Di, 14. Juli 2026
Close

Rote Zahlen und Vertrauensverlust:
Stadtmarketing wird ab dem neuen Jahr Teil der Verwaltung

Die Auflösung der Stadtmarketing GmbH kommt nicht überraschend. Seit Jahren steht ihre Arbeit in der Kritik – nun zieht die Stadt Konsequenzen und integriert das Stadtmarketing direkt in die Verwaltung.

Avatar-Foto
  • Veröffentlicht Dezember 16, 2025
Stadtmarketing Schwerin
Ab Jan­u­ar wird das Stadt­mar­ket­ing eine Fach­abteilung im Stadthaus. Foto: max­press

Die Stadt­mar­ket­ing GmbH Schw­erin wird zum 1. Jan­u­ar 2026 voll­ständig in die Struk­turen der Lan­deshaupt­stadt inte­gri­ert. Kün­ftig arbeit­et sie nicht mehr als eigen­ständi­ge Gesellschaft, son­dern als Fach­gruppe „Stadt­mar­ket­ing“ inner­halb des neuen Fach­di­en­stes „Wirtschaft und Stadt­mar­ket­ing“. Offiziell spricht die Stadt von Syn­ergien, kürz­eren Wegen und ein­er stärk­eren strate­gis­chen Aus­rich­tung. Hin­ter­grund der Neuord­nung ist allerd­ings auch mas­sive Kri­tik an der bish­eri­gen Arbeit des Stadt­mar­ket­ings.

Früh Zweifel an der Leistungsfähigkeit des Stadtmarketings

Spätestens seit der Ernen­nung des Schw­er­iner Res­i­den­zensem­bles zum Unesco-Wel­terbe im Som­mer 2024 stand die Stadt­mar­ket­ing GmbH beson­ders im Fokus. Der Titel gilt als große Chance für Schw­erin – bringt aber auch Erwartun­gen mit sich. Dass die Ver­mark­tung des neuen Weltkul­turerbes gelin­gen muss, darüber herrschte Einigkeit. Doch genau daran wur­den in Ver­wal­tung und Wirtschaft früh Zweifel laut.

Nach Infor­ma­tio­nen unser­er Redak­tion stand die Stadt­mar­ket­ing GmbH bere­its im ver­gan­genen Jahr intern auf dem Prüf­s­tand. Die Gesellschaft schreibt seit Jahren rote Zahlen, das Ver­trauen in ihre Leis­tungs­fähigkeit galt als angekratzt. Ins­beson­dere Geschäfts­führerin Mar­ti­na Müller sah sich deut­lich­er Kri­tik aus­ge­set­zt. Unternehmer, vor allem aus Gas­tronomie und Hotel­lerie, bemän­gel­ten fehlende inno­v­a­tive Ideen, eine zu geringe Präsenz in der touris­tis­chen Hoch­sai­son und man­gel­nden Aus­tausch mit der lokalen Wirtschaft. Der Vor­wurf: Zu wenig mess­bare Effek­te für den Stan­dort Schw­erin.

Zusät­zlichen Zünd­stoff lieferte im ver­gan­genen Jahr ein Antrag der Stadt­mar­ket­ing GmbH auf eine weit­ere Finanzspritze von 100.000 Euro. Inner­halb der Ver­wal­tung wur­den daraufhin ver­schiedene Mod­elle disku­tiert – von der Auflö­sung der GmbH bis hin zu ein­er Über­führung in einen städtis­chen Fach­bere­ich oder Eigen­be­trieb.

Bündeln von Stadtmarketing, Wirtschaftsförderung und Tourismus

Vor diesem Hin­ter­grund wirkt die jet­zt angekündigte Inte­gra­tion weniger über­raschend. Mit dem neuen Fach­di­enst „Wirtschaft und Stadt­mar­ket­ing“ sollen Wirtschafts­förderung, Inno­va­tion, Stadtver­mark­tung und Touris­mus organ­isatorisch zusam­menge­führt wer­den. Ziel sei es, Unternehmen, Inve­storen und Grün­der kün­ftig „aus ein­er Hand“ zu betreuen, Entschei­dungswege zu verkürzen und die Außen­darstel­lung Schw­erins zu schär­fen. Auch ein ein­heitlicheres Marken- und Kom­mu­nika­tions­bild ist geplant.

Für externe Part­ner soll sich kurzfristig nichts ändern. Pro­jek­te, Ansprech­part­ner und laufende Prozesse sollen beste­hen bleiben. Die bish­eri­gen Auf­gaben des Stadt­mar­ket­ings – von der Betreu­ung der Tourist-Infor­ma­tion über Stadt­führun­gen, Ver­anstal­tun­gen, Mer­chan­dis­ing bis hin zur Ver­mi­etung kom­mu­naler Ver­anstal­tungs­flächen – wer­den for­mal fort­ge­führt. Einge­bet­tet wer­den sie jedoch in eine gemein­same strate­gis­che Steuerung durch die Stadtver­wal­tung.

Leitung Fachdienst nicht besetzt

Die Leitung des neuen Fach­di­en­stes bleibt zunächst unbe­set­zt. Die Ver­ant­wor­tung übernehmen vor­erst Dez­er­nent Bernd Not­te­baum und seine Koor­di­na­torin Valerie Elss. Der Fach­di­enst gliedert sich in die Fach­grup­pen „Stadt­mar­ket­ing“, „Wirtschaft“ und „Dig­i­tales Inno­va­tion­szen­trum“. Fach­grup­pen­lei­t­erin­nen sind Mar­ti­na Müller, Kathrin Hoff­mann und Mascha Thomas-Riekoff. Alle Mitar­bei­t­erin­nen und Mitar­beit­er der bish­eri­gen GmbH wech­seln mit dem Jahreswech­sel ins Stadthaus.

Aus dem Stadthaus heißt es, der Über­gang solle in zwei Schrit­ten erfol­gen: zunächst sta­bil weit­er­ar­beit­en, dann neue Ansätze entwick­eln. Kri­tik­er hof­fen allerd­ings, dass die Inte­gra­tion mehr ist als ein organ­isatorisch­er Akt – und dass aus der jahre­lan­gen Kri­tik nun tat­säch­lich Kon­se­quen­zen fol­gen. Denn mit dem Wel­terbe-Titel im Rück­en ste­ht Schw­erin mehr denn je unter Beobach­tung, was die Ver­mark­tung der Stadt ange­ht.