Streik bei Sky: Die „Rebellen“ aus dem Norden

Am vergangenen Mittwoch streikten die Beschäftigten von Sky in Schwerin. Das könnte der Auftakt zu einem scharfen Arbeitskampf sein
Am vergangenen Mittwoch streikten die Beschäftigten von Sky in Schwerin. Das könnte der Auftakt zu einem scharfen Arbeitskampf sein

(stm). Der Schweriner Standort von Sky-Deutschland rief zum Warnstreik. Im 800 Kilometer entfernten Unterföhring (München) stellt sich die Unternehmensführung quer. Doch worum geht es bei dem Streik? Wir haben mit der Sky-Deutschland-Unternehmensführung im Süden und den Streikenden in Schwerin gesprochen.

 

Bei der Sky-Deutschland Service Center GmbH in Schwerin hatten, nach Angaben der Gewerkschaft Verdi, am vergangenen Mittwoch mehr als 200 Mitarbeiter für gute vier Stunden die Arbeit niedergelegt. Der Warnstreik könnte der Auftakt zu einem längeren Tarifstreit gewesen sein.

 

Ursprünglich ging es den Streikenden um mehr Lohn,  sowie  um die Zahlung von angemessenen Sonn- und Feiertagszuschlägen. Eine nicht gerade überhöhte Forderung. Doch Sky als Arbeitgeber weigert sich auf diese Forderungen einzugehen. Es sind aber nicht die Forderungen, die Sky auf stur schalten lassen.

 

Ein Angebot an falschen Adressat

 

Nach einem Telefonat mit „Head of Corporate Media Relations & Corporate Responsibility“, oder auf deutsch, der Unternehmenssprecherin Alexandra Coffey, verweigere sich Sky nicht: „Wir haben am 15. Juni ein Angebot an den Betriebsrat unterbreitet. Wir haben eine Lohnsteigerung und Ausgleichszahlungen für Sonn-, und Feiertagsarbeit angeboten.“ Auf das Angebot habe der Betriebsrat des Schweriner Standortes, bis heute nicht reagiert.
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Nach Aussage eines Mitarbeiters, das selber anonym bleiben möchte,  wird es auf das Angebot auch keine Reaktion geben. „Eine Betriebsvereinbarung ist keine Grundlage für dauerhafte verbesserte Arbeitsbedingungen.“ Im Service-Center-Schwerin gebe es „deutlich mehr Baustellen, die nicht über eine Betriebsvereinbarung geregelt werden können, da diese  nach geltendem Recht auch nicht durch eine Betriebsvereinbarung geregelt werden dürfen“.

 

Ein Mitglied der Tarifkommission, teilte der Redaktion von Schwerin Lokal mit: „Wir wollen einen Tarifvertrag für unsere Mitglieder erwirken. Die Unternehmensführung im 800 Kilometer entfernten Unterföhring, verweigert bisher jegliche Verhandlung mit Verdi. Das ist nicht im Sinne der Arbeitnehmer.“

 

Verdi kein legitimer Verhandlungspartner

 

Das bestätigt auch die Unternehmensführung im Süden. „Wir werden nicht mit Verdi verhandeln. Sie sind für uns kein legitimer Verhandlungspartner. Der einzige Verhandlungspartner ist für uns der gewählte Betriebsrat.“

 

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ist nach Ansicht der Unternehmensleitung in Unterföhring kein legitimer Ansprechpartner
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ist nach Ansicht der Unternehmensleitung in Unterföhring kein legitimer Ansprechpartner

 

„Dadurch entsteht tatsächlich eine Barriere, die zeigt das es letztendlich auf einen Streik hinaus laufen werde. Der Zuspruch innerhalb der Sky-Belegschaft wird immer größer.“ sagt ein Angestellter des Unternehmens. Offenbar möchte auch der Betriebsrat, dass Verdi die Verhandlungen führt.

 

Die Gewerkschaft fordert für die rund 720 Beschäftigten einen Entgelttarifvertrag, der sich deutlich vom gesetzlichen Mindestlohn abheben soll. Darüber hinaus werden Zuschläge für Sonn- und Feiertagsarbeit, sowie für Spätschichten verlangt. Für alle Beschäftigten will Verdi zudem 30 Tage Urlaub, Urlaubs- und Weihnachtsgeld und eine 35-Stunden-Woche durchsetzen. Bisher gibt es für die meisten Beschäftigten lediglich 30 Stunden-Verträgen mit Löhnen knapp über dem Niveau des Mindestlohn.

 

…im Endeffekt bleibt nur Streik

 

Eine verfahrene Situation. Der Streik bei Sky könnte am Ende zu einem  klassischen Arbeitskampf werden. Denn hier geht es weniger um Lohn- oder Gehaltserhöhungen, sondern um einen eigenen Tarifvertrag.

Die Beteiligten auf der Arbeitnehmerseite scheinen zu allem entschlossen zu sein. „Wenn es keine Verhandlungen gibt, bleibt im Endeffekt nur Streik.“, ist aus dem Betriebsrat zu hören.

Das Ganze wirkt, nicht nur aufgrund der räumlichen Entfernung, wie ein Kampf gegen Windmühlen.

Die Frage, die bleibt ist: Wer ist hier Don Quichotte?

 

 

Redaktion

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