Arbeitskreis Sucht: Suchtkranke Menschen in Schwerin nicht versorgt

Nachdem die MEDIAN-Kliniken in Schwerin mitgeteilt haben, dass sie in Schwerin ihre Klinik aufgeben werden, stehen die ca. 300 sucherkrankte Menschen in der Stadt vor einer großen Herausforderung. Der Arbeitskreis Sucht erwartet von der Stadt endlich Lösungen und wirft vor, Schwerin komme der Daseinsfürsorge nicht nach.

Es war eine schlichte kleine Meldung des Klinikbetreibers MEDIAN: Die Klinik in Schwerin soll nicht weiter betrieben werden und wird zum 30. September schließen. Bisher hat sich die Klinik auf suchtkranke Menschen spezialisiert. Als Grund geben die Betreiber die enorm gestiegenen wirtschaftlichen Kosten an. Schon vorher habe man den Betrieb nur mit bezuschussung aufrecht erhalten können. Kritik an der Stadt kommt nun vom Arbeitskreis Sucht.

Mindestens 300 Menschen erhalten keine Hilfe mehr

In einem offenen Brief weist die Sprecherin Dominique Maibaum darauf hin, dass nun mindestens 300 Menschen mit einer Suchtproblematik in Schwerin keine Hilfe mehr erhalten würden.  Die Suchtberatungsstelle der Evangelische Suchtkrankenhilfe Mecklenburg-Vorpommern gGmbH sei mit ihren 2,5 Fachkräften am Limit und hat keine Kapazitäten weitere Klienten aufzunehmen und zu beraten.

Hinzu komme, dass es in Schwerin dann auch keine ambulante Reha für Suchtkranke mehr gibt und auch Selbsthilfegruppen die Räume für ihre Treffen verlieren.

Stelle des Psychatriekoordinators in der Stadt seit 1,5 Jahren nicht besetzt

Gerade in einer Zeit, in der durch die zwei Jahre Corona-Pandemie, seit Februar der Krieg in der Ukraine und Existenzängste durch steigende Strom- und Gaspreise sich bei vielen Menschen die Suchtproblematik verschärfen würde und ein Anstieg von Rückfällen zu verzeichnen sei, ist das ein unzumutbarer Zustand. Menschen, die abhängigkeitskrank sind und Beratung brauchten, müssten sich darauf ver­lassen können und haben einen gesetzlichen Anspruch, diese Hilfe auch zu bekommen. Und das auch in der Landeshauptstadt Schwerin.

Scheinbar aber fühle sich in der Landeshauptstadt niemand für den Bereich der Suchthilfe zuständig. Die Stelle des Psychiatriekoordinators sei seit 1,5 Jahre nicht besetzt.

Zuschüsse wurden abgesenkt

Weiter weisst der Arbeitskreis darauf hin, dass die Suchtberatungsstellen finanziell und  folglich personell sehr schlecht ausgestattet seien. Es gab schon in 2022 eine Budgetsenkung auf 226.000 € von 238.600 € in 2021. Anstatt das die Stadt nun eine Lösung suche, wie 300 suchtkranke Menschen weiter Hilfe bekommen können, soll es nach Informationen, die der Arbeitskreis bekommen hat, wieder keine Budgeterhöhung und keine Dynamisierung der Fördermittel in 2023 geben.

Warum die Stadt die seit Jahren unzureichende Finanzierung nicht anfasst, wird mit der unzureichenden Finanzierung durch das Land begründet. Land und Landeshauptstadt schieben den schwarzen den Peter so hin und her, die wirtschaftlichen Folgen und Kosten tragen die Träger der Beratungsstellen.

Suchtberatung in der Röntgenstraße schließt

Auch die Suchtberatungsstelle in der Röntgenstraße schließt aus wirtschaftlichen Gründen zum 1. Oktober 2022. Damit fehlen weitere Beratungskräfte und ca. 3000 Beratungen im Jahr. Sollte die Landeshauptstadt nicht mehr Geld für die Bezahlung von Fachkräften und Sachkosten in den Haushalt 2023 einstellen, werden nur 2,5 Suchtberater auf 90.000 Einwohner zur Verfügung stehen. Damit wäre der Versorgungsschlüssel auf 1:40.0000 reduziert und damit die schlechteste Versorgung von Suchtkranken, die es in Mecklenburg-Vorpommern gibt. In Deutschland wird ein Mindestversorgung von 1: 20.000 angesetzt. Wobei in Städten diese oft auch höher liegt.

Menschen nicht ihrem Schicksal überlassen

Der Arbeitskreis Sucht fordert die Stadt auf, sich der Problematik anzunehmen und suchtkranke Menschen nicht ihrem Schicksal zu überlassen. Dies hätte für die Stadt schwerwiegende Folgen, denn die Suchtberatung mit ihrer Brückenfunktion zwischen Beratungsstelle und dem Gesundheitssystem trägt nachweislich dazu bei, die Verelendung der Klienten zu verhindern und so die Folgekosten der Suchterkrankung zu verringern. Suchtberatung in dieser Form angeboten, hat ein Alleinstellungsmerkmal, dass nicht von anderen Leistungserbringern im Gesundheitswesen erbracht werden kann, nicht von Ärzten, auch nicht von niedergelassenen Therapeuten.

Lösungen könnten nach Ansicht des Arbeitskreises sein:

  • Gespräch mit der Evangelische Suchtkrankenhilfe Mecklenburg-Vorpommern gGmbH über eine Möglichkeit weitere Fachkräfte einzustellen und zu finanzieren.
  • Ausschreibung der Suchtberatung, in der Hoffnung das sich ein neuer Träger findet.

Beides, so der Arbeitskreis,  wird nur über eine verlässliche und ausreichende Förderung möglich sein.

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