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Unternehmerverband: Stadtvertreter sollen agieren, statt die Situation auszusitzen

Mit einem eindringlichen Appell wendet sich der Unternehmerverband Schwerins an die Kommunalpolitik der Landeshauptstadt. Der aktuelle Gewerbesteuerhebesatz sei im Vergleich zum Umland eindeutig zu hoch und gefährde den Standort wie

  • Veröffentlicht Mai 19, 2022
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Nicht immer sorgt ein höher­er Steuer­satz auf Dauer auch für höhere Ein­nah­men.

Eine der finanziellen wie auch wirtschaftlich rel­e­van­ten Steuerungsmech­a­nis­men der Kom­munen stellt die Möglichkeit der Fes­tle­gung des Gewerbesteuer-Hebe­satzes dar. Je höher dieser ist, desto größer auch die Ein­nah­men. So zumin­d­est meinen einige Kom­mu­nalpoli­tik­er wie auch Ver­wal­tun­gen. Ganz so ein­fach funk­tion­iert die Welt allerd­ings nicht. Denn ein hoher Hebe­satz bed­ingt hohe Steuern. Da diese nie­mand beson­ders gern zahlt, sehen sich viele Unternehmen mit steigen­dem Hebe­satz oft­mals nach finanziell attrak­tiv­eren Stan­dorten um. Speziell auch geplante Neuan­sied­lun­gen wer­den durch ver­gle­ich­sweise hohe Hebesteuer­sätze neg­a­tiv bee­in­flusst.

 

Im Vergleich hoher Gewerbesteuer-Hebesatz in Schwerin

Schw­er­iner Unternehmen sind, darauf weist die Ver­band­sre­gion der Lan­deshaupt­stadt im Unternehmerver­band hin, im Ver­gle­ich zu Unternehmen, die in umliegen­den Kom­munen und Gemein­den ihren Fir­men­sitz haben, finanziell deut­lich stärk­er belastet. Denn der aktuelle Gewerbesteuer­hebe­satz für Unternehmen in der Lan­deshaupt­stadt Schw­erin beträgt 450 von Hun­dert. Lediglich bis zu 400 von Hun­dert der Gewerbesteuer seien bei der Einkom­menss­teuer im Rah­men der Steuer­erk­lärung abziehbar und gel­tend zu machen. Dies habe aus Sicht des Ver­ban­des die beschriebe­nen Entwick­lun­gen zur Folge: Zunehmend wer­fen in Schw­erin ange­siedelte Unternehmen den Blick in den „Speck­gür­tel“ der Lan­deshaupt­stadt und wan­derten ggf ab. Ansied­lun­gen von Neu­grün­dun­gen, Start-Ups und größeren Unternehmen fän­den im Zweifel auf­grund des hohen Hebe­satzes nicht statt.

 

Standort- und Wettbewerbsnachteil in der Beispielrechnung

Der Ver­band macht zur Verdeut­lichung auch eine Beispiel­rech­nung auf: Für ein Einzelun­ternehmen mit einem Gewinn von 250.000 Euro bedeute dies unter Berück­sich­ti­gung des Frei­be­trages in Höhe von 24.500 Euro eine Gewerbesteuer­be­las­tung von ins­ge­samt 35.516 Euro. Davon sei lediglich eine Gewerbesteuer­last von 31.568 Euro auf die Einkom­menss­teuer anrechen­bar. Der Einzelun­ternehmer sei in diesem Fall mit knapp 4.000 Euro belastet. In den umliegen­den Gemein­den sei die Gewerbesteuer hinge­gen voll anrechen­bar und die zusät­zliche Belas­tung ent­falle somit. Auch die Gewerbesteuerzahllast falle bei einem Hebe­satz von nur 348 von Hun­dert mit 27.464 Euro deut­lich geringer aus.

Matthias Kun­ze | Foto: Ecki Raff

Stadtvertretung soll Gewerbesteuer-Hebesatz deutlich senken

„Schw­erin ist im lan­des- und bun­desweit­en Ver­gle­ich mit an ober­ster Spitze, was die Höhe der Gewerbesteuer­hebesätze bet­rifft. Nach über zwei Jahren Pan­demie-Modus mit erhe­blichen wirtschaftlichen Ein­bußen in vie­len Bere­ichen, tre­f­fen die jet­zi­gen Prob­leme durch den Rus­s­land-Ukraine-Kon­flikt weit­ere Branchen”, so Matthias Kun­ze, Region­alleit­er der Ver­band­sre­gion Schw­erin. Aus sein­er Sicht sei es uner­lässlich, für die gesamte Wirtschaft schnell wirk­same Unter­stützungsmöglichkeit­en zu find­en. „Die Stadtvertreter in Schw­erin soll­ten han­deln und den Gewerbesteuer-Hebe­satz auf max­i­mal 400 von Hun­dert senken. Die Wirtschaft benötigt mas­sive Unter­stützung seit­ens Poli­tik und Ver­wal­tung und das Frei­hal­ten von jed­wed­er zusät­zlichen Belas­tung, um diese Krise zu über­ste­hen”, so Krus­es ein­dringlich­er Appell. Ein Umbau der Wirtschaft fände bere­its statt und Fir­men­schließun­gen seien alles andere als nicht aus­geschlossen. „Fir­menab­wan­derun­gen oder das Auswe­ichen bei Neuan­sied­lun­gen in das Umland auf Grund zu hoher Kosten bei der Gewerbesteuer wären daher drin­gend zu ver­mei­den, wenn Schw­erin als Wirtschafts­stan­dort weit­er eine Rolle spie­len will. Wir appel­lieren daher an die Stadtvertreter, zu agieren, anstatt zu reagieren oder gar auszusitzen“.

 

 

  • Stephan Haring

    Stephan Har­ing ist freier Mitar­beit­er unser­er dig­i­tal­en Tageszeitung. Er hat ein Bach­e­lor-Studi­um der Kom­mu­nika­tion­swis­senschaften an der Uni­ver­sität Erfurt mit den Neben­fäch­ern Sozial­wis­senschaften & Poli­tik absolviert. Im Nach­hinein arbeit­ete er in lei­t­en­den Funk­tio­nen der Presse- & Öffentlichkeit­sar­beit, im Leitungs­bere­ich eines Unternehmens sowie als Rek­tor ein­er pri­vat geführten Hochschule. Zudem entwick­elte, organ­isierte und real­isierte er mit der durch ihn entwick­el­ten LOOK ein Fash­ion­event in Schw­erin. Heute arbeit­et er freiberu­flich als Tex­ter, Press­esprech­er und Tex­tko­r­rek­tor sowie als Berater in ver­schiede­nen Pro­jek­ten. In einem Schw­er­iner Orts­beirat ist er zudem ehre­namtlich als Vor­sitzen­der kom­mu­nalpoli­tisch aktiv.

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