Seit 35 Jahren an der Seite des Theaters:
Was die Theaterfreunde für Schwerins Theater tun
Die Theaterfreunde Schwerin haben ihr 35-jähriges Bestehen gefeiert. 910 Mitglieder unterstützen das Staatstheater mit Projekten, Spenden, einer Stiftung und ehrenamtlicher Arbeit.

In Kürze:
- Die Theaterfreunde Schwerin haben am Sonntag ihr 35-jähriges Bestehen gefeiert und zählen zuletzt 910 Mitglieder.
- Der Verein unterstützt unter anderem Schülerprojekte, den Ekhof-Preis, die Sesselaktion und weitere Vorhaben am Mecklenburgischen Staatstheater.
- Ministerpräsidentin Manuela Schwesig würdigte bei der Jubiläumsfeier besonders das ehrenamtliche Engagement der Mitglieder.
Die Theaterfreunde Schwerin haben am Sonntag ihr 35-jähriges Bestehen gefeiert. Bei der Festveranstaltung im Theaterzelt am Franzosenweg würdigte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) die Arbeit des Vereins. Seit mehr als drei Jahrzehnten unterstützen dessen Mitglieder das Mecklenburgische Staatstheater mit Geld, Ideen und ehrenamtlicher Arbeit.
910 Mitglieder zählte die Gesellschaft zuletzt. Sie fördern Projekte, organisieren Veranstaltungen und betreiben ehrenamtlich den Theaterladen. Im Geschäftsjahr 2024/25 kamen allein durch Mitgliedsbeiträge knapp 30.000 Euro zusammen. Hinzu kamen Spenden für unterschiedliche Vorhaben.
„Die Gesellschaft der Freunde des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin ist einer der mitgliederstärksten, aktivsten und erfolgreichsten Kulturfördervereine im Land“, sagte Schwesig bei der Jubiläumsveranstaltung. Die Theaterfreunde würden für das Theater werben, das Ensemble unterstützen und dazu beitragen, die Schweriner Theatertradition zu erhalten. Sie dankte Vorstand, Ehrenamtlichen und Mitgliedern für deren Arbeit und Unterstützung.
Besonders sichtbar wird dieses Engagement beim Schülerprojekt. Die Theaterfreunde helfen dabei, Kinder und Jugendliche mit dem Staatstheater in Kontakt zu bringen. Im Geschäftsjahr 2024/25 stellte der Verein dafür gut 8.000 Euro bereit. Unterstützt wurden daneben unter anderem das Weihnachtssingen, die Krümelbühne und der Ekhof-Preis.
Ein eigener Sessel fürs Theater
Eine besondere Verbindung zwischen Publikum und Theater schafft die sogenannte Sesselaktion. Nach dem Einbau neuer Sitze im Großen Haus starteten die Theaterfreunde die Möglichkeit, symbolisch einen Theatersessel zu erwerben. Das dabei eingenommene Geld wird für Renovierungsarbeiten und technische Verbesserungen am Theater eingesetzt.
Regulär kostet ein solcher Sessel 400 Euro. Die Unterstützer erhalten dafür eine Urkunde und können ihren ausgewählten Sitz mit einer persönlichen Widmung versehen lassen. Diese wird an der Unterseite des Sessels angebracht. Zudem werden die Namen der Unterstützer auf einer Tafel im Theater und auf der Internetseite veröffentlicht.
Die Aktion läuft weiter. Bei der Mitgliederversammlung im September 2025 berichtete der Vereinsvorsitzende Dr. Michael Jungrichter, dass noch zwölf Sessel verfügbar seien. Im zurückliegenden Berichtszeitraum war ein Sessel verkauft und ein weiterer ehrenhalber vergeben worden.
Die Aktion steht beispielhaft für das Konzept der Gesellschaft: Unterstützer geben nicht lediglich Geld, sondern können ihre persönliche Verbundenheit mit dem Schweriner Theater sichtbar machen.
Junge Menschen fürs Theater gewinnen
Ein Schwerpunkt der Arbeit richtet sich seit Jahren auf Kinder und Jugendliche. Für das Schülerprojekt gab der Verein 2024/25 gut 8.000 Euro aus. Damit war es der größte einzelne Projektposten im Finanzbericht der Gesellschaft.
Zur Arbeit gehörte in der vergangenen Spielzeit auch eine Veranstaltung mit Pädagogen zur Vorstellung des Spielplans. Bei der Mitgliederversammlung machte Generalintendant Hans-Georg Wegner deutlich, dass aus seiner Sicht noch mehr Kinder an das Theater herangeführt werden könnten. Das Schülerprojekt wurde anschließend gemeinsam mit Theaterpädagogik und Lehrern fortgeführt.
Das Engagement beschränkt sich nicht auf die Nachwuchsarbeit. Die Theaterfreunde unterstützen beispielsweise auch den Ekhof-Preis, mit dem Künstler und Beschäftigte des Hauses ausgezeichnet werden. Weitere Mittel flossen zuletzt unter anderem in das Weihnachtssingen und kleinere Projekte.
Viel Arbeit geschieht ehrenamtlich
Was die Theaterfreunde leisten, lässt sich ohnehin nur teilweise in Euro ausdrücken. Ein sichtbares Beispiel ist der Theaterladen, der von Mitgliedern ehrenamtlich betrieben wird. Trotz der Bauarbeiten am Großen Haus wurde der Betrieb weitergeführt.
Hinzu kommen Begegnungen mit Künstlern und Theaterleitung, Veranstaltungen und gemeinsame Theaterfahrten. Im Geschäftsjahr 2024/25 organisierte der Verein unter anderem eine Herbstsoiree, zwei Lunches, den Theaterball sowie Fahrten nach Berlin und Rheinsberg. Der Vorstand kam innerhalb des Geschäftsjahres sechsmal zusammen.
Auch Schwesig stellte bei der Jubiläumsfeier diese ehrenamtliche Arbeit heraus. Der Erfolg des Staatstheaters und dessen Verwurzelung in der Landeshauptstadt seien auch ein Verdienst der Theaterfreunde. „Ohne Ehrenamtliche geht es nicht!“, sagte die Ministerpräsidentin. Sie verwies dabei zugleich auf die zahlreichen Menschen, die sich landesweit selbst kulturell engagieren oder Kulturfördervereine unterstützen.
Bürgerstiftung für langfristige Förderung
Neben dem Verein haben die Theaterfreunde eine Bürgerstiftung aufgebaut. Sie schafft eine weitere Möglichkeit, das Staatstheater langfristig zu unterstützen. Das Stiftungskapital belief sich im September vergangenen Jahres auf 517.900 Euro.
Das bedeutet allerdings nicht, dass mehr als eine halbe Million Euro für laufende Theaterprojekte ausgegeben werden können. Das Stiftungskapital soll erhalten bleiben; für Förderungen können insbesondere die daraus erwirtschafteten Erträge eingesetzt werden.
Wie das funktioniert, zeigt ein aktuelles Vorhaben. Rund 9.900 Euro Ertrag aus dem Jahr 2024 wurden für die Restaurierung eines historischen Harmoniums zurückgestellt. Das Instrument soll die Reihe historischer Tasteninstrumente des Theaters ergänzen.
Unterstützung für konkrete Projekte
Auch bei praktischen Vorhaben rund um das Theater bringen sich die Mitglieder ein. So hat der Verein bereits Monitore für Programm- und Werbezwecke gefördert. Bei der Mitgliederversammlung im vergangenen September stand deren Inbetriebnahme noch aus.
Weitere Überlegungen reichen von einer Verbesserung der Akustik im Konzertfoyer bis zu neuen Sitzmöbeln und der Reinigung der dortigen Vorhänge. Auch zusätzliche Ausstattung für die M*Halle und eine Unterstützung des Foyercafés während der Sanierung des Großen Hauses wurden erwogen. Ob solche Vorhaben tatsächlich gefördert werden, macht der Verein von konkreten Projekten und seinen finanziellen Möglichkeiten abhängig.
Die Theaterfreunde ersetzen damit nicht die öffentliche Finanzierung des Mecklenburgischen Staatstheaters. Ihre Unterstützung schafft vielmehr zusätzliche Möglichkeiten: für junge Besucher, besondere Projekte, Auszeichnungen, Instrumente oder Verbesserungen im Haus.
Mehr als finanzielle Unterstützung
Welche Bedeutung der Verein für das Haus besitzt, hatte Generalintendant Wegner bereits bei der Mitgliederversammlung im September 2025 deutlich gemacht. Er dankte den Theaterfreunden für ihr Engagement und die „große finanzielle Unterstützung“. Gleichzeitig berichtete er von einer angespannten finanziellen Situation des Staatstheaters, unter anderem aufgrund gestiegener Tarifkosten.
Aus den vorliegenden Unterlagen lässt sich allerdings nicht ableiten, dass die Theaterfreunde den regulären Betrieb oder strukturelle Defizite des Hauses finanzieren. Ihre Bedeutung liegt vor allem in den zusätzlichen Angeboten und Vorhaben, die durch Mitglieder, Spender und ehrenamtlich Engagierte möglich werden.
Nach 35 Jahren ist daraus eine dauerhafte Verbindung zwischen Theater und Stadtgesellschaft entstanden. Der symbolisch gekaufte Theatersessel, ein Theaterbesuch für Schüler oder die Restaurierung eines historischen Instruments sind sehr unterschiedliche Beispiele. Gemeinsam ist ihnen, dass Menschen bereit sind, sich über den Kauf einer Eintrittskarte hinaus für das Schweriner Theater zu engagieren.




