Großbaustelle in der Schweriner Innenstadt:
Umbau der alten Hauptpost in Schwerin stockt – Fertigstellungstermin unklar
Der Umbau der ehemaligen Hauptpost in Schwerin gerät ins Stocken. Nach dem Zerwürfnis mit dem Generalplaner muss das Millionenprojekt neu organisiert werden. Ein Fertigstellungstermin steht derzeit nicht fest.

Der Umbau des ehemaligen Hauptpostgebäudes in Schwerin verzögert sich weiter. Aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Martin Schmidt (AfD) geht hervor, dass sich das Millionenprojekt derzeit in einer organisatorischen Neuaufstellung befindet. Ein konkreter Fertigstellungstermin kann aktuell nicht genannt werden. Auch mögliche Mehrkosten sind bislang nicht bezifferbar.
Das historische Gebäude im Zentrum der Landeshauptstadt wird derzeit grundlegend saniert und soll künftig als Verwaltungssitz für rund 230 Mitarbeiter der Landesregierung dienen. Ursprünglich war vorgesehen, die Arbeiten bis Ende 2025 abzuschließen. Für die Sanierung waren nach früheren Planungen rund 50 Millionen Euro veranschlagt. Doch inzwischen zeigt sich, dass der Zeitplan nicht gehalten werden kann.
Zusammenarbeit mit Generalplaner beendet
Ein wesentlicher Grund für die Verzögerungen ist der Bruch mit dem bisherigen Generalplaner. Nach Angaben der Landesregierung wurde die Zusammenarbeit beendet, weil das Vertrauensverhältnis zwischen den Vertragsparteien nachhaltig gestört gewesen sei. Zudem habe der Auftragnehmer aus Sicht des Landes Leistungen verweigert oder zurückgehalten. Auch Mängel – insbesondere im Bereich der Tragwerksplanung – seien nicht ausreichend behoben worden. Darüber hinaus gebe es Unstimmigkeiten über materielle Forderungen zur Beendigung des Vertrags.
Die Folge: Die Planung des Projekts muss nun teilweise neu organisiert werden. Die Vergabeverfahren für die Objekt- und Fachplanung laufen derzeit noch. Wer diese Aufgaben künftig übernimmt, steht deshalb noch nicht fest. Erst nach Abschluss dieser Verfahren kann der weitere Projektablauf neu strukturiert werden.
Baufortschritt deutlich verlangsamt
Seit der Beendigung der Zusammenarbeit mit dem Generalplaner im Juli 2025 hat sich der Baufortschritt deutlich verlangsamt. Besonders betroffen ist der erste Bauabschnitt, der das Gebäude Mecklenburgstraße 4–6 umfasst. Hier musste zunächst die Koordinierungsfunktion, die zuvor vom Generalplaner übernommen worden war, neu organisiert werden.
Aktuell befindet sich der Bau im Rohbauzustand. Die Rohbauarbeiten sind laut Landesregierung zu rund 30 Prozent abgeschlossen. Deutlich weiter fortgeschritten ist die Fassadensanierung, die bereits etwa zur Hälfte umgesetzt wurde.
Parallel laufen verschiedene Gewerke. Dazu gehören unter anderem Gerüstbauarbeiten, Fenster- und Türmontagen, Putzarbeiten, Zimmererarbeiten im Holzbau sowie Dachdeckerarbeiten. Auch Stahlbau- und Metallbauarbeiten sowie Schlosserarbeiten sind Teil der laufenden Maßnahmen. Hinzu kommen Arbeiten an der technischen Gebäudeausrüstung – darunter Heizungs‑, Sanitär- und Lüftungsinstallationen, Starkstromanlagen, Gebäudeautomation und Aufzugsanlagen.
Während im ersten Bauabschnitt zumindest Fortschritte erkennbar sind, ist der zweite Bauabschnitt bislang noch gar nicht angelaufen. Das Gebäude Mecklenburgstraße 8, das ebenfalls Teil des Gesamtprojekts ist, befindet sich weiterhin in der Planungsphase.
Die bauliche Umsetzung hat dort noch nicht begonnen, sodass aktuell kein Baufortschritt verzeichnet werden kann.
Kostenentwicklung bleibt unklar
Auch finanziell lässt sich die Entwicklung des Projekts derzeit nur schwer abschätzen. Laut Landesregierung können konkrete Aussagen zu möglichen Mehrkosten zum jetzigen Zeitpunkt nicht getroffen werden. Der Grund dafür sei der frühe Verfahrensstand nach dem Planerwechsel.
So sei derzeit weder abschätzbar, welche zusätzlichen Kosten durch eine Neuvergabe der Planungsleistungen entstehen könnten, noch welche finanziellen Folgen mögliche Bauverzögerungen haben werden. Ebenso lasse sich aktuell nicht beziffern, ob und in welcher Höhe Schadensersatzansprüche gegenüber dem früheren Generalplaner geltend gemacht werden könnten.
Sollten die Voraussetzungen dafür vorliegen, könnten durch eine Neuvergabe der Planungsleistungen Mehrkosten entstehen – etwa wenn das Honorar eines neuen Planers höher ausfällt als das des bisherigen Auftragnehmers. Auch Kosten für eine Neuausschreibung sowie mögliche Verzögerungsschäden infolge längerer Bauzeiten seien denkbar. In solchen Fällen wolle das Land prüfen, ob entsprechende Ansprüche geltend gemacht werden können.
Neuer Terminplan erst nach Vergaben
Besonders deutlich wird die Unsicherheit beim Blick auf den Zeitplan. Einen konkreten Fertigstellungstermin kann die Landesregierung derzeit nicht nennen. Die Vergabe der Planungsleistungen einschließlich der Objektüberwachung befinde sich noch im laufenden Verfahren.
Erst nach Abschluss dieser Vergaben soll der weitere Projektablauf neu strukturiert werden. Anschließend müssen die Planungen mit den ausführenden Bauunternehmen abgestimmt werden.
Angesichts der bisherigen Verzögerungen sei eine umfassende Überarbeitung der bestehenden Terminplanungen erforderlich. Ein belastbarer Zeitplan könne erst nach diesen Abstimmungen und unter Berücksichtigung neuer Vertragsfristen erstellt werden.
Politische Kritik am Projektmanagement
Die AfD-Landtagsfraktion sieht in der Entwicklung des Projekts ein Zeichen für erhebliche Probleme im Projektmanagement der Landesregierung.
Der finanz- und wirtschaftspolitische Sprecher der Fraktion, Martin Schmidt, spricht von einem „Planungschaos“. Nach dem Zerwürfnis mit dem Generalplaner stecke das Projekt organisatorisch im Umbruch. Zentrale Planungsleistungen seien weiterhin nicht vergeben, während sich die Auswirkungen bereits auf der Baustelle bemerkbar machten.
Schmidt kritisiert insbesondere die fehlende Klarheit über Kosten und Zeitplan. Für die Steuerzahler in Mecklenburg-Vorpommern bedeute das derzeit „maximale Unsicherheit bei minimaler Transparenz“.
Besonders alarmierend sei aus seiner Sicht, dass die Landesregierung derzeit keinen belastbaren Fertigstellungstermin nennen könne. Dass die gesamte Terminplanung neu aufgestellt werden müsse, sei ein deutliches Zeichen dafür, dass das Projekt aus dem Ruder gelaufen sei.
Forderung nach stärkerem Controlling
Die AfD fordert daher eine umfassende Aufklärung über die Ursachen der Verzögerungen sowie klare Verantwortlichkeiten. Zudem müsse ein wirksames Controlling eingerichtet werden, um weitere finanzielle Schäden für das Land zu verhindern.
Das Projekt selbst bleibt dennoch von großer Bedeutung für die Landesverwaltung. Nach der geplanten Fertigstellung soll das sanierte Gebäude künftig mehrere Verwaltungseinheiten aufnehmen und damit zur Bündelung von Behördenstandorten in Schwerin beitragen.
Bis dahin bleibt jedoch unklar, wann die Arbeiten tatsächlich abgeschlossen werden können und welche Kosten am Ende auf das Land zukommen werden.




