Meinung/Kommentar:
Stirbt Schwerin etwa doch nicht?
Stirbt Schwerin aus? Oder entwickelt sich in der Stadt wieder Leben? Unser Reporter Chris Loose hat sich darüber mal Gedanken gemacht.

Lange wurde ich in Schwerin das Gefühl nicht los, dass diese Stadt stirbt. Die Überalterung trifft die Stadt: Im aktuellen statistischen Jahrbuch gibt die Verwaltung an, dass das Durchschnittsalter in der Stadt bei 47 Jahren liegt. Und auf rund 58.000 erwerbsfähige Menschen kommen etwa 27.000 Rentner. Also nicht ganz ein Verhältnis von 2 zu 1. Und so wirklich viel kommt da auch nicht nach: Im Altersband von 0 bis 15 Jahre werden nicht ganz 13.000 als Zahl genannt.
Schwerin und seine Jugend
Also älter werden die Schwerinerinnen und Schweriner auf jeden Fall, das ist auch in ganz Deutschland so. In Schwerin fällt nur der Umgang mit der Jugend und den Fast-Erwachsenen auf: Treffen sich mehr als drei Jugendliche oder junge Erwachsene an den Schwimmenden Wiesen, am Schlachtermarkt oder auf dem Marienplatz, wird dort gleich der nächste Kriminalitätshotspot vermutet. Und Drogen nehmen die garantiert auch! Da müssen direkt die Polizei und das Ordnungsamt hin, um das beschauliche Schwerin vor der organisierten Kriminalität zu schützen. Oder passiert das nur, weil junge Menschen vielleicht auch mal laut sind und sich die alternden Anwohner daran stören?
Aber sowas hat es ja früher auch nicht gegeben. Es saß niemand mit 16 Jahren und dem Schnaps und den Zigaretten, die ein 18-jähriger Bekannter für einen gekauft hat, auf irgendeiner Bank oder in irgendeiner Bushaltestelle rum. Früher herrschten ja Recht und Ordnung! Wer dem zustimmt kann das „Früher“ hier bitte selber für sich in der Geschichte raussuchen und da bleiben.
Schwerin und die Gastronomie
Jetzt wollte ich ja eigentlich darüber schreiben, dass diese Stadt ja doch nicht am Wegsterben ist. Seit diesem Sommer ist da dieses Gefühl, so als würde sich was ändern. Also nicht bei den Leuten, die in der Innenstadt wohnen und sich beschweren, wenn da etwas los ist. Denen ist wohl nicht mehr zu helfen. Aber irgendwie entwickelt sich in der Innenstadt etwas. Nehmen wir den Marktplatz als Beispiel: Den Löwen und den Musikklub gibt es schon länger. Gegenüber kam jetzt mit der Garderobe noch eine Bar dazu. Und der Späti durfte auch Sitzgelegenheiten draußen hinstellen. Restaurants machen die Buschstraße zur kleinen Gastro-Gasse und Scotsman und Bolero halten tapfer die Stellung in der Mecklenburgstraße.
Und bei der Altstadtfete wird in diesem Jahr auch einiges geboten: Nicht nur Covermusik mit den Best-of-Songs der 90er oder DJ Dorfbumms, der seine Spotify-Playlist abspielt, da steht mit einem Technobus und einem DJ-Tower einiges auf dem Programm. Das klingt vielversprechend. Vielleicht bewegt sich da etwas in die richtige Richtung.
Fragt man die, die neue Restaurants oder Bars in der Stadt aufmachen, nach den größten Hindernissen, dann sind das oft die Behörden- und Genehmigungsverfahren. Die Stadtverwaltung sagt dazu: „Die Dauer des Genehmigungsverfahrens richtet sich maßgeblich danach, ob der Antrag vollständig ist, welche Erkenntnisse sich aus der gewerberechtlichen Zuverlässigkeitsprüfung ergeben und wie der Gewerbetreibende im Verfahren mitwirkt.“ Wie viele Restaurants oder Bars in Schwerin im Jahr 2026 eröffnet oder geschlossen wurden, kann die Verwaltung nicht sagen. Eine Auswertung dieser Zahlen soll nicht möglich sein.
Also stirbt Schwerin jetzt? Oder nicht? Meine Hoffnung ist, dass sich die Entwicklung dieses Jahres fortsetzt. Und dass sowas wie die Altstadtfete nicht wieder von irgendwelchen Unternehmern übernommen wird, die sich an der Öffentlichkeit bereichern wollen. Die wundern sich dann wieder, warum sie kein Bier verkaufen, wenn der halbe Liter 6 Euro kostet und beim Späti nur 1,50 Euro.
Und falls sich wieder drei oder vier Anwohner der Innenstadt über Lautstärke beschweren, kann man denen vielleicht auch nahelegen, nach Friedrichsthal zu ziehen. Da ist es wirklich ruhig. Und ansonsten ist das immer noch Schwerin-Innenstadt und nicht Hamburg-St. Pauli. Die meisten Tage pro Woche ist es hier ruhig. Und wenn es in Schwerin mal lauter wird, dann ist das nichts Schlechtes. Das zeigt, dass diese Stadt noch lebt und vielleicht doch nicht stirbt.
PS: Ja, hier wurde jetzt nur die Innenstadt betrachtet. Schwerin ist noch mehr, als die Straßen ums Schloss herum. Auch der Dreesch ist wichtig. Und da sind in diesem Sommer genauso viele außergewöhnliche Sachen passiert. Ein Konzert von Feine Sahne Fischfilet zum Beispiel.
Quellen:
Statistisches Jahrbuch Schwerin 2025
Antworten der Verwaltung zu Bars und Restaurants
Programm der Altstadtfete 2026
Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise von Schwerin Lokal wiedergeben.
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