Ukraine-Krieg: Rund 1.000 Menschen bei Solidaritätskundgebung

Unter dem Motto: "Für Frieden und Solidarität mit der Ukraine" versammelten sich am Sonntagnachmittag rund 1.000 Schwerinerinnen und Schweriner auf dem Alten Garten. Aufgerufen zur Kundgebung hatten die Kreisverbände der CDU, SPD, DIE LINKE, FDP, Bündnis 90/Die Grünen und die Wählergemeinschaft Unabhängige Bürger. 

Schwerins Stadtpräsident Sebastian Ehlers nahm gestern auch an der Solidaritätskundgebung für die Ukraine teil. | Foto: Dario Rochow

Auf den Transparenten steht „Stopp War“, „Solidarität mit der Ukraine“ oder „Putin ist nicht Russland“. Dazwischen immer wieder ein blau-gelbes Fahnenmeer. Man merkt den Menschen an diesem Nachmittag an, dass sie die Ereignisse der letzten Tage in der Ukraine sehr bewegen. Sie spüren diese Hilflosigkeit, die Trauer und die Wut darüber, dass Wladimir Putin den Krieg nach Europa getragen hat. Trotzdem ist es den Anwesenden wichtig, ein Zeichen zu setzen und ein Signal auszusenden. Der Versammlungsleiter Jascha Dopp, CDU-Kreisvorsitzender, machte in seiner Begrüßung deutlich, dass der Angriffskrieg Putins entschieden abzulehnen ist. Die Solidarität gelte an diesem Tag den Menschen in der Ukraine.

 

Staatstheater begleitet musikalisch

Unter den Teilnehmern befanden sich auch die Ministerin für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten, Bettina Martin (SPD), Schwerins Stadtpräsident Sebastian Ehlers (CDU) und der Generalintendant des Mecklenburgischen Staatstheaters Hans-Georg Wegner. Das Staatstheater unterstützte die Kundgebung mit musikalischer Untermalung vom Balkon des Hauses aus.

 

„Es ist Putins Krieg gegen die Ukraine“

Die Kreisvorsitzende der Linken, Karin Müller, verurteilte den Angriff auf die Ukraine. Sie machte aber auch deutlich, dass es nicht der Krieg des russischen Volkes sei, sondern Putins Krieg gegen die Ukraine. „Ich habe großen Respekt vor den Russen, die gegen den Krieg auf die Straße gehen“, so Müller.

Karin Müller (Linke) Foto: Dario Rochow

Dann bricht sie eine Lanze für Putin. Die NATO sei in den letzten Jahren Russland bedrohlich nahe gekommen. Im Jahr 2001, bei seiner berühmten Rede im Bundestag, habe er sich auf dem Weg nach den Westen gemacht. Diese ausgestreckte Hand sei ausgeschlagen worden.

Die Linken-Kreisvorsitzende spricht sich gegen Waffenlieferungen an die Ukraine aus. „Waffen schaffen keinen Frieden“, so Müller.

 

„Ich habe Hitler überlebt, Stalin überlebt und dieses Arschloch Putin werde ich auch überleben!“

Constanze Oehlrich, die Sprecherin des Kreisverbands Bündnis 90/Die Grünen zitiert aus dem Tagebuch einer 46-jährigen Ukrainerin. Ljuba Danylenko beschreibt hier die erste Kriegswoche. Sie ist in die ukrainischen Karpaten geflohen. Danylenko hat zwei Kinder. Die 22-jährige Tochter ist noch in Kiew, der fünfjährige Sohn ist bei ihr. Die Männer haben sich zum Militär gemeldet.

Constanze Oehlrich (Bündnis 90/Die Grünen) Foto: Dario Rochow

Besonders berührend ist hier die 96-jährige Anastasia Gulej, mit der die Tagebuchschreiberin befreundet ist. Sie hat die zwei schlimmsten KZ-Lager, ­Auschwitz und Bergen-Belsen, überlebt. Die Nacht muss sie nun wieder im Keller verbringen. Nie hätte sie geglaubt, dass sie ihre Erlebnisse im zweiten Weltkrieg noch einmal erleben muss. Der Krieg ist wieder da. Eine beklemmende Schilderung. Die alte Frau ist es aber, die am Ende den Verzagten Hoffnung macht. „Ich habe Hitler überlebt, Stalin überlebt und dieses Arschloch Putin werde ich auch überleben!“. Sie hat vor nichts mehr Angst, lange nicht mehr.

 

„Ich bin fassungslos über diese Brutalität.“

Für die SPD-Kreisvositzende, Mandy Pfeifer, hat sich die Welt mit dem 24. Februar, dem Tag des Angriffs Putins auf die Ukraine, verändert. „Wir sind an diesem Tag in einer anderen Welt aufgewacht“, so Pfeifer.

Mandy Pfeifer (SPD) Foto: Dario Rochow

Auch Pfeifer betont, dass es Putins Krieg sei und nicht der Krieg des russischen Volkes. „Ich bin fassungslos über diese Brutalität“, so Mandy Pfeifer. Russland muss den Angriffskrieg auf die Ukraine sofort abbrechen und seine Truppen wieder abziehen. Pfeifer rief das russische Volk auf, sich gegen den Krieg aufzulehnen.

 

Ukrainer verteidigen ihre Heimat

Der stellvertretende FDP-Kreisvorsitzende, Dietmar Tackmann, begrüßte das Zeichen, das in Schwerin an diesem Tag gegen Krieg und Gewalt gesetzt wird. Tackmann sprach sich für Waffenexporte in die Ukraine aus. Die Ukrainerinnen und Ukrainer hätten das Recht, ihr bedrohtes Land zu verteidigen. Hierfür müsse man ihnen jede notwendige Unterstützung geben.

Dietmar Tackmann (FDP) Foto: Dario Rochow

Die Ereignisse in der Ukraine hätten aber auch deutlich gemacht, dass es wichtig sei, nun auch die Bundeswehr wieder besser auszurüsten.

 

Wirtschaftsdruck bringt Putin hoffentlich zur Vernunft

Das Urgestein der Unabhängigen Bürger, Rolf Steinmüller hätte sich nie vorstellen können, dass wir in Europa noch einmal wieder so nahe an einem Krieg dran sind. Seit 1996 sitzt Steinmüller in der Stadtvertretung. Er hofft nun sehr, dass Putin angesichts des wirtschaftlichen Drucks zur Vernunft kommt.

Rolf Steinmüller (UB) Foto: Dario Rochow

Die Schweriner Journalistin Michaela Skott machte in einer emotionalen Rede deutlich, dass sie Putin für einen Diktator hält. „Ich weigere mich zu einem Diktator Herr oder Herr Präsident zu sagen“, so Skott. In die Verantwortung für die jetzige Situation nimmt Michaela Skott an diesem Nachmittag aber auch Deutschland: „Wir haben Nordstream 2 zugelassen!“. „Wir haben es zugelassen, dass 55 Prozent unseres Gases heute aus Russland kommt“.

Weiter verwies Skott darauf, dass in der Ukraine im Moment auch Frauen ihr Land verteidigen würden. Sowohl die Ukraine als auch Russland seien schon lange europäische Länder. Es sei daher das Versagen Gesamteuropas, das diesen Krieg ermöglicht habe.

Nach gut einer Stunde endete die Veranstaltung. Die Botschaft, die an diesem Nachmittag ausgesendet wurde, war unmissverständlich: Herr Putin, stoppen Sie diesen Krieg sofort! Wir Schwerinerinnen und Schweriner sind solidarisch mit der Ukraine.

Impressionen von der Kundgebung am 06.03.2022

 

Schwerin, 07.03.2022

 

 

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