Stadtvertretung wird ein bunter Haufen

Der gestrige Wahlabend hielt auch für die Parteien in Schwerin große Überraschungen bereit. Die neue Stadtvertreter wird bunter und damit meinungsvielfältiger werden.

Es blieb bis zum Schluss ein spannender Wahlkrimi in Schwerin: Am Ende stand fest, dass es in den kommenden fünf Jahren eine bunte Mischung in der Schweriner Stadtvertretung geben wird. 

Stärkste Kraft wurde, mit nur 78 Stimmen Vorsprung, die SPD. Die 17,2 Prozent waren die große Überraschungen des gestrigen Wahlabends. Steht die Partei im Bundesdurchschnitt doch eher mit dem Rücken an der Wand, hat der Bundestrend sich auf die Kommunalwahl offenbar nicht ausgewirkt. Die Partei um ihr Spitzentrio  Mandy Pfeifer, Christian Masch und  Daniel Meslien,  musste zwar auch mit 2,3 Prozent weniger als im Vergleich zur Wahl 2014, Federn lassen. Trotzdem hielten sich die Verluste bei den Sozialdemokraten in Grenzen. Im Vorfeld hatte man der SPD ein verheerendes Ergebnis vorhergesagt. Dieser Erdrutsch blieb aus.

Für die große Überraschung des Abends dürfte die 22-jährige Studentin Annika Kuchmetzki  gesorgt haben. Mit 1.661 Stimmen erzielte sie im Wahlbereich 2 das beste Ergebnis für die SPD und zog auch an dem Spitzentrio vorbei. Kuchmetzki, die vor dem Wahlkampf weitestgehend unbekannt gewesen sein dürfte, war es in den letzten Monaten gelungen, sowohl über die sozialen Netzwerke, aber auch durch Plakatwerbung und Präsenz an Infoständen eine große Bekanntheit zu erzielen. Das Wahlergebnis im Rücken, dürfte der SPD-Shootingstar auch in den kommenden Jahren in der Stadtvertretung Beachtung finden. 

 

AfD erstmals Fraktion 

 

Auch die AfD kann sich zu den Siegern des gestrigen Abends zählen. Mit 15,1 Prozent konnte die Partei im Vergleich zur letzten Wahl ihr Ergebnis um 9,2 Prozent verbessern.  Den bisherigen Stadtvertretern Hagen Brauer, Petra Federau und Dirk Lerche ist der Einzug in die Stadtvertretung abermals gelungen.  Mit insgesamt sieben Sitzen kann die AfD nun erstmals in Schwerin eine Fraktion bilden. 

Auch die Unabhängigen Bürger (UB) konnten ihr Ergebnis von 11,2 auf 14,1 Prozent verbessern. Hatte die Fraktion bisher fünf Sitze in der Stadtvertretung, wird sie zukünftig mit sechs Sitzen vertreten sein. Für die UB ist das eine Bestätigung ihrer bisher geleisteten Arbeit. Die Wählergemeinschaft hatte auf einen intensiven Wahlkampf gesetzt und immer wieder ihre Bürgernähe und „unideologische“ Herangehensweise an kommunale Themen betont. 

Verbessern im Gegensatz zu 2014 konnten sich auch die Grünen. Insgesamt 12,1 Prozent der Wählerinnen und Wähler sprachen den Bündnisgrünen gestern ihr Vertrauen aus. Die Fraktion wächst somit von vier auf fünf Sitze. Die Diskussionen rund um das Thema Klimaschutz und die Friday for Future-Bewegung, die auch in Schwerin demonstrierte, dürfte den Grünen hierbei großen Rückenwind gegeben haben. 

Mit 4 Prozent sind in der neuen Stadtvertretung auch wieder zwei Freidemokraten vertreten. Die FDP konnte ihr Ergebnis diesmal im Gegensatz zu 2014 um einen Prozent verbessern. Für die Partei, die im Wahlkampf eigentlich weitestgehend unauffällig geblieben ist, ist das ein gutes Ergebnis.

Erstmalig zieht mit dem Grafiker Martin Molter auch ein Stadtvertreter der PARTEI in die Stadtvertretung ein. Mit drei Prozent gelang der Satirepartei ein Achtungserfolg und man kann schon jetzt gespannt sein, was in Zukunft zu erwarten sein wird. 

Mit einem Stadtvertreter wird in Zukunft auch wieder die ASK in der Stadtvertretung vertreten sein. Wie bei der letzten Wahl zuvor auch schon, konnte die Wählergemeinschaft 1,5 Prozent der Stimmen erreichen. Allerdings wird mit Jana Wolff eine Stadtvertreterin einziehen, die den bisherigen ASK-Politiker Karsten Jagau ablösen wird. Allerdings wird man sich bei der ASK auch wieder darauf einstellen müssen, dass die ASK nach dem Rotationsprinzip nach einer gewissen Zeit ihre Stadtvertreterin ablösen und das Mandat neu besetzen wird. 

 

Die Verlierer heißen LINKE und CDU

 

Zu den großen Verlierern des gestrigen Abends gehören die LINKE und die CDU. Die LINKE erreichte gestern nur noch 15,5 Prozent der Stimmen. Insgesamt 9,2 Prozent der Stimmen verlor die ehemals zweitstärkste Fraktion in der Stadtvertretung. Zukünftig werden nur noch sieben statt bisher 11 Vertreter  der Stadtvertretung angehören. Das Ergebnis dürfte gestern für Katerstimmung gesorgt haben.  „Zwar freut uns das Wahlergebnis nicht, es ist jedoch eine klare Aufgabenstellung für die kommenden Jahre. Wir werden uns noch mehr für soziale Gerechtigkeit einsetzen und gegen das rassistische Gedankengut ankämpfen.“, heißt es dazu auf der Facebook-Seite der LINKEN in Schwerin. 

Die CDU konnte ihren Platz als stärkste Partei in Schwerin nicht mehr verteidigen. Zwar nur sehr knapp, landeten die Christdemokraten hinter der SPD. Noch bis zu guter Letzt hatte man gehofft, dass man, wenn auch knapp, an der SPD vorbeiziehen könnte. Kurz nach 1.00 Uhr in der Frühe war es dann aber klar, dass das nicht mehr gelingen kann. Insgesamt musste die Partei einen Einbruch von 7,1 Prozent ihrer Wählerstimmen verbuchen. Hier dürfte auch der Bundestrend hineingespielt haben. Der CDU gelingt es auch in Schwerin nicht, junge Menschen zu erreichen. So sind es nun auch wiederum die alten Hasen der Partei, die in den kommenden Jahren die Fraktion in der Stadtvertretung bilden werden. Keinem Vertreter der CDU-Jugend ist es gelungen, einen Sitz in der Stadtvertretung zu erreichen. 

Mit dem ehemaligen Oberbürgermeister Norbert Claussen ist ein alter kommunalpolitischer Profi wieder in die Stadtpolitik zurückgekehrt. Für die CDU wird er zukünftig Stadtvertreter sein. Weiter werden mit dem Geschäftsführer der Handballstiere, Axel Schulz und dem Radrennprofi Stefan Nimke parteilose Kandidaten der CDU-Fraktion angehören. Beide sind politische Neulinge  und man wird sehen, wie ernsthaft sie sich in die Stadtpolitik einarbeiten werden. In einer von 11 auf acht Sitze zusammengeschrumpfte Fraktion wird es nun auf jeden Stadtvertreter ankommen. 

Alles in allem werden die kommenden Jahr eine spannende Zeit werden. Gestern ist auch in der Schweriner Stadtpolitik etwas in Bewegung geraten. Mehrheiten in der Stadtvertretung zu organisieren, wird nicht leichter werden. Der Wähler als der Souverän hat aber deutlich gemacht, dass er eine breiter aufgestellte Stadtvertretung möchte. Damit werden die Kommunalpolitiker nun lernen müssen umzugehen. 

Stefan Rochow

Journalist, Unternehmer und Gründer der digitalen Tageszeitung Schwerin-Lokal.de. Sie erreichen mich per E-Mail unter redaktion@schwerinlokal.de

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