Helfer in der Not: Syrer wird Rettungsschwimmer

Wasser ist inzwischen sein Element. Als er nach Deutschland kam, konnte er sich gerade so über Wasser halten. Nun wird Elyas Nofal Rettungsschwimmer.

Elyas Nofal wirft den Rettungsring aus

Er lacht, wenn er daran denkt. Tauchen im trüben Wasser des Badesees in Demen gehört zu seiner Ausbildung. Elyas Nofal aus Idlib, Syrien wird Rettungsschwimmer. Die theoretische und praktische Prüfung hat er  bereits bestanden. An diesem Wochenende geht es in das Naturbad Teterow zum Praktikum. Auch das ist Bestandteil der Ausbildung zum Rettungsschwimmer bei der Wasserrettung des Arbeiter-Samariter-Bundes Schwerin-Parchim e.V.

 

Sich über Wasser halten konnte Elyas

 

Elyas Nofal lebt seit Oktober 2015 in Schwerin. Heute ist er 22 Jahre alt. Sein Abitur hat er noch in Syrien gemacht und sich anschließend für einen Studienplatz an der juristischen Fakultät in Damaskus beworben. Aber dann war er aus dem Kriegsgebiet in Syrien geflohen. Über die Türkei im Schlauchboot nach Griechenland und von dort den langen Weg über die Balkanroute. „Ein bisschen Schwimmen konnte ich schon. Das habe ich in Damaskus gelernt“, sagt er, „Darum hatte ich auch nicht so große Angst wie viele andere im Boot.“

Zusammen mit zwei weiteren Syrern absolvierte Elyas Nofal (Mitte) eine Ausbildung zum Rettungsschwimmer

Seine Schwimmlehrerin Monika Ernst vom ASB hat einen etwas anderen Blick. „Naja, er konnte über Wasser bleiben. Richtig Schwimmen hat er dann hier gelernt.“ Im Februar 2018 organisierte der Schweriner Verein „Miteinander – Ma‘an“ einen Schwimmkurs in der Schwimmhalle auf dem Dreesch. Dort unterrichtete Ernst den jungen Mann. „Heute kann er Kraueln, Brustschwimmen und in Rückenlage mit Grätschschwung ohne Armtätigkeit schwimmen. Die Schwimmstile sind Bestandteil der Prüfung. Rettungsschwimmer sind ausgebildete Personen, denen die fachlichen Kenntnisse für das Erkennen, Begreifen und Handeln bei Unfällen am und im Wasser vermittelt und durch eine Urkunde bescheinigt werden.“

 

Rettungsschwimmer werden gesucht

 

Und ehrenamtliche Rettungsschwimmer sind „Mangelware“ in Mecklenburg -Vorpommern. Das zeigen die Aufrufe aller Rettungsdienste, auch der DLRG oder der Wasserwacht des DRK. Da kommen die motivierten Neubürger gerade recht. An 16 Badestellen sichern die Ehrenamtlichen vom Wasserrettungsdienst des ASB Parchim-Schwerin den Badebetrieb während dieses Sommers ab. Ich freue mich, wenn ich Menschen helfen kann. Und hier beim Dienst am See lerne ich auch noch nette Menschen kennen“, freut sich Nofal.

Schwimmlehrerin Monika Ernst vom ASB bildet die neuen Rettungsschwimmer aus

Rolf Stiehler, ein erfahrener Ausbilder des ASB, hat Elyas Nofal im August trainiert. Er ist sich sicher, dass Nofal mit seiner humorvollen, freundlichen und ausgeglichen Art gut mit den Badegästen an den Seen zurechtkommen wird. Davon ist auch Monika Ernst überzeugt. Bei ihr ist er aktuell im Praktikum an der Badestelle. Andreas Lange, Bürgermeister von Teterow, freut sich über den jungen Mann am See. „Der ASB hat hier in den Ferien 6 Schwimmkurse für Kinder durchgeführt. Da sind die jungen Leute eine tolle Unterstützung für die Schwimmlehrerin“, lobt er den Einsatz von Nofal.

Elyas Nofal liest gerne. Journalist möchte er werden. Ein Praktikum bei einer Tageszeitung hat er bereits absolviert. Nun beginnt der bei dem Verlag eine Ausbildung als Kaufmann für Büromanagement. „Das Schwimmen mit Bekleidung während der Prüfung war nicht ganz leicht“, sagt er noch und ergänzt lächelnd, „Aber die muss man ja auch ausziehen als Rettungsschwimmer“. Und der ist Elyas Nofal ja jetzt.

Henning Kobs

Journalist. Wohnt in Braunschweig. Schreibt seit der Gründung im Jahr 2013 als freier Mitarbeiter gelegentlich für unsere digitale Tageszeitung. Er arbeitet vor allem im Back-Office der Redaktion.

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