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Streit um Waldweg:
Grüne stellen Asphalt-Radweg zwischen Zippendorf und Mueß infrage

Der Streit um den Uferweg zwischen Zippendorf und Mueß erreicht die Landesebene. Die Grünen lassen die Förderung prüfen und stellen den Beschluss von 2015 infrage.

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  • Veröffentlicht August 18, 2026

 

Uferweg Zippendorf Mueß
Der bis­lang unbe­fes­tigte Wald- und Ufer­weg zwis­chen Zip­pen­dorf und Mueß soll auf rund einem Kilo­me­ter Länge asphaltiert wer­den. Foto: SDS

 


In Kürze:

  • Die Grü­nen-Frak­tion lässt die geplante 90-prozentige Lan­des­förderung für den Rad­weg zwis­chen Zip­pen­dorf und Mueß vom Wirtschaftsmin­is­teri­um über­prüfen.
  • Die Frak­tion bestre­it­et, dass die Stadtvertre­tung bere­its 2015 die Asphaltierung dieses konkreten Weges beschlossen hat.
  • Hält das Land an der Förderung fest, will die Frak­tion den Lan­desrech­nung­shof Meck­len­burg-Vor­pom­mern ein­schal­ten.

Die Auseinan­der­set­zung um den geplanten Asphalt-Rad­weg zwis­chen Zip­pen­dorf und Mueß geht in die näch­ste Runde. Die Frak­tion Bünd­nis 90/Die Grünen/Die PARTEI in der Schw­er­iner Stadtvertre­tung hat sich an das Wirtschaftsmin­is­teri­um Meck­len­burg-Vor­pom­mern gewandt und eine Über­prü­fung der vorge­se­henen Lan­des­förderung ver­langt. Sollte das Min­is­teri­um an der Förderung fes­thal­ten, will die Frak­tion nach eige­nen Angaben den Lan­desrech­nung­shof ein­schal­ten.

Geplant ist, einen rund einen Kilo­me­ter lan­gen Wald- und Ufer­weg zwis­chen Zip­pen­dorf und Mueß auf 2,50 Meter Bre­ite auszubauen und zu asphaltieren. Die Maß­nahme soll 776.000 Euro kosten, 90 Prozent davon sollen über För­der­mit­tel des Lan­des Meck­len­burg-Vor­pom­mern für touris­tis­che Infra­struk­tur finanziert wer­den. Nach bish­eriger Pla­nung sollen die Bauar­beit­en im Okto­ber begin­nen.

 


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Die Grü­nen stellen nun vor allem die poli­tis­che Grund­lage für das Vorhaben infrage. „2015 hat die Stadtvertre­tung beschlossen, das touris­tis­che Rad­we­genetz weit­erzuen­twick­eln – aber nicht, dass elf Jahre später dieser Wald­weg asphaltiert wird“, erk­lärt Frak­tionsvor­sitzen­der Arndt Müller. Die Frak­tion wider­spricht damit der Argu­men­ta­tion der Stadt, die sich bei der Umset­zung auf einen Beschluss der Stadtvertre­tung aus dem Jahr 2015 beruft.

Ein Blick in die dama­lige Mach­barkeitsstudie zeigt, dass sich das Papi­er mit der Weit­er­en­twick­lung des gesamten Schw­er­iner Rad­fern- und Radrundwe­genet­zes beschäftigt. Darin wird auch der Res­i­den­zstädte-Rundweg behan­delt. Eine generelle Fes­tle­gung, wonach die unter­sucht­en Wege grund­sät­zlich asphaltiert wer­den soll­ten, lässt sich daraus nicht ableit­en. Die Studie berück­sichtigt vielmehr unter­schiedliche Arten der Wege­be­fes­ti­gung. So wer­den bere­its früher geförderte Rad- und Wan­der­wege aus­drück­lich mit wasserge­bun­den­er Wegedecke aufge­führt.

Was die Studie von 2015 zeigt

Die Mach­barkeitsstudie wurde im Auf­trag der Stadtwirtschaftlichen Dien­stleis­tun­gen Schw­erin (SDS) erstellt. Sie sollte Möglichkeit­en zur Opti­mierung des Rad­fern- und Radrundwe­genet­zes unter­suchen. Beim Res­i­den­zstädte-Rundweg stellte die Unter­suchung unter anderem fest, dass damals auf der Land­straße von Mueß nach Plate kein durchgängig aus­ge­bauter Rad­weg vorhan­den war.

Mueß spielt in der Studie außer­dem als touris­tis­ch­er Knoten­punkt eine wichtige Rolle. Genan­nt wer­den das Freilicht­mu­se­um, die Nähe zum Schw­er­iner See, Über­nach­tungsange­bote sowie die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und die Fahrgastschiff­fahrt.

Für die heutige Diskus­sion ist vor allem bemerkenswert, dass die Studie keineswegs auss­chließlich Asphalt als Ober­fläche betra­chtet. In ein­er Über­sicht über bere­its geförderte Rad- und Wan­der­wege wer­den etwa die Ufer­prom­e­nade am Ostor­fer Ufer, der Wan­der­weg am Faulen See und der Rad- und Wan­der­weg am Störkanal aus­drück­lich als Wege mit „wasserge­bun­den­er Wegedecke“ beze­ich­net.

Damit lässt sich aus der Mach­barkeitsstudie jeden­falls keine all­ge­meine Vor­gabe ableit­en, nach der der Aus­bau des Schw­er­iner Rad­we­genet­zes zwin­gend in Asphalt erfol­gen sollte. Davon zu unter­schei­den ist allerd­ings die Frage, welche konkrete Trassen­führung und welch­er Aus­bau für den Abschnitt zwis­chen Zip­pen­dorf und Mueß damals unter­sucht wur­den.

Streit über den Beschluss von 2015

Genau hier set­zt die Kri­tik der Grü­nen an. Die Frak­tion argu­men­tiert, dass eine grund­sät­zliche Zus­tim­mung zur Weit­er­en­twick­lung des touris­tis­chen Rad­we­genet­zes nicht automa­tisch eine poli­tis­che Zus­tim­mung zur späteren Asphaltierung eines bes­timmten Weges bedeute.

Bere­its 2015 hat­te die dama­lige Grü­nen-Frak­tion nach Angaben der heuti­gen Frak­tion ver­sucht, die Entschei­dung stärk­er an konkrete Einzel­pro­jek­te zu binden. In einem Erset­zungsantrag forderte sie, für einzelne Vorhaben alter­na­tive Wege­führun­gen und bauliche Lösun­gen zu prüfen und die Ergeb­nisse anschließend erneut der Stadtvertre­tung vorzule­gen. Der Antrag fand bei der abschließen­den Abstim­mung allerd­ings keine Mehrheit.

„Wir haben 2015 genau davor gewarnt, dass aus einem all­ge­meinen Grund­satzbeschluss eine Blanko­voll­macht für die konkrete Aus­gestal­tung der einzel­nen Rad­wege gemacht wird“, sagt Müller. Aus Sicht sein­er Frak­tion müsse deshalb gek­lärt wer­den, wie weit die dama­lige Entschei­dung als Grund­lage für das heutige Pro­jekt reicht.

Der Kon­flikt bekommt damit eine zusät­zliche Ebene. Bis­lang stand vor allem die Frage im Mit­telpunkt, ob eine Asphaltierung des natur­na­hen Weges ökol­o­gisch vertret­bar und für eine touris­tis­che Rad­verbindung notwendig ist. Nun geht es auch darum, ob die Stadt für die konkrete Umset­zung über einen aus­re­ichend ein­deuti­gen poli­tis­chen Auf­trag ver­fügt.

Warum die Stadt Asphalt bevorzugt

Die Stadtver­wal­tung begrün­det die Asphaltierung vor allem mit der Befahrbarkeit und der möglichst gerin­gen Beein­träch­ti­gung des angren­zen­den Natur­raums. Der heutige Weg sei nach starken Nieder­schlä­gen teil­weise nur schlecht passier­bar. Durch den Aus­bau soll er außer­dem bess­er für Men­schen mit eingeschränk­ter Mobil­ität nutzbar wer­den.

Bei der Bauweise argu­men­tiert die Stadt auf den ersten Blick über­raschend: Ger­ade Asphalt soll den gerin­geren Ein­griff ermöglichen. Nach Angaben von Verkehrs- und Umwelt­dez­er­nent Bernd Not­te­baum kann bei der vorge­se­henen Kon­struk­tion auf einen umfan­gre­icheren Unter­bau verzichtet wer­den.

Auch die Bre­ite spielt nach Darstel­lung der Stadt eine Rolle. Eine wasserge­bun­dene Wegedecke aus verdichtetem min­er­alis­chem Mate­r­i­al würde dem­nach eine Bre­ite von etwa drei Metern benöti­gen. Die Asphalt­vari­ante soll dage­gen mit 2,50 Metern auskom­men. Dadurch kön­nten Ein­griffe in angren­zende Flächen und in die Wurzel­bere­iche der Bäume reduziert wer­den.

BUND sieht Eingriffe in Naturraum

Der BUND Schw­erin kommt zu ein­er anderen Ein­schätzung. Der Naturschutzver­band lehnt die Asphaltierung ab und ver­weist auf die sen­si­ble Lage des Weges. Der Abschnitt ver­läuft nach Angaben des Ver­ban­des ent­lang eines Vogelschutzge­bi­etes und gren­zt am Rep­pin an ein FFH-Gebi­et. Dabei han­delt es sich um europäisch geschützte Gebi­ete für beson­ders wertvolle Leben­sräume sowie Tier- und Pflanzenarten.

Der Ver­band befürchtet unter anderem Beein­träch­ti­gun­gen von Baumwurzeln, Ufer­bere­ichen und Feucht­flächen. Außer­dem sieht er die Ver­siegelung des Bodens kri­tisch. Ein bess­er aus­ge­bauter Weg kön­nte nach Auf­fas­sung des BUND zudem zu höheren Geschwindigkeit­en von Rad­fahrern und damit zu zusät­zlichen Kon­flik­ten mit Spaziergängern und Wan­der­ern führen.

Für den Naturschutzver­band geht es darüber hin­aus um den Charak­ter der Strecke. Der Weg ist Teil des Jakob­swegs und des Natur­park­wegs. Statt ein­er voll­ständi­gen Asphaltierung schlägt der BUND vor, lediglich prob­lema­tis­che Stellen des beste­hen­den Weges auszubessern. Rad­fahrer, die eine befes­tigte Verbindung bevorzu­gen, kön­nten nach Auf­fas­sung des Ver­ban­des die Strecke ent­lang der Criv­itzer Chaussee nutzen.

Auch Beteiligung sorgt für Kritik

Neben Natur- und Verkehrs­fra­gen ist inzwis­chen auch die Beteili­gung der betrof­fe­nen Ort­steile Teil des Kon­flik­ts. Die Pläne waren vor der Som­mer­pause in der Ort­steil­vertre­tung Mueß vorgestellt wor­den. Die Ort­steil­vertre­tung Zip­pen­dorf wurde dage­gen nicht in gle­ich­er Aus­führlichkeit informiert.

Not­te­baum hat­te dies bere­its in der ver­gan­genen Woche eingeräumt. Die unzure­ichende Infor­ma­tion habe sich als Fehler erwiesen und zu zusät­zlichen Vor­be­hal­ten geführt. Das Pro­jekt soll deshalb Ende August noch ein­mal The­ma in der Ort­steil­vertre­tung Zip­pen­dorf wer­den.

Die Ort­steil­vertre­tung selb­st hat sich gegen die Asphaltierung aus­ge­sprochen. Eine unmit­tel­bare Entschei­dungskom­pe­tenz über das Baupro­jekt besitzt sie allerd­ings nicht.

Ministerium soll Förderung prüfen

Mit ihrem Schreiben an das Wirtschaftsmin­is­teri­um bringt die Grü­nen-Frak­tion den Stre­it nun auf die Lan­desebene. Geprüft wer­den soll unter anderem, ob der Beschluss von 2015 tat­säch­lich als Grund­lage für den konkreten Aus­bau und dessen Bauweise herange­zo­gen wer­den kann.

Außer­dem will die Frak­tion gek­lärt wis­sen, ob naturschutz­fach­liche und land­schaftliche Belange aus­re­ichend berück­sichtigt und alter­na­tive Bauweisen ern­sthaft geprüft wur­den. Auch die Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit des Vorhabens sowie die vorge­se­hene Förderung sollen unter­sucht wer­den.

Sollte das Wirtschaftsmin­is­teri­um die Förderung weit­er­hin für gerecht­fer­tigt hal­ten, kündigt die Frak­tion bere­its den näch­sten Schritt an. Dann wolle sie den Vor­gang dem Lan­desrech­nung­shof Meck­len­burg-Vor­pom­mern zur Prü­fung vor­legen.

Der poli­tis­che Vorstoß trifft damit auf einen Kon­flikt, der bere­its seit ver­gan­gener Woche offen aus­ge­tra­gen wird. BUND und Ort­steil­vertre­tung Zip­pen­dorf wollen den natur­na­hen Charak­ter des Weges erhal­ten, während die Stadt ger­ade die Asphalt­vari­ante als ver­gle­ich­sweise scho­nende und dauer­haft nutzbare Lösung vertei­digt.

Der Zeit­plan erhöht den Druck auf alle Beteiligten. Nach bish­eriger Pla­nung sollen die Arbeit­en bere­its im Okto­ber begin­nen und noch in diesem Jahr abgeschlossen wer­den. Ob die Prü­fung durch das Wirtschaftsmin­is­teri­um, die erneute Beratung in Zip­pen­dorf oder die Kri­tik der Naturschützer daran noch etwas ändern, ist derzeit offen.

Damit geht es längst nicht mehr nur um die Frage „Asphalt oder nicht?“. Zu klären ist auch, wie weit der Beschluss von 2015 als Grund­lage für das heutige Pro­jekt reicht, ob die gewählte Bauweise tat­säch­lich den ger­ing­sten Ein­griff in den Natur­raum verur­sacht – und ob die Stadt vor dem geplanten Baus­tart noch ein­mal poli­tisch oder fach­lich nach­s­teuern muss.