Strom wird günstiger:
Regionale Versorger geben sinkende Kosten an Kunden weiter
Gute Nachrichten für Stromkunden in Schwerin und der Region: Die WEMAG senkt ihre Preise ab Januar 2026 deutlich. Auch die Stadtwerke Schwerin folgen. Grund sind sinkende Netzentgelte.

Die anhaltend hohen Energiepreise haben viele Haushalte in Mecklenburg-Vorpommern in den vergangenen Jahren stark belastet. Umso erfreulicher sind die Nachrichten, die kurz vor dem Jahreswechsel aus der regionalen Energiewirtschaft kommen: Zum 1. Januar 2026 senkt die WEMAG ihre Strompreise deutlich. Zum 1. Februar ziehen dann auch die Schweriner Stadtwerke nach. Möglich wird das vor allem durch geringere Netzentgelte und einen milliardenschweren Bundeszuschuss.
Hintergrund ist eine neue Regelung der Bundesnetzagentur, nach der die Kosten für den Ausbau der Stromnetze im Zuge der Energiewende seit 2025 bundesweit verteilt werden. Zusätzlich entlastet ab 2026 ein Bundeszuschuss in Höhe von 6,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds die Übertragungsnetzbetreiber. Diese Kombination führt dazu, dass auch im Netzgebiet der WEMAG Netz GmbH die Netzentgelte sinken – ein zentraler Kostenfaktor beim Strompreis.
Ersparnisse bis zu zehn Prozent
„Wir geben Entlastungen wie bisher vollständig weiter. Außerdem berücksichtigen wir bei der Preiskalkulation fürs kommende Jahr, dass auch die Stromeinkaufspreise erneut gesunken sind“, erklärt Caspar Baumgart, kaufmännischer Vorstand der WEMAG. Für einen typischen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.000 Kilowattstunden bedeutet das eine Ersparnis von rund zehn Prozent oder etwa 120 Euro im Jahr. Profitieren werden davon rund 100.000 Stromkundinnen und ‑kunden, die überwiegend in der Region leben.
Der Strompreis setzt sich aus verschiedenen Bestandteilen zusammen, von denen Energieversorger nur einen Teil direkt beeinflussen können. „Als Energieversorger können wir nur etwa die Hälfte des Strompreises direkt beeinflussen, da sie den Einkauf und Vertrieb des Stroms sowie die Serviceleistungen betreffen“, erläutert Vertriebsleiter Michael Hillmann. Rund ein Viertel des Strompreises entfällt allein auf die Netzentgelte. Diese Gebühren zahlen Stromanbieter an die Netzbetreiber für Betrieb, Wartung und Ausbau der Stromnetze.
Gerade diese Netzentgelte waren in Mecklenburg-Vorpommern lange überdurchschnittlich hoch. Der Grund: In Regionen mit viel Wind- und Solarstrom müssen die Netze besonders stark ausgebaut werden, um den erzeugten Strom in andere Landesteile zu transportieren. „Nach der früheren Regelung mussten die Kundinnen und Kunden im Netzgebiet der WEMAG Netz die Kosten für den Ausbau des lokalen Stromnetzes übernehmen, obwohl der produzierte Strom oft in andere Regionen transportiert wird“, sagt Thomas Murche, technischer Vorstand der WEMAG. Seit mehr als zehn Jahren habe sich das Unternehmen deshalb für eine bundesweite Verteilung dieser Kosten eingesetzt. Die nun beschlossenen Maßnahmen von Bundesregierung und Bundesnetzagentur seien ein wichtiger Schritt zu mehr Fairness und zur Dämpfung der Strompreise für Haushalte und Unternehmen.
Auch Stadtwerke senken Preise
Auch andere regionale Versorger profitieren von den neuen Rahmenbedingungen: So haben die Stadtwerke Schwerin angekündigt, ihre Strompreise zum 1. Februar 2026 zu senken. Die Entlastung fällt mit durchschnittlich rund sechs Prozent geringer aus als bei der WEMAG, erreicht jedoch ebenfalls viele Haushalte. Rund 50.000 Kundinnen und Kunden sollen profitieren. Während die WEMAG bereits zum Jahresbeginn und mit einer spürbar höheren Ersparnis für typische Haushalte startet, folgen die Stadtwerke einen Monat später mit moderateren Senkungen – beide Unternehmen geben damit die Vorteile aus Bundeszuschuss und gesunkenen Beschaffungspreisen an ihre Kundschaft weiter.
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Während es beim Strom also spürbare Entlastungen gibt, zeigt sich der Gasmarkt differenzierter. Die WEMAG versorgt derzeit rund 21.000 Gaskunden. Für etwa 6.000 von ihnen müssen die Preise steigen, vor allem wegen höherer Netzentgelte und der CO₂-Umlage. Für die Mehrheit der Gaskundinnen und ‑kunden können die Preise jedoch stabil gehalten werden, teilt der Energieversorger mit.
Unabhängig von Preissenkungen raten Verbraucherschützer weiterhin dazu, die eigenen Energietarife regelmäßig zu überprüfen. Nach Berechnungen des Vergleichsportals Verivox haben Haushalte allein im ersten Halbjahr 2025 rund 8,5 Milliarden Euro für Strom und Gas in der teuren Grundversorgung gezahlt. Mit günstigeren Tarifen hätten es nur etwa 5,5 Milliarden Euro sein müssen. Stiftung Warentest empfiehlt daher, mindestens einmal im Jahr die Preise zu vergleichen und gegebenenfalls den Anbieter zu wechseln. Seit Juni 2025 ist der Wechsel dank neuer Regelungen sogar schneller und unkomplizierter geworden.



