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Straßenname für Box-Legende:
Stadtvertretung diskutiert über Aufnahme von Michael Timm in Namensliste

Die UB, FDP und CDU wollen das Andenken an Boxer und Trainer Michael Timm wachhalten. Am Montag berät die Stadtvertretung, ob sein Name in die Vorschlagsliste für künftige Straßenbenennung kommt.

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  • Veröffentlicht Januar 23, 2026
Michael Timm war Schw­erins erfol­gre­ich­ster Box­er. Bald kön­nte eine Straße nach ihm benan­nt wer­den.
Foto: Mar­tin Har­tung – Selb­st fotografiert., CC BY-SA 2.0 de, Link

Schw­erin kön­nte einem ihrer prä­gend­sten Sport­per­sön­lichkeit­en ein dauer­haftes Zeichen der Anerken­nung set­zen. In der Sitzung der Stadtvertre­tung am kom­menden Mon­tag wird ein Antrag berat­en, mit dem der Name des früheren Box­ers und Train­ers Michael Timm in die Vorschlagsliste für Straßen­be­nen­nun­gen aufgenom­men wer­den soll. Einge­bracht wurde der Antrag gemein­sam von der Frak­tion Unab­hängige Bürger/FDP sowie der CDU-Frak­tion.

Ziel des Antrags ist es, das „außergewöhn­liche sportliche und gesellschaftliche Wirken eines her­aus­ra­gen­den Schw­er­iner Bürg­ers dauer­haft zu würdi­gen“, heißt es in der Begrün­dung. Mit der Auf­nahme in die Vorschlagsliste sei aus­drück­lich noch keine konkrete Straßen­be­nen­nung ver­bun­den. Vielmehr werde damit eine for­male Voraus­set­zung geschaf­fen, um zu einem späteren Zeit­punkt eine solche Ehrung prüfen zu kön­nen.

Erfolgreichster Boxer aus Schwerin

Michael Timm, der im Sep­tem­ber 2025 im Alter von nur 62 Jahren ver­starb, zählt zu den erfol­gre­ich­sten Box­ern, die Schw­erin her­vorge­bracht hat. Durch seine nationalen und inter­na­tionalen sportlichen Erfolge habe er „weit über die Stadt- und Lan­des­gren­zen hin­aus Anerken­nung erlangt“ und „wesentlich dazu beige­tra­gen, Schw­erin als bedeu­ten­den Stan­dort des Boxs­ports bekan­nt zu machen“, heißt es im Antrag. Seine sportliche Lauf­bahn sei geprägt gewe­sen von „Diszi­plin, Leis­tungs­bere­itschaft und Fair­ness – Werte, die auch heute Vor­bild­charak­ter besitzen“.

Doch die Bedeu­tung Michael Timms für den Boxs­port reicht weit über seine aktive Kar­riere hin­aus. Nach dem frühen Ende sein­er Lauf­bahn wech­selte er erfol­gre­ich auf die Train­er­seite und wurde zu ein­er der prä­gen­den Fig­uren des deutschen Boxs­ports. Ins­beson­dere seine Arbeit als Train­er im Ama­teur- und Profibere­ich ver­schaffte ihm über­re­gionale Anerken­nung. Der Box­club Trak­tor Schw­erin würdigte ihn in einem bewe­gen­den Nachruf als „Herz und Seele unseres Vere­ins“.

„Michael Timm, von allen liebevoll ‚Tim­mi‘ genan­nt, war für den BC Trak­tor Schw­erin weit mehr als ein Train­er, Betreuer oder Wegge­fährte“, heißt es darin. Er habe mit „Lei­den­schaft, Wärme und uner­müdlichem Ein­satz Gen­er­a­tio­nen von Sportlern geprägt“. Für viele Ath­letinnen und Ath­leten sei er nicht nur Train­er gewe­sen, son­dern „Men­tor, Fre­und und Stütze in schwieri­gen Momenten“.

Bescheiden zum Erfolg beigetragen

Diese per­sön­liche Seite wird auch im Antrag aufge­grif­f­en, wenn auf Timms Engage­ment für den Nach­wuchs- und Leis­tungss­port ver­wiesen wird. „Sein Wirken hat zahlre­iche junge Men­schen motiviert, sich sportlich zu betäti­gen und Ziele mit Aus­dauer und Engage­ment zu ver­fol­gen“, heißt es wörtlich. Viele von ihnen seien durch ihn nicht nur sportlich, son­dern auch men­schlich geprägt wor­den.

Beson­ders ein­drück­lich beschreibt der Beiratsvor­sitzende des BC Trak­tor Schw­erin und Präsi­dent des Deutschen Boxs­port-Ver­ban­des, Dr. Jens Hadler, die Bedeu­tung Timms. In dem Nachruf äußert er sich tief bewegt über den Ver­lust. „Es gab und gibt viele exzel­lente Box­er, die dann exzel­lente Box-Train­er wur­den. Aber es gab in meinem Empfind­en nicht einen, der so wie Tim­mi kein Aufhebens darum gemacht hat“, schreibt Hadler. Timm habe „ganz beschei­den seinen enor­men Beitrag zum sportlichen Erfolg der Box­erin­nen und Box­er geleis­tet und dabei Men­schen geformt – für das Leben, nicht nur für das Box­en“.

Hadler hebt zudem her­vor, dass Timm das deutsche Profi­box­en maßge­blich mit­geprägt habe. Ger­ade seine Train­ertätigkeit habe zu Erfol­gen geführt, „die bis heute nicht wieder erre­icht wur­den“. Gle­ichzeit­ig betont er Timms beson­dere Fähigkeit, mit Men­schen umzuge­hen. „Ich kenne nie­man­den, der so wie er auf indi­vidu­elle Per­sön­lichkeit­en einge­hen und sie weit­er­en­twick­eln kon­nte“, so Hadler.

Auch für den BC Trak­tor Schw­erin selb­st war Michael Timm eine Schlüs­selfig­ur. Er habe einen „großen, nicht zu erset­zen­den Anteil an der Entwick­lung und dem Erfolg des Vere­ins sowie des Ama­teur-Box­ens in Meck­len­burg-Vor­pom­mern und in Deutsch­land“ gehabt. Diese enge Verbindung zur Stadt Schw­erin unter­stre­icht aus Sicht der Antrag­steller seine beson­dere Würdigkeit für eine Ehrung im öffentlichen Raum.

Symbolische Entscheidung ohne kurzfristige praktische Konsequenzen

In die Beratung der Stadtvertre­tung fließt auch eine Stel­lung­nahme der Stadtver­wal­tung ein. Darin ord­net die Ver­wal­tung den Antrag vor allem for­mal ein. Sie weist darauf hin, dass die Auf­nahme eines Namens in die Vorschlagsliste für Straßen­be­nen­nun­gen noch keine unmit­tel­baren Fol­gen hat und keine konkrete Benen­nung aus­löst. Maßge­blich bleibe weit­er­hin die gel­tende Benen­nungssatzung der Lan­deshaupt­stadt Schw­erin.

Diese sieht vor, dass Straßen oder öffentliche Ein­rich­tun­gen früh­estens fünf Jahre nach dem Tod ein­er Per­son nach dieser benan­nt wer­den dür­fen. Die Ver­wal­tung stellt klar, dass diese Regelung durch den Antrag nicht berührt wird. Die Vorschlagsliste diene vielmehr der langfristi­gen Vor­bere­itung und biete der Stadtvertre­tung eine struk­turi­erte Entschei­dungs­grund­lage für kün­ftige Benen­nun­gen.

Darüber hin­aus macht die Ver­wal­tung deut­lich, dass mit dem Antrag keine finanziellen Auswirkun­gen ver­bun­den sind. Haushaltsmit­tel seien wed­er unmit­tel­bar noch mit­tel­bar betrof­fen, auch Auswirkun­gen auf das Haushaltssicherungskonzept der Stadt ergäben sich nicht. Aus Sicht der Ver­wal­tung han­delt es sich somit um eine sym­bol­is­che Entschei­dung ohne kurzfristige prak­tis­che Kon­se­quen­zen.

Straßen­be­nen­nun­gen sind in Schw­erin regelmäßig Gegen­stand poli­tis­ch­er und gesellschaftlich­er Debat­ten. Sie spiegeln wider, welche Per­sön­lichkeit­en und Werte dauer­haft im Stadt­bild präsent sein sollen. Entsprechend sen­si­bel wird mit Vorschlä­gen umge­gan­gen. Die Auf­nahme eines Namens in die Vorschlagsliste gilt dabei als erster for­maler Schritt, der Raum für spätere Diskus­sio­nen lässt, ohne bere­its Fak­ten zu schaf­fen.

Michael Timm bleibt unvergessen

Mit dem Antrag wollen die Frak­tio­nen nach eige­nen Angaben auch dazu beitra­gen, das sportliche Erbe der Lan­deshaupt­stadt sicht­bar zu bewahren. Die Maß­nahme trage dazu bei, „das sportliche, kul­turelle und gesellschaftliche Erbe der Lan­deshaupt­stadt Schw­erin zu bewahren und lebendig zu hal­ten“, heißt es in der Begrün­dung.

Ob der Name Michael Timm kün­ftig offiziell in die Vorschlagsliste aufgenom­men wird, entschei­det sich in der Sitzung der Stadtvertre­tung am kom­menden Mon­tag. Unab­hängig vom Aus­gang der Entschei­dung zeigt der Antrag, welchen Stel­len­wert der Sport und seine prä­gen­den Per­sön­lichkeit­en in Schw­erin haben. Für viele Schw­er­iner­in­nen und Schw­er­iner bleibt Michael Timm unvergessen – als erfol­gre­ich­er Box­er, lei­den­schaftlich­er Train­er und Men­sch, der an die Kraft des Sports und den Zusam­men­halt geglaubt hat.