Rennen um Stadtpräsidentenamt:
Neuhaus verzichtet, Pfeifer und Jesus de Fernandes stehen fest
Wer wird Schwerins neuer Stadtpräsident? Pfeifer erhält Rückhalt von Linken und Grünen, die AfD erhebt Anspruch auf das Amt. CDU-Stimmen könnten am Ende den Ausschlag geben.

Das Rennen um das Amt des Stadtpräsidenten in Schwerin nimmt Fahrt auf. Nachdem SPD-Fraktionschefin Mandy Pfeifer ihre Kandidatur am Montag öffentlich gemacht hatte und die AfD-Fraktion am Dienstag den Landtagsabgeordneten und Stadtvertreter Thomas de Jesus Fernandes nominierte, steht nun fest: Einen dritten prominenten Bewerber wird es vorerst nicht geben. Der Grünen-Politiker Martin Neuhaus erklärte auf Anfrage von SNO, nicht für das Amt kandidieren zu wollen.
Pfeifer hatte ihre Bewerbung am Montag zunächst vor ausgewählten Pressevertretern bekanntgegeben. Offenbar wollte sie sich damit einen zeitlichen Vorsprung im Bewerberfeld verschaffen und ihre Kandidatur als erste öffentlich zu platzieren.
Später machte sie Ihre Kandidatur in den sozialen Netzwerken öffentlich.„Ich kandidiere, weil nach der knappen Oberbürgermeisterwahl viele Menschen auf mich zugekommen sind. Sie wünschen sich, dass ich weiterhin Verantwortung für unsere Stadt übernehme und meine Ideen für Schwerin einbringe. Sie können sich nach dem gesitteten Wahlkampf, Sebastian Ehlers und mich gut als Team an der Stadtspitze vorstellen”, begründete die SPD-Politikerin ihre Kandidatur. Das Ergebnis der OB-Wahl habe gezeigt, dass sich viele Menschen eine Politik wünschten, „die zuhört, Brücken baut und die demokratische Mitte stärkt”. Dazu möchte Pfeifer beitragen. Ihr ginge es nichtum ein Amt, betont sie weiter. „Mir geht es um Schwerin”, so Pfeifer. „Deshalb habe ich bei der letzten Wahl zum Stadtpräsidenten zurückgezogen, um die Spitze der Stadtvertretung in der Mitte zu halten. Und deshalb kandidiere ich diesmal.“
Die Neuwahl des Stadtpräsidenten ist notwendig geworden, weil der bisherige Amtsinhaber Sebastian Ehlers (CDU) als neuer Oberbürgermeister ins Stadthaus wechselt. Seine Ernennungsurkunde erhält Ehlers am 30. Juni, am 6. Juli tritt er sein neues Amt an.
CDU verzichtet auf eigenen Kandidaten
Die CDU wird keinen eigenen Bewerber ins Rennen schicken, da für einen CDU-Kandidaten die Unterstützung anderer Fraktionen fehlt. Neben dem Oberbürgermeisterposten kann die Union nach Ansichten vieler Stadtvertreter nicht auch weiterhin das zweithöchste Amt der Stadt für sich beanspruchen. In der CDU wird diese Aufassung offenbar verstanden.
Offen bleibt, wie sich die CDU-Fraktion bei der Wahl am 29. Juni positionieren wird. Aus CDU-Kreisen ist zu hören, dass Mandy Pfeifer keineswegs mit der Unterstützung aller CDU-Stadtvertreter rechnen kann. Erste Stadtvertreter sollen schon erklärt haben, Mandy Pfeifer am kommenden Montag nicht wählen zu wollen.
Linke legen sich fest, Grüne senden deutliches Signal
Pfeifer war bereits gemeinsame Kandidatin von SPD, Linken und Grünen bei der Oberbürgermeisterwahl im Frühjahr und erreichte damals die Stichwahl gegen Sebastian Ehlers.
Rückendeckung erhält sie weiterhin aus dem politischen Lager, das sie bereits im OB-Wahlkampf getragen hatte. Die Linksfraktion kündigte an, Mandy Pfeifer zu unterstützen. „Es ist nur konsequent, da sie auch die gemeinsame Kandidatin von SPD, Linken und Grünen zur OB-Wahl gewesen ist“, sagt Linken-Kreischef Daniel Trepsdorf auf SNO-Anfrage. Trepsdorfselber ist auch Stadtvertreter. Zudem habe sich eine ausgewogene Stadtspitze aus Verwaltung und Präsidium der Stadtvertretung bewährt, so der Linken-Politiker weiter. Die notwendigen „Checks and Balances“ seien so am besten gewährleistet.
Auch die Grünen schließen eine Unterstützung Pfeifers nicht aus. Zwar gibt es bislang keinen Fraktionsbeschluss, allerdings machten die Grünen deutlich, dass für sie ein AfD-Stadtpräsident nicht infrage komme. „Momentan sind uns die offiziellen Kandidaturen von Frau Pfeifer und Herrn de Jesus Fernandes bekannt. Einen AfD-Stadtpräsidenten wollen wir nicht“, erklärte Fraktionschef Arndt Müller auf Anfrage.
AfD erhebt Anspruch als stärkste Fraktion
Die AfD-Fraktion schickt mit Thomas de Jesus Fernandes einen langjährigen Kommunalpolitiker ins Rennen. Fraktionsvorsitzende Petra Federau begründete die Nominierung mit der Stärke ihrer Fraktion in der Stadtvertretung.
„Wir signalisieren damit unseren Anspruch als stärkste Fraktion in der Stadtvertretung auf den Vorsitz in diesem Gremium“, erklärte Federau. Fernandes sei ein langjähriger Stadtvertreter und habe seine Neutralität unter anderem als Vorsitzender eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses im Landtag unter Beweis gestellt.
Mit zwölf Mitgliedern stellt die AfD die größte Fraktion in der Schweriner Stadtvertretung. Die CDU verfügt über neun Sitze, die SPD über acht, die Linke über vier, wie auch die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/Die PARTEI und die UB/FDP-Fraktion. Hinzu kommen drei fraktionslose Stadtvertreter.
Weitere Kandidaturen weiter möglich
Trotz der nun bekannten Bewerbungen bleibt das Rennen offen. Kandidaten können noch während der Sitzung der Stadtvertretung am 29. Juni vorgeschlagen werden. Auch die Unabhängigen Bürger haben angekündigt, sich erst noch zu positionieren und dabei mögliche weitere Kandidaturen abzuwarten.
Neben der Wahl des Stadtpräsidenten steht an diesem Abend noch eine weitere wichtige Personalentscheidung an. CDU, SPD und Linke wollen die schwer erkrankte Sozialdezernentin Martina Trauth (Linke) abwählen und die Stelle neu ausschreiben. Der Bund der Steuerzahler kritisiert das Vorhaben und bezeichnet den Dezernentenposten als „verzichtbaren Luxus“.
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Transparenzhinweis: In einer früheren Version dieses Beitrages schrieben wir, dass die Linke in der Stadtvertretung fünf Sitze hätte. Das ist nicht richtig. Diue Fraktion besteht aus vier Stadtvertretern. Das haben wir angepasst.




