Verwirrung um Baukosten Radweg Dwang

Eine Pressemitteilung der Grünen sorgte bei den Kosten für den Radweg auf den Dwang für etwas Verwirrung. Gibt es eine Kostensteigerung oder gibt es sie nicht?

Diese Visualisierung zeigt den Verlauf der 92 Meter langen Brücke über den Ostorfer See. Foto: SDS

 

In der vergangenen Woche berichtete die Schweriner Lokalzeitung SVZ über den geplanten Radweg am Südufer des Dwang. Momentan ist der Baubeginn dort offen und man arbeitet noch an der Entwurfsplanung. Das war alles einmal völlig anders geplant. Noch im Februar teilte die Stadtverwaltung mit, dass man im August mit dem Bau beginnen wolle. 

„Der beim Bau des Radweges federführende  städtische Eigenbetrieb SDS wird den Brückenbau in Kürze ausschreiben. Der Zuschlag für die Krösnitzbrücke soll bereits im April erteilt werden. Das Bauwerk soll bis Juli 2019 fertig sein.“

hieß es damals in einer Pressemitteilung der Stadt. Gute fünf Monate später, hat sich die Planung verändert. „Vielleicht können die Bauarbeiten für den eigentlichen Radweg noch in diesem Jahr beginnen“, sagte Baudezernent Bernd Nottebaum nun gegenüber der SVZ. Die Brücke zur Krösnitz komme aber definitiv erst im kommenden Jahr. Die Baukosten für das Projekt haben nun für etwas Verwirrung gesorgt.

 

Kostensteigerung nicht abzusehen

 

Gegenüber der SVZ hatte Bernd Nottebaum gesagt, dass die Baukosten im Moment noch unklar sind, da ohne Entwurfsplanung eine Kostenschätzung nicht vorgenommen werden kann. Noch gehe man von 2,4 Millionen Euro für die Radwegtrasse und 1,8 Millionen Euro für die Brücke aus. Weiter geht die Stadtverwaltung davon aus, dass es eine 90-prozentige Förderung für das Projekt gibt. 

Für die Fraktionsvorsitzende der Stadtfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Cornelia Nagel, führte diese Aussage zu Annahme, dass die ursprünglich geplanten Kosten von 2,4 Millionen Euro nun auf 4,2 Millionen Euro ansteigen würden. Sie hatte die im Artikel genannten 2,4 Millionen Euro und 1,8 Millionen Euro addiert. Den Grünen stellten nun den geplanten Bau in der Gesamtheit in Frage. 

„Wir bekommen die hohe Schuldenlast der Stadt mit derartigen Kostenexplosionen nicht in den Griff. Im Vergleich zur Vorlage in der Stadtvertretung gibt es aktuell beim Radweg auf dem Dwang eine Kostensteigerung von 133 Prozent! Mit den Gesamtkosten steigt selbstverständlich auch der Eigenanteil der Stadt Schwerin. Trotz Fördermittel kann sich somit dieser Eigenanteil auf eine halbe Million Euro erhöhen.“

sagte die bündnisgrüne Fraktionschefin als Reaktion auf den Artikel in der SVZ. Oberbürgermeister und Finanzdezernent Rico Badenschier (SPD) müsse nun die Reißleine ziehen. 

„Kein verantwortungsvoller Mensch wird angesichts der Haushaltslage der Landeshauptstadt einem solch teuren und noch dazu absolut verzichtbaren Vorhaben zustimmen.“

so Cornelia Nagel weiter. Und tatsächlich müsste man die Kosten hinterfragen, wenn diese in der Höhe angestiegen wären und auf die Stadt somit auch ein erhöhter Eigenanteil zukommen könnte. Das ist allerdings im Moment nicht abzusehen.

 

Verwaltung geht auch weiterhin von 2,4 Millionen Euro aus

 

Die Pressemitteilung aus der bündnisgrünen Fraktion schaffte es heute in die SVZ. Für die Leser der Lokalzeitung muss nun der Eindruck entstehen, dass die von der Fraktionsvorsitzenden in den Raum gestellten Zahlen der Realität entsprechen. Dabei schrieb die SVZ in ihrem Ursprungsartikel selber in der Überschrift „Stadtverwaltung rechnet mit 2,4 Millionen“. 

So ist der Verlauf des gesamten Radweges im Moment geplant
Quelle: SDS

Das bestätigte auch noch einmal die Pressesprecherin der Landeshauptstadt, Michaela Christen, gegenüber unserer Redaktion. Auch wir hatten am vergangenen Freitag in unserem täglichen Newsletter fälschlicherweise die Zahlen von Cornelia Nagel verbreitet, da wir die Zahlen ebenfalls falsch verstanden hatten. 

„Für den touristischen Verbindungsradweg  zwischen  Radfernweg  Hamburg bis Rügen und Residenzstädteradrundweg sind bislang insgesamt 2,4 Millionen Euro veranschlagt, davon für den  Abschnitt Dwang/Brücke 1,8 Millionen Euro.“

verdeutlichte die Stadtsprecherin.

Unsere Redaktion stellten die Zahlen daher im Newsletter vom Montag richtig. In unserer digitalen Tageszeitung hatten wir über die Stellungnahme der Grünen nicht berichtet. Wir sahen keinen Grund auf der Fehlinterpretationen öffentlich herumzuhacken. Nun erscheint die Klarstellung nötig, da die SVZ  nun selber zur Verbreitung des Irrtums über die Kostensteigerung um 133 Prozent beim Bau des Abschnittes Dwang/Brücke beigetragen hat. 

Dabei hatte die Lokalzeitung in ihrem ersten Artikel Baudezernent Nottebaum zitiert, dass im Moment unklar sei, was der Bau am Ende kosten wird. Solange die Entwurfsplanung nicht fertig ist, können die Kosten nicht geschätzt werden. Damit sollte klar sein, dass eine Kostensteigerung über die 2,4 Millionen Euro hinaus, zwar nach Vorlage der Entwurfsplanung nicht ausgeschlossen ist. Im Moment gibt es aber keine Anhaltspunkte dafür. 

Stefan Rochow

Journalist, Unternehmer und Gründer der digitalen Tageszeitung Schwerin-Lokal.de. Sie erreichen mich per E-Mail unter redaktion@schwerinlokal.de

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