Fahrradforum zieht Jahresbilanz:
Streitpunkte und neue Projekte für Schwerins Radverkehr
Forderungen trafen auf finanzielle Grenzen – und es wurden neue Projekte für 2026 angekündigt.

Im Stadthaus Schwerin kam das Fahrradforum gestern zu seiner letzten Sitzung in diesem Jahr zusammen. Seit Jahren bietet dieses Gremium einen wichtigen Rahmen, in dem Verwaltung, Verbände und Radfahrende über Probleme und Perspektiven des Radverkehrs beraten. Moderiert wird das Quartalsformat von Mirco Goldammer aus der Fachgruppe Verkehrsplanung, der als zentraler Ansprechpartner für Radverkehrsfragen in der Landeshauptstadt gilt. Regelmäßig geht es um beschädigte Radwege, unsichere Querungen und den Stand anstehender Bauprojekte. Zu den aktivsten Teilnehmern zählt die Initiative Radentscheid Schwerin um Madleen Kröner, die in diesem Jahr erneut einen umfangreichen Mängelkatalog einbrachte: 86 bekannte Problemstellen, 19 inzwischen behoben und 31 neue Meldungen. „Wir wollen deutlich mehr Tempo beim Ausbau einer komfortablen und sicheren Radinfrastruktur“, betonte Kröner. Besonders dringlich sei eine ganzjährige Innenstadtdurchquerung für Radfahrende – ein Vorschlag, der 2023 als Verkehrsversuch in der Mecklenburgstraße eingebracht, von der Stadtvertretung jedoch abgelehnt wurde.
Neue Fahrradstraße und Radbrücke geplant
Während der Radentscheid deutliche Kritik äußerte, informierte die Verwaltung über Fortschritte: Anfang kommenden Jahres soll ein Abschnitt der Mecklenburgstraße – zwischen Ärztehaus und Geschwister-Scholl-Straße – zur Fahrradstraße umgebaut werden. Geplant sind rund 100 Pkw-Stellplätze sowie zusätzliche Abstellmöglichkeiten für Räder. Zudem stehen nun die Fördergelder für die neue Radbrücke von der Krösnitz über die Ludwigsluster Chaussee bereit, sodass das Projekt bald starten kann. Für die Verwaltung bleibt die Abarbeitung der Mängelliste des Radentscheides eine Herausforderung: Die Vielzahl an Problemen trifft auf begrenzte Ressourcen und einen angespannten Haushalt. Ralf Klein, Vorsitzender der ADFC-Regionalgruppe und Stadtvertreter, mahnte daher zu Augenmaß. Bei allen Forderungen müsse die Zahl der Betroffenen und die Umsetzbarkeit berücksichtigt werden, so Klein. Kompromisse seien unverzichtbar.
Uneinigkeit bei Tempo und politischen Entscheidungen
Trotz unterschiedlicher Positionen sind sich ADFC und Radentscheid in einem Punkt einig: Die Eröffnung der ersten Fahrradstraße in der Gadebuscher Straße Ende 2024 war ein großer gemeinsamer Erfolg. Die 1.300 Meter lange Strecke kostete rund 2,2 Millionen Euro – 1,7 Millionen davon kamen aus dem Förderprogramm „Stadt und Land“. Allerdings wies Goldammer darauf hin, dass ein erheblicher Teil der landesweiten Fördermittel bereits nach Schwerin geflossen sei. Dennoch lohne es sich, weiterhin aktiv Gelder zu beantragen. Klare Worte fand Madleen Kröner zur politischen Situation: Die Verwaltung sei nicht das größte Hindernis, vielmehr blockiere die Stadtvertretung viele Veränderungen. Selbst Maßnahmen, die die Verkehrsbehörde eigenständig anordnen könnte, würden politisch ausgebremst – etwa die Erweiterung der Fußgängerzone in der Friedrichstraße. Die vollständige, aktuelle Mängelliste des Radentscheids ist hier einsehbar. Die nächste planmäßige Sitzung des Fahrradforums findet am 11. März 2026 statt.



