So, 18. Januar 2026
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Fahrradforum zieht Jahresbilanz:
Streitpunkte und neue Projekte für Schwerins Radverkehr

Forderungen trafen auf finanzielle Grenzen – und es wurden neue Projekte für 2026 angekündigt.

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  • Veröffentlicht Dezember 5, 2025
Beim letzten Fahrradforum des Jahres diskutierten Verwaltung, Verbände und Initiativen über Mängel, Lösungen und neue Bauvorhaben im Radverkehr, Foto: maxpress
Beim let­zten Fahrrad­fo­rum des Jahres disku­tierten Ver­wal­tung, Ver­bände und Ini­tia­tiv­en über Män­gel, Lösun­gen und neue Bau­vorhaben im Rad­verkehr. Foto: max­press

Im Stadthaus Schw­erin kam das Fahrrad­fo­rum gestern zu sein­er let­zten Sitzung in diesem Jahr zusam­men. Seit Jahren bietet dieses Gremi­um einen wichti­gen Rah­men, in dem Ver­wal­tung, Ver­bände und Rad­fahrende über Prob­leme und Per­spek­tiv­en des Rad­verkehrs berat­en. Mod­eriert wird das Quar­tals­for­mat von Mir­co Goldammer aus der Fach­gruppe Verkehrs­pla­nung, der als zen­traler Ansprech­part­ner für Rad­verkehrs­fra­gen in der Lan­deshaupt­stadt gilt. Regelmäßig geht es um beschädigte Rad­wege, unsichere Querun­gen und den Stand anste­hen­der Baupro­jek­te. Zu den aktivsten Teil­nehmern zählt die Ini­tia­tive Radentscheid Schw­erin um Madleen Krön­er, die in diesem Jahr erneut einen umfan­gre­ichen Män­gelkat­a­log ein­brachte: 86 bekan­nte Prob­lem­stellen, 19 inzwis­chen behoben und 31 neue Mel­dun­gen. „Wir wollen deut­lich mehr Tem­po beim Aus­bau ein­er kom­fort­ablen und sicheren Rad­in­fra­struk­tur“, betonte Krön­er. Beson­ders dringlich sei eine ganzjährige Innen­stadt­durch­querung für Rad­fahrende – ein Vorschlag, der 2023 als Verkehrsver­such in der Meck­len­burgstraße einge­bracht, von der Stadtvertre­tung jedoch abgelehnt wurde.

Neue Fahrradstraße und Radbrücke geplant

Während der Radentscheid deut­liche Kri­tik äußerte, informierte die Ver­wal­tung über Fortschritte: Anfang kom­menden Jahres soll ein Abschnitt der Meck­len­burgstraße – zwis­chen Ärztehaus und Geschwis­ter-Scholl-Straße – zur Fahrrad­straße umge­baut wer­den. Geplant sind rund 100 Pkw-Stellplätze sowie zusät­zliche Abstellmöglichkeit­en für Räder. Zudem ste­hen nun die Fördergelder für die neue Rad­brücke von der Krös­nitz über die Lud­wigslus­ter Chaussee bere­it, sodass das Pro­jekt bald starten kann. Für die Ver­wal­tung bleibt die Abar­beitung der Män­gel­liste des Radentschei­des eine Her­aus­forderung: Die Vielzahl an Prob­le­men trifft auf begren­zte Ressourcen und einen anges­pan­nten Haushalt. Ralf Klein, Vor­sitzen­der der ADFC-Region­al­gruppe und Stadtvertreter, mah­nte daher zu Augen­maß. Bei allen Forderun­gen müsse die Zahl der Betrof­fe­nen und die Umset­zbarkeit berück­sichtigt wer­den, so Klein. Kom­pro­misse seien unverzicht­bar.

Uneinigkeit bei Tempo und politischen Entscheidungen

Trotz unter­schiedlich­er Posi­tio­nen sind sich ADFC und Radentscheid in einem Punkt einig: Die Eröff­nung der ersten Fahrrad­straße in der Gade­busch­er Straße Ende 2024 war ein großer gemein­samer Erfolg. Die 1.300 Meter lange Strecke kostete rund 2,2 Mil­lio­nen Euro – 1,7 Mil­lio­nen davon kamen aus dem Förder­pro­gramm „Stadt und Land“. Allerd­ings wies Goldammer darauf hin, dass ein erhe­blich­er Teil der lan­desweit­en För­der­mit­tel bere­its nach Schw­erin geflossen sei. Den­noch lohne es sich, weit­er­hin aktiv Gelder zu beantra­gen. Klare Worte fand Madleen Krön­er zur poli­tis­chen Sit­u­a­tion: Die Ver­wal­tung sei nicht das größte Hin­der­nis, vielmehr block­iere die Stadtvertre­tung viele Verän­derun­gen. Selb­st Maß­nah­men, die die Verkehrs­be­hörde eigen­ständig anord­nen kön­nte, wür­den poli­tisch aus­ge­bremst – etwa die Erweiterung der Fußgänger­zone in der Friedrich­straße. Die voll­ständi­ge, aktuelle Män­gel­liste des Radentschei­ds ist hier ein­se­hbar. Die näch­ste plan­mäßige Sitzung des Fahrrad­fo­rums find­et am 11. März 2026 statt.