Überstunden in MV: 7,2 Millionen Überstunden wurden nicht bezahlt

Gewerkschaft NGG kritisiert Umsonst-Arbeit im Gastgewerbe. Beschäftigte in MV machten 7,2 Millionen unbezahlte Überstunden. In der Hochsaison sollten Arbeitnehmer daher ihre Überstunden aufschreiben.

Sommerzeit ist auch Hochsaison in der Gastronomie

 

Im vergangenen Jahr haben die Arbeitnehmer in Mecklenburg-Vorpommern ein Jahrespensum von 17,2 Millionen Arbeitsstunden als Überstunden angehäuft. Das geht aus dem aktuellen Mikrozensus hervor. 42 Prozent der Überstunden bleiben allerdings unbezahlt. Für die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ist das ein unhaltbarer Zustand. Der von der Gewerkschaft beauftragte „Überstunden-Monitor“ des Pestel-Instituts kommt zum Ergebnis, dass die Beschäftigten damit ihren Chefs 181 Millionen Euro geschenkt hätten. Insgesamt berechnete die Studie 7,2 Millionen „Umsonst-Stunden“.

 

Mehrarbeit zum Nulltarif im Sommer an der Tagesordnung 

 

Die Gewerkschaft ruft deshalb die Beschäftigten in Tourismus und Gastgewerbe auf, in der laufenden Hochsaison ihre Arbeitszeiten genau aufzuschreiben. Immerhin zählen Hotellerie und Gastronomie zu den Wirtschaftszweigen, in denen regelmäßig an Wochenenden, Feiertagen und spätabends gearbeitet werde – mit etlichen Überstunden. „In vielen Hotels, Gaststätten und Pensionen ist Mehrarbeit zum Nulltarif gerade im Sommer an der Tagesordnung. Damit gehen ausgerechnet denen wichtige Einkünfte verloren, die auf jeden Cent angewiesen sind“, kritisiert NGG-Vorsitzender Guido Zeitler.

Gerade Minijobber, die als Saisonkräfte arbeiteten, wären hier die Leidtragenden. „Da ein 450-Euro-Job keinen Extra-Verdienst zulässt, werden Überstunden gar nicht oder mit Schwarzgeld bezahlt“, so Zeitler. Immerhin sei in Mecklenburg-Vorpommern ein Drittel (32 Prozent) aller Arbeitsplätze in den Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen mit Minijobbern besetzt. Im Gastgewerbe arbeiten hier insgesamt rund 11.000 geringfügig Beschäftigte, so die NGG.

Die Gewerkschaft NGG hat die Kampagne „#fairdient“ gestartet, um den bundesweit gut 1,6 Millionen Beschäftigten im Gastgewerbe eine öffentliche Stimme zu geben. Über unbezahlte Mehrarbeit hinaus geht es dabei um den Schutz bestehender Standards. Denn der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) dränge die Bundesregierung, die Arbeitszeiten noch flexibler zu machen, warnt Zeitler. „Im Klartext geht es um ein Durchlöchern des Arbeitszeitgesetzes und die Ausweitung der täglichen Höchstarbeitszeit auf bis zu 13 Stunden.“

 

Arbeiten wenn die Arbeit anfällt

 

Der Verband setzt sich seit einiger Zeit für eine Umstellung von tägliche auf wöchentliche Arbeitszeit ein. Damit möchte man erreichen, dass Angestellte dann arbeiten können, wenn die Arbeit anfällt. „Ob Werber, Journalisten, IT-Experten oder Projektteams in großen Konzernen – auch diese und viele weitere Berufsgruppen arbeiten dann, wenn die Arbeit anfällt.“, so das Dehoga-Argument. Der Verband habe bundesweit 6000 Unternehmen der Branche befragt und festgestellt, dass mehr als die Hälfte der Betriebe in den letzten zwei Jahren ihre Öffnungszeiten reduzieren musste.

Fünfzig Prozent schränkten ihr Leistungsangebot insgesamt ein: Heißt weniger Speisen auf der Karte, kein Mittagstisch oder Absage von Veranstaltungen. Rund ein Drittel der Betriebe erhöhte die Anzahl der Ruhetage, macht also an bestimmten Tagen komplett dicht. 

Für Gewerkschafts-Chef Zeitler gelten diese Argumente nicht. „Das Arbeitszeitgesetz ist ein Schutzgesetz. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass zu viel Arbeit krank macht. Schon heute klagt jeder dritte Beschäftigte in Deutschland bei Mehrarbeit über Schlafstörungen, Erschöpfung und Rückenschmerzen. Und die Unfallgefahr steigt deutlich, wenn Aufmerksamkeit und Konzentration in überlangen Schichten nachlassen.“

 

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