Tourismusflaute im hohen Norden?

(Anz). Die Besucherzahlen für Mecklenburg-Vorpommern scheinen einzubrechen. Auch Kenner der Branche sprechen von gedämpften Aussichten und deuten auf einen Besucherrückgang hin.

 

Die Besucherzahlen für Mecklenburg-Vorpommern scheinen einzubrechen. Auch Kenner der Branche sprechen von gedämpften Aussichten und deuten auf einen Besucherrückgang hin. Wirklich bedeutsame Gründe für diese Entwicklung gebe es zudem keine, was umso mehr beunruhige. Genauer betrachtet sieht die Situation jedoch weitaus positiver aus. Ein Aufschwung scheint in greifbarer Nähe.

In Mecklenburg-Vorpommern sind rund 130.000 Menschen direkt in der Tourismusbranche beschäftigt und weitere Zehntausende indirekt mit ihr verbunden. So betonte Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) auch erst vor wenigen Tagen die Bedeutung dieses Marktes und sprach so dann von einem Konjunkturprogramm, um die augenscheinlich sinkenden Besucherzahlen anzuheben. Anlass hierfür dürfte die Meldung, Mecklenburg-Vorpommern habe 2017 einen Rückgang an Touristen im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen, gegeben haben. Glawe sähe diese Entwicklung dennoch gelassen entgegen: Ziel sei es nun, die Attraktivität des Landes unabhängig vom Wetter zu steigern. Es sei schließlich in erster Linie das bescheidende Sommerwetter vergangenen Jahres gewesen, das zum Besucherschwund beigetragen hätte.

Die Situation im Detail

Dass Mecklenburg-Vorpommern mit einer sinkenden Besucherzahl zu kämpfen hat, mag stimmen. Denn mit 25 Millionen registrierten Übernachtungen ist die Auslastung an Hotels und Ferienwohnungen gegenüber der von 2016 durchaus gesunken. Die Ferienwohnung gehört übrigens nach wie vor zu einer sehr beliebten Unterkunftsform: Die Freiheit in puncto Verpflegung, Freizeitgestaltung und nicht zuletzt die Möglichkeit, den besten Freund des Menschen, den Hund, unterzubringen, machen Ferienwohnungen zu einer überaus begehrten Urlaubsstätte. Angesichts der vergleichsweise zahlreichen Ferienwohnungen (alleine in Schwerin über 30 Stück) fügt sich der gesamte Bericht für 2017 recht differenziert zusammen: Zwar hat der Tourismuszweig hierzulande einen leichten Knick verkraften müssen, in absoluten Zahlen macht dieser allerdings nur einen Rückgang von 2 Prozent aus!

Blick nach vorn

Zugegeben, sinkende Besucherzahlen drücken die Stimmung in jedem Bereich des Tourismuswesens. Dass lediglich 56 Prozent befragter Hoteliers die Geschäfte als sehr gut beziehungsweise gut bezeichneten – 2016 waren es noch 80 Prozent – verwundert somit nur bedingt. Diese Einschätzungen sollten jedoch nicht über die Attraktivität Mecklenburg-Vorpommerns hinwegtäuschen: Nach wie vor gehört das Land zu einer der meistbesuchten Regionen Deutschlands! Das gerade einmal 23.000 km² große Bundesland schaffte es im internationalen Vergleich sogar auf den dritten Platz! Lediglich Spanien (505.000 km²) und Italien (301.000 km²) lockten mehr deutsche Besucher an. So scheint es auch eher unangemessen, über den zuletzt gemeldeten „Touristenschwund“ zu klagen: Mit neuen Konzepten wie der Erweiterung des Rostocker Zoos und dem Umbau des Stadthafens von Usedom zu einem Wattwanderrastplatz seien bereits gute Voraussetzungen für das kommende Jahr geschaffen, so der Wirtschaftsminister. Außerdem darf sich Mecklenburg-Vorpommern im März als offizielles Partnerland auf der ITB in Berlin, der weltweit größten Tourismusmesse, präsentieren. Diese Chance wurde bisweilen noch keinem einzigen Bundesland gewährt!

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