Rasen, Drängeln, Crashs – jetzt greift die Stadt durch:
Neue Tempolimits an zwei Schweriner Brennpunkten
Tempo runter, Schilder rauf: Nach schweren Unfällen greift die Stadt an Paulsdamm und Ostorfer Ufer durch. Neue Limits sollen Leben schützen – und den Druck auf gefährliche Stellen senken.

Nach mehreren schweren Verkehrsunfällen zieht die Landeshauptstadt nun Konsequenzen: Die Verkehrsunfallkommission hat zwei besonders gefährliche Stellen im Stadtgebiet als Unfallhäufungsstellen eingestuft und kurzfristige Maßnahmen beschlossen. Noch in dieser Woche werden die Geschwindigkeiten auf dem Paulsdamm sowie am Ostorfer Ufer deutlich reduziert. Zusätzlich sollen neue Markierungen auf dem Marienplatz für mehr Rücksichtnahme sorgen.
Geschwindigkeit wird reduziert
Betroffen ist unter anderem die enge Kurve auf der B 104 am Paulsdamm, rund 800 Meter hinter dem Ortsausgang in Richtung Güstrow. Hier wird die bislang zulässige Höchstgeschwindigkeit von 70 auf 50 Kilometer pro Stunde abgesenkt. Hintergrund sind sechs schwere Unfälle mit Personenschaden allein in den vergangenen drei Jahren, ein Verkehrsteilnehmer kam dabei ums Leben. Besonders bei schlechter Witterung unterschätzen viele Autofahrer die Gefährlichkeit der Kurve.
Auch am Ostorfer Ufer wird reagiert: Im Bereich der Einmündung zur Demmlerstraße gilt künftig Tempo 30 in Richtung Obotritenring. Allein im Jahr 2024 kam es dort zu acht Unfällen, vor allem beim Einbiegen und Kreuzen der Fahrbahn. Die Sichtverhältnisse sind durch Bebauung und Kurvenlage stark eingeschränkt, ein Verkehrsspiegel brachte bislang keine spürbare Entlastung. Da bauliche Veränderungen nur mit erheblichem Aufwand möglich wären, entschied sich die Kommission für die Geschwindigkeitsreduzierung. An beiden Stellen wird zudem mit Zusatzschildern ausdrücklich auf den jeweiligen „Unfallschwerpunkt“ hingewiesen.
Verkehrsdezernent Bernd Nottebaum kündigte außerdem weitere Untersuchungen für zwei große Kreuzungsbereiche an: die Ludwigsluster Chaussee am Ostorfer Ufer sowie die Kreuzung Wittenburger Straße/W.-Seelenbinder-Straße. Ziel ist es, die Verkehrsführung dort signaltechnisch und baulich zu optimieren.
Maßnahmen am Marienplatz
Neben den Maßnahmen für den Autoverkehr rückt auch der innerstädtische Fuß- und Radverkehr stärker in den Fokus. Auf dem Marienplatz, der als Fußgängerzone ausgewiesen ist, aber gleichzeitig von Straßenbahnen, Bussen, Taxen und Radfahrern genutzt wird, gilt Schrittgeschwindigkeit. Weil sich nicht alle Verkehrsteilnehmer daran halten, wurden bereits im Oktober fünf neue Bodenpiktogramme im Gleisbereich aufgebracht. Sie sollen insbesondere Radfahrer für ein vorsichtiges Miteinander sensibilisieren.
„Die ausgewerteten Unfälle waren sehr unterschiedlich, nicht immer war zu hohes Tempo die Ursache, aber häufig mangelnde Rücksicht“, erklärt Nottebaum. Mit den neuen Markierungen erhoffe man sich, Spannungen zwischen Fußgängern und Radfahrern abzubauen und das Unfallrisiko deutlich zu senken.
Die Verkehrsunfallkommission der Landeshauptstadt setzt sich aus Vertretern des städtischen Verkehrsmanagements, des Ordnungsdienstes, der Polizei, des Straßenbauamtes und der Dekra zusammen. Ziel bleibt es, Gefahrenstellen frühzeitig zu erkennen – und mit gezielten Maßnahmen für mehr Sicherheit auf Schwerins Straßen zu sorgen.



