Sa, 17. Januar 2026
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Nach Anschlag in Berlin:
Wie verwundbar ist das Stromnetz in Schwerin?

Der Anschlag auf das Stromnetz in Berlin lenkt den Blick nach Schwerin: Wie sicher ist die Stromversorgung der Landeshauptstadt und wie gut ist sie auf den Ernstfall vorbereitet?

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  • Veröffentlicht Januar 10, 2026
Stadtwerke Schwerin
Eine Kerze erin­nert daran, wie ver­let­zlich die Energiev­er­sorgung sein kann. Foto: Alice Kotl­yarenko auf Unsplash

 

Der mut­maßliche Anschlag auf Teile des Strom­net­zes in Berlin hat bun­desweit Besorg­nis aus­gelöst. In der Haupt­stadt waren ganze Stadt­teile tage­lang ohne Strom. Betrof­fen waren nicht nur Pri­vathaushalte, son­dern auch Unternehmen, Verkehr­sein­rich­tun­gen und Teile der öffentlichen Infra­struk­tur. Der Vor­fall macht deut­lich, wie ver­wund­bar kri­tis­che Infra­struk­tur selb­st in ein­er Mil­lio­nen­metro­pole ist. Dabei rückt die Frage in den Mit­telpunkt, wie gut Schw­erin auf ähn­liche Szenar­ien vor­bere­it­et wäre?

Mehr als nur Licht und Strom für Haushaltsgeräte

Strom ist längst mehr als eine Selb­stver­ständlichkeit. Ohne Elek­triz­ität funk­tion­ieren wed­er Mobil­funknet­ze noch dig­i­tale Ver­wal­tung­sprozesse, wed­er medi­zinis­che Ver­sorgung noch Wasserver­sorgung oder Verkehrssys­teme. Ein länger andauern­der Aus­fall kann das öffentliche Leben mas­siv beein­trächti­gen. Entsprechend groß ist auch in Schw­erin das Inter­esse an der Frage, wie sta­bil und wider­stands­fähig das eigene Strom­netz ist.

Die Stadtwerke Schw­erin ver­weisen auf ein umfassendes Sicher­heits- und Vor­sorgekonzept. „Eine sichere und zuver­läs­sige Stromver­sorgung ist die zen­trale Auf­gabe des Stadtwerke-Konz­erns für die Lan­deshaupt­stadt Schw­erin“, sagt eine Sprecherin der Stadtwerke auf SNO-Anfrage. Das Strom­netz der Stadt sei „resilient und redun­dant aufge­baut“. Das bedeutet, dass wichtige Leitun­gen, Umspan­nwerke und tech­nis­che Kom­po­nen­ten mehrfach abgesichert sind, sodass der Aus­fall einzel­ner Teile nicht automa­tisch zu einem großflächi­gen Black­out führt.

Hinzu kommt eine per­ma­nente Überwachung des Net­zes. Nach Angaben der Stadtwerke wird das Strom­netz in Echtzeit kon­trol­liert, um Unregelmäßigkeit­en frühzeit­ig zu erken­nen. Störun­gen sollen so möglichst schnell lokalisiert und behoben wer­den kön­nen. „Im Störungs­fall ste­hen speziell geschulte Ein­satzteams rund um die Uhr bere­it, um schnell vor Ort Schä­den zu beheben und die Ver­sorgung wieder­herzustellen“, heißt es weit­er. Diese Ein­satzbere­itschaft habe sich auch bei klas­sis­chen Störun­gen durch Unwet­ter, tech­nis­che Defek­te oder Bauar­beit­en bewährt.

Absolute Sicherheit gibt es nicht

Gle­ichzeit­ig beto­nen die Stadtwerke, dass auch ein gut vor­bere­it­etes Netz nicht vol­lkom­men risikofrei ist. „Trotz aller Vor­bere­itung und Absicherung gibt es keine Garantie für absolute Sicher­heit“, räumt das Unternehmen ein. Ziel sei es vielmehr, „die Aus­fall­wahrschein­lichkeit­en des Strom­net­zes möglichst ger­ing zu hal­ten“. Dazu gehöre eine kon­tinuier­liche Über­prü­fung und Weit­er­en­twick­lung der Sicher­heits­maß­nah­men.

Ein zen­traler Baustein ist dabei das Risiko­man­age­ment. Für außergewöhn­liche Störun­gen oder externe Ein­wirkun­gen existieren Not­fall- und Krisen­pläne, die nicht nur the­o­retisch vor­liegen, son­dern regelmäßig geprobt wer­den. „Durch ein gelebtes Risiko­man­age­ment wer­den unsere Not­fall- und Krisen­pläne sowie die Arbeit im Krisen­stab regelmäßig geprobt und laufend weit­er­en­twick­elt“, erk­lären die Stadtwerke. Ziel sei es, Abläufe zu fes­ti­gen und Ver­ant­wortlichkeit­en klar zu definieren, damit im Ern­st­fall keine Zeit ver­loren geht.

Wichtig ist dabei auch die enge Abstim­mung mit öffentlichen Stellen. Die Stadtwerke ste­hen nach eige­nen Angaben in regelmäßigem Aus­tausch mit der Lan­deshaupt­stadt Schw­erin sowie mit den zuständi­gen Behör­den des Lan­des Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Diese Zusam­me­nar­beit soll sich­er­stellen, dass tech­nis­che, organ­isatorische und kom­mu­nika­tive Maß­nah­men im Krisen­fall ineinan­der­greifen.

Konzeptprüfung nach Vorfall in Berlin

Der Blick nach Berlin spielt dabei eine wichtige Rolle. „Zu unserem Risiko­man­age­ment zählt auch das Mon­i­tor­ing und die Bew­er­tung sicher­heit­srel­e­van­ter Vor­fälle in der Branche“, beto­nen die Stadtwerke. Erken­nt­nisse aus ver­gle­ich­baren Ereignis­sen in anderen Städten wür­den sys­tem­a­tisch aus­gew­ertet. „Entsprechende Erken­nt­nisse fließen in die laufende Weit­er­en­twick­lung unser­er Not­fall- und Krisen­pläne ein.“ Der Berlin­er Anschlag wird somit nicht nur als Einzelfall betra­chtet, son­dern als Anlass, beste­hende Konzepte kri­tisch zu prüfen.

Darüber hin­aus unter­liegen die Stadtwerke als Betreiber kri­tis­ch­er Infra­struk­tur hohen geset­zlichen Sicher­heit­san­forderun­gen. Dazu zählen auch umfassende Vor­gaben im Bere­ich der Infor­ma­tions- und Cyber­sicher­heit. Hin­ter­grund ist die Erken­nt­nis, dass Bedro­hun­gen längst nicht mehr nur physis­ch­er Natur sind. Angriffe auf dig­i­tale Steuerungs- und Leit­sys­teme gel­ten eben­so als reales Risiko wie Sab­o­tage an tech­nis­chen Anla­gen.

Aufgaben klar geregelt

Sollte es den­noch zu ein­er größeren Störung der Energiev­er­sorgung kom­men, ist die Rol­len­verteilung klar geregelt. „Im Falle ein­er größeren Schadenslage beruft die Lan­deshaupt­stadt Schw­erin ihren Krisen­stab ein und übern­immt die Koor­di­na­tion“, erk­lären die Stadtwerke. Vertreter des Energiev­er­sorg­ers sind in diesem Gremi­um einge­bun­den und brin­gen ihre tech­nis­che Exper­tise ein. „Unser Krisenko­or­di­na­tor fungiert als Schnittstelle zwis­chen den Stadtwerken und der Lan­deshaupt­stadt Schw­erin.“ Auch dieses Zusam­men­spiel wird regelmäßig geübt, um im Ern­st­fall rei­bungslose Abläufe sicherzustellen.

Für die Bevölkerung bleibt den­noch ein Restrisiko. Ein mehrtägiger, großflächiger Stro­maus­fall wie aktuell in Berlin gilt für Schw­erin nach Ein­schätzung der Stadtwerke als unwahrschein­lich, aus­geschlossen ist er jedoch nicht. Der Berlin­er Vor­fall wirkt damit auch über die Haupt­stadt hin­aus: als Mah­nung, den Schutz kri­tis­ch­er Infra­struk­tur dauer­haft ernst zu nehmen und Vor­sorge nicht als ein­ma­lige Auf­gabe, son­dern als fort­laufend­en Prozess zu begreifen.

Unterm Strich zeich­nen die Stadtwerke ein Bild hoher tech­nis­ch­er und organ­isatorisch­er Vor­sorge, ohne die beste­hen­den Risiken kleinzure­den. Die Stromver­sorgung in Schw­erin gilt als sta­bil, gut überwacht und eng in die städtis­chen Krisen­struk­turen einge­bun­den. Der Anschlag in Berlin zeigt jedoch, dass absolute Sicher­heit nicht existiert – und dass Wach­samkeit und Vor­bere­itung auch in ver­gle­ich­sweise kleinen Städten unverzicht­bar bleiben.