Landtagswahl:
So hat Schwerin am Sonntag gewählt
Schwerin Lokal hat die Ergebnisse der einzelnen Wahlbezirke ausgewertet. Sie zeigen große Unterschiede zwischen den Stadtteilen und zwischen Urnen- und Briefwahl.

Foto: Stefan Rochow
Die beiden Schweriner Direktmandate gehen an die SPD. In Schwerin I verteidigte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig ihr Mandat mit 54,4 Prozent der Erststimmen. Ihr AfD-Herausforderer Leif-Erik Holm kam auf 28,2 Prozent. Im Wahlkreis Schwerin II setzte sich Mandy Pfeifer (SPD) mit 43,2 Prozent durch.
Hinter diesen Gesamtergebnissen verbirgt sich eine Stadt mit sehr unterschiedlichen politischen Mehrheiten. Das wird erst beim Blick auf die einzelnen Wahlbezirke sichtbar. Schelfstadt, Lankow, Mueßer Holz, Ostorf oder Werdervorstadt unterscheiden sich teilweise erheblich voneinander.
Besonders groß ist der Gegensatz zwischen Schelfstadt und Mueßer Holz. In Teilen der Schelfstadt erreichen SPD und Grüne ihre höchsten Schweriner Werte. Im Mueßer Holz liegt dagegen die AfD in mehreren Wahllokalen deutlich vorn und kommt teilweise auf mehr als die Hälfte der Zweitstimmen.

Eine weitere Besonderheit zeigt der Vergleich von Urnen- und Briefwahl. In mehreren Stadtteilen erzielt die SPD unter den Briefwählern wesentlich höhere Anteile als in den Wahllokalen. Besonders deutlich fällt dieser Unterschied im Mueßer Holz aus.
Schelfstadt wählt anders
Zu den stärksten Gebieten von Manuela Schwesig gehört die Schelfstadt. Im Urnenwahlbezirk Schelfstadt I stimmen 60,6 Prozent bei der Erststimme für die SPD-Kandidatin. In Schelfstadt II erreicht sie 58,5 Prozent.
Bei den Zweitstimmen fällt dort nicht nur die SPD auf. Die Grünen erzielen in der Schelfstadt einige ihrer besten Schweriner Ergebnisse. In Schelfstadt III kommen sie auf 25,7 Prozent und liegen damit sogar vor der AfD, die dort 19,0 Prozent erreicht. Die SPD liegt mit 30,7 Prozent an erster Stelle.
Auch in Schelfstadt I erreichen die Grünen mit 21,4 Prozent mehr als ein Fünftel der Zweitstimmen. Im gemeinsamen Briefwahlbezirk Schelfstadt II/III sind es 20,4 Prozent.
Damit gehört die Schelfstadt zu den wenigen Teilen Schwerins, in denen sich neben SPD und AfD eine dritte Partei deutlich in das Kräfteverhältnis einschiebt. Das gilt vor allem für die Zweitstimme.
AfD erreicht im Mueßer Holz mehr als 50 Prozent
Nur wenige Kilometer entfernt sieht das Ergebnis grundlegend anders aus. Im Mueßer Holz erzielt die AfD einige ihrer höchsten Werte in Schwerin.
Besonders deutlich ist das im Urnenwahlbezirk Mueßer Holz IV. Petra Federau erhält dort 56,3 Prozent der Erststimmen. Bei den Zweitstimmen erreicht die AfD 55,1 Prozent. Damit stimmt dort mehr als jeder zweite Wähler, der seine Zweitstimme abgibt, für die Partei.
Die Ergebnisse der anderen Parteien fallen entsprechend niedriger aus. Die Grünen kommen beispielsweise im Mueßer Holz I auf lediglich 1,5 Prozent der Zweitstimmen. Zwischen diesem Ergebnis und den 25,7 Prozent in Schelfstadt III liegen 24,2 Prozentpunkte.
Auch für die CDU gehört das Mueßer Holz zu den schwächsten Gebieten. Im Wahlbezirk Mueßer Holz II erhält die Union 1,2 Prozent der Zweitstimmen. Damit erreicht sie dort nur einen Bruchteil ihrer Werte in Ostorf oder der Werdervorstadt.
Das Mueßer Holz fällt zudem durch eine vergleichsweise geringe Beteiligung im Wahllokal auf. Im Bezirk Mueßer Holz IV liegt sie bei 47,0 Prozent.
Auch Lankow mit hohen AfD-Werten
Ein ähnliches, wenn auch weniger deutliches Bild ergibt sich in Teilen Lankows. Im Wahlbezirk Lankow I erhält Leif-Erik Holm 46,5 Prozent der Erststimmen. Manuela Schwesig kommt dort auf 40,5 Prozent.
Bei den Zweitstimmen liegt die AfD mit 44,0 Prozent ebenfalls vorne. Die SPD erreicht 34,8 Prozent. Damit unterscheidet sich das Ergebnis deutlich von den Bezirken in der Schelfstadt.
Auch innerhalb der nördlichen Stadtteile gibt es jedoch Unterschiede. Ein einheitliches Wahlverhalten der äußeren Stadtgebiete lässt sich aus den Zahlen nicht ableiten. So unterscheidet sich beispielsweise die Wahlbeteiligung erheblich: Während sie im Mueßer Holz IV bei 47,0 Prozent liegt, erreicht sie im nördlichen Wickendorf 66,1 Prozent.
Zwischen beiden Bezirken liegen damit 19,1 Prozentpunkte. Die Beteiligung gehört deshalb ebenfalls zu den Größen, die sich innerhalb Schwerins deutlich unterscheiden.
Briefwahl im Mueßer Holz mit anderem Ergebnis
Der auffälligste Gegensatz in den Daten zeigt sich beim Vergleich zwischen Urnen- und Briefwahl. Für die vier Bezirke des Mueßer Holzes werden die Briefwahlstimmen gemeinsam im Briefwahlbezirk 924 ausgewiesen. Dort erreicht Mandy Pfeifer 47,0 Prozent der Erststimmen. Bei den Zweitstimmen kommt die SPD auf 44,3 Prozent.
Die AfD erreicht bei den Briefwählern dieses Gebietes dagegen 25,7 Prozent. Zum Vergleich: Im Urnenwahlbezirk Mueßer Holz IV waren es 55,1 Prozent. Der Abstand zwischen diesen beiden Werten beträgt 29,4 Prozentpunkte.
Dabei ist allerdings Vorsicht beim direkten Vergleich geboten. Der Briefwahlbezirk fasst Mueßer Holz I bis IV zusammen, während die 55,1 Prozent nur für Mueßer Holz IV gelten. Die Zahlen zeigen daher einen deutlichen Unterschied, erlauben aber keinen Eins-zu-eins-Vergleich derselben Wählergruppen.
Warum Brief- und Urnenwahl so verschieden ausfallen, lässt sich aus der Wahlstatistik ohnehin nicht beantworten. Dazu wären unter anderem Angaben zu Alter, sozialer Struktur und anderen Merkmalen der jeweiligen Wählergruppen notwendig.
SPD auch in Görries und Gartenstadt bei Briefwahl stark
Der Unterschied beschränkt sich nicht auf das Mueßer Holz. Auch in anderen Teilen der Stadt erzielt die SPD bei der Briefwahl hohe Werte.
Im Briefwahlbezirk 919, der Görries sowie Gartenstadt I und II umfasst, erhält Mandy Pfeifer 54,0 Prozent der Erststimmen. Bei den Zweitstimmen kommt die SPD dort auf 50,1 Prozent.
In der Schelfstadt ist das Muster ebenfalls zu erkennen. Im Briefwahlbezirk 916 für Schelfstadt II und III erhält Manuela Schwesig 67,4 Prozent der Erststimmen – eines ihrer stärksten Ergebnisse in den ausgewerteten Bezirken.
Bei den Zweitstimmen erreicht die SPD dort 40,3 Prozent. Die AfD kommt auf 8,6 Prozent. Die Grünen liegen mit 20,4 Prozent deutlich über ihrem Ergebnis in vielen anderen Teilen der Stadt.
Die Briefwahlbezirke sind allerdings größer zugeschnitten als viele Urnenwahlbezirke. Auch deshalb sollten die Zahlen nicht ohne Weiteres als direkte Gegenstücke einzelner Wahllokale gelesen werden.
Grüne mit besonders großer Spannweite
Bei den Grünen zeigt sich besonders deutlich, wie unterschiedlich eine Partei innerhalb einer Stadt abschneiden kann. Den höchsten hier betrachteten Urnenwert erreicht die Partei in Schelfstadt III mit 25,7 Prozent der Zweitstimmen. In Schelfstadt I sind es 21,4 Prozent. Auch Ostorf II gehört mit 17,8 Prozent zu den stärkeren Bezirken.
Am anderen Ende steht das Mueßer Holz. Dort kommen die Grünen in Mueßer Holz I auf 1,5 Prozent. Zwischen dem höchsten und dem niedrigsten der genannten Ergebnisse liegt damit mehr als das Siebzehnfache.
Die Unterschiede folgen dabei nicht einfach der Entfernung zum Stadtzentrum. Ostorf beispielsweise liegt außerhalb der Altstadt und gehört dennoch zu den stärkeren Gebieten der Grünen. Für eine genauere Erklärung wären zusätzliche sozialstrukturelle Daten notwendig.
Linke erreicht bei Briefwahl zweistellige Werte
Bei der Linken fallen vor allem mehrere Briefwahlbezirke auf. Im Briefwahlbezirk Paulsstadt III/IV erreicht sie 14,0 Prozent der Zweitstimmen. In Weststadt III/IV sind es 13,9 Prozent.
Auch unter den Briefwählern des Mueßer Holzes kommt die Partei auf 11,5 Prozent. Damit erreicht sie dort ein zweistelliges Ergebnis, obwohl die AfD in mehreren Wahllokalen des Stadtteils deutlich vorne liegt.
Bei der Urnenwahl in Mueß sieht es anders aus. Dort erhält die Linke 2,6 Prozent der Zweitstimmen. Die Spannweite zwischen den aufgeführten Bezirken beträgt damit mehr als elf Prozentpunkte.
CDU mit großen Unterschieden
Auch die CDU weist innerhalb Schwerins erhebliche Schwankungen auf. Ihr niedrigster hier betrachteter Wert liegt im Mueßer Holz II bei 1,2 Prozent der Zweitstimmen.
Deutlich besser schneidet die Partei in Ostorf II ab. Dort erreicht sie 13,6 Prozent. In Werdervorstadt I sind es 10,9 Prozent.
Bei der Briefwahl liegen einige Werte noch etwas höher. Im gemeinsamen Briefwahlbezirk Werdervorstadt I/II erreicht die CDU 13,8 Prozent der Zweitstimmen. In Neumühle I/II sind es 13,0 Prozent.
Damit liegen zwischen den genannten Extremwerten mehr als zwölf Prozentpunkte. Die Ergebnisse der Union verteilen sich innerhalb Schwerins also ebenfalls keineswegs gleichmäßig.
BSW mit geringeren Ausschlägen
Beim BSW fallen die Unterschiede zwischen den betrachteten Bezirken weniger stark aus. In Friedrichsthal I erreicht die Partei 6,7 Prozent der Zweitstimmen. Auf denselben Wert kommt sie in Krebsförden II.
In Werdervorstadt III und Schelfstadt III erhält das BSW jeweils 6,2 Prozent. Bei den ausgewerteten Briefwahlbezirken bewegen sich die Werte überwiegend im mittleren einstelligen Bereich.
Anders als bei Grünen, CDU oder AfD gibt es damit in den vorliegenden Ergebnissen keine ähnlich großen Ausschläge zwischen einzelnen Teilen Schwerins.
FDP und kleinere Parteien bleiben schwach
Die FDP bleibt in den betrachteten Schweriner Bezirken weit von fünf Prozent entfernt. Zu ihren besseren Ergebnissen gehört Werdervorstadt II mit 1,7 Prozent der Zweitstimmen. Im Briefwahlbezirk Paulsstadt I/II sind es 2,0 Prozent.
In einzelnen Bezirken fällt das Ergebnis noch niedriger aus. In Lankow III erhält die FDP bei der Urnenwahl keine Zweitstimme.
Auch die übrigen kleineren Parteien erreichen nur geringe Anteile. Die Tierschutzpartei kommt in Paulsstadt IV auf 2,0 Prozent der Zweitstimmen. Im Briefwahlbezirk Werdervorstadt I/II erreicht sie 1,9 Prozent.
Die Freien Wähler kommen in Lankow IV auf 1,3 Prozent. Die PARTEI erreicht in Werdervorstadt IV 1,2 Prozent. Volt kommt in Altstadt I auf 0,9 Prozent. Team Freiheit erreicht im Briefwahlbezirk Werdervorstadt III/IV 0,7 Prozent der Zweitstimmen.
Auch hier unterscheiden sich Erst- und Zweitstimme. So kommt Team-Freiheit-Kandidat Paul Bressel in Paulsstadt III bei der Erststimme auf 1,1 Prozent. Die Ergebnisse der Direktkandidaten lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres mit den Zweitstimmen ihrer Parteien gleichsetzen.
Was die Ergebnisse zeigen
Bei der Einordnung der Zahlen ist allerdings Vorsicht geboten. Wahl- und Stadtteilgrenzen stimmen nicht überall überein. Zudem werden bei der Briefwahl teilweise mehrere Urnenwahlbezirke zusammengefasst. Ein direkter Vergleich ist deshalb nicht in jedem Fall möglich.
Auch über die Gründe für die Unterschiede sagen die Ergebnisse zunächst nichts aus. Wer in den einzelnen Bezirken gewählt hat und welche Rolle Alter, Einkommen oder andere soziale Faktoren gespielt haben, lässt sich aus der Wahlstatistik nicht ablesen.
Was bleibt, ist ein deutliches Bild der politischen Unterschiede innerhalb Schwerins. Zwischen Schelfstadt und Mueßer Holz, zwischen Lankow, Ostorf und Werdervorstadt verschieben sich die Kräfteverhältnisse teilweise erheblich. Das Gesamtergebnis der Stadt zeigt, wie Schwerin gewählt hat. Die einzelnen Wahlbezirke zeigen, wie unterschiedlich.




