung bere­its vorgegeben: Im Novem­ber 2025 beschloss sie, das seit 1998 gemietete Stadthaus zu kaufen. Das dama­lige Ange­bot lag bei 42 Mil­lio­nen Euro. Ein­schließlich Nebenkosten und geplanter Sanierung sollte die Stadt ins­ge­samt rund 63,3 Mil­lio­nen Euro aus­geben.

Doch die Finanzierung kam nicht zus­tande. Die Kom­mu­nalauf­sicht im Innen­min­is­teri­um block­ierte die erforder­lichen Investi­tion­skred­ite von 44,5 Mil­lio­nen Euro. Dem Innen­min­is­teri­um reichen die von der Stadt vorgelegten Berech­nun­gen, laut denen ein Kauf die gün­stig­ste Vari­ante sei, nicht aus. Die vorgelegten Unter­la­gen seien zwar eine geeignete erste Entschei­dungs­grund­lage, erfüll­ten aber derzeit nicht „die Anforderun­gen an einen voll­ständi­gen Vol­lkosten- und Investi­tionsver­gle­ich“, hieß es damals aus dem Innen­min­is­teri­um.


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Ein späteres Gutacht­en, das die Stadt in Auf­trag gab, set­zte den Gebäudew­ert zudem erhe­blich niedriger an als den ver­langten Kauf­preis. Die Stadt ließ daraufhin ihre Pla­nung erneut über­prüfen.

Ein endgültiger Abschied vom Pack­hof ist damit noch nicht beschlossen. Nach den vor­liegen­den Infor­ma­tio­nen bleibt ein Kauf zu einem deut­lich niedrigeren Preis im Gespräch. Gle­ichzeit­ig drängt die Zeit: Das bish­erige Mietver­hält­nis läuft 2027 aus. Bis dahin muss gek­lärt sein, wie die Ver­wal­tung anschließend unterge­bracht wird.

Welche Alternativen die Stadt damals verglich

Vor ihrer Kaufempfehlung hat­te die Ver­wal­tung fünf Möglichkeit­en unter­sucht: das Stadthaus für weit­ere zehn oder zwanzig Jahre mieten, sanierte Räume am Mar­gareten­hof anmi­eten, das Stadthaus kaufen und sanieren oder ein neues Ver­wal­tungs­ge­bäude bauen. Für jede Vari­ante berech­nete sie die langfristige jährliche Belas­tung des Haushalts.

Im städtis­chen Wirtschaftlichkeitsver­gle­ich schnitt der Kauf am gün­stig­sten ab:

Vari­ante Berech­neter durch­schnit­tlich­er Aufwand pro Jahr
Stadthaus weit­ere zehn Jahre mieten 3,06 Mil­lio­nen Euro
Stadthaus weit­ere zwanzig Jahre mieten 3,77 Mil­lio­nen Euro
Sanierte Räume am Mar­gareten­hof mieten 3,72 Mil­lio­nen Euro
Stadthaus kaufen und sanieren 2,87 Mil­lio­nen Euro
Neues Ver­wal­tungs­ge­bäude bauen 3,50 Mil­lio­nen Euro

Die Beträge waren keine reinen Miet­zahlun­gen oder Kred­i­trat­en. Bei Kauf und Neubau berück­sichtigte die Stadt Zin­sen, Betrieb­skosten und Abschrei­bun­gen. Let­ztere verteilen den Wertver­lust eines Gebäudes rech­ner­isch auf seine Nutzungszeit. Unter den dama­li­gen Annah­men lag der jährliche Aufwand für Kauf und Sanierung damit rund 190.000 Euro unter ein­er zehn­jähri­gen Weit­er­an­mi­etung und rund 900.000 Euro unter ein­er zwanzigjähri­gen Mietlö­sung.

Für Kauf und Sanierung waren ins­ge­samt rund 63,3 Mil­lio­nen Euro vorge­se­hen. Einen Neubau kalkulierte die Ver­wal­tung mit 84 Mil­lio­nen Euro. Dabei han­delte es sich um ein all­ge­meines Rechen­mod­ell, nicht um eine konkrete Pla­nung für das inzwis­chen disku­tierte Gelände am Ziegelsee. Das AOK-Gebäude gehörte nicht zu den dama­li­gen Ver­gle­ichsvari­anten.

Neben den Kosten bew­ertete die Stadt auch die Lage und Erre­ich­barkeit. In ihrer Mit­teilung vom Okto­ber 2025 ver­wies sie darauf, dass Bürg­er am Pack­hof viele Ver­wal­tungsleis­tun­gen zen­tral an einem Ort erledi­gen kön­nen. Die Empfehlung lautete deshalb: am bish­eri­gen Stan­dort bleiben, kün­ftig aber im eige­nen Gebäude.

Was der niedrigere Gebäudewert bedeutet

Das Verkehr­swertgutacht­en bez­if­ferte den Wert des Stadthaus­es nach den im Juni bekan­nt gewor­de­nen Angaben auf rund 14,6 Mil­lio­nen Euro. Das wäre etwa ein Drit­tel des ver­langten Kauf­preis­es. Es schätzt damit, welchen Preis die Immo­bilie unter üblichen Mark­tbe­din­gun­gen erzie­len kön­nte.

Das ist eine andere Betra­ch­tung als der jährliche Kosten­ver­gle­ich. Dieser kann einen Kauf auch dann als gün­stig­ste Lösung ausweisen, wenn der Preis hoch ist, beispiel­sweise, weil die Weit­er­an­mi­etung langfristig noch teur­er wäre. Die große Dif­ferenz zum Gutacht­en­wert wirft deshalb eine zusät­zliche Frage auf: Lässt sich der Kauf­preis senken, und wie verän­dert das den Ver­gle­ich mit den anderen Stan­dorten?

AOK-Gebäude: Der Vorschlag kommt von der SPD

Den Vorschlag, das AOK-Ver­wal­tungs­ge­bäude am Grü­nen Tal nahe dem Zoo zu kaufen, brachte SPD-Frak­tion­schef Daniel Mes­lien in die Diskus­sion.  Eine Entschei­dung für den Stan­dort ist bis­lang nicht gefall­en.

Nach den vor­liegen­den Infor­ma­tio­nen sollen die AOK und weit­ere Mieter das Gebäude in der ersten Jahreshälfte 2027 räu­men. Das kön­nte zeitlich zu einem Wech­sel der Stadtver­wal­tung passen. Allerd­ings bedeutet ein frei wer­den­des Büro­haus noch nicht, dass die Stadt unmit­tel­bar einziehen kön­nte: Zunächst müsste geprüft wer­den, ob die ver­füg­baren Flächen und die Rau­maufteilung für ihre Auf­gaben aus­re­ichen.

Die SPD verbindet ihren Vorschlag mit ein­er Aufteilung der Ver­wal­tung. Häu­fig benötigte Dien­stleis­tun­gen sollen weit­er­hin in der Innen­stadt erre­ich­bar bleiben. Dafür schlägt sie ein zen­trales Bürg­er­büro vor, beispiel­sweise in einem Einkauf­szen­trum am Marien­platz. Andere Ver­wal­tungs­bere­iche kön­nten am Grü­nen Tal arbeit­en. Für Bürg­er wäre damit entschei­dend, welche Anliegen sie weit­er­hin im Zen­trum erledi­gen kön­nten und für welche sie zum neuen Stan­dort müssten.

Für die Kosten­rech­nung wären neben dem Kauf­preis mögliche Umbaut­en und tech­nis­che Anpas­sun­gen wichtig. Auch die zusät­zlichen Räume für ein Bürg­er­büro müssten berück­sichtigt wer­den. Erst eine solche Gesamt­be­tra­ch­tung würde zeigen, ob der Umzug tat­säch­lich gün­stiger wäre. Eine öffentlich über­prüf­bare Berech­nung liegt bis­lang nicht vor.

Ziegelsee: Erst müsste die Berufsschule umziehen

Für einen Neubau am Ziegelin­nensee ste­ht nach den vor­liegen­den Infor­ma­tio­nen das Gelände der Beru­flichen Schule Gesund­heit in der Dr. Hans-Wolf-Straße zur Diskus­sion. Die konkrete Fläche wurde im Zusam­men­hang mit der nichtöf­fentlichen Haup­tauss­chuss­sitzung bekan­nt. Eine öffentliche städtis­che Stan­dortvor­lage liegt dazu bis­lang nicht vor.

Das Gelände wird noch für den Schul­be­trieb gebraucht. Bevor es ander­weit­ig genutzt wer­den kön­nte, müsste die Schule in das neue Beruf­ss­chulzen­trum in Neu Zip­pen­dorf umziehen. Die Stadt hat dieses Bau­vorhaben öffentlich vorgestellt. Nach den bekan­nt gewor­de­nen Angaben wird der bish­erige Schul­stan­dort voraus­sichtlich 2030 frei.

Damit wäre der Neubau keine unmit­tel­bare Anschlus­slö­sung für das aus­laufende Mietver­hält­nis am Pack­hof. Selb­st wenn die Pla­nung vorher begin­nen kön­nte, müsste die Stadt den Schu­lumzug und die anschließen­den Bauar­beit­en zeitlich berück­sichti­gen. Für die Jahre dazwis­chen wäre eine Über­gangslö­sung erforder­lich, etwa eine vere­in­barte Weit­er­an­mi­etung des Stadthaus­es oder eine vorüberge­hende Unter­bringung in anderen Räu­men.

Offen ist außer­dem, was mit dem vorhan­de­nen Schul­ge­bäude geschehen würde. Ein Neubau kön­nte einen Abriss voraus­set­zen. Dann kämen Rück­bau und Vor­bere­itung des Grund­stücks hinzu. Ob und in welchem Umfang vorhan­dene Gebäude weit­er­genutzt wer­den kön­nten, lässt sich ohne eine konkrete Unter­suchung eben­falls nicht beurteilen.

Was ein Neubau anders machen könnte

Ein Neubau böte die Möglichkeit, Räume von Anfang an auf die Arbeit der Stadtver­wal­tung auszuricht­en. Dazu gehören beispiel­sweise Bere­iche für den Pub­likumsverkehr, Besprechungsräume und Arbeit­splätze. Wie viel Fläche tat­säch­lich benötigt wird, müsste jedoch zunächst ermit­telt wer­den.

Die frühere Mod­ell­rech­nung ging von 14.000 Quadrat­metern aus. Diese Annahme ist noch kein Raumpro­gramm für den Ziegelsee. Dafür müsste die Stadt fes­tle­gen, welche Dien­st­stellen dort unterge­bracht wer­den sollen und welche Anforderun­gen das Gebäude erfüllen muss. Erst auf dieser Grund­lage ließen sich die bish­eri­gen Kos­te­nan­sätze durch eine konkrete Pla­nung erset­zen.

Bei einem vorhan­de­nen Gebäude wie dem AOK-Haus wäre die Rei­hen­folge anders: Dort müsste unter­sucht wer­den, wie gut die beste­hen­den Räume zu den benötigten Funk­tio­nen passen und welche Umbaut­en erforder­lich wären. Der Ver­gle­ich hängt deshalb auch davon ab, wie viel Anpas­sung ein Bestands­ge­bäude braucht und welchen Flächenbe­darf die Stadt für einen Neubau anset­zt.

Die Rechnung reicht weit in die Zukunft

Wie stark der Kosten­ver­gle­ich von Annah­men abhängt, zeigen die Berech­nungs­grund­la­gen von 2025. Die Stadt betra­chtete einen Zeitraum von 50 Jahren und kalkulierte mit einem durch­schnit­tlichen Zinssatz von drei Prozent. Für die Miet­vari­anten nahm sie jährliche Preis­steigerun­gen von zwei Prozent an. Nach ein­er Sanierung des Stadthaus­es soll­ten die Betrieb­skosten dage­gen um zehn Prozent sinken: Ein gerin­ger­er Energie­ver­brauch sollte den steigen­den Wartungsaufwand mehr als aus­gle­ichen.

Ger­ade bei den Zin­sen kann die Welt­lage solche Rech­nun­gen verän­dern. Die Europäis­che Zen­tral­bank erhöhte ihre Leitzin­sen am 10. Sep­tem­ber um 0,25 Prozent­punk­te. Sie begrün­dete das mit dem anhal­tenden Infla­tions­druck durch den Kon­flikt im Nahen Osten. Teurere Energie kann auch Trans­porte, Baustoffe und den Gebäude­be­trieb ver­teuern und damit mehrere Posten der städtis­chen Rech­nung gle­ichzeit­ig bee­in­flussen.

Für die kom­menden Jahre sind unter­schiedliche Entwick­lun­gen denkbar. Bleiben Energiepreise und Infla­tion hoch, kön­nten auch die Finanzierungskosten länger hoch bleiben oder weit­er steigen. Entspan­nt sich die Lage, wären gün­stigere Kred­ite möglich. Die EZB legt sich allerd­ings nicht auf einen fes­ten Zin­sp­fad fest. Für Schw­erin wären zudem die konkrete Kred­it­laufzeit und die Dauer der Zins­bindung entschei­dend.

Schon kleine Zin­sun­ter­schiede kön­nen bei ein­er Mil­lio­nen­in­vesti­tion erhe­blich ins Gewicht fall­en: Ein Prozent­punkt mehr bedeutet bei ein­er noch offe­nen Kred­it­summe von zehn Mil­lio­nen Euro zusät­zliche Zin­skosten von 100.000 Euro im Jahr. Bei fest vere­in­barten Zin­sen wür­den spätere Erhöhun­gen zunächst nicht durch­schla­gen, kön­nten aber eine Anschluss­fi­nanzierung ver­teuern.

Damit spielt auch der Zeit­punkt der Finanzierung eine Rolle. Abwarten kön­nte gün­stigere Zin­sen brin­gen, eben­so aber höhere Baukosten oder zusät­zliche Miet­zahlun­gen. Ob sich ein später­er Kauf oder Neubau lohnt, hängt deshalb auch davon ab, wie teuer die Zeit bis zum Einzug wird.