Vor dem Ende des 9-Euro-Ticket – So könnte es in Schwerin weitergehen

Das 9-Euro-Ticket ist ab September definitiv Geschichte. Auch in Schwerin gibt es dann wieder die alten Preise für die Nutzung des Nahverkehrs. Gleichzeitig ist aber die Kostenstruktur in den vergangenen Monaten enorm gestiegen. Was bedeutet das für die Fahrpreise in Schwerin?

Mittelfristig müssen sich auch die Kunden in Schwerin auf Fahrpreiserhöhungen einsellen | Foto: (c) Stefan Rochow

In gut zwei Wochen läuft das 9-Euro-Ticket aus. Der ÖPNV will dann wieder zu den alten Preisen zurückkehren. Allerdings ist die Sorge groß, dass es bei diesen Preisen nicht bleiben wird. Schon jetzt warnen Experten davor, dass es zu deutlichen Erhöhungen der Fahrpreise kommen könnte.

Fehlende Gelder auf Fahrpreise umschlagen

Schon im Mai machte der Präsident des Verbands deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Ingo Wortmann deutlich, wohin die Reise in Zukunft gehen könnte. „Wir werden mittelfristig die fehlenden Gelder auf die Fahrpreise umschlagen müssen oder das Angebot einschränken“, so Wortmann damals gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Der Präsident erwartet, dass die Preise natürlich nicht sofort zum 1. September steigen, aber dann in den kommenden Preisrunden. „Leider kommen wir dann in die Situation, dass Menschen, die ohnehin schon belastet sind, für ihre Fahrten mehr bezahlen müssen.“

Für die Kostenstruktur im Nahverkehr sind die stark gestiegenen Strompreise in den letzten Monaten einfach nur Gift. Dazu kommt die auf Rekordniveau gestiegene Inflation, die voraussichtlich in den kommenden Tarifverhandlungen zu Lohnerhöhungen führen wird. Das alles stellt Verkehrsbertriebe vor große Herausforderungen.

Mittelfriste Fahrpreiserhöhungen in Schwerin unvermeidbar

Der Nahverkehr Schwerin schließt im Moment Fahrpreiserhöhungen aus. Ein Sprecher der Verkehrsbetriebe bestätigt auf Anfrage von Schwerin-Lokal, dass die Kosten in den letzten Monaten gestiegen sind. Drittgeschäfte, Ausgleichszahlungen und erhoffter Fahrgastzuwachs könne die Kostensteigerungen nur teilweise abfedern. Mittelfristig sind Fahrpreiserhöhungen, aus Sicht des Nahverkehrs, daher unvermeidbar.

Um die deutschlandweit drohende ÖPNV-Inflation zu stoppen, hat bespeispielsweise der Verband der Deutschen Verkehrsunternehmen bereits ein deutschlandweit gültiges 69 Euro Ticket für den Nahverkehr ins Spiel gebracht. Das Problem allerdings: Dieses Ticket würde nicht die realen Kosten decken. Der Steuerzahler müsste also den entstehenden Fehlbetrag dauerhaft finanzieren. Kritiker, wie etwa das Bundesfinanzministerium sagen, damit müssten auch diejenigen für das Ticket zahlen, die im ländlichen Raum wohnen und das Ticket gar nicht nutzen können.

Der Bund verweist weiter auf die Schuldenbremse, die ab dem kommenden Jahr wieder eingehalten werden müsse. Daher sei eine solche Finanzierung durch den Bund nicht möglich. Die Länder wiederum sehen ihre Lage ähnlich und fordern mehr Geld vom Bund. Laut dem Regionalisierungsgesetz sei der Bund für die Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs.

Ganz ausschließen möchte das Bundesverkehrsministerium diesen Schritt nicht. Staatssekretär Michael Theurer (FDP) sagte Anfang August, dass die Ampel-Koalition im Moment überlege, die Reionalisierungsmittel für die Länder zu erhöhen. „Die sind ja für den Nahverkehr zuständig und erhalten dafür jährlich zehn Milliarden Euro“, sagte er der „Rheinischen Post“.

9-Euro-Ticket war „Lockangebot“

Wir müssen uns aber auch fragen: Wie sieht die Zukunft des öffentlichen Personennahverkehrs aus? Und da geht es auch um moderne Angebote wie kundenfreundliche Apps, die Digitalisierung der Schiene“, sagte der FDP-Politiker. Theurer nannte das 9-Euro-Ticket ein „Lockangebot, das die zersplitterte Verkehrsverbünde-Landschaft in Deutschland ein Stück weit in Bewegung setzen sollte“.

Klar ist im Moment also nur, dass das 9-Euro-Ticket im September definitiv auslaufen wird. Auf mittlere Sicht betrachtet, muss der öffentliche Nahverkehr die Kostensteigerungen auf die Kunden umlegen. Tut sich auf Bundesebene nichts, dann werden auch in Schwerin die Preise für Bus- und Bahnfahrten steigen.

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