Straßenname für Box-Legende:
Stadtvertretung diskutiert über Aufnahme von Michael Timm in Namensliste
Die UB, FDP und CDU wollen das Andenken an Boxer und Trainer Michael Timm wachhalten. Am Montag berät die Stadtvertretung, ob sein Name in die Vorschlagsliste für künftige Straßenbenennung kommt.

Foto: Martin Hartung – Selbst fotografiert., CC BY-SA 2.0 de, Link
Schwerin könnte einem ihrer prägendsten Sportpersönlichkeiten ein dauerhaftes Zeichen der Anerkennung setzen. In der Sitzung der Stadtvertretung am kommenden Montag wird ein Antrag beraten, mit dem der Name des früheren Boxers und Trainers Michael Timm in die Vorschlagsliste für Straßenbenennungen aufgenommen werden soll. Eingebracht wurde der Antrag gemeinsam von der Fraktion Unabhängige Bürger/FDP sowie der CDU-Fraktion.
Ziel des Antrags ist es, das „außergewöhnliche sportliche und gesellschaftliche Wirken eines herausragenden Schweriner Bürgers dauerhaft zu würdigen“, heißt es in der Begründung. Mit der Aufnahme in die Vorschlagsliste sei ausdrücklich noch keine konkrete Straßenbenennung verbunden. Vielmehr werde damit eine formale Voraussetzung geschaffen, um zu einem späteren Zeitpunkt eine solche Ehrung prüfen zu können.
Erfolgreichster Boxer aus Schwerin
Michael Timm, der im September 2025 im Alter von nur 62 Jahren verstarb, zählt zu den erfolgreichsten Boxern, die Schwerin hervorgebracht hat. Durch seine nationalen und internationalen sportlichen Erfolge habe er „weit über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus Anerkennung erlangt“ und „wesentlich dazu beigetragen, Schwerin als bedeutenden Standort des Boxsports bekannt zu machen“, heißt es im Antrag. Seine sportliche Laufbahn sei geprägt gewesen von „Disziplin, Leistungsbereitschaft und Fairness – Werte, die auch heute Vorbildcharakter besitzen“.
Doch die Bedeutung Michael Timms für den Boxsport reicht weit über seine aktive Karriere hinaus. Nach dem frühen Ende seiner Laufbahn wechselte er erfolgreich auf die Trainerseite und wurde zu einer der prägenden Figuren des deutschen Boxsports. Insbesondere seine Arbeit als Trainer im Amateur- und Profibereich verschaffte ihm überregionale Anerkennung. Der Boxclub Traktor Schwerin würdigte ihn in einem bewegenden Nachruf als „Herz und Seele unseres Vereins“.
„Michael Timm, von allen liebevoll ‚Timmi‘ genannt, war für den BC Traktor Schwerin weit mehr als ein Trainer, Betreuer oder Weggefährte“, heißt es darin. Er habe mit „Leidenschaft, Wärme und unermüdlichem Einsatz Generationen von Sportlern geprägt“. Für viele Athletinnen und Athleten sei er nicht nur Trainer gewesen, sondern „Mentor, Freund und Stütze in schwierigen Momenten“.
Bescheiden zum Erfolg beigetragen
Diese persönliche Seite wird auch im Antrag aufgegriffen, wenn auf Timms Engagement für den Nachwuchs- und Leistungssport verwiesen wird. „Sein Wirken hat zahlreiche junge Menschen motiviert, sich sportlich zu betätigen und Ziele mit Ausdauer und Engagement zu verfolgen“, heißt es wörtlich. Viele von ihnen seien durch ihn nicht nur sportlich, sondern auch menschlich geprägt worden.
Besonders eindrücklich beschreibt der Beiratsvorsitzende des BC Traktor Schwerin und Präsident des Deutschen Boxsport-Verbandes, Dr. Jens Hadler, die Bedeutung Timms. In dem Nachruf äußert er sich tief bewegt über den Verlust. „Es gab und gibt viele exzellente Boxer, die dann exzellente Box-Trainer wurden. Aber es gab in meinem Empfinden nicht einen, der so wie Timmi kein Aufhebens darum gemacht hat“, schreibt Hadler. Timm habe „ganz bescheiden seinen enormen Beitrag zum sportlichen Erfolg der Boxerinnen und Boxer geleistet und dabei Menschen geformt – für das Leben, nicht nur für das Boxen“.
Hadler hebt zudem hervor, dass Timm das deutsche Profiboxen maßgeblich mitgeprägt habe. Gerade seine Trainertätigkeit habe zu Erfolgen geführt, „die bis heute nicht wieder erreicht wurden“. Gleichzeitig betont er Timms besondere Fähigkeit, mit Menschen umzugehen. „Ich kenne niemanden, der so wie er auf individuelle Persönlichkeiten eingehen und sie weiterentwickeln konnte“, so Hadler.
Auch für den BC Traktor Schwerin selbst war Michael Timm eine Schlüsselfigur. Er habe einen „großen, nicht zu ersetzenden Anteil an der Entwicklung und dem Erfolg des Vereins sowie des Amateur-Boxens in Mecklenburg-Vorpommern und in Deutschland“ gehabt. Diese enge Verbindung zur Stadt Schwerin unterstreicht aus Sicht der Antragsteller seine besondere Würdigkeit für eine Ehrung im öffentlichen Raum.
Symbolische Entscheidung ohne kurzfristige praktische Konsequenzen
In die Beratung der Stadtvertretung fließt auch eine Stellungnahme der Stadtverwaltung ein. Darin ordnet die Verwaltung den Antrag vor allem formal ein. Sie weist darauf hin, dass die Aufnahme eines Namens in die Vorschlagsliste für Straßenbenennungen noch keine unmittelbaren Folgen hat und keine konkrete Benennung auslöst. Maßgeblich bleibe weiterhin die geltende Benennungssatzung der Landeshauptstadt Schwerin.
Diese sieht vor, dass Straßen oder öffentliche Einrichtungen frühestens fünf Jahre nach dem Tod einer Person nach dieser benannt werden dürfen. Die Verwaltung stellt klar, dass diese Regelung durch den Antrag nicht berührt wird. Die Vorschlagsliste diene vielmehr der langfristigen Vorbereitung und biete der Stadtvertretung eine strukturierte Entscheidungsgrundlage für künftige Benennungen.
Darüber hinaus macht die Verwaltung deutlich, dass mit dem Antrag keine finanziellen Auswirkungen verbunden sind. Haushaltsmittel seien weder unmittelbar noch mittelbar betroffen, auch Auswirkungen auf das Haushaltssicherungskonzept der Stadt ergäben sich nicht. Aus Sicht der Verwaltung handelt es sich somit um eine symbolische Entscheidung ohne kurzfristige praktische Konsequenzen.
Straßenbenennungen sind in Schwerin regelmäßig Gegenstand politischer und gesellschaftlicher Debatten. Sie spiegeln wider, welche Persönlichkeiten und Werte dauerhaft im Stadtbild präsent sein sollen. Entsprechend sensibel wird mit Vorschlägen umgegangen. Die Aufnahme eines Namens in die Vorschlagsliste gilt dabei als erster formaler Schritt, der Raum für spätere Diskussionen lässt, ohne bereits Fakten zu schaffen.
Michael Timm bleibt unvergessen
Mit dem Antrag wollen die Fraktionen nach eigenen Angaben auch dazu beitragen, das sportliche Erbe der Landeshauptstadt sichtbar zu bewahren. Die Maßnahme trage dazu bei, „das sportliche, kulturelle und gesellschaftliche Erbe der Landeshauptstadt Schwerin zu bewahren und lebendig zu halten“, heißt es in der Begründung.
Ob der Name Michael Timm künftig offiziell in die Vorschlagsliste aufgenommen wird, entscheidet sich in der Sitzung der Stadtvertretung am kommenden Montag. Unabhängig vom Ausgang der Entscheidung zeigt der Antrag, welchen Stellenwert der Sport und seine prägenden Persönlichkeiten in Schwerin haben. Für viele Schwerinerinnen und Schweriner bleibt Michael Timm unvergessen – als erfolgreicher Boxer, leidenschaftlicher Trainer und Mensch, der an die Kraft des Sports und den Zusammenhalt geglaubt hat.



