Landtagswahl 2026:
Stefan Burger über Schwerins soziale Unterschiede, Digitalisierung und die Zukunft der Stadt
Stefan Burger will für die Grünen in den Landtag. Im Interview spricht er über soziale Unterschiede in Schwerin, Digitalisierung, Migration, Wohnen und die Zukunft der Stadt.

Foto: Bündnis90/ Die Grünen Schwerin
Am 20. September wählt Mecklenburg-Vorpommern einen neuen Landtag. Schwerin Lokal spricht im Vorfeld der Wahl mit den Direktkandidatinnen und Direktkandidaten der Landeshauptstadt darüber, welche politischen Ziele sie verfolgen und was sie im Landtag konkret für Schwerin erreichen wollen.
Stefan Burger ist Direktkandidat von Bündnis 90/Die Grünen im Wahlkreis Schwerin 9. Der Wirtschaftsinformatiker arbeitet im Bereich IT-Sicherheit und engagiert sich kommunal in Krebsförden. Zu seinen politischen Schwerpunkten gehören Digitalisierung und IT-Sicherheit, soziale Teilhabe, Mobilität, bezahlbares Wohnen und die wirtschaftliche Entwicklung Schwerins.
Herr Burger, Sie sind Wirtschaftsinformatiker, arbeiten im Bereich IT-Sicherheit und engagieren sich kommunal in Krebsförden. Warum wollen Sie jetzt in den Landtag und was können Sie dort erreichen, was Ihnen auf kommunaler Ebene nicht möglich ist?
Ich engagiere mich bereits kommunal, weil man dort sehr unmittelbar sieht, wo den Menschen der Schuh drückt. Gleichzeitig stößt Kommunalpolitik immer wieder an Grenzen, weil viele Rahmenbedingungen gar nicht in Schwerin entschieden werden.
Das betrifft zum Beispiel die Finanzierung unserer Kommunen, Bildung, teils den öffentlichen Nahverkehr, die Digitalisierung der Verwaltung oder die Frage, wie das Land seine Kommunen bei IT-Sicherheit unterstützt. Genau dort möchte ich ansetzen.
Als Wirtschaftsinformatiker und IT-Sicherheitsberater bringe ich außerdem eine Perspektive mit, von der es aus meiner Sicht in Parlamenten noch zu wenig gibt. Digitalisierung wird häufig entweder als technisches Detail oder als Allheilmittel betrachtet. Für mich geht es darum, Verwaltung wirklich einfacher zu machen, unsere digitale Souveränität zu stärken und gleichzeitig Datenschutz und IT-Sicherheit von Anfang an mitzudenken.
Ich möchte also das, was ich aus meinem kommunalen Engagement und meinem Beruf kenne, auf die Ebene bringen, auf der viele der entscheidenden Rahmenbedingungen gesetzt werden.
Ihr Wahlkreis umfasst sehr unterschiedliche Stadtteile, von Krebsförden und Gartenstadt bis zum Großen Dreesch, Neu Zippendorf und Mueßer Holz. Wo sehen Sie derzeit die größten Unterschiede bei Lebensqualität und Chancen innerhalb Ihres eigenen Wahlkreises?
Mein Wahlkreis zeigt auf wenigen Kilometern sehr deutlich, wie unterschiedlich Lebenschancen innerhalb einer Stadt verteilt sein können.
In Görries, Ostorf, der Gartenstadt und Teilen Krebsfördens erleben wir vergleichsweise stabile soziale Verhältnisse. In Neu Zippendorf und besonders im Mueßer Holz sind Arbeitslosigkeit, Transferleistungsbezug und Kinderarmut dagegen erheblich höher.
Mich stört allerdings, wenn daraus eine Erzählung von „guten“ und „schlechten“ Stadtteilen gemacht wird. Auf dem Dreesch, in Neu Zippendorf und im Mueßer Holz gibt es viel Engagement, viele Familien, Vereine und Menschen, die etwas bewegen wollen.
Die entscheidende Frage ist für mich: Hat ein Kind unabhängig von seiner Adresse dieselben Chancen auf gute Bildung, gesellschaftliche Teilhabe und später einen guten Beruf? Davon sind wir noch ein gutes Stück entfernt. Genau dort muss Politik ansetzen.
Die Grünen kämpfen bei dieser Landtagswahl um den Wiedereinzug in den Landtag. Was haben Ihre Partei und die bisherige grüne Politik falsch gemacht, dass ein Ausscheiden aus dem Landtag überhaupt realistisch geworden ist?
Wenn wir um fünf Prozent kämpfen, wäre es zu einfach zu sagen, dass nur die anderen uns falsch verstanden haben.
Wir haben in den vergangenen Jahren manchmal vielleicht zu kompliziert erklärt und zu wenig zugehört. Teilweise entstand der Eindruck, Grüne wollten den Menschen vorschreiben, wie sie zu leben haben. Auch dort, wo die eigentlichen Ziele richtig waren, waren Instrumente manchmal möglicherweise unnötig kompliziert oder sie wurden schlicht schlecht kommuniziert. Gerade die bundespolitischen Auseinandersetzungen haben unser Bild stark geprägt.
Ich glaube außerdem, dass wir zu oft über Maßnahmen gesprochen haben und zu wenig darüber, was am Ende für die Menschen besser wird, beispielsweise geringere Energiekosten, sichere Arbeitsplätze, eine lebenswerte Stadt und weniger Abhängigkeit von fossilen Energien. Nicht zuerst Verordnung A oder Förderprogramm B.
Daraus muss man lernen. Für mich bedeutet grüne Politik nicht, mit erhobenem Zeigefinger Politik zu machen, sondern Probleme praktisch zu lösen. Wir müssen wieder stärker zeigen, dass ökologische, soziale und wirtschaftliche Vernunft zusammengehören.
Sollten die Grünen wieder in den Landtag einziehen: Welche Regierungsbeteiligung könnten Sie mittragen? Und würden Sie einem sachlich richtigen Antrag einer anderen Partei zustimmen, ausdrücklich auch dann, wenn dieser von BSW oder AfD eingebracht wird?
Eine Regierungsbeteiligung ist für mich kein Selbstzweck. Entscheidend ist, ob wir gemeinsam eine Politik machen können, die Mecklenburg-Vorpommern wirtschaftlich, sozial und ökologisch voranbringt und dabei klar zu Europa, unserer Demokratie und unseren internationalen Partnern steht.
Beim BSW sehe ich erhebliche inhaltliche Gegensätze. Das betrifft nicht nur die Forderung, Nord Stream wieder in Betrieb zu nehmen und damit erneut eine Abhängigkeit von russischem Gas einzugehen. Auch beim russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine vertreten wir grundlegend unterschiedliche Positionen. Für mich ist klar: Die Ukraine hat das Recht, sich gegen den russischen Angriff zu verteidigen, und sie muss selbst darüber entscheiden können, unter welchen Bedingungen sie über Frieden verhandelt. Einen Stopp der Unterstützung von außen halte ich deshalb für falsch.
Ähnlich kritisch sehe ich die ständige Erzählung, in Deutschland könne man seine Meinung nicht mehr frei äußern. Natürlich müssen wir über den Zustand unserer Debattenkultur streiten können. Aber den Menschen einzureden, ihre grundgesetzlich geschützte Meinungsfreiheit existiere faktisch nicht mehr, spielt mit Ängsten und untergräbt Vertrauen in unsere demokratischen Institutionen.
Bei Energiepolitik, Außen- und Sicherheitspolitik sowie in zentralen gesellschaftspolitischen Fragen liegen unsere Positionen damit sehr weit auseinander. Deshalb sehe ich derzeit kaum eine tragfähige Grundlage für eine gemeinsame Regierungspolitik mit dem BSW.
Bei der AfD geht es für mich noch um etwas grundsätzlich anderes. Hier halte ich an der Brandmauer fest. Demokratie bedeutet selbstverständlich, dass auch die AfD die parlamentarischen Rechte erhält, die ihr aufgrund ihres Wahlergebnisses zustehen. Daraus folgt aber keine Verpflichtung, mit ihr zusammenzuarbeiten oder ihr Mehrheiten zu verschaffen.
Ich halte es deshalb für zu einfach zu sagen: Wenn ein Antrag sachlich richtig ist, muss man ihm unabhängig vom Absender zustimmen. Ein parlamentarischer Antrag steht nicht im luftleeren Raum. Mit einer Zustimmung verschafft man seinem Urheber auch politische Legitimation und einen parlamentarischen Erfolg. Bei einer Partei, bei der es erhebliche und gerichtlich bestätigte Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen unsere freiheitliche demokratische Grundordnung gibt, möchte ich nicht dazu beitragen, sie als normalen politischen Kooperationspartner zu etablieren.
Wenn die AfD einen Punkt aufgreift, den ich inhaltlich für richtig halte, können und sollten demokratische Parteien dieses Anliegen selbst aufgreifen und einen eigenen Antrag daraus machen. Wir müssen der AfD weder gute Ideen überlassen noch mit ihr zusammenarbeiten.
Die Brandmauer bedeutet für mich deshalb nicht, Millionen Wählerinnen und Wähler zu ignorieren. Im Gegenteil: Wir müssen uns mit den Gründen auseinandersetzen, warum Menschen AfD wählen, ihre Sorgen ernst nehmen und bessere Antworten geben. Aber die Antwort darauf kann nicht sein, extreme Positionen Stück für Stück zu normalisieren und die AfD zu behandeln, als sei sie eine Partei wie jede andere.
Schwerin steckt seit Jahren in finanziellen Schwierigkeiten. Gleichzeitig erwarten die Bürger funktionierende Schulen, Straßen, soziale Angebote und eine leistungsfähige Verwaltung. Ist die Stadt aus Ihrer Sicht strukturell unterfinanziert oder gibt Schwerin an den falschen Stellen Geld aus? Was müsste das Land verändern?
Schwerin muss selbstverständlich jede Ausgabe kritisch prüfen. Aber das Grundproblem lässt sich nicht durch ein bisschen sparsameres Wirtschaften lösen.
Kommunen erfüllen einen großen Teil der Aufgaben, die Bund und Land politisch beschließen. Gleichzeitig steigen Kosten etwa bei Jugendhilfe, sozialen Leistungen, Personal, Schulen, Infrastruktur und öffentlichem Nahverkehr. Wenn Kommunen dafür nicht ausreichend ausgestattet werden, bleibt am Ende immer weniger Raum für eigene Gestaltung.
Für mich muss deshalb stärker das Prinzip gelten: Wer Aufgaben und Standards bestellt, muss sie auch auskömmlich finanzieren.
Das Land sollte den kommunalen Finanzausgleich regelmäßig an den tatsächlichen Belastungen der Kommunen ausrichten und Sozial- und Jugendhilfekosten angemessen berücksichtigen. Gleichzeitig brauchen wir verlässlichere Investitionen in Schulen, Infrastruktur und ÖPNV.
Kommunale Selbstverwaltung funktioniert nur, wenn Städte und Gemeinden tatsächlich noch etwas selbst gestalten können und nicht lediglich Pflichtaufgaben und Defizite verwalten.
Sie beschäftigen sich beruflich mit IT-Sicherheit. Wie gut oder schlecht sind Mecklenburg-Vorpommern und seine Kommunen bei der Digitalisierung der Verwaltung tatsächlich aufgestellt, und was würden Sie als Landtagsabgeordneter konkret verändern?
Stefan Burger: Wir haben Fortschritte gemacht. Mir fehlt aber weiterhin ein konkreter strategischer Fahrplan: Wo wollen wir in fünf oder zehn Jahren stehen, wie binden wir Landes- und Kommunaldienstleister ein und welche Kompetenzen und Wertschöpfung wollen wir dauerhaft im Land halten?
Die Zahl der Onlineformulare darf dabei nicht unser Erfolgsmaßstab sein. Ein digitaler Antrag, der anschließend ausgedruckt, übertragen oder in mehreren Fachverfahren erneut erfasst werden muss, ist keine durchgehend digitale Verwaltung.
Ich möchte klare landesweite Standards, offene Schnittstellen und grundsätzlich auch das Once-Only-Prinzip. Dabei müssen aber die Datenschutzgrundsätze gelten. Der Staat sollte Daten nicht vorsorglich sammeln oder länger vorhalten, nur weil sie irgendwann noch einmal nützlich sein könnten. Es geht darum, bereits rechtmäßig vorhandene Daten sinnvoll zu nutzen, wo das zulässig und erforderlich ist.
Eine leistungsfähige digitale Verwaltung hat für mich zwei Seiten. Sie muss den Alltag der Bürgerinnen und Bürger einfacher machen. Gleichzeitig ist sie ein wichtiger Standortfaktor für unsere Wirtschaft. Unternehmen brauchen schnelle, verlässliche und möglichst medienbruchfreie Schnittstellen zur Verwaltung, ob bei Genehmigungen, Förderverfahren, Meldungen oder Unternehmensgründungen. Wenn die Verwaltung digital gut funktioniert, profitieren deshalb nicht nur Behörden, sondern auch Wirtschaft und Beschäftigung.
Dafür möchte ich die DVZ als landeseigenen IT-Dienstleister stärken. Das Land sollte zentrale digitale Infrastruktur und Kompetenzen selbst beherrschen und sich nicht von wenigen Anbietern abhängig machen. Zu einer echten Digitalstrategie gehört für mich deshalb auch die Frage, welche Leistungen wir bewusst im Land erbringen, wie wir digitale Souveränität sichern und wie wir daraus hochwertige Arbeitsplätze und Know-how in Mecklenburg-Vorpommern schaffen und sichern.
In Ihrem Wahlkreis spielt bezahlbares Wohnen eine große Rolle. Gleichzeitig stehen Wohnungsunternehmen vor erheblichen Sanierungs- und Modernisierungskosten. Wie wollen Sie Klimaschutz, energetische Sanierung und bezahlbare Mieten miteinander vereinbaren?
Für mich ist die entscheidende Größe nicht allein die Kaltmiete, sondern was eine Wohnung am Ende inklusive Energie kostet.
Wenn ein Gebäude energetisch saniert wird, anschließend aber die Miete so stark steigt, dass sich die bisherigen Bewohnerinnen und Bewohner die Wohnung nicht mehr leisten können, ist die Wärmewende sozial gescheitert. Gleichzeitig wäre es genauso falsch, notwendige Sanierungen aufzuschieben und die Menschen dauerhaft hohen Heizkosten auszusetzen.
Deshalb brauchen wir öffentliche Förderung insbesondere für kommunale und genossenschaftliche Wohnungsunternehmen und langfristige Mietpreisbindungen dort, wo öffentliche Mittel eingesetzt werden.
Schwerin hat mit seinem Fernwärmenetz und der kommunalen Wärmeplanung grundsätzlich gute Voraussetzungen. Jetzt müssen Land, Stadtwerke und Wohnungswirtschaft die notwendigen Investitionen so organisieren, dass daraus langfristig bezahlbare Wärme entsteht.
Klimaschutz darf kein Luxusprojekt sein. Gerade Haushalte mit wenig Einkommen müssen von niedrigeren Energiekosten profitieren.
Schwerin braucht wirtschaftliches Wachstum, Unternehmensansiedlungen und gut bezahlte Arbeitsplätze. Gleichzeitig können Klima‑, Bau- und Umweltvorgaben Investitionen verteuern oder verzögern. Wo wären für Sie Kompromisse möglich und wo ziehen Sie eine Grenze?
Wirtschaft und Klimaschutz gegeneinander auszuspielen halte ich für einen Fehler. Gerade Mecklenburg-Vorpommern hat mit erneuerbarer Energie einen Standortvorteil, den wir viel stärker für Industrieansiedlungen nutzen sollten. Dazu gehört für mich auch, dass Unternehmen tatsächlich von niedrigeren Netzentgelten profitieren. Wenn wir hier große Mengen erneuerbarer Energie erzeugen, muss sich das auch als konkreter Standortvorteil für Wirtschaft und Beschäftigung bemerkbar machen.
Unternehmen brauchen aber vor allem Planungssicherheit und Geschwindigkeit. Wenn eine Genehmigung zwei Jahre dauert, wird sie nicht dadurch ökologischer. Ich will deshalb klare Standards, digitalisierte Verfahren, ausreichend Personal in Genehmigungsbehörden und verbindlichere Bearbeitungsziele.
Kompromisse sind für mich bei Verfahren möglich, bei Mehrfachprüfungen, unnötigen Nachweispflichten oder bei der Frage, wie ein politisch gesetztes Ziel technisch erreicht wird.
Die Grenze liegt dort, wo wir dauerhaft Natur zerstören, Gesundheit gefährden oder Klimaziele schlicht ignorieren sollen.
Bürokratieabbau bedeutet für mich, Verfahren schlanker und schneller zu machen. Es bedeutet nicht, Standards abzuschaffen, die Menschen und Umwelt schützen.
In Teilen Ihres Wahlkreises beschäftigen die Menschen Migration, soziale Konflikte und Sicherheit besonders stark. Wo sehen Sie tatsächliche Probleme bei Integration und Sicherheit und wo wird die Debatte aus Ihrer Sicht politisch überzeichnet? Welche konkreten Maßnahmen würden Sie unterstützen?
Wir dürfen Probleme nicht kleinreden. Wenn Menschen sich auf einem Platz unsicher fühlen, wenn es Gewalt, Belästigungen oder andere Straftaten gibt, muss der Staat reagieren. Regeln gelten für jeden, unabhängig von Herkunft. Polizei und Ordnungsbehörden müssen ansprechbar und dort präsent sein, wo tatsächlich Probleme auftreten.
Dabei sehe ich den Ruf nach immer mehr Videoüberwachung kritisch. Kameras können in bestimmten Situationen ein Baustein sein, sie ersetzen aber weder Polizeipräsenz noch Prävention und lösen soziale Probleme nicht. Wir sollten nicht den Eindruck vermitteln, dass mehr Überwachung automatisch mehr Sicherheit schafft. Solche Maßnahmen müssen einen konkreten Zweck erfüllen, verhältnismäßig sein und regelmäßig darauf überprüft werden, ob sie tatsächlich einen Sicherheitsgewinn bringen.
Genauso wichtig ist mir, nicht jedes soziale Problem auf Migration zu reduzieren. Gerade in Neu Zippendorf und im Mueßer Holz treffen viele Faktoren aufeinander: Arbeitslosigkeit, Kinderarmut, schwierige Bildungschancen, soziale Segregation und ein vergleichsweise hoher Anteil von Menschen mit Migrationsgeschichte. Wer daraus nur eine Migrationsdebatte macht, greift zu kurz.
Integration funktioniert aus meiner Sicht vor allem über Sprache, Bildung, Arbeit und Begegnung. Wir brauchen ausreichend Sprachförderung in Kitas und Schulen, schnellere Anerkennung beruflicher Qualifikationen, einen leichteren Weg in Ausbildung und Beschäftigung und dauerhaft finanzierte Stadtteil- und Jugendarbeit.
Gleichzeitig muss ein handlungsfähiger Staat Regeln durchsetzen. Integration und Sicherheit sind für mich keine Gegensätze.
Politisch problematisch wird es dort, wo einzelne Vorfälle genutzt werden, um ganze Bevölkerungsgruppen unter Generalverdacht zu stellen oder Ängste bewusst zu verstärken. Das löst kein einziges konkretes Problem.
Wenn wir Sie 2031 erneut interviewen: Welche drei konkreten Veränderungen müssten im Großen Dreesch, in Neu Zippendorf, Mueßer Holz, Krebsförden und den übrigen Teilen Ihres Wahlkreises sichtbar oder spürbar sein, damit Sie Ihre Arbeit im Landtag als erfolgreich bezeichnen würden?
Erstens: Die Adresse eines Kindes muss weniger über seine Chancen entscheiden. Ich möchte 2031 sehen können, dass Kinderarmut und Arbeitslosigkeit insbesondere im Mueßer Holz, in Neu Zippendorf und auf dem Großen Dreesch messbar zurückgegangen sind und Schulen sowie Jugend- und Sozialarbeit dort dauerhaft gut ausgestattet sind.
Zweitens: Der Alltag im gesamten Wahlkreis muss einfacher geworden sein. Dazu gehören ein verlässlicher Nahverkehr auch in den äußeren Stadtteilen, sichere Rad- und Fußwege, gute öffentliche Räume und eine Verwaltung, bei der Menschen ihre Anliegen unkompliziert digital oder persönlich erledigen können.
Drittens: Ich möchte sehen, dass Zukunftsinvestitionen tatsächlich umgesetzt wurden. Bezahlbar sanierter Wohnraum, eine klimafreundliche und bezahlbare Wärmeversorgung und neue gute Arbeitsplätze, gerade auf unseren Gewerbe- und Industrieflächen im Schweriner Süden.
Wenn Menschen 2031 sagen können: „Hier hat sich wirklich etwas verbessert und Politik hat nicht nur darüber geredet“, dann wäre das für mich ein Erfolg.
Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Dario Rochow




