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Landtagswahl:
So hat Schwerin am Sonntag gewählt

Schwerin Lokal hat die Ergebnisse der einzelnen Wahlbezirke ausgewertet. Sie zeigen große Unterschiede zwischen den Stadtteilen und zwischen Urnen- und Briefwahl.

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  • Veröffentlicht September 21, 2026
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Wahlbezirke Schwerin
AfD-Kan­di­dat Leif-Erik Holm gestern Abend vor Anhägern in Schw­erin. Seine Partei wurde stärk­ste Kraft im Land.
Foto: Ste­fan Rochow

 

Die bei­den Schw­er­iner Direk­t­man­date gehen an die SPD. In Schw­erin I vertei­digte Min­is­ter­präsi­dentin Manuela Schwe­sig ihr Man­dat mit 54,4 Prozent der Erst­stim­men. Ihr AfD-Her­aus­forder­er Leif-Erik Holm kam auf 28,2 Prozent. Im Wahlkreis Schw­erin II set­zte sich Mandy Pfeifer (SPD) mit 43,2 Prozent durch.

Hin­ter diesen Gesamtergeb­nis­sen ver­birgt sich eine Stadt mit sehr unter­schiedlichen poli­tis­chen Mehrheit­en. Das wird erst beim Blick auf die einzel­nen Wahlbezirke sicht­bar. Schelf­s­tadt, Lankow, Mueßer Holz, Ostorf oder Werder­vorstadt unter­schei­den sich teil­weise erhe­blich voneinan­der.

Beson­ders groß ist der Gegen­satz zwis­chen Schelf­s­tadt und Mueßer Holz. In Teilen der Schelf­s­tadt erre­ichen SPD und Grüne ihre höch­sten Schw­er­iner Werte. Im Mueßer Holz liegt dage­gen die AfD in mehreren Wahllokalen deut­lich vorn und kommt teil­weise auf mehr als die Hälfte der Zweit­stim­men.

 

Min­is­ter­präsi­dentin Manuela Schwe­sig holte in Schw­erin das Direk­t­man­dat. Foto. Dario Rochow

 

Eine weit­ere Beson­der­heit zeigt der Ver­gle­ich von Urnen- und Briefwahl. In mehreren Stadt­teilen erzielt die SPD unter den Briefwäh­lern wesentlich höhere Anteile als in den Wahllokalen. Beson­ders deut­lich fällt dieser Unter­schied im Mueßer Holz aus.

Schelfstadt wählt anders

Zu den stärk­sten Gebi­eten von Manuela Schwe­sig gehört die Schelf­s­tadt. Im Urnen­wahlbezirk Schelf­s­tadt I stim­men 60,6 Prozent bei der Erst­stimme für die SPD-Kan­di­datin. In Schelf­s­tadt II erre­icht sie 58,5 Prozent.

Bei den Zweit­stim­men fällt dort nicht nur die SPD auf. Die Grü­nen erzie­len in der Schelf­s­tadt einige ihrer besten Schw­er­iner Ergeb­nisse. In Schelf­s­tadt III kom­men sie auf 25,7 Prozent und liegen damit sog­ar vor der AfD, die dort 19,0 Prozent erre­icht. Die SPD liegt mit 30,7 Prozent an erster Stelle.

Auch in Schelf­s­tadt I erre­ichen die Grü­nen mit 21,4 Prozent mehr als ein Fün­f­tel der Zweit­stim­men. Im gemein­samen Briefwahlbezirk Schelf­s­tadt II/III sind es 20,4 Prozent.

Damit gehört die Schelf­s­tadt zu den weni­gen Teilen Schw­erins, in denen sich neben SPD und AfD eine dritte Partei deut­lich in das Kräftev­er­hält­nis ein­schiebt. Das gilt vor allem für die Zweit­stimme.

AfD erreicht im Mueßer Holz mehr als 50 Prozent

Nur wenige Kilo­me­ter ent­fer­nt sieht das Ergeb­nis grundle­gend anders aus. Im Mueßer Holz erzielt die AfD einige ihrer höch­sten Werte in Schw­erin.

Beson­ders deut­lich ist das im Urnen­wahlbezirk Mueßer Holz IV. Petra Fed­er­au erhält dort 56,3 Prozent der Erst­stim­men. Bei den Zweit­stim­men erre­icht die AfD 55,1 Prozent. Damit stimmt dort mehr als jed­er zweite Wäh­ler, der seine Zweit­stimme abgibt, für die Partei.

Die Ergeb­nisse der anderen Parteien fall­en entsprechend niedriger aus. Die Grü­nen kom­men beispiel­sweise im Mueßer Holz I auf lediglich 1,5 Prozent der Zweit­stim­men. Zwis­chen diesem Ergeb­nis und den 25,7 Prozent in Schelf­s­tadt III liegen 24,2 Prozent­punk­te.

Auch für die CDU gehört das Mueßer Holz zu den schwäch­sten Gebi­eten. Im Wahlbezirk Mueßer Holz II erhält die Union 1,2 Prozent der Zweit­stim­men. Damit erre­icht sie dort nur einen Bruchteil ihrer Werte in Ostorf oder der Werder­vorstadt.

Das Mueßer Holz fällt zudem durch eine ver­gle­ich­sweise geringe Beteili­gung im Wahllokal auf. Im Bezirk Mueßer Holz IV liegt sie bei 47,0 Prozent.

Auch Lankow mit hohen AfD-Werten

Ein ähn­lich­es, wenn auch weniger deut­lich­es Bild ergibt sich in Teilen Lankows. Im Wahlbezirk Lankow I erhält Leif-Erik Holm 46,5 Prozent der Erst­stim­men. Manuela Schwe­sig kommt dort auf 40,5 Prozent.

Bei den Zweit­stim­men liegt die AfD mit 44,0 Prozent eben­falls vorne. Die SPD erre­icht 34,8 Prozent. Damit unter­schei­det sich das Ergeb­nis deut­lich von den Bezirken in der Schelf­s­tadt.

Auch inner­halb der nördlichen Stadt­teile gibt es jedoch Unter­schiede. Ein ein­heitlich­es Wahlver­hal­ten der äußeren Stadt­ge­bi­ete lässt sich aus den Zahlen nicht ableit­en. So unter­schei­det sich beispiel­sweise die Wahlbeteili­gung erhe­blich: Während sie im Mueßer Holz IV bei 47,0 Prozent liegt, erre­icht sie im nördlichen Wick­endorf 66,1 Prozent.

Zwis­chen bei­den Bezirken liegen damit 19,1 Prozent­punk­te. Die Beteili­gung gehört deshalb eben­falls zu den Größen, die sich inner­halb Schw­erins deut­lich unter­schei­den.

Briefwahl im Mueßer Holz mit anderem Ergebnis

Der auf­fäl­lig­ste Gegen­satz in den Dat­en zeigt sich beim Ver­gle­ich zwis­chen Urnen- und Briefwahl. Für die vier Bezirke des Mueßer Holzes wer­den die Briefwahlstim­men gemein­sam im Briefwahlbezirk 924 aus­gewiesen. Dort erre­icht Mandy Pfeifer 47,0 Prozent der Erst­stim­men. Bei den Zweit­stim­men kommt die SPD auf 44,3 Prozent.

Die AfD erre­icht bei den Briefwäh­lern dieses Gebi­etes dage­gen 25,7 Prozent. Zum Ver­gle­ich: Im Urnen­wahlbezirk Mueßer Holz IV waren es 55,1 Prozent. Der Abstand zwis­chen diesen bei­den Werten beträgt 29,4 Prozent­punk­te.

Dabei ist allerd­ings Vor­sicht beim direk­ten Ver­gle­ich geboten. Der Briefwahlbezirk fasst Mueßer Holz I bis IV zusam­men, während die 55,1 Prozent nur für Mueßer Holz IV gel­ten. Die Zahlen zeigen daher einen deut­lichen Unter­schied, erlauben aber keinen Eins-zu-eins-Ver­gle­ich der­sel­ben Wäh­ler­grup­pen.

Warum Brief- und Urnen­wahl so ver­schieden aus­fall­en, lässt sich aus der Wahlsta­tis­tik ohne­hin nicht beant­worten. Dazu wären unter anderem Angaben zu Alter, sozialer Struk­tur und anderen Merk­malen der jew­eili­gen Wäh­ler­grup­pen notwendig.

SPD auch in Görries und Gartenstadt bei Briefwahl stark

Der Unter­schied beschränkt sich nicht auf das Mueßer Holz. Auch in anderen Teilen der Stadt erzielt die SPD bei der Briefwahl hohe Werte.

Im Briefwahlbezirk 919, der Gör­ries sowie Garten­stadt I und II umfasst, erhält Mandy Pfeifer 54,0 Prozent der Erst­stim­men. Bei den Zweit­stim­men kommt die SPD dort auf 50,1 Prozent.

In der Schelf­s­tadt ist das Muster eben­falls zu erken­nen. Im Briefwahlbezirk 916 für Schelf­s­tadt II und III erhält Manuela Schwe­sig 67,4 Prozent der Erst­stim­men – eines ihrer stärk­sten Ergeb­nisse in den aus­gew­erteten Bezirken.

Bei den Zweit­stim­men erre­icht die SPD dort 40,3 Prozent. Die AfD kommt auf 8,6 Prozent. Die Grü­nen liegen mit 20,4 Prozent deut­lich über ihrem Ergeb­nis in vie­len anderen Teilen der Stadt.

Die Briefwahlbezirke sind allerd­ings größer zugeschnit­ten als viele Urnen­wahlbezirke. Auch deshalb soll­ten die Zahlen nicht ohne Weit­eres als direk­te Gegen­stücke einzel­ner Wahllokale gele­sen wer­den.

Grüne mit besonders großer Spannweite

Bei den Grü­nen zeigt sich beson­ders deut­lich, wie unter­schiedlich eine Partei inner­halb ein­er Stadt abschnei­den kann. Den höch­sten hier betra­chteten Urnen­wert erre­icht die Partei in Schelf­s­tadt III mit 25,7 Prozent der Zweit­stim­men. In Schelf­s­tadt I sind es 21,4 Prozent. Auch Ostorf II gehört mit 17,8 Prozent zu den stärk­eren Bezirken.

Am anderen Ende ste­ht das Mueßer Holz. Dort kom­men die Grü­nen in Mueßer Holz I auf 1,5 Prozent. Zwis­chen dem höch­sten und dem niedrig­sten der genan­nten Ergeb­nisse liegt damit mehr als das Siebzehn­fache.

Die Unter­schiede fol­gen dabei nicht ein­fach der Ent­fer­nung zum Stadtzen­trum. Ostorf beispiel­sweise liegt außer­halb der Alt­stadt und gehört den­noch zu den stärk­eren Gebi­eten der Grü­nen. Für eine genauere Erk­lärung wären zusät­zliche sozial­struk­turelle Dat­en notwendig.

Linke erreicht bei Briefwahl zweistellige Werte

Bei der Linken fall­en vor allem mehrere Briefwahlbezirke auf. Im Briefwahlbezirk Paulsstadt III/IV erre­icht sie 14,0 Prozent der Zweit­stim­men. In West­stadt III/IV sind es 13,9 Prozent.

Auch unter den Briefwäh­lern des Mueßer Holzes kommt die Partei auf 11,5 Prozent. Damit erre­icht sie dort ein zweis­tel­liges Ergeb­nis, obwohl die AfD in mehreren Wahllokalen des Stadt­teils deut­lich vorne liegt.

Bei der Urnen­wahl in Mueß sieht es anders aus. Dort erhält die Linke 2,6 Prozent der Zweit­stim­men. Die Span­nweite zwis­chen den aufge­führten Bezirken beträgt damit mehr als elf Prozent­punk­te.

CDU mit großen Unterschieden

Auch die CDU weist inner­halb Schw­erins erhe­bliche Schwankun­gen auf. Ihr niedrig­ster hier betra­chteter Wert liegt im Mueßer Holz II bei 1,2 Prozent der Zweit­stim­men.

Deut­lich bess­er schnei­det die Partei in Ostorf II ab. Dort erre­icht sie 13,6 Prozent. In Werder­vorstadt I sind es 10,9 Prozent.

Bei der Briefwahl liegen einige Werte noch etwas höher. Im gemein­samen Briefwahlbezirk Werder­vorstadt I/II erre­icht die CDU 13,8 Prozent der Zweit­stim­men. In Neumüh­le I/II sind es 13,0 Prozent.

Damit liegen zwis­chen den genan­nten Extremw­erten mehr als zwölf Prozent­punk­te. Die Ergeb­nisse der Union verteilen sich inner­halb Schw­erins also eben­falls keineswegs gle­ich­mäßig.

BSW mit geringeren Ausschlägen

Beim BSW fall­en die Unter­schiede zwis­chen den betra­chteten Bezirken weniger stark aus. In Friedrich­sthal I erre­icht die Partei 6,7 Prozent der Zweit­stim­men. Auf densel­ben Wert kommt sie in Kreb­s­för­den II.

In Werder­vorstadt III und Schelf­s­tadt III erhält das BSW jew­eils 6,2 Prozent. Bei den aus­gew­erteten Briefwahlbezirken bewe­gen sich die Werte über­wiegend im mit­tleren ein­stel­li­gen Bere­ich.

Anders als bei Grü­nen, CDU oder AfD gibt es damit in den vor­liegen­den Ergeb­nis­sen keine ähn­lich großen Auss­chläge zwis­chen einzel­nen Teilen Schw­erins.

FDP und kleinere Parteien bleiben schwach

Die FDP bleibt in den betra­chteten Schw­er­iner Bezirken weit von fünf Prozent ent­fer­nt. Zu ihren besseren Ergeb­nis­sen gehört Werder­vorstadt II mit 1,7 Prozent der Zweit­stim­men. Im Briefwahlbezirk Paulsstadt I/II sind es 2,0 Prozent.

In einzel­nen Bezirken fällt das Ergeb­nis noch niedriger aus. In Lankow III erhält die FDP bei der Urnen­wahl keine Zweit­stimme.

Auch die übri­gen kleineren Parteien erre­ichen nur geringe Anteile. Die Tier­schutz­partei kommt in Paulsstadt IV auf 2,0 Prozent der Zweit­stim­men. Im Briefwahlbezirk Werder­vorstadt I/II erre­icht sie 1,9 Prozent.

Die Freien Wäh­ler kom­men in Lankow IV auf 1,3 Prozent. Die PARTEI erre­icht in Werder­vorstadt IV 1,2 Prozent. Volt kommt in Alt­stadt I auf 0,9 Prozent. Team Frei­heit erre­icht im Briefwahlbezirk Werder­vorstadt III/IV 0,7 Prozent der Zweit­stim­men.

Auch hier unter­schei­den sich Erst- und Zweit­stimme. So kommt Team-Frei­heit-Kan­di­dat Paul Bres­sel in Paulsstadt III bei der Erst­stimme auf 1,1 Prozent. Die Ergeb­nisse der Direk­tkan­di­dat­en lassen sich deshalb nicht ohne Weit­eres mit den Zweit­stim­men ihrer Parteien gle­ich­set­zen.

Was die Ergebnisse zeigen

Bei der Einord­nung der Zahlen ist allerd­ings Vor­sicht geboten. Wahl- und Stadt­teil­gren­zen stim­men nicht über­all übere­in. Zudem wer­den bei der Briefwahl teil­weise mehrere Urnen­wahlbezirke zusam­menge­fasst. Ein direk­ter Ver­gle­ich ist deshalb nicht in jedem Fall möglich.

Auch über die Gründe für die Unter­schiede sagen die Ergeb­nisse zunächst nichts aus. Wer in den einzel­nen Bezirken gewählt hat und welche Rolle Alter, Einkom­men oder andere soziale Fak­toren gespielt haben, lässt sich aus der Wahlsta­tis­tik nicht able­sen.

Was bleibt, ist ein deut­lich­es Bild der poli­tis­chen Unter­schiede inner­halb Schw­erins. Zwis­chen Schelf­s­tadt und Mueßer Holz, zwis­chen Lankow, Ostorf und Werder­vorstadt ver­schieben sich die Kräftev­er­hält­nisse teil­weise erhe­blich. Das Gesamtergeb­nis der Stadt zeigt, wie Schw­erin gewählt hat. Die einzel­nen Wahlbezirke zeigen, wie unter­schiedlich.