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Meinung/Kommentar:
Stirbt Schwerin etwa doch nicht?

Stirbt Schwerin aus? Oder entwickelt sich in der Stadt wieder Leben? Unser Reporter Chris Loose hat sich darüber mal Gedanken gemacht.

  • Veröffentlicht Oktober 3, 2026
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Schwerin Lokal Reporter Chris Loose auf dem Marktplatz: "Schön, dass es hier Bars und Restaurants gibt und nicht nur Bestattungsunternehmen!" (Foto: Redaktion)
Schw­erin Lokal Reporter Chris Loose auf dem Mark­t­platz: „Schön, dass es hier Bars und Restau­rants gibt und nicht nur Bestat­tung­sun­ternehmen!” (Foto: Redak­tion)

Lange wurde ich in Schw­erin das Gefühl nicht los, dass diese Stadt stirbt. Die Über­al­terung trifft die Stadt: Im aktuellen sta­tis­tis­chen Jahrbuch gibt die Ver­wal­tung an, dass das Durch­schnittsalter in der Stadt bei 47 Jahren liegt. Und auf rund 58.000 erwerb­s­fähige Men­schen kom­men etwa 27.000 Rent­ner. Also nicht ganz ein Ver­hält­nis von 2 zu 1. Und so wirk­lich viel kommt da auch nicht nach: Im Alters­band von 0 bis 15 Jahre wer­den nicht ganz 13.000 als Zahl genan­nt.

Schwerin und seine Jugend

Also älter wer­den die Schw­er­iner­in­nen und Schw­er­iner auf jeden Fall, das ist auch in ganz Deutsch­land so. In Schw­erin fällt nur der Umgang mit der Jugend und den Fast-Erwach­se­nen auf: Tre­f­fen sich mehr als drei Jugendliche oder junge Erwach­sene an den Schwim­menden Wiesen, am Schlachter­markt oder auf dem Marien­platz, wird dort gle­ich der näch­ste Krim­i­nal­ität­shotspot ver­mutet. Und Dro­gen nehmen die garantiert auch! Da müssen direkt die Polizei und das Ord­nungsamt hin, um das beschauliche Schw­erin vor der organ­isierten Krim­i­nal­ität zu schützen. Oder passiert das nur, weil junge Men­schen vielle­icht auch mal laut sind und sich die altern­den Anwohn­er daran stören?

Aber sowas hat es ja früher auch nicht gegeben. Es saß nie­mand mit 16 Jahren und dem Schnaps und den Zigaret­ten, die ein 18-jähriger Bekan­nter für einen gekauft hat, auf irgen­dein­er Bank oder in irgen­dein­er Bushal­testelle rum. Früher herrscht­en ja Recht und Ord­nung! Wer dem zus­timmt kann das „Früher“ hier bitte sel­ber für sich in der Geschichte raus­suchen und da bleiben.

Schwerin und die Gastronomie

Jet­zt wollte ich ja eigentlich darüber schreiben, dass diese Stadt ja doch nicht am Weg­ster­ben ist. Seit diesem Som­mer ist da dieses Gefühl, so als würde sich was ändern. Also nicht bei den Leuten, die in der Innen­stadt wohnen und sich beschw­eren, wenn da etwas los ist. Denen ist wohl nicht mehr zu helfen. Aber irgend­wie entwick­elt sich in der Innen­stadt etwas. Nehmen wir den Mark­t­platz als Beispiel: Den Löwen und den Musikklub gibt es schon länger. Gegenüber kam jet­zt mit der Garder­obe noch eine Bar dazu. Und der Späti durfte auch Sitzgele­gen­heit­en draußen hin­stellen. Restau­rants machen die Buschstraße zur kleinen Gas­tro-Gasse und Scots­man und Bolero hal­ten tapfer die Stel­lung in der Meck­len­burgstraße.

Und bei der Alt­stadt­fete wird in diesem Jahr auch einiges geboten: Nicht nur Cov­er­musik mit den Best-of-Songs der 90er oder DJ Dorf­bumms, der seine Spo­ti­fy-Playlist abspielt, da ste­ht mit einem Tech­nobus und einem DJ-Tow­er einiges auf dem Pro­gramm. Das klingt vielver­sprechend. Vielle­icht bewegt sich da etwas in die richtige Rich­tung.

Fragt man die, die neue Restau­rants oder Bars in der Stadt auf­machen, nach den größten Hin­dernissen, dann sind das oft die Behör­den- und Genehmi­gungsver­fahren. Die Stadtver­wal­tung sagt dazu: „Die Dauer des Genehmi­gungsver­fahrens richtet sich maßge­blich danach, ob der Antrag voll­ständig ist, welche Erken­nt­nisse sich aus der gewer­berechtlichen Zuver­läs­sigkeit­sprü­fung ergeben und wie der Gewer­be­treibende im Ver­fahren mitwirkt.“ Wie viele Restau­rants oder Bars in Schw­erin im Jahr 2026 eröffnet oder geschlossen wur­den, kann die Ver­wal­tung nicht sagen. Eine Auswer­tung dieser Zahlen soll nicht möglich sein.

Also stirbt Schw­erin jet­zt? Oder nicht? Meine Hoff­nung ist, dass sich die Entwick­lung dieses Jahres fort­set­zt. Und dass sowas wie die Alt­stadt­fete nicht wieder von irgendwelchen Unternehmern über­nom­men wird, die sich an der Öffentlichkeit bere­ich­ern wollen. Die wun­dern sich dann wieder, warum sie kein Bier verkaufen, wenn der halbe Liter 6 Euro kostet und beim Späti nur 1,50 Euro.

Und falls sich wieder drei oder vier Anwohn­er der Innen­stadt über Laut­stärke beschw­eren, kann man denen vielle­icht auch nahele­gen, nach Friedrich­sthal zu ziehen. Da ist es wirk­lich ruhig. Und anson­sten ist das immer noch Schw­erin-Innen­stadt und nicht Ham­burg-St. Pauli. Die meis­ten Tage pro Woche ist es hier ruhig. Und wenn es in Schw­erin mal lauter wird, dann ist das nichts Schlecht­es. Das zeigt, dass diese Stadt noch lebt und vielle­icht doch nicht stirbt.

PS: Ja, hier wurde jet­zt nur die Innen­stadt betra­chtet. Schw­erin ist noch mehr, als die Straßen ums Schloss herum. Auch der Dreesch ist wichtig. Und da sind in diesem Som­mer genau­so viele außergewöhn­liche Sachen passiert. Ein Konz­ert von Feine Sahne Fis­chfilet zum Beispiel.


Quellen:

Sta­tis­tis­ches Jahrbuch Schw­erin 2025

Antworten der Ver­wal­tung zu Bars und Restau­rants

Pro­gramm der Alt­stadt­fete 2026


Dieser Beitrag stellt auss­chließlich die Mei­n­ung des Ver­fassers dar. Er muss nicht zwangsläu­fig die Sichtweise von Schw­erin Lokal wiedergeben.


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