Sa, 18. April 2026
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Oberbürgermeisterwahl in Schwerin:
Trotz Schulden: Ehlers setzt auf Investitionen und Wachstum

Sebastian Ehlers will Oberbürgermeister werden: Er setzt auf Investitionen, Wirtschaftskraft und Zusammenhalt – fordert aber mehr Unterstützung von Bund und Land für die klamme Stadt.

  • Veröffentlicht April 7, 2026
Sebastian Ehlers
Sebas­t­ian Ehlers, Ober­bürg­er­meis­terkan­di­dat von der CDU Schw­erin. Foto: Sebas­t­ian Ehlers


SNO im Gespräch mit Sebas­t­ian Ehlers: Der Schw­er­iner Stadt­präsi­dent und Land­tagsab­ge­ord­nete kan­di­diert für das Amt des Ober­bürg­er­meis­ters. Im Inter­view spricht er über die anges­pan­nte Haushalt­slage, wirtschaftliche Per­spek­tiv­en, Stad­ten­twick­lung und seine Ziele für Schw­erin.

 

SNO: Herr Ehlers, Sie sind seit vie­len Jahren Poli­tik­er in der Stadt, Stadt­präsi­dent und auch Land­tagsab­ge­ord­neter. Warum jet­zt Ober­bürg­er­meis­ter? Was hat Sie dazu bewegt?

Sebas­t­ian Ehlers: Nach dem sehr über­raschen­den Rück­tritt von Rico Baden­schi­er haben mich viele Men­schen ange­sprochen und mich auch darin bestärkt, zu kan­di­dieren. In dieser Sit­u­a­tion habe ich mich entsch­ieden, meine Heimat­stadt Schw­erin nicht hän­gen zu lassen und meine Erfahrung aus vie­len Jahren im Land­tag und auch aus vie­len Jahren in der Stadtvertre­tung einzubrin­gen.

 

SNO: Sind Sie auf die schwierige Lage der Stadt vor­bere­it­et?

Sebas­t­ian Ehlers: Ja, ich glaube schon. Ich bin jet­zt seit 22 Jahren ehre­namtlich­es Mit­glied der Stadtvertre­tung, seit sieben Jahren Stadt­präsi­dent. Das heißt, ich kenne die The­men, ich kenne auch die han­del­nden Per­so­n­en in der Stadt, ich kenne die Ver­wal­tung. Von daher füh­le ich mich auf jeden Fall gut vor­bere­it­et, auch wenn ich weiß, dass ich sicher­lich als Ober­bürg­er­meis­ter noch vieles dazuler­nen muss.

 

SNO: Die Haushalts­de­bat­ten sind derzeit sehr schwierig. Es gibt einen poten­ziellen Rück­stau. Ihr Mot­to lautet „Investieren jet­zt“. Wie soll das trotz knap­per Kassen funk­tion­ieren?

Sebas­t­ian Ehlers: Das soll dadurch funk­tion­ieren, dass wir ganz klar einen Schw­er­punkt auf Investi­tio­nen set­zen. Und ehrlicher­weise waren Investi­tio­nen in den let­zten Jahren nicht das riesige Prob­lem. Wir haben eher das Prob­lem in anderen Bere­ichen: steigende Jugend- und Sozialkosten, steigende Per­son­alkosten. Trotz­dem haben wir investiert, auch mit Unter­stützung des Lan­des und des Bun­des. Wir haben jet­zt das große Unter­stützung­spro­gramm aus dem Son­derver­mö­gen des Bun­des. Es ist also geplant, viel zu investieren, und das brauchen wir auch. Wir müssen drin­gend in unsere Infra­struk­tur investieren: in Straßen, in Gehwege, in Rad­wege, aber natür­lich auch weit­er in Schulen und Horte beispiel­sweise. Und wir müssen neue Baupro­jek­te voran­brin­gen, wie das War­nitzer Feld oder auch die ehe­ma­li­gen Möbel­w­erke.

 

Investitionen trotz Defizit: Kommunen zwischen Eigenverantwortung und fehlender Unterstützung durch Bund und Land

 

SNO: Ihr Vorgänger Dr. Rico Baden­schi­er hat­te die Kassenkred­ite zwar deut­lich gesenkt – von rund 170 Mil­lio­nen auf aktuell etwa 75 Mil­lio­nen Euro. Gle­ichzeit­ig warnte er davor, dass diese bis zum Ende der näch­sten Leg­is­laturpe­ri­ode auf bis zu 300 Mil­lio­nen Euro ansteigen kön­nten. Wenn Sie investieren wollen: Woher soll das Geld kom­men?

Sebas­t­ian Ehlers: Wir müssen einen ganz klaren Fokus auf Investi­tio­nen set­zen. Und klar ist auch: Wir waren auf einem guten Weg. Wir haben die Kassenkred­ite von 170 auf 75 Mil­lio­nen Euro run­terge­fahren. Wir hät­ten das bis Ende des Jahrzehnts weit­er reduzieren kön­nen. Jet­zt haben wir aber viele Fak­toren, die wir nicht bee­in­flussen kön­nen. Wir bekom­men Auf­gaben vom Bund, teil­weise auch vom Land, die nicht aus­re­ichend finanziert sind. Die beitrags­freie Kita ist so ein The­ma. Jed­er Euro, den das Land dort als Ent­las­tung hinein­gibt, wird von uns als Stadt mit 45 Cent mit­bezahlt. Da erwarte ich schon, dass das Land uns als Kom­munen mehr Geld gibt. Auch der Bund ist hier in der Ver­ant­wor­tung.

Eins ist ganz klar: Bei diesem riesi­gen Defiz­it wird es aus eigen­er Kraft nicht möglich sein. Selb­st wenn wir alle soge­nan­nten frei­willi­gen Auf­gaben stre­ichen wür­den, hät­ten wir keinen Haushalt­saus­gle­ich. Trotz­dem müssen auch wir unsere eige­nen Hausauf­gaben machen. Das heißt vor allem: Wirtschaft­skraft stärken, mehr Ein­nah­men erzie­len und natür­lich auch schauen, ob die Ver­wal­tung in dem Umfang weit­er­ar­beit­en muss oder ob wir durch Dig­i­tal­isierung und den Ein­satz von Kün­stlich­er Intel­li­genz auch Kosten sparen kön­nen. Aber es braucht auch einen ganz klaren Appell an Land und Bund, die Kom­munen bess­er zu unter­stützen. Da muss sich ein Ober­bürg­er­meis­ter dann auch gegenüber den eige­nen Parteifre­un­den ger­ade machen.

 

SNO: Sie sind ja selb­st aktuell auch im Land­tag. Das Land sagt, es gäbe nicht so viel Geld. Wie reagieren Sie darauf?

Sebas­t­ian Ehlers: Das funk­tion­iert nur, indem wir eine klare poli­tis­che Schw­er­punk­t­set­zung vornehmen. Die Kom­munen sind am Ende das Fun­da­ment unser­er Demokratie. Wenn wir die Kom­munen finanziell aus­bluten lassen, dann wird das ins­ge­samt auch für das Land eine schwierige Sit­u­a­tion. Dessen muss man sich bewusst sein. Wir sitzen alle in einem Boot, und da ist der Bund genau­so in der Ver­ant­wor­tung wie das Land. Es ist immer eine Frage poli­tis­ch­er Pri­or­itäten. Geld ist ja auch für andere Dinge da. Von daher erwarte ich schon, dass das Land seinen Verpflich­tun­gen nachkommt.

Wenn man sich zum Beispiel eine beitrags­freie Kita leis­ten möchte als Land, was ich weit­er­hin für richtig halte und im Land­tag auch mit beschlossen habe –, dann muss man die Kom­munen entsprechend unter­stützen. Denn das ist eines der The­men, das hier riesige Löch­er in die Haushalte reißt. Auch die Ober­bürg­er­meis­terin aus Ros­tock, Eva-Maria Kröger, hat das ja vor eini­gen Monat­en kri­tisiert.

 

Wirtschaft stärken: Standortvorteile nutzen und Unternehmen gezielt fördern

 

SNO: Sie haben vorhin ange­sprochen, dass die wirtschaftliche Stärke entschei­dend ist. Wie wollen Sie die Wirtschaft in Schw­erin stärken?

Sebas­t­ian Ehlers: Wir sehen ja bei vie­len Ansied­lun­gen, auch jet­zt im Indus­triepark, dass der Gewerbesteuer­satz nicht für alle Unternehmen der entschei­dende Fak­tor ist. Er ist natür­lich hoch, das ste­ht außer Frage. Aber entschei­den­der sind oft die anderen Stan­dortbe­din­gun­gen. Und da haben wir, glaube ich, einiges zu bieten: eine tolle intak­te Natur, eine gute Umge­bung, aber eben auch Stan­dort­fak­toren wie die beitrags­freie Kita, ein starkes Kul­tur­ange­bot und noch bezahlbaren Wohn­raum. Und wir haben vor allem auch noch ein großes Reser­voir an Arbeit­skräften. Zehn Prozent der Men­schen hier sind aktuell ohne Arbeit. Das ist aus mein­er Sicht ein viel zu hoher Wert.

Deswe­gen glaube ich, dass wir gute Bedin­gun­gen haben. Aber der Ober­bürg­er­meis­ter muss bei diesem The­ma vor­ange­hen. Und wir müssen vor allem auch unser Stan­dort­mar­ket­ing an vie­len Stellen verbessern, damit wir bekan­nter wer­den. Wir waren ja einige Male in der engeren Auswahl. Wir haben auch viele Erfolge, wenn ich an Ypsomed denke oder an den jun­gen Fahrzeug­bau und viele Erweiterun­gen. Das ist ganz wichtig. Und mir ist per­sön­lich wichtig, dass wir auch die Bestand­sun­ternehmen nicht vergessen und nicht nur über Neuan­sied­lun­gen reden, son­dern vor allem auch über die Unternehmen, die seit Jahren hier die Wirtschaft am Laufen hal­ten.

 

SNO: Der Mit­tel­stand ste­ht vor großen Her­aus­forderun­gen. Wie wollen Sie den Mit­tel­stand konkret unter­stützen?

Sebas­t­ian Ehlers: Ja, ich glaube, wir haben in Deutsch­land ins­ge­samt aktuell eine schwierige wirtschaftliche Sit­u­a­tion, und davon ist natür­lich auch Schw­erin betrof­fen. Mir geht es darum, dass wir in der gesamten Ver­wal­tung eine Lösung­sori­en­tierung haben, einen Geist des Umset­zungswil­lens. Dass wir Mit­tel­ständler bei ihren Pro­jek­ten und Investi­tio­nen best­möglich unter­stützen. Ich glaube, wir haben eine sehr agile Wirtschafts­förderung. Aber das muss im ganzen Stadthaus gelebt wer­den: dass wir uns nicht Gedanken machen, wie wir Pro­jek­te ver­hin­dern, son­dern wie wir sie am Ende umge­set­zt bekom­men.

Und das sind manch­mal ganz kleine The­men, die die Handw­erk­er beispiel­sweise bewe­gen. Da geht es manch­mal um den Parkausweis in der Innen­stadt, auch ein viel disku­tiertes The­ma, wo ich sage: Wir müssen attrak­tiv sein. Da geht es um Son­der­nutzungs­ge­bühren für Einzel­händler in der Innen­stadt und viele andere kleinere The­men, bei denen die Stadt konkret helfen kann.

 

SNO: Sie sprachen ger­ade von bezahlbarem Wohn­raum. Viele Ihrer Mit­be­wer­ber sehen das anders. Ist Wohnen in Schw­erin noch bezahlbar?

Sebas­t­ian Ehlers: Ich glaube, wir brauchen einen guten Mix an ver­schiede­nen Ange­boten. Wir haben eine riesige Nach­frage, auch nach Eigen­heimen für junge Fam­i­lien. Es gibt Men­schen, die eine Eigen­tumswoh­nung suchen, andere suchen eine Miet­woh­nung und natür­lich gibt es auch Men­schen, die sozialen Wohn­raum benöti­gen. Deshalb bin ich dage­gen, sich auf nur einen Bere­ich festzule­gen.

Wir brauchen einen guten Mix. Ich sage immer: Wir brauchen ein Ange­bot für die Kranken­schwest­er bei Helios, aber auch für den Che­farzt. Deswe­gen haben wir in den let­zten Jahren auch viele Baupro­jek­te auf den Weg gebracht. Da ist in den ver­gan­genen Jahren lei­der auch einiges liegen geblieben. Das War­nitzer Feld ist ein Beispiel, wo wir genau so einen guten Mix entwick­eln wollen.

Es passiert ja auch aktuell schon etwas. Es wird bere­its preis­ge­bun­den­er Wohn­raum geschaf­fen, beispiel­sweise hin­ter dem Bahn­hof. Auch am Ziegelsee gab es solche Pro­jek­te. Das sind Investi­tio­nen, die ich gerne unter­stützen möchte, weil wir diesen Mix brauchen. Es gibt unter­schiedliche Bedarfe, und ich halte nichts davon, einzelne Grup­pen gegeneinan­der auszus­pie­len.

 

„Wir müssen die gesamte Stadt im Blick behalten“

 

SNO: Ihr Vorgänger sprach sich gegen eine zunehmende Seg­re­ga­tion in der Stadt aus. Auch viele Ihrer Mit­be­wer­ber greifen dieses The­ma auf. Sehen Sie das genau­so? Driftet Schw­erin auseinan­der?

Sebas­t­ian Ehlers: Diese Diskus­sion führen wir seit vie­len Jahren. Und ich möchte, dass wir die gesamte Stadt im Blick behal­ten. Wir müssen auf­passen, dass die Stadt nicht weit­er auseinan­der­driftet. Deshalb bin ich sehr dafür, mit ganz konkreten Investi­tio­nen in die Stadt­teile zu gehen: Großer Dreesch, Neu Zip­pen­dorf, Mueßer Holz.

Es waren damals sehr bewusste Entschei­dun­gen zu sagen: Wir bauen die Schwimmhalle dort neu und nicht an einem anderen Stan­dort. Auch Pro­jek­te wie die Kita Future Kids oder der Cam­pus am Turm sind Beispiele dafür. Ich glaube, das ist der richtige Weg, um deut­lich zu machen: Ihr werdet nicht abge­hängt, wir bauen auf euch. Das sind Stadt­teile mit Poten­zialen.

Deshalb ist für mich auch als Ober­bürg­er­meis­ter klar: Wir wer­den die Neue Mitte am Berlin­er Platz weit­er­en­twick­eln. Die ersten Pläne sind ja vorgestellt wor­den, und ich glaube, das wird richtig gut und die Leben­squal­ität dort deut­lich verbessern.

 

SNO: Sie sprechen die Leben­squal­ität an. Viele junge Men­schen ver­lassen Schw­erin, sobald sie 18, 19 oder 20 Jahre alt sind. Wie wollen Sie junge Men­schen in der Stadt hal­ten?

Sebas­t­ian Ehlers: Wir ste­hen natür­lich vor der großen Auf­gabe, junge Leute hier zu hal­ten – obwohl wir keine staatliche Hochschule haben. Deswe­gen ist es ganz nor­mal, dass viele, die Abitur gemacht haben und studieren wollen, Schw­erin zunächst ver­lassen. Deshalb bleibe ich dabei: Wir brauchen eine staatliche Hochschule oder zumin­d­est als ersten Schritt eine Fakultät der Hochschule Wis­mar. Dazu gibt es bere­its erste Gespräche, und das ist aus mein­er Sicht ein real­is­tis­ches Ziel.

Gle­ichzeit­ig wollen wir die beru­fliche Aus­bil­dung stärken, auch durch Neubaut­en. Wir haben die Beru­fliche Schule Tech­nik in Lankow neu gebaut, jet­zt ist die Beru­fliche Schule Gesund­heit und Soziales dran, die direkt am Berlin­er Platz gebaut wer­den soll.

Am Ende brauchen junge Leute aber vor allem gut bezahlte Arbeit­splätze, um hierzubleiben oder nach dem Studi­um zurück­zukom­men. Deshalb ist es so wichtig, einen klaren Schw­er­punkt auf Wirtschafts­förderung zu leg­en. Wir kön­nen uns viele Gedanken darüber machen, was wir aus­geben wollen – erst ein­mal muss das Geld ein­genom­men wer­den. Wenn ich mit jun­gen Leuten spreche, die zum Beispiel bei Ypsomed arbeit­en, dann sehe ich: Da kom­men wirk­lich viele aus den alten Bun­deslän­dern wieder zurück, um hier zu arbeit­en. Das The­ma Arbeit und gut bezahlte Arbeit­splätze ist also ein ganz entschei­den­der Fak­tor, um junge Leute hier zu hal­ten und auch neue anzuziehen.

 

Mehr Flexibilität und kreative Nutzung für eine lebendige Innenstadt

 

SNO: Natür­lich ist Arbeit ein sehr wichtiger Grund, doch wie wollen Sie die Innen­stadt attrak­tiv­er machen?

Sebas­t­ian Ehlers: Ich glaube, wir müssen da vor allem mehr Flex­i­bil­ität zeigen. Man sollte nicht sofort über­all um 22 Uhr den Steck­er ziehen, son­dern Ini­tia­tiv­en unter­stützen, die Leben in die Innen­stadt brin­gen. Es gibt da ja gute Ansätze. Solche For­mate zeigen doch, wie man wieder mehr Leben in die Innen­stadt bekom­men kann.

Wir sehen ja deutsch­landweit, dass Innen­städte unter Druck ste­hen. Der Online­han­del trägt seinen Teil dazu bei, dass es viel Leer­stand gibt. Deshalb müssen wir neue Wege gehen. Wir müssen uns fra­gen: Wie bekom­men wir die Innen­stadt belebt? Wie kön­nen wir Laden­lokale weit­er­en­twick­eln – als Begeg­nung­sorte, vielle­icht auch für junge Leute, als Ver­anstal­tungsräume oder Ver­samm­lungsräume?

Wir haben ein großes Prob­lem bei Ver­anstal­tungsmöglichkeit­en und Kon­gress­stan­dorten. Warum nutzen wir nicht leer­ste­hende Laden­lokale auch ein­mal für Ver­anstal­tun­gen, um die Innen­stadt zu beleben? Und wir als Stadt kön­nen natür­lich auch mit unseren kul­turellen Ein­rich­tun­gen dazu beitra­gen – sei es mit dem Spe­ich­er, dem Schleswig-Hol­stein-Haus oder anderen Ein­rich­tun­gen. Klar ist aber auch: Die Stadt wird keine Diskothek und keinen Club betreiben.

 

SNO: Welche Rolle spielt Kli­maschutz für Sie?

Sebas­t­ian Ehlers: Ja, das The­ma ist wichtig. Wir haben jet­zt auf Ini­tia­tive der CDU-Frak­tion die Kli­maziele auf 2045 ver­schoben, so wie es auch im Land von SPD und Linken beschlossen wurde. Ich halte es für wichtig, dass wir real­is­tis­che Ziele for­mulieren. Am Ende müssen wir die Men­schen beim Kli­maschutz mit­nehmen. Das ist ganz entschei­dend. Und Kli­maschutz darf nicht zulas­ten der wirtschaftlichen Entwick­lung gehen.

Kli­maschutz mit der Brech­stange gegen die Bürg­erin­nen und Bürg­er wird es mit mir nicht geben. Gle­ichzeit­ig müssen wir natür­lich ger­ade bei Bebau­ungsplä­nen schauen, dass Kli­maschutz stärk­er mitgedacht wird. Auch bei der kom­mu­nalen Wärme­pla­nung sind wir, glaube ich, auf einem guten Weg. Und wir haben mit den Stadtwerken einen Energiev­er­sorg­er, der einen klaren Schw­er­punkt auf grü­nen Strom legt. Das sind aus mein­er Sicht gute und prag­ma­tis­che Wege, um den Kli­maschutz in Schw­erin voranzubrin­gen.

 

SNO: Zum Kli­maschutz gehört auch der ÖPNV. Der Nahverkehr möchte Elek­trobusse anschaf­fen. Ist der Aus­bau des ÖPNV mit Elek­tro-Bussen der richtige Weg?

Sebas­t­ian Ehlers: Nahverkehr war immer schon ein Zuschuss­geschäft. Das gehört zur Wahrheit dazu. Und wir erleben jet­zt natür­lich, dass durch steigende Energiekosten und steigende Per­son­alkosten die finanziellen Her­aus­forderun­gen noch größer gewor­den sind. Wir haben in den let­zten Jahren immer wieder Geld nach­schießen müssen, weil man natür­lich auch nicht end­los an der Preiss­chraube drehen kann. Irgend­wann fährt son­st nie­mand mehr mit.

Ich glaube, wir haben einen gut aus­ges­tat­teten Nahverkehr, der schon seit eini­gen Jahren auf Elek­trobusse set­zt. Und da ver­lasse ich mich schon auch auf die Fach­leute. Wenn die sagen, dass Elek­trobusse bei den aktuellen Anschaf­fun­gen das sin­nvoll­ste und wirtschaftlich­ste Ange­bot sind, dann soll­ten wir das auch so machen. Denn wir brauchen den Nahverkehr. Der ÖPNV ist wichtig für alle Gen­er­a­tio­nen, für Erre­ich­barkeit, Teil­habe und für die Weit­er­en­twick­lung unser­er Stadt.

 

SNO: Laut Kom­mu­nalver­fas­sung ste­ht die Stadtvertre­tung über dem Ober­bürg­er­meis­ter und hat in vie­len Fra­gen das let­zte Wort. Glauben Sie, dass Sie mit der Stadtvertre­tung gut zusam­me­nar­beit­en kön­nen?

Sebas­t­ian Ehlers: Ja, ich bin seit vie­len Jahren in der Stadtvertre­tung und kenne die han­del­nden Per­so­n­en. Es ist mir in der Ver­gan­gen­heit ja auch schon gelun­gen, Kom­pro­misse hinzubekom­men. Im ver­gan­genen Jahr haben wir den Haushalt­skom­pro­miss beispiel­sweise an meinem Tisch mit den Frak­tio­nen ver­han­delt und am Ende ein Ergeb­nis erre­icht. Das traue ich mir auch weit­er­hin zu.

In der Kom­mu­nalver­fas­sung gibt es keine klare Regierung und Oppo­si­tion wie im Land oder im Bund. Ober­bürg­er­meis­ter und Stadtvertre­tung haben jew­eils klar abge­gren­zte Ver­ant­wortlichkeit­en, sollen aber gemein­sam zum Wohl der Stadt wirken. Deshalb set­ze ich auf ein besseres Miteinan­der und traue mir zu, das auch hinzubekom­men.

 

Parteipolitik spielt auf kommunaler Ebene eine andere Rolle

 

SNO: Ihr Kol­lege Daniel Peters hat sich auf Lan­desebene klar für eine Abgren­zung zur Linken und AfD aus­ge­sprochen. Wür­den Sie auf kom­mu­naler Ebene mit diesen Parteien zusam­me­nar­beit­en? Und wür­den Sie gute Anträge auch unter­stützen, wenn sie von dort kom­men?

Sebas­t­ian Ehlers: Da würde ich zunächst dif­feren­zieren. Mit den Linken arbeit­en wir auf kom­mu­naler Ebene seit über 20 Jahren sehr vernün­ftig zusam­men. Das war unter ver­schiede­nen Ober­bürg­er­meis­tern so. Ich habe auch mit Ange­li­ka Gramkow, obwohl ich in vie­len inhaltlichen Fra­gen ganz ander­er Mei­n­ung war, immer gut und ver­lässlich zusam­mengear­beit­et. Die Linken haben in der Ver­gan­gen­heit in dieser Stadt auch Ver­ant­wor­tung über­nom­men – als Ober­bürg­er­meis­terin oder als Beige­ord­nete. Das muss man auf kom­mu­naler Ebene dif­feren­ziert betra­cht­en.

Zur AfD ist die Lage natür­lich eine andere. Aber grund­sät­zlich spielt Parteipoli­tik auf kom­mu­naler Ebene nicht dieselbe Rolle wie auf Lan­des- oder Bun­de­sebene. Ich bin da sehr klar: Ich werde nie­man­dem ver­bi­eten, Vor­la­gen des Ober­bürg­er­meis­ters zuzus­tim­men. Wir kön­nen ja nicht die Arbeit ein­stellen, nur weil wir befürcht­en, dass uns auch Parteien zus­tim­men, die uns poli­tisch fern­ste­hen.

Die AfD war bish­er in der Stadt allerd­ings nicht bere­it, schwierige Entschei­dun­gen mitzu­tra­gen. Wenn es darum ging, Ver­ant­wor­tung zu übernehmen, wurde bis­lang vieles abgelehnt. Ich bin ges­pan­nt, wie das nach der Ober­bürg­er­meis­ter­wahl ausse­hen würde und ob dort dann Bere­itschaft beste­ht, tat­säch­lich Ver­ant­wor­tung zu übernehmen.

 

SNO: Das The­ma Sicher­heit ist in der Stadt in den ver­gan­genen Monat­en immer wieder disku­tiert wor­den, etwa mit Blick auf den Marien­platz. Wie sehen Sie die Lage? Und braucht es dort eine Polizei­wache?

Sebas­t­ian Ehlers: Wenn eine Polizei­wache auf den Marien­platz kommt, dann ist das eine Entschei­dung des Lan­des, denn Polizei ist Sache des Lan­des. Wir haben viele Jahre dafür gekämpft. Wir als CDU-Frak­tion waren es damals auch, die die Videoüberwachung auf dem Marien­platz durchge­set­zt haben – übri­gens gegen die AfD, die damals sagte, wir bräucht­en das nicht.

Wir sehen doch, dass sich der Marien­platz in den ver­gan­genen Jahren zu einem Hotspot entwick­elt hat. Deshalb muss man das ernst nehmen und darf die Prob­leme nicht unter den Tisch kehren. Wenn mir eine Schü­lerin aus dem Stadtschüler­rat sagt, sie traue sich abends nicht mehr durch die Innen­stadt, oder wenn Eltern sagen, sie holen ihre Kinder lieber vom Kino ab, damit sie nicht über den Marien­platz laufen müssen, dann sind das Zustände, mit denen wir uns nicht abfind­en dür­fen.

Deshalb müssen wir gemein­schaftlich han­deln: bessere Polizeipräsenz, Videoüberwachung, auch eine stärkere Präsenz des kom­mu­nalen Ord­nungs­di­en­stes. Der ver­fol­gt zwar keine Straftat­en, schafft aber allein durch Präsenz schon mehr Sicher­heit. Viel hängt auch am sub­jek­tiv­en Sicher­heits­ge­fühl. Dazu gehört auch das The­ma Beleuch­tung, damit man sich auf dem Heimweg sich­er fühlt und nicht im Halb­dunkel unter­wegs ist.

Und wir haben diese Sit­u­a­tion nicht nur am Marien­platz. Auch in anderen Teilen der Stadt, etwa auf dem Großen Dreesch oder im Mueßer Holz, Stich­wort Kepler­pas­sage – gibt es den Wun­sch nach mehr Präsenz. Deshalb set­ze ich auf einen engen Aus­tausch mit der Polizei. Das wird nur gemein­sam zu lösen sein.

 

SNO: Sie haben viel vor und eine große Agen­da. Die klas­sis­che Frage an Kan­di­dat­en lautet: Was hat in den ersten 100 Tagen Pri­or­ität?

Sebas­t­ian Ehlers: Ich halte nichts von marki­gen 100-Tage-Pro­gram­men, die man dann ein­fach nur abar­beit­et. Es liegen viele The­men auf dem Tisch. Mein erster Schritt wäre natür­lich, mich inten­siv mit den Fach­leuten im Stadthaus zusam­men­zuset­zen. Ich habe es ja selb­st gesagt: Ich kenne die The­men gut, aber es wird auch vieles geben, wo ich dazuler­nen muss.

Dann haben wir viele große The­men direkt vor der Haustür – den Haushalt, die Lan­des­garten­schau, die ich gerne aktiv voran­brin­gen möchte, und andere Pro­jek­te. Gle­ichzeit­ig set­ze ich auf einen engen Dia­log mit den Ort­steil­vertre­tun­gen. Mein Ziel wäre, in den ersten Monat­en alle Ort­steil­vertre­tun­gen zu besuchen, dort vor Ort Stadt­teil­rundgänge zu machen und von den engagierten Bürg­erin­nen und Bürg­ern zu hören, wo konkret der Schuh drückt und wo ich als Ober­bürg­er­meis­ter helfen kann.

 

SNO: Schaf­fen Sie es in die Stich­wahl?

Sebas­t­ian Ehlers: Mein klares Ziel ist es, Ober­bürg­er­meis­ter zu wer­den, ob im ersten Wahl­gang oder im zweit­en. Und wenn es eine Stich­wahl gibt, dann ist es natür­lich mein klares Ziel, dabei zu sein.